Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 38 (17.9.1897)
- Date
- 1897-09-17
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 772 Vr. Vwch's Wochenschrift Nr. 38 dieser Feier nahm die Elite der Bevölkerung theil. Es waren unter Anderen erschienen: der rcformirte Bischof Aron K i s s im Ornate mit den übrigen Seelsorgern, der Professorenkörper des Collegiums, Bürgermeister Emerich Simonfsy, Bicegespan Julius R a t o, Senats-Präsident der königlichen Tafel Wolfgang S z e l l, die Reichstagsabgeordneten Franz Kiraly und Johann Kola. Die Jnangurationspredigt hielt Oberrabbiner Wilhelm Krauß. Gemeindepräses A. R e i ch m a n n gab Mittags ein Diner. Prag. (Israelitischer L a n d e s - L e h r e rverein in Böhmen.) Am 29. August beriethen die Mitglieder der Kaiser Franz Josef-Stiftung tue neuen Statuten des Pensionsvereines. Als Referent fungirte der Obmannstellvertreter der Repräsentanz der Landesjudenschaft Dr. Kraus aus Münchengrätz, der auch der Verfasser des vorliegenden Statntenentwurfes gewesen. Nach langen Debatten wurden manche Aenderungen in dem Entwürfe vorgenommen. — Montag den 30. August fand unter dem Vorsitze des Obmannes Sigmund Springer die 24. ordentliche Generalversammlung des israelitischen Landeslehrervereines statt. Eine so stattliche Zahl von Mitgliedern hatte noch nie an einer Generalversammlung theilgenommen, wie diesmal. In seiner Begrüßungsansprache gab der Obmann der Befriedigung des Vorstandes über die große Betheiligung Ausdruck und sprach den Wunsch ans, daß es der Vereinsleitung gelingen möge, unter Werktätiger Mitwirkung aller Mitglieder den Verein auf seiner Höhe zu erhalten. Hierauf wurde die Absendung einer Huldigungsdepefche an Se. Majestät beschlossen. Der Tätigkeitsbericht, erstattet vom Schriftführer Rabbiner M. Freund (Bodenbach), constatirt ein constantes Zunehmen der Mitgliederzahl von. 83 im Jahre 1894 auf 175 im heurigen Vereinsjahre, wonach die größte Zahl der in Böhmen angestellten Rabbiner und Lehrer dem Vereine angehören. Nach längerer Debatte wurde der Bericht genehmigt und dem Obmann, dem Schriftführer, sowie dem Gesammtausschusse Dank und Vertrauen votirt. Der vom Cassier M. Zinner (Beraun) erstattete Casfabericht des Vereines und der Darlehenscassa constatirt ein Steigen in den Einnahmen des Vereines, eine ausgiebige Inanspruchnahme der Hilfscassa, indem an unverzinslichen Darlehen 1300 fl. gegen 1039 fl. im Vorjahre, an Unterstützungen 51 fl. gewährt wurden — wurde ohne Debatte genehmigt. Der Schriftleiter des Vereinsorganes „Mittheilungen" Rabbiner M. Freund (Bodenbach) reserirte nun über sein Wirken in seinem Ressort und bat um Unterstützung durch zeitgemäße Beiträge. Dem Referenten wurde der Dank votirt. Ueber den anderen Berathungspunkt, wie der „Israelitische Landeslehrerverein" das fünfzigjährige Regierungsjubläum des Kaisers, sowie den 25jährigen Vereinsbestand begehen solle, berichtete der Schriftführer Rabbiner M. Freund (Bodenbach) und es wurden die betreffenden Anträge einstimmig angenommen. Hierauf folgten die wichtigsten Programmpunkte des Lehrertages, ein Vortrag des Rabbiners M. Freund (Bodenbach) „Unsere Organisation" und ein solcher von S. Stein (Radnitz) „Was hat das Gesetz vom Jahr 1890 uns gebracht?" Beide Vorträge wurden mit Beifall ausgenommen. Es wurde endlich beschlossen, die Wünsche der israelitischen Lehrerschaft in Böhmen betreffs ihrer precären Stellung durch Deputationen an den Cultusminister, den Statthalter von Böhmen und an den israelitischen Gemeindebund zum Ausdruck bringen zu lassen. Außer den Anwesenden haben 50 Mitglieder vom Lande, die verhindert waren, an der Generalversammlung theilzunehmen, ihre Zustimmung zu den zu fassenden Beschlüssen brieflich ausgesprochen. In die Vereinsleitung wurden, da die Vorstandsmitglieder Rabbiner M. Neumann (Wottitz) und Oberlehrer I. Fantes (Neubidschow) eine Wiederwahl abgelehnt hatten, gewählt: S. S p r i n g e r (Prag), M. F r e u n d (Bodenbach), S. Abeles (Kuttenberg), M. Zinner (Beraun), S. Hoch (Czaslau), S. L ö w y (Prag) und I. Kraus (Elbekosteletz). Mit einem dreimaligen Hoch auf den Kaiser schloß die Versammlung. Aus Anlaß der Generalversammlung fand am Sonntag den 29. August ein gemüthlicher Abend statt, der sich sehr animirt gestaltete. Vorträge der als Gäste anwesenden Herren Obercantor.G r u s k a (Weinberge) und ^Obercantor G u t m a n n (Klaussynagoge) sowie treffliche Tischreden der Herren Tr. Kisch (Prag), Rabbiner T h o r s ch (Schlan), Rabbiner Knöpfet macher (Neustraschitz), A. Schmolka (Neubidschow) trugen wesentlich zur Hebung der Stimmung bei. Der gewählte Ausschuß constituirte sich folgendermaßen: Obmann: Sigmund Springer (Prag), Obmannstellvertreter: S. Abel es (Kuttenberg), Schriftführer und Redacteur der „Mittheilungen": Rabbiner M. Freund (Bodenbach), Cassier: M. Z i n n e r (Beraun), Rechnungsführer: S. H o ch (Czaslau), Ausschüsse: David Löwy (Prag) und Josef Kraus (Elbekosteletz); Ersatzmänner sind die Herren: M. W a n t o ch, Moriz K r aus und Leopold Richter in Prag. Holleschau, 5. September. Heller Jubel herrschte am 1. September in unserer Gemeinde, als der Kaiser auf seiner Reise zum Manöver in Bistritz a. H. am Bahnhofe zu Holleschau Aufenthalt nahm und nachdem derselbe die Vertreter der Stadtgemeinde empfangen hatte, die Huldigung unserer Jfraelitenstadt und Cultusgemeinde allergnädigst entgegenzunehmen geruhte. An der Spitze der Deputation fungirte als Sprecher Se. Ehrwürdeu Herr Rabbiner Dr. Freimann, k. k. Feldprediger, welcher vom Statthalter Freiherrn Spens-Boden Sr. Majestät vorgestellt wurde. Zum Schluffe richtete der Kaiser noch einige Fragen an unseren Rabbiner, unter Anderem über die Ausdehnung unserer Gemeinde, über die Anzahl der Mitglieder, sowie über das Alter und den Zustand unserer Gotteshäuser rc. Am Samstag, den 4. September wurde anläßlich der Anwesenheit Sr. Majestät in unserem Bezirke ein feierlicher Gottesdienst abgehalten, welcher in einem herrlichen, schwungvollen Gebete ftir das Kaiserhaus und die tapfere vuterländische Heeresmacht ausklang. Als Zeichen der Zeit verdient noch folgendes Moment gewürdigt zu werden. Unsere politische Bezirksbehörde zeigt sich zwar bei jeder Gelegenheit auch den Israeliten gegenüber wohlwollend und gerecht; dennoch war sie ängstlich bemüht, uns von unserem Vorhaben, eine Huldigungsdeputation zu entsenden, mit Rücksicht auf den zunächst militärischen Zweck der Reise Seiner Majestät abzubringen. Gestützt aber auf die Huld unseres Allergnädigsten Kaisers haben wir es dennoch gewagt, mit unserer Bitte direct an die Cabinetskanzlei heranzutreten, worauf folgendes Telegramm einlief: „Vom General-Adjutanten Seiner Majestät des Kaisers und Königs. An Herrn Rabbiner Doclor Freimann in Holleschan. Seine Majestät gestatten, daß israelitische Stadt- und Cultusgemeinde auf Bahnhof Holleschau erscheint. G. D. C. P a a r." Nikolsburg. (E i n g e s e n d e t.) Die in Ihrer geschätzten Zeitschrift vom 3. September l. I. enthaltene Notiz aus Nikolsburg, betitelt „Die erste Bresche", ergänzend, erlaubt sich der Einsender dieses Nachfolgendes zu berichten. Vor 2 Jahren bereits stellte die israelitische Gemeindevertretung an den hohen k. k. Landesschulrath das Ansuchen, die Oberlehrerstelle an unserer Schule definitiv zu besetzen. Der hohe Landesschulrath wies jedoch dieses Ansuchen zurück aus dem wohlweislichen Grunde, daß damals die betreffende Oberlehrerstelle infolge der Majorität israelitischer Schüler mit einer Lehrkraft mosaischer Confession hätte besetzt werden müssen. Um die Zahl jüdischer durch katholische zu majorisiren, wurde planmäßig vorgeschritten. Zu Anfang eines Schuljahres wurden nämlich laut Beschluß des städtischen Ortsschulrathes ungefähr 60 katholische Schüler, die mehrere Jahre bereits die städtische Schule besuchten, unter dem Vorwände, daß letztere überfüllt sei, ausgeschult und zur Aufnahme an die Schule in der israelitischen Gemeinde, wo sie wohnhaft waren, gewiesen. Wohl hat auch zum nicht geringen Theile der Jndifferentismus unserer Gemeindemitglieder dazu beigetragen, daß es so gekommen. Die Mustergemeiude der Judenschaft Mährens und die ehemalige jüdische Hauptschule muß den ersten katholischen Lehrer in ihre Räume einziehen sehen! Amiti. Lemberg, 6. September. Die Verwaltung unserer Tempelgemeinde hat jetzt einen Rechenschaftsbericht über ihre Thättgkeit in den letzten drei Jahren publicirt, aus dem wir ersehen, daß während der abgelaufenen Verwaltungsperiode insbesondere das bis dahin verfallen aussehende Gotteshaus mit einem Kostenaufwande von 15.145 fl. gründlich renovirt wurde. Die Verwaltung hat in zahlreiche Gemeindeangelegenheiten lebhaft eingegriffen und bei der Regelung der Statuten die Initiative ergriffen, da es sich darum handelte, dem Fortschrittsrabbiner denselben Wirkungskreis zu sichern, wie er dem conservativen Rabbiner zukommt. In nächster Zeit wird eine seit altersher lebhaft ventilirte Frage eine principielle Lösung erfahren — die Einführung des Orgelspieles. Durch stetige Verschönerung des Gottesdienstes glaubt die Verwaltung dem in erschreckender Weise um sich greifenden religiösen Jndifferenttsmns abhelfen zu können. Berlin. (Ein antisemitischer Professor, der von seinem Gehalt nicht leben kann.) Die Antisemiten der verschiedensten Richtungen hatten am Mittwoch Abend im dritten