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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-09-17 · 38 (17.9.1897) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
38 (17.9.1897)
Date
1897-09-17
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 774 Vr. Vloch's Wvchensttzrist. Nr. 38 der jetzige» größten Mitconcurrenz von ihrer Seite doch ihren alten Werth behauptet. Dieser Aerger ist ja ganz begreiflich. Unsere geistige Ueberlegenheit straft ihre Behauptungen von der jüdischen Inferiorität oder von dem Fluche, der auf uns wegen unserer. Halsstarrigkeit lasten soll, Lügen, mit welchen sie den Racen- oder Religionshaß begründen und das Volk zu unserer Verfolgung hetzen. Wie soll es an unsere Inferiorität glauben, wenn es unseren Verstand bewundert. Oder wie soll es uns für die Gottverfluchten halten, wenn es sieht, wie der Gott unserer Väter sein Licht uns leuchten läßt und wir uns fünfzehnhundert Jahre schon blos durch den Geist erhalten. Verflucht sind nur die Blöden im Geiste. Um uns die Quellen zu verstopfen, woraus wir den Geist schöpfen, will man uns die Schulen verschließen. Nirgends tritt man jedoch mit dieser Tendenz so offen hervor, wie in Rumänien. Das Pharaonische Gesetz in Rußland gewährt wenigstens noch einem bestimmten Percentsatz jüdischer Kinder die Aufnahme in die öffentlichen Schulen; aber in Rumänien will man den jüdischen Geist ganz ausrotten und ergreift planmäßig Maßnahmen gegen unsere Kinder, welche aller Menschlichkeit spotten. Unter dem Vorwände, daß sie den hygienischen Anforderungen nicht entsprechen, ließ die Regierung gegen 300 jüdische Schulen schließen, welche mit großen Opfern von uns erhalten .wurden, um unseren Kindern doch einen Unterricht zu ermöglichen, nachdem die Staatsschulen ihnen durch so viele Beschränkungen fast wie verschlossen sind. Und was nützen auch unsere Schulen, die wir nur mit Anstrengung aller unserer finanziellen Kräfte erhalten, wenn die Kinder derselben, mögen sie noch so vorzüglich mit dem nöthigen Volksschulwiffen ausgestattet sein, weder höhere Lehranstalten besuchen, noch ein Handwerk lernen, nicht einmal Handlungsgehilfen werden können, denn welche Carriere der Knabe nuch ergreifen mag, muß er ein Zeugniß der Volksschule haben; während aber den christlichen Kindern diese Zeugnisse unentgeltlich verabfolgt werden, haben jüdische Kinder, für Arme unerschwingliche Taxen dafür zu erlegen. Man will unseren Kindern jede Carriere versperren, daß sie durch Noth und Elend stumpfsinnig werden. Wir sind nicht gleichgiltig gegen diese Gefahr für unsere Zukunst, sondern kämpfen mit allen gesetzlichen Mitteln dagegen. Wir haben Notabeln an den König entsendet, die in ihrer Beschwerde hervorhoben, daß ja auch die jüdischen Kinder berufen sind, Soldaten, Vertheidiger des Vaterlands und der Dynastie zu werden. Die Antwort des Königs lautete: „Ich weiß Alles, aber ich bin constitutioneller Monarch und kann nichts thun; die Minister sind für ihre Handlungen verantwortlich". Es wurden in allen größeren Städten jüdische Volksversammlungen abgehalten, um gegen die Tyrannei an unseren Kindern zu protestrren, und in allen diesen Meetings erpreßte der Jammer der erst mannwerdenden Generation den Rednern die herbsten Ausdrücke gegen die Regierung. Es wurden zu der »Egalitatea« noch zwei neue Blätter, >:Pamentanul« in Galatz und die »Emancipatea« in Bukarest gegründet, welche in "rumänischer Sprache die Sache der Inden vertheidigen, die öffentliche Meinung im Lande für Recht und Gerechtigkeit gewinnen und die Augen Europas aus die rumänischen Gräuel lenken sollen. Werden aber alle diese Kämpfe irgend ein günstiges Resultat haben? Der größere Theil der jüdischen Bevölkerung Rumäniens bezweifelt es und hat sich daher mit Leib und Seele der zionistischen Bewegung angeschlosien. In allen Städten Rumäniens befinden sich Comit^s des Chowewe-Zion-Vereines. Die Mitglieder bringen große Opfer an Geld und auch Nichtmitglieder tragen reichlich bei, um ein großes Territorium im heiligen Layde für die rumänischen Juden anzukaufen und sie von den furchtbaren Verfolgungen, denen sie hier ausgesetzt sind, zu befreien. Mehr als zehntausend jüdische Familien sind bereit, Rumänien zu verlassen, um ihren Kindern wenigstens ein menschenwürdiges Dasein zu verschaffen. Die Entvölkerung des Landes, die Lahmlegung seines Handels, der Entgang seiner Einkünfte, mit einem Worte das Schicksal Spaniens steht Rumänien bevor, wenn es nicht bei Zeiten noch vor diesem warnenden Mene-Tekel der Stimme der Gerechtigkeit, wenigstens in Bezug auf unsere Jugend Gehör schenkt. Wird die Regierung dies thun? Ihr Patriotismus ist ja eben eine solche Lüge, wie ihre Christlichkeit, womit sie ihren Judenhaß drapirt, und um diesen zu befriedigen, huldigt sie scrupellos dem Grundsätze: »Apres nous le deluge«. Warschau, 7. September. Im Anschluß an meine letzte Correspondenz theile ich Ihnen als Ergänzung mit, daß die geistlichen Würdenträger der katholischen und evangelischen Confession den Majestäten im Schlosse zu Lazienka vorgestellt wurden. Wer sich darum, nicht bemühte, waren natürlich wiederum — die Juden. Diese unter solchen Umständen strafwürdige Indolenz des Vorstandes hat bei den besseren Elementen der Gemeinde sehr viel Aufregung hervorgerufen. In Folge dessen sott sich jetzt ein Verein bilden, der sich zur einzigen Aufgabe macht, die Interessen der hiesigen Gemeinde zu wahren und jedesmal, wenn ein öffentliches Auftreten zum Wohle der Juden nothwendig, den Vorstand darauf aufmerksam zu machen und ihn zum activen Eingreifen zu veranlassen. Da die Idee des Vereines von ernsten, thatkräftigen Männern ausgegangen ist, verspricht man sich von seinem Wirken den besten Erfolg. Es wäre sehr zu wünschen, daß diese Hoffnung sich nicht als trügerisch erweist. Kaiser Nicolaus II. sagte bei seiner Thronbesteigung: „Alle Unterthanen meines Reiches sind meinem Herzen gleich theuer." Es sind dies schwerwiegende, vielverheißende Worte, denn selbst die größten Gegner der Juden ziehen ihre Unterthanentreue nicht in Frage. »La tortune trappe une fois ä chaque porte.« Die weise Kunst des Staatsmannes besteht eben darin, diesen einen Augenblick zu ergreifen und ihn in seiner Fülle auszunützen. Und noch eines Grundsatzes sollten die Juden eingedenk sein: es ist schön, im Unglück anszuharren, -es ist lobenswerth, aus ein gütiges Geschick zu hoffen, aber nicht umsonst heißt es: »Aide toi, Dieu t’aidera« Die von Außen gekommene Hilfe kann nur dann von Nutzen sein, wenn man im Volke die Selbstwürde erstarken und den Wunsch nach Selbsthilfe sich bethätigen sieht. X. Vermischtes. Wien. (T r a u u n g.) Sonntag den 19. d. M. findet im israelitischen Tempel zu Baden, um halb 1 Uhr Nachmittags, die Trauung des Fräulein Rahel Friedmann, Tochter des Herrn Lector M. F r i e d m a n n, mit Herrn Alfred -Edelstein statt. Die Trauung des Fräuleins Mathilde G r o a g, Tochter des Directors der Depositenbank, mit Herrn Ingenieur Victor Popper findet am 19. September statt. Die Trauung der Tochter des Malers Leopold H orovitz, Fräulein Sophie, mit Dr. Med. Anton Natanson aus Warschau wird Sonntag den 19. d. M., 1 Uhr Nachmittags, im israelitischen Tempel in Wien (L, Seitenstettengasse) stattfinden. Wien. (Bermälung.) Der Dichter S. Fritz (Fritz Singer) hat sich nrit Frau Marianne I e i d e l s vermält. Wien. Se. Majestät der Kaiser hat den Hof-Cellisten Heinrich Grünfeld durch Verleihung des St. Anna-Ordens Hl. Classe ausgezeichnet. Wien. Fräulein Emmy v. Taussig, Tochter des Directors der Bodencreditanstalt Herrn Theodor Ritter v. Taussig, hat sich mit Herrn Fritz Redlich, Chef der Firma Brüder Redlich und Berger, verlobt. Wien. (F e r i e n h e i nt.) Die sämmtlichen Colonien sind bereits eingerückt, und zwar trafen am 6. September 50 Knaben aus Schattmannsdorf in Ungarn, am 7. September 65 Knaben aus Rossitz und am 9. September 55 Mädchen aus Petrau in Mähren hier ein. Das Aussehen der Kinder ist durchwegs ein vortreffliches und die Gewichtszunahme durchschnittlich eine sehr befriedigende. Auch aus den Curorten Baden, Hall und Darkau sind die dahin erttsendeten Gruppen geheilt und in bestem Gesundheitszustand zurückgekehrt. Wien. Der „U n i o n-K a l e n d e r" für das Jahr 5658 (1897/98) ist soeben erschienen und wird noch vor den Feiertagen versendet. Wien. (A u s w e i s.) Eirtgegangetre Spenden zum Baue eines Tempels in der Brigittenau. Von den Herren: König Preinhölder & Co. 10 fl., G. Kohn & Sohn 5 fl., Franz Albrecht 5 fl., Patrik Meixner 5 fl., Allerhand 5 fl., Karl Kral 5 fl., M. A. Roubitschek 5 fl., F. Landau 5 fl., I. Vogelhut 5 fl., Will). Hirsch 5 fl.,. S. Feuer 5 fl., Anton Berger 5 fl., S. Steiner 5 fl., I. Löwy 5 fl., M. Trisko 5 fl., S. Feuer 5 fl., Jacob Kohn 5fl.,G. Steiner & Co. 5 fl., Ignaz Kohn, Jedlesee, 3 fl. Zusammen 95 fl., bereits ausgewiesen 12.010 fl., im Ganzen 13.105 fl. Wien. In Folge des Inserates „Große Noth" über eine in den erbärmlichsten Verhältnissen gebende kränkliche blinde

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