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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-09-17 · 38 (17.9.1897) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
38 (17.9.1897)
Date
1897-09-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 38 Vr. Bloch'» MochrnschrM Gette 767 wäre, so daß die Juden nur die Tyrannei vertauscht hätten. Die orientalische Intoleranz ist viel gefährlicher und rücksichtsloser als eine europäische. Die Lösung des Judenstaat-Problems erscheint mir minder wichtig — und hiebei blickte Zadok Kahn, auf den Canal la Manche hinaus — als eine Brücke über den Canal... Der Mainzer „Israelit" schreibt: „Mit Aufmerksamkeit sind wir den Verhandlungen des Congresses in Basel gefolgt, wir bemühten uns ernst und unbefangen die nicht unbedeutende Bewegung zu prüfen, von der jene internationale Versammlung der Welt ein Bild geben sollte, wir hörten Leute an, die schon vor dem Congreß begeisterte Wortführer oes Zionisnms waren, die in Basel von der überströmenden Begeisterung der dort vereinten buntscheckigen Menge sich fortreißen ließen, und wir sind Gegner des modernen Zionisnms geblieben umso entschiedener, je klarer wir die ganze Angelegenheit überschauen und durchschauen. Unsere Ansicht, daß wir es mit einer Art pseudo-messianischen Bewegung zu thun haben, ist befestigt worden durch die unklare Schwärmerei, welche den Grundton so vieler Baseler Redner bildete und von welcher auch schon vorher keine zionistische Schrift sich freihalten konnte. Wir waren durch den blindwüthigen Fanatismus und die ungerechte Feindseligkeit, mit welcher die Gegner in Wort und Schrift behandelt wurden, erschreckt, sagten uns aber, daß nach den Lehren der Geschichte man bei solchen Strömungen nichts Anderes erwarten darf. Wir haben unseren Lesern Gelegenheit geboten den Verhandlungen in Basel zu folgen, wir haben ihnen sogar an dieser Stelle die Ausführungen eines trefflichen Mannes übermittelt, der durch den Congreß ein Freund eines Theiles der zionistischen Bestrebungen geworden war. Wir haben diejenigen zuerst sprechen lassen, welche nicht unsere Ansicht theilen und vertrauen auf den gesunden Sinn unserer Leser, daß dessenungeachtet unsere Darlegung bei ihnen Würdigung und Beachtung finden^werden." „Wir reden vom „Judenstaat" Herzl's. Dieses in geistreicher Weise aber sehr lückenhaft begründete Postulat Herzl's ist am leichtesten zurückzuweisen. Es wird in erster Linie daran gedacht, daß die Inden Palästina erwerben sollen, um dort einen unabhängigen oder snzeränen eigenen Staat zu gründen. Dieses ist aussichtslos. Wir wollen einmal in dem Grade Optimisten sein, daß wir annehmen, die orientalische Frage spitze sich so zu, daß entweder die Mächte aus Palästina einen neutralen Pufferstaat gründen möchten oder daß es in die Politik der Pforte paßte, uns das Land unserer Väter zu überlassen. Würden nicht die Vertreter all der Religionen, die in Jerusalem eine heilige Stätte sehen und deren größten Heiligthümer die heilige Stadt und das heilige Land birgt, würden sie nicht e i n e n S t u r m gegen die I u d a i s i r u n g P a l ä st i n a s entfesseln, dem gegenüber die einflußreichsten Politiker schleunigst die Segel streifen müßten? Man wird uns erwidern: Nun so sehen wir von Palästina ab und gründen unseren Staat auf einem anderen Stückchen Erde. Wo soll dieses Land liegen, wo ist es auf der aufgetheilten culturfähigen Erde zu finden? Wir folgen den Schwärmern immer noch. Wir denken uns, man fände einen Boden für ein jiidisches Reich, wir erfüllen uns mit soviel Phantasie, daß wir uns in die Vorstellung hineinleben, unser Reich sei schon gegründet, zugegeben auf derselben staatswirthschaftlichen Grundlage, die Herzl in seinem Büchlein entwickelt. Was dann? Wird es dieser Staat zu politischem Ansehen, zu einer auch nur bescheidenen Machtstellung bringen können? Werden wir es in Bezug auf unsere politische Stellung weiter bringen können, als Serbien, Bulgarien oder im günstigsten Falle Rumänien? Wird ein solcher Staat stark genug sein, die in der Diaspora verbleibende Judenheit zu schützen? Wird er völkerrechtlich überhaupt dazu im Stande sein, für die im Ausland Wohnenden, die seine Bürger und Unterthanen nicht sind, eine erfolgreiche Action auch nur zu beginnen? Nein, nützen wird er den jüdischen Ausländern nichts, er kann ihnen nilr schaden." „Es gibt Gestaltungen der Weltpolitik, wo kein Staat, selbst ein neutraler, es vermeiden kann, für das -eine oder das .andere Land, für eine Staatengruppe gegen eine andere Stellung zu nehmen. Nehmen wir an, der „Judenstaat" sympathisire während eines Eonflicts Rußlands und Englands für letzteres. Würden das die in Rußland verbliebenen Juden nicht schwer zu empfinden haben? Denken wir nur an politische Verhältnisse, wie die heutigen es sind, und unser Staat stehe mehr auf Seite des Dreibundes. Glaubt man nicht, daß die „Zweibundjuden" darunter zu leiden hätten, und im umgekehrten Falle die Juden, die in den Ländern des Dreibundes wohnen? Das ist alles schon zu befürchten, wenn Palästina nicht das Land ist, wo das utopistische Project verwirklicht wird. Und nun gar, wenn es uns trotz alledem und alledem gelingen sollte, mit menschlichen Mitteln die Herrschaft Palästinas an uns zu bringen und wir dort, um mit Herz l zu reden, die Ehrenwache der Heiligthümer fremder Religionen bilden würden. Wird man nicht mit Argwohn zu uns hinüberblicken? Wird es zu vermeiden sein, daß nicht einmal christliche'oder mohammedanische Pilger durch Fehler untergeordneter Beamten mit Recht oder Unrecht sich gekränkt fühlen? Ist dann nicht zu befürchten, daß eine solche Nachricht, vielfach übertrieben und entstellt, wie ein Lauffeuer die Länder des Ehristenthums oder des Islams durcheilt und von unseren Feinden in eine furchtbare und entsetzliche Waffe gegen uns verwandelt wird? Liegt es nicht nahe, daß in Folge eines solchen schwer zu vermeidenden Vorkommnisses einmal über Stacht der ganze mit soviel Mühe gegründete Judenstaat hinweggefegt wird? Wir danken für die undankbare und gefährliche Aufgabe, Jahr aus Jahr ein ftemde Schätze zu bewachen." Ein Berichterstatter aus Basel schreibt über seinen Eindruck demselben Blatte: „An Begeisterung fehlte es überhaupt bei diesem Congresse nicht» Brach doch bei jedem möglichen und unmöglichen Anlasse, bei gewissen Rednern und bei einzelnen'Schlagwörtern mit pünttlicher Regelmäßigkeit ein wahrer Beifallssturni los." „Begeisterung für ein Ideal ist ja eine schöne Sache, zumal in unserer materiellen Zeit, der man so oft jeden Sinn für ideales Streben abspricht. Besonders für einen Juden, der auf sein Judenthum noch etwas hält, ist es nach den trüben Erfahrungen der letzten Jahre wirklich herzerfreuend, zu sehen, wie intelligente Männer, zum Theil in reiferem Lebensalter, ihren früheren Jndifferentismus anfgebend, sich auf einmal stolz als Juden bekennen; wie sie einer specifisch jüdischen Bewegung ihre Kräfte widmen und für die Rettung und Befreiung ihrer bedrängten Brüder aufopfernd eintreten." „Doch mit Begeisterung allein ist es nicht gethan.' Ungeheure Schwierigkeiten würden sich der Verwirklichung des zionistischen Ideals entgegenstellen, kaum ein Redner ist darauf erngegangen; geschah es einmal, so verhallte es wirkungslos im allgemeinen Rausche des Enthusiasmus. Glaubt man denn wirklich, daß die Christen, die doch in Palästina auch ihr heiliges Land erblicken, die in den Kreuzziigen jahrhundertelang um den Besitz desselben gekämpft, auf einmal großmüthig die Besitzergreifung Palästinas durch die Juden znlassen werden, selbst wenn der Sultan, dessen Huld und Gnade man während der Verhandlungen nicht genug rühmen konnte, damit einverstanden sein sollte? Soll ja schon der Pap st, wie französische Blätter zu berichten wissen, P r o t e st erhoben haben. Haben ferner die Herren denn ganz den Glauben an den Fortschritt und die Entwicklung der Menschheit verloren, daß sie jede Hoffnung auf Verschwinden von Antisemitismus und Judenhaß anfgeben? Kann man überhaupt über eine verhältnißmätzig so junge Errungenschaft, wie die Emancipation, heute schon ein endgiltiges Urtheil fällen? Mit welchem Wohlwollen hat Alexander II. von Rußland die Juden überhäuft, hält man es denn für ganz ausgeschlossen, daß solche Zeiten wiederkehren und daß die Wendung eine andauernd günstige bleibe? Auch über den hohen Grad, inwieweit die Assimilation unter den Inden vorgeschritten, täuscht man sich zweifellos in zionistischen Kreisen, wenn man behauptet, daß in kürzester Zeit das bloße Zusammenwohnen in Palästina einen Ausgleich zwischen Ost- und Westjuden herbeiführen, ein einheitliches nationales Gepräge dem jungen Staate aufdrücken würde." Willy Bambus, ein Theilnehmer des Congresses, schreibt in der „Jüd. Presse" über die Resultate: „Der Congreß hat weder die Erwartungen, noch die Befürchtungen gerechtfertigt. Unterstützt von der weitaus überwiegenden Mehrzahl der Anwesenden und zumal von allen denjenigen, denen ihre Stellung im Leben, das Gewicht ihrer Persönlichkeit und die Zahl ihrer Mandatare Bedeutung verleihen, hat Herr Dr. Herzl in die Bahn der Compromisse eingelenkt. Unter dem Zeichen des „Judenstaates" war der Congreß ursprünglich einbernfen worden, schon in dem modificirten Programm wurde dieses meistumstrittene Thema ausgeschieden, und in der That geschah des „Judenstaates" während der ganzen Verhandlung kaum mit einem einzigen Worte Erwähnung. Auch sonst wurde weise Zurückhaltung geübt, wie z. B. Angriffe gegen die bisherige * Art der Colonisation, gegen die Regierung des Staates, in dem unsere Glaubensgenossen den ärgsten Rechtsbeschränkungen unterliegen, fast vollständig unterblieben. Matzvoll wie das Programm, gestalteten sich die Beschlüsse, und der wichtigste, die „Schaffung einer öffentlich-rechtlichen Heimstätte in Palästina", ist derartig gehalten, daß ihm auch diejenigen principiell beistimmen können, denen dieMittel, welche Dr. Herzl zur Erreichung dieses Zieles anwenden will, nicht die allein richtigen scheinen. Tie Versuche einer kleinen, zungengewandten, fast durchgehend-- aus russischen und österreichischen Studenten bestehenden Minorität, welche durch Hineinlragung der „Judenstaat"-Jdee eine Verschärfung jenes Beschlusses herbeizuführen bemüht war, hat Tr. Herzl mit Erfolg, wenngleich manchmal nicht ohne Mühe, zurückweisen können. Kleinere turbulente Scenen, welche von dieser rührigen Minderheit hervorgerufen wurden, haben den Gesammteindruck des Congresses nicht zu stören vermocht, und daß dies nicht der Fall war, ist in erster Reihe der concilianten Führung des Präsidiums durch Dr. Herzl zu danken." „Dagegen hat der Congreß nach drei Richtungen schon gegenwärtig Namhaftes erreicht: er hat sich zu einem scharfen Verdick über die schwere Geißel unserer Tage, über den unseligen Jndifferentismus in unserer eigenen Mitte, zu einer flammenden Protestkundgebung gegen jegliche Form des Antisemitismus nach Außen und vor Allen zu einem unüberhörbaren Nothschrei der Brüder im Osten gestaltet." Die „Allgemeine Zeitung des Judenthums" von Dr. Karpeles schreibt in einem Leitartikel: „Der Zionistencongreß'Jst vorüber, und man wird nun daran gehen, sich mit den praktischen Resultaten desselben zu befassen.

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