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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-09-17 · 38 (17.9.1897) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
38 (17.9.1897)
Date
1897-09-17
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 766 Vr. Vlortz's MochrntchrM. Nr. 38 ledig ist. Von seinen beiden Söhnen ist der ältere, Sigmund, ein geachteter Universitätsprofessor und der jüngere, Ludwig, der bekannte Hof- und Gerichts advocat in Wien und die Tochter, bei der er jetzt lebt, bildet ein angesehenes Haus in Teplitz- Schönau. Er kann also in seinem gegenwärtigen buen Retiro seine geistigen Fähigkeiten noch entfalten und aus der Ruhe Labsal und Stärkung zu neuen Arbeiten schöpfen. Zu besonderem Danke glauben wir aber mit dieser Jubiläumsanzeige die persönlichen Freunde des Jubilars zu verpflichten, deren Zahl Legion ist, denn wer mit Herzberg-Fränkel verkehrte, der muß ihn als Menschen nicht weniger wie als Schriftsteller schätzen, und wie seine literarischen Arbeiten in dem Zauber der Poesie getaucht sind, so zog seine Persönlichkeit in ihren Bannkreis Alle, die Gelegenheit hatten, ihn kennen zu lernen, sowohl in seinem halbhundertjährigen amtlichen Wirken, wie in seinem privaten Umgang. Herzberg-Fränkel ist ein guter Mensch und hat seine Liebenswürdigkeit im Verkehre bis in das sonst moröse Alter hinein bewahrt. Möge sie ihm, wie seine Geistesftische, noch lange Jahre bewahrt bleiben! Vom Jahrmarkt des Lebens. Ungleiches Mast, ungleiches Recht. Der Wiener Stadtrath hat gegen die Entscheidung der Baudeputation, betreffend die Bewilligung zur Erbauung einer Synagoge in der Neudeggergaffe, Bezirk Josefstadt, den Recurs an das Ministerium überreicht. Der Stadtrath müßte sich seiner so viel angefeindeten Existenz schämen, wenn er zitsähe, wie unter feinen Äugen neue Synagogen entstehen. Die Vermehrung der Gotteshäuser im VerhÄtnisse zu dem angeblich gestiegenen religiösen Bedürfnisse des Volkes bildet zwar den ersten und wichtigsten Punkt eines gewissen, in feierlichster Weise proclamirten Bürgermeister- Programmes. Allein dieses religiöse Bedürfniß scheint nur bei Katholiken vorausgesetzt zu werden, denn während die Commune Unsummen für die Erbauung von katholischen Kirchen bereitwillig gewährt, sucht sie den Bau einer Synagoge um jeden Preis zu verhindern, zu deren Herstellung sie um keinen rothen Heller angegangen wurde. Ein Mitarbeiter des „Deutschen Volksblatt" — in jüdischen Diensten. Unter dieser Spitzmarke haben wir über die Ehrenbeleidiguugsklage berichtet, welche Johann I n d r i ch gegen den in der Kanzlei des Herrn Dr. Heinrich Sieger bediensteten antisemitischen Sollicitator Emil Winter angestrengt hat. Wir sind unseren Lesern den Bericht über den Ausgang dieser Strafsache schuldig. Emil Winter wurde am 31. August vom Bezirksgerichte Alsergrund der Ehrenbeleidigung schuldig erkannt, zu 25 fl. Geldstrafe, eventuell fünf Tagen Arrestes und zur Tragung sämmtlicher Kosten verurtheilt. Das traditionelle „Unglück", welches alle antisemitischen Ehrabschneider im Gerichtssaale verfolgt, hat auch vor Dr. Emil Winter nicht Halt gemacht. Der Vertreter des Privatanklägers Dr. Zweigenthal wies mit Entrüstung auf das vollständige Mißlingen des vom Angeklagten mit so viel Applomb angekündigten Wahrheitsbeweises hin. Dr. Zweigenthal betonte, daß die vom Angeklagten geführten Zeugen. Herr Dr. Ludwig Deutsch, Herr Tullinger und dessen Tochter die Behauptungen Winter's geradezu für unwahr erklärten und ihrem Beftemden darüber Ausdruck gaben, daß der Angeklagte es wage, sie für derartige Behauptungen als Zeugen zü führen. Nachdem Dr. Zweigenthal die strenge Bestrafung des Angeklagten beantragt und Herr Emil Winter ganz zerknirscht einige unzusammenhängende Worte gestammelt hatte, aus welchen nur mühsam entnommen werden konnte, daß er bereue und das Gericht um Milde anflehe, fällte . der Richter, den Standpunkt des Dr. Zweigenthal acceptirend, das eingangs erwähnte Urtheil. Wer geglaubt hätte, daß dieses Urtheil von Herrn Ernst Bergani nicht unterschlagen werden wird, hat die Rechnung ohne die Mühldorfer Gewohnheiten Vergani's gemacht; von diesem Urtheil weiß das „Deutsche Volks blatt" kein Sterbenswörtchen zu berichten. Und der christlich-sociale Rufer im Streite Emil Winter hat demüthig das Urtheil acceptirt und keine Berufung angemeldet. Mittermayer stiehlt — Brieftaschen, Bergani — Obligationen, Emil Winter — die Ehre! Rar uodiie tratrum! Weg mit den fremden Taufnamen nuferer deutschen Mädchen! Unter diesem Schlagworte schreiben antisemitische Blätter: Die Namen, die die Mädchen in der Taufe erhalten, bilden einen schauderhaften Mischmasch aus allen möglichen Sprachen. Hauptsächlich sind diese der griechischen, lateinischen und zum großen Ueberfluß auch der jüdischen Sprache entnommen. Aus der griechischen Sprache stammen unter Anderen folgende Namen: Dorothea, Doris, Eleonore und Laura, Helene und Katharina, Melanie u. s. w. Der lateinischen Sprache sind entnommen: Beate, Benedicta, Desideria, Esperanza, Angelika, Auguste, Aurora, Clara, Clementine, Emilie, Francisca, Leonie, Lucie, Margarethe, Natalie, Ottilie, Pauline, Rosalia, Sabine, Ursula, Felicitas und ähnliche. Der jüdisch e n Sprache entstammen : Josefa, Anna. Elisabeth, Johanna, Gabriele, Martha, Maria, Susanna u. s. w. — Was sagen dazu unsere „Josefinen", „Annen" und „Marien!" Sie werden sich nolerm volen8 umtaufen lassen müssen; denn ein unverfälscht deutscher Jüngling wird mit einem Mädchen, das einen der jüdischen Sprache entnommenen Namen trägt, nichts zu thun haben wollen. Die Abschaffung der „Anna" wäre übrigens ein schwerer Schaden für viele christlichen Geschäftsleute; wie viel Bouquets, Visitkarten rc. werden nicht an diesem Namenstage versendet? Es entfiele das Annenfest auf dem Kahlenberge, die ungezählten Annen-Kränzchen. Wie viel deutsche Fürstinnen heißen nicht: Anna, Johanna und Elisabeth. Bismarck und sein Pefter Buchhändler. Der „Pester Lloyd" schreibt: „Der Pester Antiquar Ludwig Hörowitz, der mit dem Fürsten Bismarck seit einem Vierteljahrhundert in geschäftlicher Verbindung steht, überraschte seinen Geschäftsfreund dieser Tage mit einem Druckheft, das im Jahre 1784 edirt wurde und den Titel führt: „Marie von Bismarck oder Liebe über Liebe". Das Druckheft, das über das genannte Mitglied der Familie Bismarck außerordentlich interessante, die Geschichte des Fürstenhauses ergänzende Einzelheiten enthält, bereitete dem Fürsten Bismarck so lebhafte Freude, daß er in einem eigenhändig unterfertigten Briefe seinen Dank für dessen Aufmerksamkeit und das dem Fürsten „so lange bewahrte Wohlwollen" ausdrückte." _ Stimmen der jüdischen öffentlichen Meinung über den Zionisten-Congretz in Basel. Der Großrabbiner von Frankreich und der Zionismus. Paris, 12. September. Der Correspondent der Wiener „Montags-Revue" war in der Lage, ein Interview mit dem derzeit in einem Seebade weilenden Großrabbiner von Frankreich, Zadok Kahn, zu haben. Der Großrabbiner sagte: „Ich kenne Herzl; sein Enthusiasmus ist mir sympathisch, doch seine die Detailfragen des Judenstaates mit wichtiger Miene behandelnde Methode erinnert mich an jene drollige Conversation der Eltern, die ihren ungeborenen Kindern die Carriöre vorzeichnen wollen. Herzl griff die Idee auf, die vor einem halben Menschenalter der Odessaer Dr. P i n s k e r zu propagiren suchte. Damals entstanden in Palästina jüdische Bauerncolonien, welche ohne Hilfe des Großcapitals trotz Fleißes der Colonisten zu Grunde gegangen wären. Darum war es Undank seitens der Baseler Herren, gegen die Financiers loszuwettern. Herzl ist eigentlich nur ein Ralliirter des Zionismus; sein Apostolat ist aus der Nationalökonomie hervorgegangeu. Argentinien oder Palästina — dieser Eventual- Messianismus charakterisirt die ganze Richtung. Wir Franzosen halten treu und ohne Reserve fest an dem Fundamentartikel des Sanhedrin von 1807. Jeder Franzose ist religieusement verpflichtet, Frankreich als sein Vaterland zu betrachten. Wir verkennen nicht, daß in Rußland, Rumänien und auch anderswo noch mittelalterliche Zustände herrschen, aber auf der Suche nach einem Vaterlande sollen nicht alle Wege nach Palästina führen. Sociale und sprachlich homogene Gruppen möge man zielbewußt nach Palästina dirigiren: Ich denke vorerst nur an die osteuropäischen Juden nichtdeutscher Zunge. Diese Gruppen mit der Bevölkerung von Palästina sich assimiliren lassen — dazu sage ich Amen, aber der Versuch der Bildung eines Staates birgt unendliche Gefahren in sich, deren nicht geringste die der Intoleranz eines theokratischen Despotismus

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