Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 37 (10.9.1897)
- Date
- 1897-09-10
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Sette 758 Vr. VUntz » Wochrntttzrifi Nr. 37 Wien. (Auszeichnung.) Dem Redactenr des „Neuen Wiener Tagblatt", Herrn Bernhard M ü n z, wurde vom König von Serbien der St. Sava-Orden verliehen. Wien. Die Direction des polnischen National-Musenms in Rapperswyl (Schweiz) hat den Wiener Publicisten Dr. Joseph Z i p s e r zum correspondirenden Mitgliede des Museums gewählt. — Die Trauung der Tochter des Malers Leopold H o r o v i tz, Fräulein Sophie, mit Dr med. Anton Nata ns o n aus Warschau wird Sonntag den 19. d. M., 1 Uhr Nachmittags, im israelitischen Tempel in Wien (l., Seitenstettengasse) stattfinden. — Die belgische Regierung hat in die Jmy superieur der Brüsseler Weltausstellung Herrn Isidor Gutm ann de Gelse als Vertreter der österreichisch-ungarischen Monarchie ernannt. Die erste Sitzung der Jury findet am 6. d. M. statt. W»en, am 9. September. Die Leitung der jüdischen akademischen Lesehalle, IX.. Müllnergasse 5, ersucht jene jüdischen Familien, welche für das kommende Schuljahr erprobte und gewissenhafte Lehrkräfte suchen und zugleich Werth daraus legen, dadurch arme jüdische Studenten zu unterstützen, sich behufs Vermittlung solcher an die obige Adresse zu wenden. Auskünfte werden jederzeit bereitwilligst ertheilt. Neuheit in Losvh lia sehona Wunschkarten. Von der in den Geschäftskreisen bekannten Papier- und Schreibwaaren-Firum Carl P i cf, Wien, II 1, Taborstraße 8, (neben der Productcnbörse) sind illustrirte Postkarten mit den Monumentalbauten der Wiener Tempel, die gleichzeitig mit hebräischem Nenjahrswunsch versehen sind, in Handel gebracht worden. Die Karten sind nach Original- Photographien geschmackvoll ausgeführt und werden gewiß den Beifall des P. T. Publicums finden, insbesondere da mit illustrirten Postkarten jetzt ein großer Sport getrieben wird. Wien. (Todesfall.) Sonntag, am 5. September ist hier der Steinmetzmeister und beeidete Schätzmeister Herr- Michael Sonnenschein einem längeren schmerzvollen Leiden erlegen. Der Heimgegangene war nicht blvs tüchtig und wohlrenommirt in seinem Berufe, sondern auch wegen seines Charakters und seiner humanen Gesinnung allgemein geachtet. Der Familie des Verblichenen sind viele Beweise der Sympathie und der Theilnahme zugekommen, welche sich auch in der zahlreichen Betheiligung an der Beerdigungsfeierlichkeit kundgegeben. Friede seiner Asche! Wien—Währing. Am 31 v. M. feierte Herr Wilhelm San Rabbiner der Cultusgemeindc Wien für den XV1I1. und HX. Bezirk, in stillster Zurückgezogenheit sein 70jähriges Geburtsfest. Trotz der in diesem hochgeschätzten Blatte seinerzeit veröffentlichten „Zurückschiebung" dieses Festes auf das Jahr 1896 wurde die iu allzugroßer Bescheidenheit des hochgeehrten Jubilanten beabsichtigte Irreführung seiner zahlreichen Verehrer dennoch vereitelt. Von Nah und Fern kamen unserem verehrten Herrn Rabbiner Beweise der Liebe und Hochachtung entgegen. Die größte Ucberraschung, die höchste Ehrung wurde dem Jubilanten seitens des hochgeehrten Vorstandes der löblichen israelitischen Cultusgemeinde bereitet. Die Herren Religionslehrer planen, ihrem ältesten Mitgliede eine Ovation darzubringen. S. Weiß städtischer Lehrer. Prag, August. Seine Majestät der Kaiser hat geruht, dem hiesigen Großindustriellen Seligmanu E l b v g e u den Titel eines kaiserlichen Rathes zu verleihen. Derselbe lvurde schon früher durch die Verleihung des Franz Josef-Ordens ausgezeichnet. E l b o g e n ist auch Mitglied der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde-Repräsentanz. Tebrecznr. In dem Feuilleton des hiesigen politischen Tagblatt „Debreczen" werden seit längerer Zeit die „Prager Ghettobilder" von S. Kohn ungarisch veiöfsemlicht. Dieselben, welche in der Reclam'schen Uuiversalbibliolhek erschienen sind, werden nicht nur als das weitaus beste, das je in diesem Genre geschrieben wurde, bezeichnet, sondern werden unter die hundert besten Werke der Weltliteratur aufgezählt. Kremsicr, 1. September. Auf der Durchreise nach Bistritz a. H. geruhte der Kaiser in Hullein den Rabbiner Dr. Frankl als Vertreter der israelitischen Cultusgemeinde in Kremsier huldvollst anzusprechen. Nachdem der Rabbiner dem Kaiser den Segen ertheilt hatte, stellte dieser noch einige Fragen, so über die Dauer seiner Amtswirksamkeit. Koltn, Samstag, am 18. d. M., begeht Herr Moritz Kulka das Jubiläum seiner 30jährigen Amtsthätigkeit als Obercantor in obbezeichneter ehrsamer Gemeinde. A. K. Innsbruck. Am 29. August fand in Innsbruck im neuen israelitischen Tempel in der Anichstraße die Hochzeit der Tochter des Religionslehrers der Wiener israelitischen Cultusgemeinde und Obercantors a. D. Herrn Proffessor Emil Fränkel (Besitzer des Sulzerhauses in Hohenems) Fräulein Rachel Fränkel mit Herrn Julius Weiß Capellmeister zu Wien statt. Religionslehrer Professor E. Fränkel traute selbst, und hielt eine tiefergreifende Ansprache; die Bcnedictionen recitirte Religionslehrer Professor Schulhof. Das Hochzeitsmahl fand in der Wohnung des Innsbrucker Rabbiners statt/ Tie Innsbrucker Israeliten haben nun ihren schönen Tempel, und ist es nur eine Frage der Zeit, und die Landeshauptstadt Tirols tvird auch der Sitz des Rabbinats für Tirol und Vorarlberg sein. In den Städten Innsbruck, Bozen, Meran und Trient gehen die Israeliten einer schönen Entwicklung entgegen, und ist die Intelligenz, der Wohlthätigkeitssinn und das jüdische Herz unserer dort eingewanderten Glaubensgenossen beachtenswerth. Hamburg. Die Rischon le Zion-Weine haben auf der hiesigen Ausstellnug die erste Medaille erhalten. Königsberg i. Pr., August. Die antisemitische „K ö u i g s b e r g e r V o l k s z e i t u n g" ist nach nur dreiwöchentlichem Erscheinen sanft entschlafen. Haag, August. Bei der Nachwahl iu dem benachbarten Wahlkreise Enschede wurde in der Stichwahl ein Socialdemokrat gegen den ultramontanen Candidaten geivählt. Darüber herrschte in katholischen Kreisen große Erbitterung, und da man sie an anderen Dingen nicht anslassen konnte, so demonstrirte der Pöbel gegen die Juden. In O l d e n z a a l begnügte man sich damit nicht, sondern warf den Inden auch noch die Fensterscheiben ein. Dabei sind die Juden an der Wahl des Socialdemokraten entschieden unschuldiger, als der katholische Pöbel! Paris. Bei der Trauung des Fräuleins Madeleine Mercel mit Herrn Alexander B a ch e r i n fungirten der Präsident der Deputirtenkammer und der General D a v o u t, Herzog von Auerstadt, als Zeugen. Kapstadt, 8. August. In B ul o w a ist vorgestern der Grundstein zur Synagoge gelegt worden. An der Feierlichkeit nahmen alle Honoratioren der jungen Stadt, darunter den Bischof Gaul, Theil. Sydney, 24. Juli. Am 16. d. M. wurde hier eine jüdische G e s e l l i g k e i t s- und Literatur Gesellschaft eröffnet. New D. I. Friedman n drückte seine Freude aus, eine stattliche Anzahl von Damen und Herren zur ersten Versammlung erschienen zu sehen, auch zahlreiche Nichtjuden, darunter der O b e r r i ch t e r Sir Alexander Conslow. Sydney, 21. Juli. Herr Emanuel Cohen ist zum I n st i z m i n i st e r von N e n - S ü d - W a l e s ernannt worden. London. Louis Samuel Montagu, der älteste Sohn Sir- Samuel Montagu's, hat sich mit Gladys Goldffnid, der ältesten Tochter des Obersten Albert E. Goldsmid, verlobt. Petersburg. Anläßlich der Geburt des jüngsten Töchterchens der rnssischen Kaiserin wurden an sämmtliche Kinder, die die öffentlichen Volksschulen besuchen, Backwerk und Süßigkeiten vertheilt. Zum ersten Male wurden in eine solche Feier auch jüdische Schulkinder einbezvgen. Älexandria. Am 1. d. M. hat die »Alliance Israelite Universelle« hier eine Schule eröffnet. Das Gebäude entspricht allen hygienischen Anforderungen und liegt mitten in einem schönen Garten. Der Director der Schule in Cairo ist als Organisator der neuen Schule zu nennen, welche bereits 130 Schüler zählt. Essex. (Eine j ü d i s ch e C o l o n i e i n Essex.) Vergangenen Mittwoch fand neuerdings ein bedeutender Andrang zum Ankäufe von Ländereien statt und zwar war diesmal der Schauplatz des regen Verkehrs B e n f l e e t bei Southeedou-Sea, die Käufer waren wieder zumeist polnische Juden aus dem East von London. Um 11 Uhr ging von der Fenchurch Street-Station ein Extrazug mit 900 Passagieren ab, von denen mehr als 90 Percent Juden und zwar zumeist Krämer waren. Der Verkauf ging sehr rasch und in größter Ruhe von statten. Auch Beufleet wird in Kurzem eine Stadt mit vorwiegend jüdischer Bevölkerung sein; es ist bereits ein Platz zum Bau einer Synagoge vorhanden, der sehr bald in Angriff genommen werden soll. Jerusalem. Die heurige Weinlese war eine so außergewöhnlich ergiebige, daß die Colonie Gadrah geradezu blüht. Der Erfolg, den die dortigen Colonisten haben, ist augenscheinlich. Die Lage Gadrahs ist eine vorzügliche. Die Häuschen sind einfach, aber sehr nett. Die Colonie hat 800 Acker Land und ist von