Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 37 (10.9.1897)
- Date
- 1897-09-10
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Vr. Vloltz's Mmtzrnschrlst. Nr. 37 dem Kaiser von Rußland, sonderu seinem eigenen, angestammten König entgegenjnbeln würde. Der Anblick der edlen Gestalt des Kaisers und derjenigen seiner lieblichen Gemalin, (einer Enkelin der Königin Victoria) erweckte in Jedem die Ueberzeugnng, daß solche Erscheinungen nur Gutes säen, nur Licht verbreiten können! Selbstverständlich war auch der jüdischen Geistlichkeit eine Tribüne angewiesen worden, und hatten auf derselben die Rabbiner mit den Predigern und mehreren Mitgliedern des Vorstandes Platz genommen. Abends war die Stadt prachtvoll itlnminirt. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß der Generalgonvernenr Fürst Jmeritinski die Saat gesäet hat, ans welcher dieser Empfang hervorgegangen ist. Seit kurzer Zeit erst verwaltet er sein Amt, und doch hat er durch sein humanes Auftreten alle Schichten der Bevölkerung für sich zu gewinnen verstanden. Während einer Reise, die er durch das ganze Land unternahm, besuchte er in allen Städten die Gotteshäuser und unb Hospitäler ohne Unterschied der Confession, und sah es gern, wenn ihm bei dieser Gelegenheit die Bedürfnisse der jeweiligen Gemeinden vorgestellt wurden. Auch in Warschau besuchte er mit seinem Gefolge den jüdischen Tempel, und wohnte einem Gottesdienst bei, der ihm zu Ehren abgehalten wurde. Anstatt nun, wie die anderen Bürger es gethan, den Fürsten mit dem Drucke bekannt zu machen, unter dem die hiesige Gemeinde leidet, anstatt ihn zu bitten, daß er die Aufnahme eines größeren Percentsatzes von jüdischen Kindern in die öffentlichen Schulen gestatten, (bis jetzt beläuft sich derselbe noch immer aus 10 Perceut) oder die Gründung von speciell jüdischen Schulen befürworten möge, hüllte sich der Vorstand der Gemeinde in vornehmes Schweigen. Ist das die rechte Art, die Interessen der Gedrückten zu vertreten? Hat den Generalgonvernenr bei dem Besrrche des Tempels wirklich keine andere Absicht geleitet, als die Architektur desselben zu bewundern und die Klänge der Orgel zu hören? Schwerlich kann man solches Vorgehen gut heißen. Es ist wahrlich an der Zeit, die kühle Indifferenz abzuschütteln, und männlich und treu für die Menschenrechte seines, mit Unrecht geknechteten, mit Unrecht verachteten Volkes einzustehen. Die Warschauer Gemeinde ist eine der zahlreichsten in Europa, und daß sie im gegebenen Augenblick, da das Frühroth einer lichteren Zukunft anzubrechen scheint, eine so indolente, der Wichtigkeit ihrer moralischen Verantwortung sich nicht bewußte Repräsentanz hat, ist ein Schaden, der auf lange, lange Zeit hinaus nicht wird gut gemacht werden können. £. Barcelona. Die neueste anarchistische Schandthat in Spanien ruft die Erinnerung an die Verdienste wach, die sich der ermordete Ministerpräsident C a n o v a s um die Sache der Glaubensfreiheit in Spanien erworben hat. Bis zur Revolution von 1868 war die Ausübung jeder anderen Religion als der katholischen dort ausdrücklich verboten. Seither war sie geduldet, aber nicht frei. Im Jahre 1875 sprach Canovas im Gegensatz 51t seiner eigenen Partei in dem neuen Verfassungsentwurf ausdrücklich den Grundsatz der Cnltusfreiheit aus, der dann freilich durch eine unbestimmte Fassung des Art. 11 der Willkür und Unduldsamkeit von Geistlichen und Beamten Thür und Thor öffnete. Aber das war nicht die Schuld Canova's, der dieses Grundprincip auch selbst dem Batican gegenüber mit aller Energie aufrecht erhalten hat. Seither leben in Spanien etwa 5000 Inden, aber nur in den Städten, und die freie Ausübung ihrer Religion ist ihnen nur durch — den Volkswillen verwehrt, der allerdings in Spanien stärker ist als alle Gesetze. Umsomehr muß eine Nachricht des Oorriere l3rae1ineo befremden, der in einer seiner letzten Nummern berichtet, daß am vergangenen Schebuothfeste in der Synagoge von Barcelona eine höchst feierliche Ceremonie stattfand, indem eine vornehme Spanierin, die von einer ehemaligen jüdischen Familie abstammt, dort vor dem Oberrabbiner und vor der ganzen Gemeinde den christlichen Glauben ablegte und wieder zum Judenthum zurückkehrte. Seltsamerweise hat man bis jetzt absolut nichts davon gehört, daß in Barcelona eine jüdische Gemeinde mit einer Synagoge und einem Oberrabbiner existirt. Es wäre sehr interessant, wenn man über diese Angelegenheit von ortskundiger Seite genauere Aufklärungen erhalten könnte. Jerusalem, im August. Der H 0 s p i t a l b a u schreitet rüstig vorwärts. Am 13. August ist mit der eigentlichen Ausmauerung des Untergeschosses begonnen worden, nachdem die erforderlichen Aussprengungen in der Hauptsache vollendet waren; Seite 757 nur im westlichen Theile des Terrains werden dieselben noch fortgesetzt, da der Felsen dort vorzügliche Bausteine ergibt. Die Arbeiten tverden mit dem größten Eifer betrieben und wir hoffen, daß es mit Gottes Hilfe gelingen wird, noch vor Eintreffen des Hanptregens im Kislew oder December das Kellergeschoß zu überwölben. Bereits in dieser Woche sind die Arbeiten um ein Beträchtliches vorgeschritten und große Theile der Seitenwände des die beiden Flügel verbindenden Längscorridors, sowie der Außenmanern des östlichen Kellers fertiggestellt worden. Es bedarf keiner Wiederholung, daß die entsetzliche Not hl a g e s 0 v i e l e r a r m e n K r a n k e n d i e s ch l e u n i g st e Fertigstellung des Baues d r i it g e n d g ebietet, und um dies nach unseren Kräften zu erreichen, haben wir so viele Arbeiter beschäftigt, als uns der Raum und die Verwendung erlaubt. Am Sonntag den 15. August waren außerdem jüdischen Baumeister Herrn Jacob Nt a n n, den zwei jüdischen Auf sehern, dem Architekten Theodor Wandel und seinem Adjnncten 74 Arbeiter beschäftigt (52 Inden und 22 Nichtjuden, Letztere meist Muhammedaner), im Laufe der Woche ist die Zahl derselben auf ungefähr 00 erhöht worden. Es gewährt einen erfreulichen Anblick, den größten Theil der Arbeit, nicht nur die körperlich schwere, wie das Schleppen der Steine von einem Ende des ausgedehnten Terrains zum anderen, das Ausstößen der Bohrlöcher für die Sprengung :c., sondern auch diejenige, welche zugleich mit der Anstrengung geistige Ueberlegnng erfordert, wie das passende Zertheilen des Felsblvckes, das Znrechthanen der kubischen Bausteine, die richtige Behauung der Steine, welche als Fassung für die Thüren und Fenster dienen sollen, als dies von Inden, und zwar auch von solchen mit langen „Peioth", ausgeführt zu sehen. Nichts kann mehr die alte und ewig junge Legende von der Faulheit der hiesigen Einwohner Lügen strafen, als die Wahrnehmung, wie diese Leute in einer Sonnengluth, die uns unerträglich ist, unverdrossen arbeiten, während sie doch kaum mehr Zeit hatten, sich an diese Gluih zu gewöhnen, als wir Europäer, denen solche Arbeit unüberivindlich erscheint. Daß so schoir jetzt, und in Zukunft wohl noch mehr arme jüdische Arbeiter durch die Beschäftigung beim Bau ihren und ihrer Angehörigen Unterhalt gewinnen, sich aus den Steinen gleichsam „Brod" hauen, ist, wie ich schon früher betonte, der erste und nicht der kleinste Segen, den das neue Hospital noch vor seiner Vollendung für die hiesigen Einwohner schafft. Um einem Mißverständniß vorzubeugen, sei darauf hingewiesen, daß es hier nicht etwa an arbeitslosen jüdischen Arbeitern mangelt oder die übrigen die Beschäftigung scheuen, so daß wir auf nichtjüdische Arbeiter recurriren mußten, vielmehr bilden einzelne Arbeiten, wie Sprengen rc., durch Gewohnheit gleichsam das Privileg der Letzteren, welche zudem einige hervorragende Meister oder durch Körperkraft Ausgezeichnete zählen, deren Mitwirkung vortheilhaft ist. Selbstverlich wird unsere Aufmerksamkeit stets darauf gerichtet sein, die jüdischen Arbeiter, deren Nvthlage ungleich schwerer ist, als die der nichtjüdischen, welche bei den von Kirchen und Klöstern ausgeführten Bauten leichter Beschäftigung finden, thunlichst zu berücksichtigen. Zu bemerken ist noch, daß der Spitalbau gegenwärtig die einzige Gelegenheit darstellt, bei der jüdische Arbeiter in größerer Zahl Beschäftigung finden können. Es ist zugleich ein Zeichen der traurigen socialen Lage der jüdischen Einwohner Jerusalems, daß nur wenige Häuser von jüdischen Eigenthümern neu gebaut werden, und nur bei diesen kann noch eine ganz kleine Zahl jüdischer Bauhandwerker Beschäftigung finden. Gebe der Allgütige, daß ich Ihnen den regelmäßig günstigen Fortgang der Arbeit und in kürzester Frist die Vollendung des Baues melden kann! Wien. (Auszeichnung.) Dem Redacteur des „Neuen Wiener Tagblatt", Herrn Bernhard Münz, wurde vom König von Serbien der St. Sava-Orden verliehen. Wien. Die Direction des polnischen National-Museums in Rapperswyl (Schweiz) hat den Wiener Publicisten Dr. Joseph Zipfer zum correspondirenden Mitgliede des Museums gewählt. — Die Trauung der Tochter des Malers Leopold H 0 r 0 v i tz, Fräulein Sophie, mit vr med. Anton Nata ns 0 n aus Warschau wird Sonntag den 10. d. M., 1 Uhr 'Rach-