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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-09-10 · 37 (10.9.1897) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
37 (10.9.1897)
Date
1897-09-10
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Btitt 756 Vr. Vloch's Vochrnfchrtst Nr 37 die deutsche Sache handelt. Schon das „blutwenig" bereitet die Tragik der folgenden Prophezeiung vor. Es blutete der Brüder Herz, — Ganz Deutschland, ach — in Schmach und Schmerz", heißt es in einem anderen Erzeugnisse der deutschen Literatur, an welches die Ausrufer gedacht haben mochten, denn der Aufruf der wackeren deutschen Turner gehört ja auch zur deutschen Literatur, er ist sogar elastisch. Und wenn hier die hoffentlich nur bildliche Blutung noch mit einem anderen, anatomisch ebenso interessanten Vorgänge, dem Zucken, verbunden erscheint, so blutet und zuckt auch uns das Herz im Leibe. Wir theilen auch aufrichtig den Schmerz von „einigen deutschen Turnern", die wehklagend ausrufen: „Unbarmherzig wird die Wuth dieser Geldmenschen ihr Müthchen kühlen dürfen, wenn nicht Hilfe von unseren deutschen Stammesgenossen naht." Nicht Jeder wird die seine Ironie merken, die in dem Ausdrucke „Müthchen" der Feigheit der Nichtarier versetzt wird, aber Jeder wird wissen, was unter der Hilfe der deutschen Stammesgenossen gemeint ist, und es bedürfte-hiezu nicht der Erläuterung, daß auch sonst so Mancher einen oder zwei Gulden im Jahre für unnütze Dinge ausgibt. Wie man sieht, ist der ehemalige Turnrath des aufgelösten Vereins, der „Aufruf und Bitte" unterzeichnet, in seinen national-pecuniären Aspirationen ziemlich bescheiden. „Mit Stolz und Entrüstung" aber weist er das Ansinnen zurück, sich um Hilfe an den Schloßherrn von Rosenau zu wenden, der nicht deshalb zum Ehrenmitgliede gemacht worden sei, weil man einen reichen Mann zum Anbetteln brauchte. Vielmehr werden, da ein reicher Mann wahrscheinlich nicht so viel Deutschthum besitzen dürfte, um das Deficit zu decken, alle deutschen Stammesgenoffen und Vereine — angebettelt, und so wird es hoffentlich gelingen, die Licitation oder, da dies dem deutschen Vereine näher liegt, die Versteigerung hintanzuhalten, die ganze Geschichte wird ein unblutiges Ende finden und die dentschnationalen Sachen werden gerettet werden. Falkenau a. d. Egcr, 5. September 1897. Am 31. v. M. fand hier die Einweihung des neuerbauten Tempels in würdiger und feierlicher Weise statt. Die Festgäste wurden an der Tempelpforte von dem Vorstand der Cultusgemeiude empfangen und von den Mitgliedern des Empfangscomit6s zu den für sie bestimmten Plätzen geleitet. Um 3 Uhr begann die Feier mit einem von Fräulein Mathilde P i ck aus Prag trefflich vorgetragenem Orgelprätudium, dem dann der Einzug der Thorarollen, das Anzünden des ewigen Lichtes, ein von Frau W o z i l k a sehr schön gesungenes Weihelied und die vom Herrn Rabbiner Jonas K o h n gehaltene Weiherede folgte. Nach Beendigung der mit sichtlicher Rührung vorgetragenen Weiherede — war doch die Erbauung eines eigenen Tempels ein durch mehr als drei Jahrzehnte gehegter Herzenswunsch des ehrwürdigen Rabbiners — wurden die Thorarollen ausgehoben und unter Vorantritt von blumenstreuenden Kindern und unter den Gesängen des Tempelchores in feierlichem Umzuge in den Tempel hineingetragen. Bei dieser Gelegenheit kam die prächtige, volltönende^ Stimme des Herrn Cantor L. Kurzweil, sowie die treffliche Schulung des vom Genannten zusammengestellten Chores zur vollsten Geltung. Es folgte nun die vour Rabbiner Herrn Phil. Dr. Em. Schwarz aus Eger gehaltene Festpredigt, welche das Thema der Nächstenliebe behandelte und einen mächtigen Eindruck auf alle Anwesenden ansübte. Den Schluß des Wecheactes bildete ein Gebet für Seine Majestät den Kaiser und die Absingung der Volkshymne. Unter den Festgästen befanden sich die Herren : Bezirkshauptmann S ch m i d t, Bezirksrichter Dr. G r ü n b a u m, Bürgermeister K r e m l i u g, Landtagsabgeordneter von Eltz, Bürgerschuldirectoren S ch u ster und Burkert, Baumeister Lifka, Maler Würschnitzer u. s. w. Der Tempel präsentirt sich von Innen und von Außen als ein in allen seinen Theilen schön und edel gehaltener Bau, welcher seinem Erbauer, dem Herrn Baumeister Lifka, alle Ehre macht, sowie die innere Ausschmückung des Tempels, welche sich dem Baustyl vollkommen anschließt, eine Meisterleistung des Herrn Malers Würschnitzer genannt zu werden verdient. Ein unvergängliches Verdienst um die Erbauung des Tempels haben sich der Cultusvorstand mit den Herren I. Steiner, L. Mohr und K. P o l l a k an der Spitze, sowie die ganze Cultusgemeiude erworben, welche ohne fremde Hilfe das Werk begann, förderte und vollendete, ein Werk, welches seinen Gründer, seinen Erbauer und Alle, die an dessen Ausschmückung mitarbeiteten, ebenso ehrt, wie es der Stadt Falkenau zur Zierde gereicht. Man sieht, wie der Festprediger so treffend sagte, daß dieses Haus gebaut sei zur Verherrlichung Gottes, daß es nur Liebe ausstrahlen wird, daß es eine Zufluchtsstätte für Jene sein soll, welche Trauer oder schwere Sorge im Herzen tragen, daß Haß und Neid dessen Schwelle nie überschreiten werden. Und so soll es sein für innnerwährende Zeiten. Der Abend vereinigte die zahlreichen Festgäste zu einer animirten Unterhaltung, welche bis in die frühesten Morgenstunden währte. In Abwesenheit des Cultusvorstehers begrüßte Herr Karl P o l l a k, Tempel-Borstand, die Erschieneneu, verlas die eiugelaufenen brieflichen und telegraphischen Glückwünsche und schloß seine Rede mit dem herzlichsten Danke an Alle, welche um das Zustandekommen des herrlichen Werkes ein unvergängliches Verdienst sich erworben haben. Brüx, 7. September. (Ein antisemitischer R e d a c t e u r.) In der beim hiesigen Kreisgerichte durchgeführten Appellverhandlung wurde in Behebung des freisprechenden Erkenntnisses des Brüxer Bezirksgerichtes der Schriftleiter des hiesigen antisemitischen Hetzblattes, Edmund P u m m e r, in dessen Blatte der Gastwirth Peter Leskovar „Judenknecht" geheißen worden war, wegen dieses Schimpfwortes nach § 496 schuldig erkannt und zu v i e r T a g e n A r r e st, sowie zum Kostenersatz verurtheilt. Berlin, 4. September. (Kaiser Wilhelm in Ie r us a l e m.) Zu der angekttndigten Osterreise des Kaisers W i lhel m nach Jerusalem wird Folgendes mitgetheilt: Sollte Kaiser Wilhelm wirklich seine geplante Pilgerfahrt nach Jerusalem unternehmen, so wird er der zweite deutsche Kaiser sein, der die heilige Stadt uud das Grab Christi besucht. Der erste deutsche Kaiser, der nach Jerusalem kam, war Friedrich II., der Hohenstaufe, der einen Kreuzzug nach dem heiligen Lande unternahm, in Askalon aber mit dem Chalisen Kramil von Egypten einen Vertrag abschloß, in dem dieser ihm die heilige Stadt sammt ihrem Gebiete und einen Küstenstreifen dazu abtrat. Hierauf hielt Friedrich seinen feierlichen Einzug in Jerusalem, worauf ihn der lateinische Patriarch am heiligen Grabe zum Könige von Jerusalem krönte. Mit der deutschen Kaiserkrone ging später auch der Titel Köllig von Jerilsalem von den Hohenstaufen auf die Habsburger über. Franz Josef war jedoch der einzige habsburgische Kaiser und Titularkönig von Jerusalem, der die heilige Stadt besuchte, nab zwar 1869. Das deutsche Reich war übrigeils in Jerusalem schon feit den Tagen Carls des Großen vertreten, der am Grabe daselbst einen Consul bestellte. Es war dies der erste Geschäftsconsnl, den die Geschichte kennt. Carl der Große hat auch am Hofe des Souveräns von Jerusalem, des Chalifen Harun El-Raschid in Bagdad, einen Gesandten bestellt. Es war dies der Jude Jsak (Magister Jsaccus), den die arabischen Chronisten Schech Jschchek nannten. Dieser hat in Bagdad mehrere froinme Stiftungen zu seinem Seelenheile gemacht und auch eine Synagoge dort erbaut, die noch heute besteht. Paris. Innerhalb der jüdischen Kreise unserer Stadt wird stark ein Project discutirt, das sich mit der Gründung eines jüdischen Lyceums befaßt. Die Befürworter dieses Projectes. und ihre Zahl ist sehr groß, begründen ihre Zustimmung erstens damit, daß in einer solchen Schule die jüdischen Kinder ohne Schwierigkeit den Sabbath halten können. Außerdem fände der Antisemitismus ungleich weniger Nahrung, wenn die jüdischen Kinder nicht bereits auf der Schule den Neid der christlichen Kinder erwecken würden. Auch die Gegner des Projectes müssen beide Momente zugeben und nehmen Anstoß ausschließlich an den Kosten. Warschau, 1. September 1897. Durch die Straßen unserer Stadt wogte letzthin ein Leben uub Treiben, wie es in diesem Maße noch nie, zum Mindesten nicht in diesem Jahrhundert, gesehen worden. Alles rüstete zürn Empfang des Kaiserpaares, welcher auf gestern den 31. Allgust angekündigt war. Um die festgesetzte Stunde bot die Stadt einen wunderbaren Anblick dar. Fahnen, Kränze und Triumphthore schmückten die Straßen; Militär war nicht zu sehen; die Wache hatten Bürger übernommen. Auf dem Wege vom Bahnhofe bis zu dem als Wohnsitz erwählten kaiserlichen Schloß in Lazienki wurde das Herrscherpaar von der Geistlichkeit verschiedener Confessionen, den Beamten, Handwerkerzünften, der Schuljugend und den Schützlingen aller Wohlthätigkeitsanstalten begrüßt. Der Enthusiasmus war ein so spontaner, die Freude, besonders beim Anblick der kleinen Großfürstinnen Olga und Tatjana, eine so ungekünstelte. daß es den Anschein gewann, als wenn das Volk nicht

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