Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 37 (10.9.1897)
- Date
- 1897-09-10
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 37 Dr. Bloch'« Mochrrrfchrtfl Sette 755 vor, um diesen zu bewegen, daß er die Begnadig u u g S z a j e r's erwirke. Szaje r hatte sich selbst der Abordnuug angeschlossen und mit dem Ministerpräsidenten ein längere Unterredung in polnischer^ Sprache. Gras B a d e n i hielt dem Abgeordneten S z a j e r ein ganzes Sündenregister vor, in welchem sich auch Thaten befanden, welche das Strafgesetz unter dem Z 125 u. ff. anführt. Graf B a d e n i erklärte schüeßlich, er werde sehen, was sich macheil lasse. Eiir netter antisemitischer Volksvertreter!! Baden, 5. September. (Ehrung?, Eine Feier, wie sie nur in den seltensten Fällen in einer jüdischen Gemeinde begangen wird, wurde in der hiesigen israelitischen Cnltnsgemeinde abgehalten, wobei eine Persönlichkeit zu einer Auszeichnung gelangte, welche nur für besondere Verdienste und hervorragende Leistungen eine Gemeinde ihren Mitgliederil zntheil werden läßt. Diese Feier und solche Auszeichnung galt ilnserem Herrn Moriz L e i t n e r, der nach Ikljähriger segensreicher und ersprießlicher Thätigkeit als Präses unserer Cilltnsgemeinde diese Ehrenstelle, weil er zur Zeit der Neuwahl anr 23. Mai l. I. die österreichische Staatsbürgerschaft noch nicht besaß, nach dem neuen Statut nicht mehr begleiten konnte. Ihm für seine selbstlose und hingebnngsvotte Leitung unseres Gemeindewesens ein Zeichen der Dankbarkeit zil geben, ernannte ihn der Vorstand am 7. Juni l. I. über Antrag des damaligen Vieepräses Herrn Anton Schneider zum Ehrenmitgliede der Cilltnsgemeinde und beschloß zugleich das Bild des Gefeierten ansertigen zu lassen uirb dasselbe als anregende Aufinilnterilng zu edlen Thaten und Schöpfungen in unserer Gemeinde im Sitzungssaale anzubringen. Nachdem ihm nun am vergangenen „Sabbath-Nachum" das künstlerisch ansgeführte E h r e n m i t g l i e d s - D i p l o m überreicht wurde, fand Samstag den 4. d. M.. um 8 Uhr- Abends, bei einer Festsitzung des Gesammtvorstandes im hellerleuchteten und festlich decorirten Sitzungssaale die Enthüllung des Bildes statt. Die Feier, welcher nebst dem Gesammtvorstande und anderer Gäste auch die Familie des Gefeierten anwohnten, war würdig und ergreifend. Nachdem der jetzige Präses unserer Cnltnsgemeinde Herr Anton Schneider seine Amtscollegen und die Festgäste herzlichst begrüßt hatte, richtete er an seinen gefeierten Freund, sichtlich von der Weihe des Momentes ergriffen, Worte des Lobes und des Dankes, die Jedem aus und zu dem Herzen gesprochen waren, worauf er das Bild enthüllte. Ein rauschender Beifall und eine Salve von Hochrufen ertönte im Saale. Der Anblick des Bildes, welches höchst gelungen aus der Meisterhand des Malers Alberti hervorgegangen ist, wirkte fascinirend. Nach eingetretener Ruhe hielt unser geehrter Rabbiner, Se. Ehrwürden Herr Wilhelm Reich, an den Jubilar eine innig empfundene Ansprache, in welcher er den Gefeierten mit den alten „Parnaßim" verglich, die in der vollsten Erfüllung der Pflichten des ihnen gewordenen Ehrenamtes ihre schönste Lebensaufgabe erblickten. Tiefbewegt und mit inneren Gefühlen kämpfend, dankte der in solch außerordentlicher Weise Gefeierte Allen und Jedem für die ihm erwiesene Auszeichnung, betheuernd, daß hiedurch sein Wirkungseifer und seine Bethätigungskraft an Intensität nur gewinnen muß, und daß es wie bisher auch fernerhin sein höchstes Bestreben sein wird, die ihm so theuer und lieb gewordene Gemeinde zu Ruhm und Ehren zu bringen. Mit einem dreimaligen Hoch auf den Jubilar endigte die hier zum erstenmale in solcher Herz und Seele ergreifender Weise abgehaltene Feier. Budapest. Der hiesigen Cnltnsgemeinde stehen zur Errichtung eines j ü d i s ch - c o n f e s s i o n e l l e n G y mu n.J * *l 1,1 s zwei große Stiftungen zur Verfügung. Dem ursprünglichen Plane zufolge hätte die Anstalt schon im laufenden Schuljahre eröffnet werden sollen; in Folge mancherlei Hindernisse wurde aber die Eröffnung verschoben. — Seit Kurzem kommen hier E x h n m i r u n g e n jüdischer Leichen recht häufig vor. Im Siyne der bestehenden Normen ist die Friedhof-Verwaltung verpflichtet, von der Auffindung der Leichen unbekannter Israeliten der Chewra-Kadischa Anzeige zu erstatten, die dann für die Bestattung zu sorgen hat. Die Behörden kommen jedoch dieser Anzeigepflicht so lässig nach, daß viele Juden auf dem allgemeinen Friedhof in der Abtheilnng der.Christen beerdigt wurden. Die Chewra-Kadischa sah sich nun veranlaßt, gegen diese Lässigkeit Klage zu erheben und die Exhumirung der jüdischen Leichen zu erbitten, welche in jedem Falle bewilligt rvrrrde. Brünn. Das „Deutsche Blatt", ein in Brünn erscheinendes Antisemitenblättchen, das zweimal wöchentlich seinen eventuellen Lesern geistige Nahrung in Form von Schimpfereien über die Juden zuführt,' das sich zu vergeben glaubt, wenn es nicht in jeder Spalte die Juden als die schmarotzenden Schädlinge des deutschen Bolkskörpers bezeichnet, schreibt in seiner Nummer vom 4. d. M. wörtlich, wie folgt: „(S p e n d e.) Herr Jsak L ö w-B e e r, Realitätenbesitzer in Brünn, hat dem Obmanne des Vereines »Deutsches Haus", Herrn Friedrich W a n » i e ck, für den Baufond des deutschen Hauses einen Beitrag von 3000 fl. in Barem übermittelt. Der Letztere richtete an den genannten Spender ein herzliches Dankschreiben und bat denselben, den Bestrebungen des „Deutschen Hauses" auch in Zukunft sein Wohlwollen zuzuwenden. Es erscheint sehrerwünscht, daß unsere Mitbürger in Anbetracht der dem Deutschthum in Mähren drohenden Gefahr, endlich auch die Bedeutung unseres schönen Deutschen Hauses in . der Landeshauptstadt Brünn anerkennend, sich bereit finden, _ zu dessen Erhaltung Opfer zu bringen. Möge doch diese Opferwilligkeit recht häufig nachgeahmt werden." Ein Commentar zu obigen Zeilen erscheint überflüssig. Allerdings wurde von hervorragenden Führern der Deutschnationalen das Wort von der vorläufigen „Schonzeit für Juden" in die Welt hinausgeschlendert. Erstreckt sich aber diese „Schonzeit" nicht auf das Geld der Inden? Herr H o f f m a n n v. W e l l e n h o f wird um Auskunft gebeten. Erhebend wirken die Worte: „(rin orfircr Deutscher mag keinen Inden leiden, Doch seine Gelder nimmt er gern." Karlsbad. (Das blutende T n r n e r h e r z.) Nicht nur die Kunst, auch die Politik geht nach Brot. Das Geld ist ein internationales Bedürsniß für jede, auch die nationalste Politik; wer es versucht, Politik ohne Geld zu betreiben, wird, ohne sein Ziel erreicht zu haben, untergehen. Ein solches Opfer seiner Ueberzeugnng ist auch der Deutsche Turnverein i n Karlsbad geworden. In der „Ostdeutschen Rundschau" ist ein wahrhaft rührender Aufruf veröffentlicht, durch welchen die „deutschen Stammesgenossen" aufgefordert werden, für die Sache dieses Vereins Geld beiznsteuern. Diese Bitte wird, wie bei einer so hochpolitischen Angelegenheit natürlich, in sehr politischer, Weise eingeleitet. Es wird zunächst mitgetheilt, daß in einer außerordentlichen Versammlung des Vereins dem Herausgeber der „Ostdeutschen Rundschau" wegen seines bekannten unerschrockenen Auftretens die Zustimmung und das Vertrauen ausgesprochen, Georg Schönerer zum Ehrenmitgliede ernannt und — last not least — der Verein für judenrein^mit fettgedruckten Lettern erklärt wurde. Nachdem so die Sympathien aller Arier für den Verein gewonnen sind, wird weiter die betrübende Thatsache constatirt, daß hierauf in Folge eines Protests der Karlsbader Jndenschaft der Turnverein — was ja bei den bekannten Wirkungendes Karlsbader Sprudels nicht überraschend ist — aufgelöst wurde. Diese Auflösung machte der stammesreinen Vereinsleitung einen Strich durch die Rechnung, durch welchen jedoch das „Soll" des Vereins leider nicht verringert wurde. Der segensreichen Thätigkeit des Vereins entsprach nicht der ihm zu Theil gewordene irdische Segen, und der zum Curator über das Vereinsvermögen bestellte Advocat mußte bedauerlicherweise, so aetiv auch sonst der Verein vorgegangen war, die Passivität desselben feststellen. „Somit ist unser Kleinod, ünser herrlich - schönes schwarz - roth - goldenes Vereinsbanner, das deni neuzugründenden Vereine stolz voranflattern sollte, in der Gefahr, öffentlich versteigert zu werden." Abgesehen davon, daß besagtes Bereinsbanner bei der drohenden Licitation kaum als Kleinod bezahlt werden und auch das schmückende Beiwort „goldenes" seinen Werth nicht erhöhen dürfte, wird diese Antithese nicht verfehlen, schmerzliche Theilnahme für dieses heiligste Gut der Nation hervorzurmen, welches auch bei der Versteigerung den übrigen Hinterlassenschaften voranflattern soll. Denn da die Fahne nicht groß genug ist, um die Schulden des verstorbenen Vereins zu decken, müssen auch- „die mit schweren Opfern erworbenen Turngeräthe", auf welchen die edlen Turner ihre germanistischen Uebungen vorgenommen und im Interesse des deutschen Volkes ihre Kraft gestärkt haben, „unter den Hammer" kommen, der leider nicht der mythologische Hammer Thor's, sondern der roth-symbolische Hammer des Lieitators ist. „Denn der Herr Curator Dr. S a m e l wird sich blutwenig darum kümmern, wenn einigen deutschen Turnern das Herz im Leibe zuckt und blutet ob dem Verhängniß, das über den Geliebten hereingebrochen ist." Blut muß fließen, wo es sich um