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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-09-10 · 37 (10.9.1897) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
37 (10.9.1897)
Date
1897-09-10
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 754 Dr. Vloch s Wochrnfchrifl. Nr. 37 Endlich wird die Constitnirung des Vorstandes des Tempelvereines im XIX. Bezirk zur Kenntniß genommen und diesem Vereine pro 1897 die im Budget vorgesehene Subvention von 600 fl. zur Auszahlung bewilligt. Zur Kenntniß genommen wird schließlich die Verfügung des Präsidenten, wonach für den verewigten Rabbiner Dr. Deutsch in Ottakring Herr Rabbiner Breier mit den Functionen für die bevorstehenden hohen Feiertage daselbst betraut wird. Schluß der Sitzung halb 7 Uhr Abends. Ferienheim in Rossitz. Ein ungemein freudiges Ereigniß hat die Feriencolonie des Wiener Vereines „Ferienheim" am 2. September erlebt. Frau Baroniu Hirsch erschien unangemeldet in ihrem Schlosse R o s s i tz, in dem sie schon den zweiten Sommer den Feriencolonien gastliche Aufnahme gewährte, zum Besuch der Kinder. In ihrer Gesellschaft befanden sich die Frau Gräfin C o r o n i n i-K w e b e r g, Gräfin Gabriele S p a r e t i, die Herren Graf C o r o u i n i, Paul B. de G o l d s ch m i d t, Dr. Julius G o l d s ch m i d t, Rev. James C o r d w e l l und Dr. Ch. L e m e d i. Um 4 Uhr erscholl im Schloß der Ruf: Die Frau Baronin ist da! Die militärisch orgauisirten Knaben waren auf das gegebene Alarmzeichen sofort in Reih und Glied aufgestellt und sangen nach den eingeübten Einrichtungen die Begrüßung: „Sei gegrüßt!" Alsbald waren die beiden Compagnien vergattert. Die erste Halb-Compagnie wurde sofort unter dem Commando eines Knaben in den Garten geführt. Als diese Abtheilung mit Fahne und Trommel die Brücke überschritt, da bewunderten die Gäste die musterhafte Disciplin und die Strammheit der Bewegungen. Und als der kleine Lieutenant zur Defilirung commandirte, da war nicht genug des Lobes für die Colonisten, die sich so wacker gehalten. Das Commando der ganzen Colonie führte Herr Exercirmeister med. Drd W a n t n ch, der sodann die Gäste begrüßte. Die Begrüßungsansprache hielt ein kleiner Junge und erntete großen Beifall. Während der nun ausgeführten militärischen Exercitien hatten die Herrschaften Gelegenheit, die musterhafte Disciplin, die vorzügliche Haltung der Kleinen, die Genauigkeit der Bewegungen und das gute Aussehen derselben zu beobachten, und äußerten wiederholt Anerkennung und Lob. Nun kam der Gesang an die Reihe. Die Kinder sangen mehrere Piecen, zum Schlüsse die Volkshymne. Nun folgten komische Borträge seitens zweier Knaben, welche die Zuhörer sehr erheiterten. Die Frau Baronin äußerte den Wunsch, der Ausspeisung(Jause) der Kinder beizuwohnen und drückte ihre volle Befriedigung über die musterhafte Ordnung und die zweckmäßige Einrichtung aus. Die Herrschaften zeigten sehr reges Interesse für alle Vorkommnisse in der Colonie. Nach Allem wurde gefragt, nach den socialen Verhältnissen der Kinder, nach ihrer Aufführung, nach ihrer Bildung, nach ihrer Bekleidung, nach der Dauer des Aufenthaltes, nach der Kost rc. Die Frau Baronin äußerte, daß sie nur Gutes und Schönes von der Colonie gehört habe, daß sie sich daher beeilt habe, schon am zweiten Tage ihrer Anwesenheit die Colonie zu besuchen. Beim Abschiede drückten die Herrschaften, Allen voran die Frau Baronin, dem anwesenden Frl. Schneider als Vorstandsdame des Vereines den Lehrkräften, der Verwalterin und dem gesammten Personale ihre volle Anerkennung und ihre große Freude'aus, schrieben ihre Namen in das Gästebuch und versicherten, daß ihnen der Besuch im „Ferienheim" in freundlicher Erinnerung bleiben werde. Als die hohen Gäste die Colonie nach fünfviertelstündigem Aufenthalte verließen, erscholl der Abschiedsgruß : „Ade!" und Alles war befriedigt und hocherfreut über die dem Vereine und ferner Institution gewordene Auszeichnung. Wien. Dem Talmud-Thora-Verein erst ein Loblied zu fingen, hieße Eulen nach Athen tragen. Er faßt den Kern des traditionellen Judenthums in Wien. Die Talmud-Thora-Schule ist die einzige Lehranstalt der Residenz, in welcher jüdische Kinder jüdisch-religiöses Wissen erwerben können; ohne sie würde unter den 150.000 Juden Wiens in einer leicht zu berechnenden Zeit die Thora vergessen werden, denn der ganze jüdische Religionsunterricht an den Volksschulen genügt nicht, daß das jüdische Kind das Schma-Jisrael mit Bewußtsein beten könnte. Aber der Talmud-Thora-Verein hat nicht nur der Schule allein seine Sorgfalt zugeweudet, sondern auch der zweiten von den drei Säulen, auf denen das Judenthum steht, der Aboda, dem Gottesdienste, seine vollste Pflege angedeihen lassen, damit dem Ernst und der Einfachheit des alten Cultus eine Stätte in Wien gesichert bleibe gegenüber den neueutstehenden Tempeln, die mehr den Aeußerlichkeiten Rechnung tragen. Das Bethaus des Talmnd-Thora-Vereines ist ein wahres lZst-Hacdnesetll, der Sammelpunkt frommer Juden, die zu Gott beten wollen in der Väter Weise. Durch die Initiative des Herrn Leo S a l t e r und die Opferwilligkeit mehrerer ständiger Besucher dieses Bethauses ist dasselbe neu reuovirt und sein weiter Hof in einen Garten umgewandelt worden, daß es auch an Schönheit und Pracht keinem der neuen Wiener Tempel nachstehtj und wer zu den nahen hohen Feiertagen auf traditionelle Cultusform in einem auch dem Auge gefälligen Gotteshause reflectirt, kann nur in diesem Talmud-Thora-Bethause Befriedigung finden. Der Dank für die demselben zugewendete Fürsorge gebührt vor Allem dem Vorstand, Herrn Simon B u ch w a l d, dann dem Mitgliede Herrn Leo S a l t e r, der Zeit, Mühe und viel, sehr viel Geld diesem heiligen Werke opferte, und nicht zuletzt den übrigen Spendern, von denen wir namentlich hervorheben müssen, die Herren Heinrich Berger und Julius Back, welche sich daran, wie bei jeder Gelegenheit, wenn es gilt ein frommes Werk zn unterstützen, mit namhaften Beträgen betheiligten. Möge diese Wärme fürs Judenthum und seine Institutionen weiteren Kreisen zur Nachahmung dienen und der Talmud-Thora-Verein als Muster religiöser Opferwilligkeit auch indirect heilsamen Einfluß auf das jüdische Leben in Wien üben. Wieder Einer! Wenn Einer heutzutage zufällig Simon Kern heißt und das Malheur hatte, vom Wege des Rechtes sich in die Gefilde der strafbaren Handlungen zn verirren, so kann es ihm leicht passiren, daß in dem Berichte über seine Schandthaten im „Deutschen Volksblatt" nach seinem Namen ein ominöses Ausrufungszeichen gesetzt wird, das, zwischen zwei Klammern eingeschoben, den Leser auf den Klang des Namens aufmerksam machen und ihm sui> r->s a deuten soll: „W ieder ein Jude!" Uns fehlt es an einem passenden Interpunktionszeichen, das wir nach dem Namen eines Verbrechers setzen könnten und durch welches wir unseren Lesern auf diese, wenig Raum beanspruchende Weise kurz sageu könnten! „Wieder ein Gesinnungsgenosse des Herrn Bergani!" Enthielte unser journalistisches Lexikon dieses Interpunktionszeichen, wir müßten es nach dem Namen des Herrn Simon K e r n setzen. Herr Kern war nämlich zn einer Zeit, als er sich noch auf freiem Fuße befand, ein Anhänger der antisemitischen Lehre und — wie uns versichert wird — soll er als strammer Parteigänger so Manches für die Partei geleistet haben. Es wird sogar erzählt, daß er sich, als ihn der Arm der strafenden Gerechtigkeit erreichte, weil er sich zahlreiche Schwindeleien zu Schulden kommen hatte lassen, durch welche eine Reihe armer Leute arg beschädigt wurde, an die Häupter seiner Parteigenossen um Hilfe wandte und um die Beistellung eines Vertheidigers bat. Diese Bitte wurde nicht gewährt, und so mußte Herr Kern sich gestern mit einem ex otkß-Vertheidiger der von Herrn Kern angekämpften Religionsgenossenschaft vor den Geschwornen bescheiden. St.-A.-S. Dr. v. C r e s p i legte dem Angeklagten zur Last, sieben armen Teufeln Cautionen in der Höhe von 1630 fl. herausgeschwindelt und ferner unrechtmäßigerweise 70 fl. eincassirt zn haben. Wie die Anklage zur Charakterisirnng des Angeklagten allführt, sagte Kerir einmal zu einem armen Manne, der ihm seine Ersparnisse als Caution anvertraute: „Das Geld i st bei mir vollkommen sicher, ich b i n kein Jude!" Die Geschwornen sprachen Kern wegeil Cautionsschwindels schuldig, worauf der Gerichtshof das Urtheil füllte, welches auf zweieinhalb Jahre schweren Kerkers lautete. Ein Trost sei dem Verurtheilten. Das Verdict der Männer, die „zufällig Geschworne sind", wird ihm im Ansehen seiner Gesinnungsgenossen keinen Abbruch thun. Personen, welche das Bedürfniß empfinden sollten, Herrn Kern mit dem Ausdrucke ihres Vertrauens zu trösten, müßten ihre Vertrauenskundgebungen bis 10. d. M. unter „Simon Kern, Landesgericht Wien", von da ab nach S t e i n in Niederösterreich adressiren. Deputationen darf der Verurtheilte nach der Strafhausordnung vorläufig nicht empfangen. Abgeordneter Szajer wurde bekanntlich wegen Majestätsbeleidigung zu acht Monaten Kerkers verurtheilt. Der Oberste Gerichtshof hat nun das Urtheil bestätigt, welches somit in Rechtskraft getreten ist. Dieser Tage sprach, wie uns mitgetheilt wird, eine aus dem Bürgermeister Dr. Carl Lueger, Vicebürgermeister S t r o b a ch und Dr. P s e n n e r bestehende Abordnung der christlich-socialen Partei beim Ministerpräsidenten

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