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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-09-10 · 37 (10.9.1897) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
37 (10.9.1897)
Date
1897-09-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 752 Dr. Vloch's Wochrnsttzrist. Nr. 37 ein Comite von 5—7 Personen behufs Erledigung der Colonisationsangelegenheit cinzusetzen. Zum Schluß erfüllt Redner einen Act der Pietät, gedenkt der Männer die sich für die Eolonisation hervorragend intcressirt, und bittet die Mitglieder sich zu ihrem Andenken von ihren Sitzen zu erheben, was unter großem Beifall geschieht. Adam Rose u b e r g schildert seine eigenen persönlichen Erfahrungen aus Palästina, gibt ein Bild von Klima, geographischen Verhältnissen Palästinas, seinen hervorragenden landwirthschaftlichen Producteu, seiner Industrie, seinen Verkehrsverhältnissen. Er bestätigt D r. S ch n i e r e r's Ansicht über das Bakschichsystem, daß eine freie genossenschaftliche Centralleitung errichtet werden soll. Er wendet sich gegen die H i r s ch 'sche Organisation in Palästina, die nicht demokratisch genug, zu sehr von französischem Geiste erfaßt sei. Das müsse verhindert werden, das wäre kein Nutzen für den Zionismus. Die positiven Maßregeln wären: Zusammensetzung der Comites aus Männern, die, keine Sportzionistcn, ihre ganze Zeit der Centralleitung widmen können, wenn nöthig besoldet werdeu sollen. 2. Die demokratische Constituirung der Commission (Beifall). D r. W. B a m b u s weist den Vorwurf zurück, daß das H i r s ch'sche Comite oligarchisch zusammengesetzt sei, daß die Colonien doch ein Versuch seien, der noch nicht abgeschlossen, wie ja noch kein Vott darin cndgiltige Erfahrung gewonnen. Von Unterwerfung unter die H i r s ch'sche Organisation sei keine Rede, aber eine Ergänzung uird ein Zusammengehen mit den Palästinavereinen wäre doch ersprießlich, gemeinsame Arbeit wird uns mehr nützen als einseitige Arbeit. Nächstes Jahr wird eine Argrarbank errichtet, über die wohl schon dem nächsten Congrcß Bericht erstattet werden kann. D r. Löwe aus Jaffa in Palästina erinnert daran, daß heute der 23. Jahrestag der Thronbesteigung unseres Sultans, daß wir Juden in Palästina ihm zu Danke verpflichtet sind. Wenn wir auch keinen Personencultns treiben wollen, der alten Vorkämpfer für unsere Sache wollen wir gedenken, eines Moses Herz, K a l i s ch e r, eines Tr. Lippe und P i n e l e s, denen wir unseren herzlichsten Tank aussprechen. (Großer Beifall.) Wenn auch nicht officiell deputirt, so kann ich doch die Versicherung abgeben, daß wir palästinensischen Juden auf demselben Standpunkte stehen, wie bie Zionisten. Wenn wir Colonisten Unannehmlichkeiten dadurch haben sollten, wollen nur es gern ertragen, wie wir schon viel erduldet. (Beifall.) Redner gibt dann Bevölkerungsziffern von Palästina (73.000 Juden), wovon in Jerusalem etwa 40.000. Dann spricht Redner über Chalucka, die nicht, wie Redner früher beantragt, verworfen, sondern nur gerecht an die wirklich Bedürftigen vertheilt werden soll. Die Colonisation sei eine Versuchsstation. 'Nichts ohne Volk. Alles mit dem Volke, Alles für das Volk. Während dieser Vorträge war durch Stimmzettel die Wahl an Stelle Tr. Birnbaum's vollzogen. Von den Candidaten erhielt im 1. Wahlgange bei 141 Stimmen D r. M i n tz 52, D r. Landau 55. Da keiner die absolute Mehrheit erlangt, wird eine 2. Wahl vorgenommen, wobei D r. M i n tz 64 Stimmen erhält und somit gewählt ist. Dr. Mintz nimmt dankend die Wahl an. Herr T r. E h r e n p r c i s ergriff hierauf das Wort zum Referat über die h e b r ä i sch e Literat n r. Er bedauerte, daß dieser Punkt, den Alle so ernst nehmen, erst in zwölfter Stunde verhandelt werden könne. Ihn in Kürze abzuthnn, sei eigentlich unmöglich, da zugleich die nationale Erziehung besprochen werden müßte. Daß er darüber deutsch sprechen müsse, sei die beste Begründung dafür. Man wolle zur hebräischen Sprache, wie in das heilige Land znrückkchrcn. Man sei überzeugt, daß die Wiederherstellung der Cnltnr nur in hebräischer Sprache möglich sei. Diese Ucbcrzcngung sei schon vor dem Zionismus dagewesen. Der erste Congreß habe aber auch die Pflicht, zu zeigen, daß es eine hebräische Literatur gebe; man habe große Dichter uiib Publieistcn gehabt, die dem Jiidcnthum ihre Geistesarbeit verrichteten, bis der Zionismus kam und sic fortsctzte. Tic jüdische Presse habe bewiesen, daß man sich in hebräischer Sprache modern und wissenschaftlich voll und ganz aussprcchcii könne. Daß Bedürfnis; dazu vorhanden iei, bewiese» die zwei Anstalten in Warschau, die hebräische Bücher billig und zweckmäßig hcransgeben. Dieselben finden massenhaften Absatz, und derselbe werde durch den Zionismus noch viel größer. Zwar sei bis jetzt die Bewegung nur vereinzelt gewesen; von nun an solle sic aber ebenfalls organisirt werden. Sie läge Allen so sehr am Herzen, wie die Rückkehr selber. Viele möchten jetzt schon ihre Kinder hebräisch erziehen lassen, cs fehle aber an Schulen, Lehrmitteln und vor Allem an einer Centralleitung. Er habe deshalb dem Congresse folgende Resolutionen vorzulegcn: „Der Congreß beschließt die Gründung eines allgemeinen hebräischen Schulvereincs, der für den Untcricht in der hebräischen Sprache,^wo erforderlich, ungcntgeltlich sorgen soll." „Der Congreß setzt eine Litcraturcommission ein mit folgenden Ausgaben: Periodische Zeitschriften in hebräischer Sprache zu nnterstützen und^zu gründen, hebräische Werke zu subventioniren, junge hebräische Schriftsteller zu fördern, und überhaupt Allem, was in der jüdischen Literatur vorgehe, ihr Interesse zu bewahren." Was die Schulen im Orient betrifft, so sollen dort nach Antrag des Herrn Prof. S ch a p i r a in Jerusalem o d e r I a f f a n.e c r.5 ischc 1! n i v ersität gegründet werden. «Tosender Beifall.) Dazu sei vorerst aber nöthig, die jetzt vicrclassige Schule in Jaffa stufenweise zu erweitern imb ein Gymnasium zu errichten. Den Schluß der mit Beifall anfgeuomiilcucn Rede bildete eine Aufforderung in hebräischer Sprache. Herr Prof. S ch a p i r a unternahnl es nun, seinen Vorschlag noch einmal zu begründen. Sein Antrag sei der Commission zur Berathung überlassen, wegen Mangels an Zeit zum Debattiren; den Vorwurf der Utopie, den man ihm gemacht habe, weil er ja für seinen Plan keine Schule voraussetzen könne, weise er zurück. Er nehme eben unsere heutigen Anstalten gar nicht zum Muster, und verwerfe die canonische Eintheilung in Gymnasium und Universität. Die Anstalt solle, lvie schon vor Jahren in den Statuten des Heidelberger Zionistenvereines vorgesehen, eine Centralstelle für alle Wissenschaften in allen Theilen Palästinas sein. Zur Schaffung derselben gehörten aber colossale Vorarbeiten, wie die Herstellung von Lehrbüchern in hebräischer Sprache. Das sei einstweilen die Hauptaufgabe der Commission. Nachdem diese Erziehungsangelegenheiten erledigt waren, trat Herr Bahn r auf, um in seinem und Alexander Weil's Rainen darzulegen, daß sie in dem Colonisationsprogramm der Zionisten keine endgiltige Lösung sehen, indem dadurch die Leiden nicht auf immer beseitigt würden, sondern mit der Zeit die alte Zersplitterung wieder eintreten werde. Weiter kam der Redner nicht, da ihm wegen vorgerückter Zeit vom Präsidium das Wort entzogen werden mußte, was er unl des Friedens willen annahm. Andere betonten noch einmal die Nothwendigkeit einer nationalen Erziehung; dann wurde — 8 Uhr — eine cinstündige Pause angesetzt. Um halb 10 Uhr wurde bei vollgedräugtem Saale die S ch l u ß s i tz u n g des Congresses eröffnet. 'War schon in den vorhergehenden Sitzungen der Beifall sehr häufig und laut, so stieg jetzt die Begeisterung auf den Höhepunkt und machte sich bei jeder Gelegenheit in' gewaltigen Beifallsstürmen Luft. Die erste Ovation galt dem Herrn Dr. Herz l, der jetzt den Vorsitz wieder einuahm. Ein noch raserWerer Beifall brach los, als hierauf H e r r Dr. Coh n, Rabbiner aus Basel, die Tribüne bestieg und folgende Ansprache hielt: „Sie haben mich mit einem Beifallssturm begrüßt, den ich nicht verdient habe und nicht verdiene. Ich bin, offen und ehrlich, kein Freund der Zionisten gewesen und bis zur Stunde noch nicht vollständig für die Sache begeistert. Ich danke Ihnen, daß Sie mich zu Ihrem Congresse als Gast cingeladen haben. Wenn ich an die Rede des Herrn Dr. Nord a u denke, jchwillt auch mir das Herz vor Begeisterung. Nordan's geschichtliche Darlegungen könnte jeder orthodoxe Jude unterschreiben Satz für Satz, Wort für Wort. Sie sind mir nicht nur als eine Erinnerung für das Leben theucr, es ist nicht nur eine Rede, die ein Erlebnis; für mich war, sondern ich bin überhaupt froh, daß der Congrcß in Basel stattgcfnnden hat. (Beifall.) Ich bin dabei über so Manches aufgeklärt worden, über die Noth unserer Brüder int Osteil und ich habe den Zionismus kennen gelernt und habe gesehen, daß er eine Bewegung ist, d i e w i r a l l c s a m m t u n t e r s ch ä tz t habe n. (Anhaltender Beifall.) Ich muß noch einmal den Beifall ablehnen. Ich bin kein N a t i o n a l j u d e, sondern ein religiöser Jude, hoffe aber, daß das Nationaljudenthnm nur der Uebergang zum religiösen Jndenthnm ist. (Allscitigcr Beifall.) Es wird Ihnen nicht entgangen sein, daß die Bewegung bis jetzt in Deutschland wenig Fortschritte gemacht hat. Speciell die orthodoxen Rabbiner stehen dem Zionismus gegenüber kühl bis ans Herz hinan. Wir orthodoxen Juden haben eben in diesem Jahrhundert schon so viel bittere Erfahrungen gemacht, wir sind durch die Majorität der Neologen schon so oft vergewaltigt worden, daß wir F u r ch t haben, daß die Leitung der Partei die Orthodoxeil im Lande vergewaltigen könne — ich persönlich glaube das nicht. — Das ist aber die Erklärung dafür, weshalb sich die orthodoxeil Rabbiner bisher feriigehalten haben, um lnich klar und deutlich allszlldrücken. Besonders fürchten diese Rabbiner, so sehr sie S y >» p a t h i e n für die C o l o n i s a t i o n des heiligen Landes hegen, daß dabei die Colonisten gezwungen werden könnten, die Heiligkeit der Sabbathe und Feiertage und die s p e c i f i s ch jüdischen L a n d g e s e tz e zu übertreten, daß bei der religiösen Richtung der Majorität diese bevorzugt iverden könnte. Wenn über diesen Punkt eine ausdrückliche Erklärung Beruhigung schaffe, so würden viele Bedenkell aufhören. Wir würden versuchen, im Kreise unserer Gesinnungsgenossen dafür thätig zu sein, daß sie sich mit ganzem Herzen der Sache zuwendeten, um so mehr als die Colonisation Palästinas nach unserer Anschauung eine Mizwo ist. Ich bitte daher die Leitung um eine Aellßerung darüber." Dem Redner antlvortete Herr D r. H e r z l: „Ich danke dem Herrn Dr. Cohn für die Offenheit sei ne ^.Anfrage. Wir haben hier religiöse Debatten nicht zu führen. Ich kann Sie aber aus vollster Ueberzengung versichern, daß der Zionismus nichts beabsichtigt, was die religiösen lleberzeugungen irgend einer Richtung innerhalb des Judcnthums verletzen könnte. (Minutenlanger

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