Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 37 (10.9.1897)
- Date
- 1897-09-10
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021169-3021206--07095-3031407- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 37 Vr. Vloch's WochrnPtzrM Seite 751 Dr. Herzl bittet den Eongreß, föeimtniß von den Namen zu nehmen, eventuell andere vorzuschlagen. Es wird die Discussion darüber eröffnet und Dr. Herzl läßt entscheiden, ob die Abstiminung durch Acclamation oder tMrch Stiinnizettel geschehen soll. Man entscheidet sich für Acclamation und die genannten fünf Herren werden gewählt. Dr. B i r n b a u m lehnt für sich die Wahl ab. Ein Herr Schille r—Wien sagt, es sei auf Birnbaum moralischer Druck ausgeübt, (Ruse: Namen nennen), die wisse er nicht. Tr. Herzl erklärt: von Druck oder.Einwirkung sei keine Rede Ein Dr. M alz meint, ohne Birnbaum wäre kein Herzl, keine zionistische Bewegung. (Tumult, Schlußrufe, minutenlanger Lärm.) Dr. Herzl bittet, den Redner weiter sprechen zu lassen. Malz fährt fort, Birnbaum muß das Mandat haben, was wir österreichische Zionisten sind, verdanken wir Birnbaum (Lärm, Rufe, der Präsident solle Redner das Wort entziehen). Tr. Herzl bittet Malz, sachlich zu sprechen, daß er nicht genöthigt sei, ihm das Wort zu entziehen, um aber keine Zweifel aufkommen zu lassen, Redner nicht etwa in seinen Aeußernngen zu behindern, trete er das Präsidium an Dr. N o r d a u ab. (Gegenrnfe, Wortentziehen, Schluß.) Dr. N o r d a u: Herr Dr. Malz habe Zeit gehabt, die Stimmung kennen zu lernen und selbst ruhig zu überlegen. Dr. Malz: Er wolle keinen der Herren in Gegensatz zu den andern bringen, er wolle nur sagen, das Gefühl der Bitterkeit beschleiche einem, er wolle nur sagen, es sei Pflicht des Eongresses, dem Toctor Birnbaum, der sein ganzes Leben dem Congreß geweiht, der keine Existenz hat (Schlußrufe, ungeheuerer Tumult, allgemeine Aufregung, der Präsident klingelt minutenlang umsonst). Nach eingetretener Ruhe erklärt-Dr. Löwe, daß Birnbaum völlig frei verzichtet habe, ohne jeden Druck öder Zwang. Steiner: Die ganze Sache war ja unnöthig, da ja Birnbaum zwar Oesterreicher ist, aber gegenwärtig in Berlin wohne. Dr. Herz l, der wieder das Präsidium übernommen, schreitet zur Wahl eines Ersatzmannes für Birnbaum. Nachdem Steiner und Dr. Winter vorgeschlagen, die aber ablehnen, plaidirt ein Redner für Dr. Landau und will seine Fähigkeiten dazu darlegen. Dr. Herzl unterbricht ihn, das wäre ungerecht gegenüber den anderen vorgeschlagencn Herren, er könne diese Ausführungen nicht gestatten, weil von den übrigen Eandidaten keine Vorzüge hervorgehoben seien. (Beifall.) Ein Delegirter: Vielleicht haben die keine. (Großer Lärm.) In die Ländercommission wurden durch Acclamation gewählt: Dr. K o r n f e l d—Brünn—Oesterreich, Tr. S a l z—Galizien, Dr. Ebne r— Bukowina, Rabb. M o h i l e w e r, Prof. M a n d e lst a m m, Koben Bernstein und Rechtsanwalt I a s s i l e w s k i Rußland, Dr. Lippe und P i n e l e s—Rumänien. Prof. Bielk o w s k i—Bulgarien, Bernard L a z a r e—Frankreich, B a h a r — für alle orientalischen Staaten, Dr. R ii l f und B o d e n h e i m e r — Deutschland. Bei der Wahl für Frankreich wurde N o r d a u vorgeschlagen, der erklärt, daß er unabhängig ohne Mandat weit besser für die Sache wirken könne, auch Rufe: Zadoc Kahn. Tie Engländer erklären durch Rubinstein, daß die Engländer, wenn sie auch mit den Beschlüssen des Eongresses sympathisiren, sie doch erst nach Rückkehr in ihr Land zwei Eandidaten nominiren wollen. Dieselbe Erklärung gibt Amerika ab. Zum 3. Punkte, Nationalfonds, nimmt Dr. B o d e n h e i m e r das Wort und führt ans, daß bindende Schlüsse über diesen Punkt bei seiner Wichtigkeit jetzt kaum gefaßt werden können. Es muß dem Eomits eine endgiltige Prüfung überlassen bleiben. Er schlägt die Resolution vor: Die Versammlung erklärt, daß sie die Schaffung eines Fonds zur Förderung der zionistischen Zwecke für nöthig halte und dem nächsten Congresse ein Entwurf darüber vorzulegen sei. (Beifall.) Dann nimmt Prof. S ch a p i r a das Wort und führt aus, daß man jetzt wenig Beschlüsse fassen könne. Er wolle sich mit allen Kräften der Sache widmen, Details könne man nicht besprechen. Tie Zahlen die er in seinem Vorschläge angegeben, siud natürlich ohne Belang, sie sind nur Ziffern. Der Vorschlag des Prof. S ch a p i r a lautet: Stellen wir uns vor, unsere Ahnen hätten bei ihrer Auswanderung ins Exil einen wenn auch noch so kleine Summe für künftige Zeiten gesichert, so würden wir heute damit größere Territorien erwerben können. Was unsere Vorfahren theils nicht gekonnt, theils versäumt haben, das sind wir zu thun verpflichtet, für uns und unsere Nachkommen. Legate für künftige Zeiten unterliegen aber der Gefahr, später nicht zn dem ursprünglich beabsichtigten Zwecke verwendet zu werden. Dieser Sorge soweit als möglich Rechnung zu tragen, ist das Bestreben dieses Vorschlags: 1. Es sollen von allen Juden der Welt, von Arm und Reich, ohne jeglichen Unterschied, soweit es die Gesetze derjenigen Staaten, denen die betreffenden Juden angehören, erlauben, einmalige und periodische Beiträge zur Begründung eines allgemeinen jüdischen Fonds gesammelt werden. 2. Zwei Drittel des so gebildeten Fonds sollen als Territorialfonds betrachtet werden und dürfen nur znr Erwerbung von jüdischem Territorium verwendet werden, während ein Drittel für Erhaltung und Eultivirung des erworbenen Territoriums, sowie für gleichwichtige allgemeine jüdische Zwecke Verwendung finden soll. 3. Das erworbene Territorium darf niemals veräußert, auch nicht an einzelne Juden verkauft werden, sondern es kann nur verpachtet und zwar auf höchstens 49 Jahre und nach noch auszuarbeitenden Grundsätzen. 4. Der oberwähnte Fonds darf an Capital und Zinsen nicht angetastet werden, bevor er eine Höhe von mindestens >0 Millionen Pfund Sterling erreicht hat. 5. Bevor eine Summe aus den Fonds entnommen wird, muß erst für eine Garantie gesorgt tverden, daß der Betrag vollauf in höchstens 50 Jahren wieder ersetzt werde. 6. Zur Verausgabung einer leben die jährlichen Zinsen übersteigenden Summe ans dem Grundcapital des Fonds bedarf es der Stunmenmehrheit des plebiscitär zu vernehmenden jüdischen Volkes, so gut dieses überhaupt ausführbar ist. 7. Soll der anszugebende Betrag die Hälfte des ganzen Grnndcapitales übersteigen, so bedarf die Ausgabe emer Stimmenmehrheit von mindestens zwei Drittel aller erreichbaren Stimmen. 8. Die Verausgabung einer Summe bis zum Betrage der jährlichen Zinsen kann auf Beschluß der Verwaltung geschehen. 9. Soweit thunlich, sollen bevorstehende Ausgaben ein Jahr vorher dem Volke oder seinen Vertretern vorgeschlagen werden. Nur in dringenden Ausnahmsfällen kann sich die Verwaltung im Laufe des nächsten Jahres nachträglich Indemnität einholen. 10. Die Verwaltung wird von dem gegenwärtigen Eongreß provisorisch bestimmt. Ter nächste Eongreß bestimmt definitiv für die kommenden zehn Jahre. Im Laufe der nächsten zehn Jahre soll ein festes Statut für die zukünftige Verwaltung ausgestellt tverden. 11. Abänderungen dieser Satzungen können nur auf Grund eines Plebiscits mit einer Stimmenmehrheit von mindestens zwei Drittel aller erreichbaren Stimmen vorgenommen werden. 12. Einem solchen Plebiscite muß eine dreimalige Bekanntmachung mit Zwischenpausen von jeweils zehn Jahren vorangegangen sein, die jedesmal so gut als möglich unter alle Juden verbreitet werden müßte. Hierauf Schluß der Debatte, die den Antrag annimmt, „daß an das ganze Volk ein Aufruf erlassen werden Jolt zur Schaffung der materiellen Grundlage für Anschaffung eines Territoriums beizusteuern und dem Centralcomit6 die Technik dazu überlassen." Zum Punkte „Eolonisation" nimmt das Wort Tr. Sch n i er er: Ter Kürze der Zeit halber muß ich mich kurz fassen. Zwei Pilnkte will ich hervorheben. Soll weiter colonisirt werden? Die Frage mag paradox erscheinen, da die Eolonisation ja der einzige Zweck ist. Aber nach den: Programm will der Zionismus die öffentlich-rechtliche Stellung der Inden erstreben. Daher die Frage berechtigt, ob weiter colonisirt werden soll, bevor die öffentlich-rechtliche Sicherheit geschaffen. Daher stehen sich zwei Ansichten gegenüber, die Eolonisation solle sortgesttzt, bis diese Sicherheit geschaffen, nach der andern aber unterlassen werden. Jedenfalls könne mit dem bisherigen Modus der Eolonisation ein Nalionaljude nicht einverstanden sein. Unsere Bewegung ist eine ethische, auf illegalem Wege durch Korruption wollen wir nicht Vorgehen. Weg mit der Bakschichwirthschaft, die nur Schaden anrichtet. (Beifall.) Niemand wird die Wichtigkeit der Eolonien verkennen, ste sind Versuchsstationen, in diesem Sinne müssen sie fortgesetzt werden. Die Kolonisten sollen nicht ewige Schnorrer sein, jeder soll über kurz oder lang selbstständig werden. Zum Schluß faßte Redner sein Referat in folgendes Resuinä zusammen: . 1. Jede weitere Einwanderung von Juden auszusetzen, bis die öffentlich-rechtliche Stellung des Judenstaates gesichert. 2. Neue Eolonien nur aus dem in Palästina schon vorhandenen Menschenmaterial und zwar auf Grund freier Genossenschaften zn errichten. .... . Darauf bedeutet K a m i n k a, er könnte stundenlang sprechen, er will nur Hinweisen, wie die Eolonisation Palästinas das^ Ideal aller Inden sei. Im Talmud und den anderen jüdischen Schrlften finden sich Aussprüche, wie: Jeder Israelit, der außerhalb Palästinas wohnt, diene fremden Göttern. Wenn Israel von Ruhe spricht, mutz es sich nach Jerusalem wenden, dort allein kann es Ruhe gewinnen. An Jerusalem dachten, dahin sehnten sich in allen Zeiten die Besten unserer Nation, sie wunderten nach Möglichkeit aus oder unterstützten die Einwanderer und Bewohner: sie verbanden damit die Hoffnung auf Wiederherstellung Zions, allerdings auf mystische Weise. Aber auch Stimmen tm Mittelalter, nach Zion auf natürlichem Wege zuruckznkehren, werden laut, so wurde zu Ps. 143 der Stelle „bei ©ott Jet zwar Hilfe, aber sie geschehe durch Menschenhände" bemerkt, so stl me Rückkehr ans Babylon durch Cyrus erfolgt, so werde auch die. endgiltige Lösung durch Menschenhände geschehen. Er erinnert des Weiteren an die Geschichte der Zionsbewegung, wie 1839 durch die Mrance Jsraelite Ackerbau-Colonien gegründet wurden. In den Siebziger-Bahren und Anfang der Achtziger kamen dann die Verfolgungen der Juden m Rnmänien und Rußland, man berief schließlich eine Versammlung nach Kattowitz anläßlich des hundertjährigen Geburtstages Montefiore's. Vereine entstanden in Odessa und Warschau, Commissionen wurden eingesetzt zwecks Verhandlungen mit der russischen Regierung. Redner gibt des Weiteren den Bestand der Eolonisten, ihre Entwicklung, die nach seiner Absicht in einem Anhänge in dem Protokoll des Kongresses, respective in einer besonderen Broschüre dargelegt werden soll. Der Export von Palästina betrug 4,472.000 Frcs., der Import 7,371.500 Frcs. das Resumä des Vortrages ist: Kolonisation aus dem bisherigen Wege sei unmöglich, die Schwierigkeiten, wie Redner näher ausführt, zur Anlegung von Eolonien enorm. Redner empfiehlt