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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-09-10 · 37 (10.9.1897) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
37 (10.9.1897)
Date
1897-09-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 750 Vr V Loches Mochrnsttzrist Nr. 37 die Musik geschrieben hat, bringt die Wiener „Ostdeutsche Rundschau" vom 30. August einen geradezu rüpelhaften Angriff auf den Autor. Weil sich hinter „Ernst Rosmer" Frau Elsa Bernstein verbirgt, die Gattin des bekannten Münchner Rechtsanwalts, fällt das Antisemitenblatt über das Dichterwerk her und verreißt es in geradezu bubenhafter Weise. Ein Werk schlecht zu finden, dazu hat Jeder ein Recht. Aber angesichts eines Dichterwerkes, das eine ernste literarische Kritik verträgt, die Verfasserin als „Rebekka Bernstein" lächerlich zu machen, richtet sich von selbst. Hat doch die ganze sogenannte deutschnationale Richtung in Oesterreich nicht einen Dichter hervorgebracht, der an Begabung dieser Frau gleich käme. Zum Schluß leistet sich das Blatt auch noch eine Unwahrheit. Nicht die „Versunkene Glocke" Hauptmann's hat die „Königskinder" entstehen lassen. Denn Frau Rosmer's Stück war schon 1—2 Jahre alt. als Gerhart auptmann's Stück erschien. Und das nennt sich literarische ritik! Vom griechischen Volk. Die „Deutsche Reform" vom 15. August schreibt: „In Griechenland sperrt man sich noch gewaltig gegen die Einrichtung einer auswärtigen Finanzcontrole. Das Ergebniß einer in Athen abgehaltenen Volksversammlung war ein in Umlauf gesetzter und von allen Blättern veröffentlichter Aufruf an den König, die fremde Controle nicht anzunehmen, denn dies wäre ein Eidbruch gegen die Verfassung und er mache sich zum Khedive und die Untcrthanen zu Fellachen. Besser wäre es, Thessalien in die Hände der Türken zu geben, als ganz Griechenland den Händen „preußischer und anderer Juden" durch die Controle zu überliefern! Das Volk sei bereit, zu Opfern an Geld und Blut. — Wer ruinirt die Völker??" In Wirklichkeit liegen die Verhältnisse genau umgekehrt. Griechenland willigt in eine Controle durch die Gläubiger — d. h. im Style der „Deutschen Reform" durch „die preußischen und anderen Juden". — Dagegen verlangen die Mächte eine Controle durch Vertreter der Mächte, welchen Griechenland seine schuldigen Zahlungen nicht so schlankweg verweigern kann, wie den privaten Gläubigern. Unter den „Preußischen und anderen Juden" sind daher nicht die betheiligten Bankiers — sondern die europäischen Großmächte zu verstehen. Nach den Erfahrungen, die man mit Griechenland gemacht hat, ist diese Vorsicht der Mächte durchaus angebracht. Griechenland hatte einen Staatsbankerott, wie in ähnlich schimpflicher Weise kein zweiter Staat. Es ist nicht durch zu hohe Zinsenlast in Verlegenheiten gerathen — es erhielt vielmehr Geld zu 4—5 Percent. Griechenland zahlte auf die im Ausland aufgenommenen Anleihen nur 30 Percent der Zinsen, während es auf die inländische n Anleihen die Zinsen im reellen Betrage zahlte (!!) Der Forderung der auswärtigen Gläubiger, mehr als 30 Percent zu zahlen, setzte es die Behauptung entgegen, mehr als 30 Percent nicht geben zu können. Vermittelst der 70 Percent, die das Land seinen Gläubigern schuldig blieb, ersparte es einen ausreichenden Betrag, um den Aufstand in Kreta zu schüren und Krieg gegen die Türkei zu führen. Daß ertappte Gauner auf die Juden schimpfen, ist nichts Neues! — Juden als Ackerbauer. Vor einiger Zeit äußerte der Londoner Philantrop Hermann L a n d a u die Idee, daß die armen Juden des Ostend, anstatt sich den überfüllten Handwerken zu widmen, auf das Land hinaus gehen und Bauern werden sollten. Einige Familien haben nun thatsächlich diesen Rath befolgt und sind nach dem Dorfe South Beufleeth in der Grafschaft Essex übergesiedelt, wo sie Gelegenheit hatten, Land im Werthe von ca. 60.000 Mk. zu kaufen. Die neue Ansiedlung zählt einschließlich der Frauen, Kinder und Synagogenbeamten im Ganzen 200 Seelen. „Thudersley Houfe", ein alter Herrensitz, ist in eine Synagoge verwandelt worden, und es werden bereits Vorbereitungen zur Errichtung kleiner Fabriken getroffen, um die Bauern während der Zeit, wo die Landwirthschaft ruht, zu beschäftigen. Man darf auf den Erfolg, den dieser Versuch bringen wird, mit Recht sehr gespannt sein, da derselbe unter Umständen entscheidende Bedeutung für die Entwicklung der englischen und der eingewanderten Juden gewinnen kann. Exameusfrage und Religion. Die „Akademischen Monatsblätter", das Organ des Verbandes der katholischen Studentenvereine Deutschlands, berichten aus dem Rheinland, das zu 75 Percent katholisch ist, daß im letzten Jahre (1895/96) 54*86 Percent Katholiken, 38 88 Percent Protestanten und 6*26 Percent Juden die erste juristische Prüfung bestanden. „Geradezu verblüffend", schreibt das Blatt, „ist das Ergebniß des Prüfungsjahres. Von den Juden fiel Keine r durch, von den Protestanten 15*15 Percent, von den Katholiken 31*57 Percent. Wie ist diese Thatsache zu erklären? Voreingenommenheit der Commissäre ist ausgeschlossen. An den: Mangel an Einpaukern kann's allein auch nicht liegen! Auffällig bleibt's auf jeden Fall." Wir meinen aber, daß die Sache ganz und gar nicht auffällig ist, wenn man das Studentenleben in Deutschland genauer kennt und beobachtet. Die Juden, denen fast keine Corporation Heimatsrecht gewährt, verwenden die Masse Zeit auf das Studium, die ihre „arischen" Commilitonen mit Trinken und Pauken verbringen. Auch zwingt sie der Kampf ums Dasein zur Anspannung aller Kräfte, da den Juden das Dafein eben viel fchwerer gemacht wird. Rohlings verbotenes Buch. ‘ III. Mit jener Genialität, die ihm eigen ist, erkennt Rohling auf einen Blick die kirchliche Unverfänglichkeit des Themas und erwidert demgemäß den Durchlauchtigen: „Ich thue es umso leichter, als die Gefahr, einer verwegenen, unerhörten Neuerung angeklagt zu werden, bereits vorüber ist, weil unser Gegenstand gerade in unseren Tagen unter den zuständigen kirchlichen Autoritäten, insbesondere von dem großen Theologen Monsignore Bischof Pie von Poitiers, eine eingehende und gediegene Bearbeitung fand. Es folgt nun die wüsteste Phantasterei, die wir jemals über das Thema vom Jenseits und vom ewigen Leben gelesen haben. Etwas Anderes ist es, wenn Jesaias mit den Zauberfarben seiner gotterleuchteten Phantasie, mit der Musik seiner herrlichen Sprache das messianische Reich feiert oder wenn die Apokalypse Johannis, durchsättigt mit jüdischer Sage und Tradition, mit orientalisch-gigantischer Größe dem erbebenden Sünder die Schrecken des jüngsten Tages vorführt und wenn ein Schulpedant diese großartige Poesie in ihre Elemente zerhackt und an jedem exegetisch herumvernünftelt! Wie viel hat man unsere Theologen gelästert, weil sie sich mit so weltentlegenen Themen abgegeben hätten! Man lese zur Vergleichung die Auseinandersetzungen Rohlings. Seine erste Sorge ist, ob die Welt ewig ist und auch den jüngsten Tag überdauern wird. Dieser Lehre wird zunächst ein naturwissenschaftliches Mäntelchen umgehängt, während unsere Kabbalisten doch immer so aufrichtig waren, ihre oft so zaubergewaltigen Visionen als solche, nicht aber als wissenschaftliche Demonstrationen hinzustellen. „Die Wissenschaft hat erkannt", sagt Rohling, „daß im Universum keine Vernichtung stattfindet. Nicht ein Stäubchen des Stoffes versinkt in Nichts, noch irgend eine Kraft, welche den Stoff gestaltet und beherrscht. Wohl sehen wir Umwandlungen der Dinge, aber keine Vernichtung. Die Kohle wird gleich dem Diamanten durch Feuer zu Asche, aber keines versinkt in Nichts. Aus dem faulenden Saatkorn steigt ein Halm mit nahrhaften Körnern empor, welche ihrerseits iu dem Feuer unseres leiblichen Organismus in Blut verwandelt werden." „So lehrt nun auch der Glaube, daß die Welt nicht untergehen, aber umgewandelt werden wird . . . Eine Reihe von Texten der heiligen Schrift nennt Feuer als das Element, welches die jetzige Gestalt der Welt vernichten wird". Die Schlußsitzung des Zionisten- Congrrffes. Basel» 31. August. Dr. H e r z l eröffitete die Sitzung und läßt durch Steiner, den Obmann der Commission, die Namen der fünf Delegirten für das Centralcomitö in Wien vorlesen: Dr. H e r z l (Bravo!), Doctor S ch n i e r e r (Beifall), Dr. K o k e s ch (Beifall), Dr. Birnbaum (ungeheuer lang anhaltender Beifall), Dr. I. M a y e r - K r e m enitzki (Beifall).

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