Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 37 (10.9.1897)
- Date
- 1897-09-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 37 Seite 749 »r. »loch'» WvchrnkchrM Was will der geistreiche Mann damit sagen? Allerdings, die Judenemancipation kam in die Verfassungen der civilisirten Staaten nicht gerade, weil die Völker an den Juden besonderes Wohlgefallen hatten, sondern als eine stricte Forderung des Rechts. Mit dem Rechtsstaate, der ausgerichtet werden sollte, vertrug sich die Zurücksetzung der Juden nicht; sie mußten in Rechten und Pflichten den anderen Bürgern gleich stehen. Georg v. Vincke sagte im Jahre 1847, ihm würde ein jüdischer Nachbar im Landtag nicht angenehm sein, trotzdem stimme er fiir die Wählbarkeit der Juden zur Volksvertretung. Darauf kam es an: die Besiegung der Vorurtheile durch das Rechtsgefühl. Kein redlicher Mensch darf ein Sclave seiner Vorurtheile, seiner Sympathien und Antipathien sein, sondern er muß sie beherrschen durch seine Achtung vor dem Rechte. Dieser einfache Sachverhalt wird nun durch den Vergleich Nordau's verzerrt, wenn anders dessen Worte richtig wiedergegeben sind. Das ist unsere Hoffnung, daß in nicht allzuferner Zukunft die Völker einseheu werden, wie ein Rechtsstaat nur möglich ist, tuettit allen Einwohnern des Landes ihr Recht geschieht, wie also jedes Attentat gegen das Recht der Juden die Herrschaft des Rechtes überhaupt untergräbt und die Wiederkehr der Rechtlosigkeit aller Bürger vorbereitet. Es ist ein frohes Bewußtsein, daß wo wir für uns eintreten, daß wir auch der Cultur, der Wohlfahrt, der Herrschaft des Rechtes überhaupt einen Dienst erweisen. Darum sind auch alle vorurtheilslosen und redlichen Männer auf unserer Seite. Vom Jahrmarkt des leben». Zum Congrest in Bafel. Berlin. Die Unterzeichneten veröffentlichen folgende Erklärung: „Am 31. Juli 1897 hat zu Berlin eine Zionisten- Versa m m 1 u n g stattgefunden, in welcher beschlossen worden ist, Herrn Dr. Nathan B i r n b a u m als Delegirten zum Baseler Z i o n i st e n - C o n g r e ß zu entsenden. Da an dieser Versammlung nur eine Minderheit der Berliner Zionisten sich betheiligt hat, da ferner in Person des Herrn Dr. Birnb a u m ein Delegirter bestellt worden ist, der eine von der unseren völlig abweichende Anschauung unter den zionistischen Juden vertritt, so p r o t e st i r e n wir gegen d i e Beschlüsse dieser Versa m m l u n g. Wir erklären, daß auch wir der Ueberzeugung leben, daß die Judenheit nicht nur eine Religionsgenoffenschaft, sondern auch eine Stammesgemeinschaft darstettt. Auch wir halten für das letzte Ziel, dem Zionisten nachstrebeu müssen, die Wiedererstehung eines jüdischen Gemeinwesens auf dem geweihten Boden Palästinas. Als das beste Mittel, dieses unser Ziel zu erreichen, betrachten wir die allmälige Colonisation Palästinas, von der Ueberzeugung durchdrungen, daß erst nach der Erstarkung des jüdischen Volksthums im heiligen Lande 'die Möglichkeit der Schaffung eines lebensfähigen jüdischen Gemeinwesens gegeben ist. Wir erachten es als unzweckmäßig und schädlich, schon jetzt auf die völkerrechtliche Sicherung dieses Gemeinwesens zu dringen, indem wir von einer dahingehenden Agitation bestenfalls eine künstliche und daher schädliche Agitation eines Entwicklungsprocesses erwarten, welcher viele Jahrzehnte währen wird und währen muß, um ein gesundes, die Jahrhunderte überdauerndes Ergebniß haben zu können. Um deswillen erscheint uns der Baseler Zionisten-Congreß nach feinem vorliegenden Programme nicht als die Ziele der zionistischen Bewegung förderndes Unternehmen. Wir protesttren daher gegen den Beschluß vom 31. Juli 1897, insbesondere gegen die Entsendung des Herrn Dr. Birnbaum als Delegirten und erklären, d e n s e l b e u n i ch t a l s unseren Vertrauensmann a n s e h e n zu können. Berlin im August 1897. Dr. Allen B i r a m. Caro. F a b e r. F i n k e l st e i n. Dr. F r i e d e m a n n. W. Friedman n. Dr. H a n t k. R. H a n t k e. H a r tm a n n. H e il m an n. H e y m a n u. H i r s ch. K l e e. L e v i n. Dr. M a i n z e r. Sachs. S ch i l d b e r g e r. Simon. Tonn." Vom Zronisteneongreß. Auch bei den f r a n z ö s is ch e n Antisemiten hat die Einberufung eines jüdischen Congresses in Basel behufs Wiederaufrichtung eines jüdischen Staatswesens in Palästina großen Anklang gefunden. Die antisemitische „Libre Parole" bemerkt dazu: „Um die Verwirklichung dieses Planes zu erleichtern, der geeignet ist, Israel seinen alten Glanz und gleichzeitig Frankreich etwas von seinem früheren Wohlbefinden und Gedeihen zurückzugeben, ist die „Libre Parole" selbstverständlich zu den letzten Opfern bereit. Sticht nur bietet sie unentgeltlich und begeistert die Publicität ihrer Spalten, sondern sie verpflichtet sich auch, wenn wirklich die Geldfrage, was unwahrscheinlich ist, die Juden zaudern machte, eine Sammlung zu veranstalten, deren ungeheurer Erfolg nicht zweifelhaft ist." Die arische Rettuugsgesellschast Der selige Gemeinderath Häufler, der einmal vor langen Jahren, als seine Gesinnungsgenossen wenigstens noch einen gewissen Seltenheitswerth befassen, in der Wiener Stadlvertretnng erklärte' daß er lieber ohne Hilfe bei einem Unfall bleiben wolle, als einen jüdischen Arzt zu Hilfe zu rufen, dürfte sich vor Vergnügen im Grabe unldrehen. Wenn die Meldungen der Tagesblätter auf Wahrbeit beruhen, dann ist die arische Rettungsgesellschaft eine Frage der nächsten Zukunft, und alle Vollblutarier sind der Gefahr enthoben, sich von einem Juden ein gebrochenes Bein oder einen verrenkten Arm einrichten zu lassen, eine semitische Constatirnng seines eventuellen Selbstmordes befürchten zu müssen. Jeder überzeugungstreue Antisemit kann sich nun getrost und unbesorgt aufhängen! Die Juden können ihrerseits diese Entwicklung der Tinge ohne besondere Beängstigung verfolgen! Es wird dieselbe Geschichte sein, wie bei der Hilfsaction für die Ueberschwemmten. Zuerst warten sich unsere Rathhausmachthaber in die Gregorig'schen Hemdbrüste und erließen phrasenhafte Aufrufe an die christliche Bevölkerung und an die arischen Frauen. Nachdem die christliche Bevölkerung die politische Thätigkeit, sofern sie sich in den Wirthshäusern abspielt, dem Samaritanerwirken vorzieht, und auch die arischen Damen für die christlichsociale Sache genug gethan zu haben glauben, wenn sie in den Franenversainmlungen „Hoch Lueger!" heulen, so blieb den antisemitischen Maulhelden schließlich nichts Anderes übrig, als zu dem altbeliebten und gerugeübten Judenanschnorren zurückzukehren. Nicht viel anders iüirb sich die Sache mit bem arischen Rettungscorps abspielen und die jüdischen Aerzte der Rettungsgesellschaft können ganz ruhig sein. Das sind Juden, denen das ganze Antisemitengelichter als Kundschaft treu bleiben wird. Vorderhand haben die Herren vom Wiener Rettungscorps eine höchst ersprießliche Thätigkeit entfaltet. Sie haben eine Uniform componirt, die entschieden einen glänzenden humanitären Fortschritt gegenüber dem Wirken M u n d h's und seiner Nachfolger bedeutet. Auch befinden sich unter den Gründern des neuen Nmernehittens einige .Herren, die es begreiflich erscheinen lassen würden, wenn das Wiener Rettungscorps die Herren V e r g a n i und M i t t e rm a y e r, sowie einige Andere aus dem neuen Pitaval bekannte Persönlichkeiten zu Ehrenmitgliedern machen würde. Da ist nämlich unter Anderen eilt Herr, der, bevor er auf Menschenrettung ansging, das Feuerwehrwesen zum Gegenstand seiner menschenfreundlichen Thätigkeit gemacht hat. Leider hat dieser Herr die Pater Schnabl'sche Moral von der Menschenliebe, die beim eigenen „Ich" anfängt, so praktisch aufgefaßt, daß ihn die freiwillige Feuerwehr vom IX. Bezirk aus ihren Reihen ausschloß, und zwar mit der Begründung, daß „Unregelmäßigkeiten" vorgekoinmen seien. Uebrigens besteht der ganze Lebenslauf dieses neuesten Samariters aus „Unregelmäßigkeiten"; w war es eine arge Unregelmäßigkeit, daß diesen Sommer über Initiative des wackeren Mannes Gelder für die Kretenser gesanunelt, aber nicht abgesendet wurden. Herr Doctor Lueger aber ist ein Mann, der sür „seine Wiener" Vorsorge trägt. Man wird ihm nachsagen, daß das aufgewühlte Wien die Abgründe und Klüfte, die sich mitten in der Stadt aufgethan haben, die Anhöhen, Hügel und Berge, die unter seiner Aegide errichtet wurden, den Wienern die Möglichkeit bieten, jeden Tag ein kleineres oder größeres Touristenunglück im Weichbild ihrer eigenen Stadt mitzumachen. Da hat er denn gerade zur rechten Zeit das Wiener Rettungscorps activiren lassen, und da Touristen erfahritugs - gemäß nicht allzu viele Werthgegenstände auf ihre Reisen mitnehmcu. so kann man füglich auch an der Person des Gründers des neuen Instituts keinen Anstand nehmen. Eine Unwahrheit der „Ostdeutschen Rundschau". Anläßlich der Präge r Aufführung der „K ö n i g s k i n d e r" voll E r n st Ros m e r, zu betreu bekanntlich H u ur p e r d i n ck