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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-09-10 · 37 (10.9.1897) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
37 (10.9.1897)
Date
1897-09-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 37 Seite 747 Dr. VUntz's Wochenfchrift. als den Titel gelesen, und das ist auch die einzige Entschuldigung für das Convolut von Unsinn und Unwahrheiten, die er, mit längst abgethanen Phrasen verbrämt, vorzubringen sich nicht scheut. Nebenbei ringen gänzliche Unkenntniß des jüdischen Gemeinwesens und eirie beispiellose Jdeenconfusion, die ihn bald als M i nh a g - Schwärmer jede Reform perhorresciren und bald den schrankenlosen Freigeist spielen läßt, um die Palme. Er sagt: „Aus einem Faszikel im Archive des Cultusministeriums" . . . . , obgleich sich der Aufsatz als Reproduction aus dem Union-Kalender vom Jahre 1895 96 offen darstellt; — er meint: „Jetzt ist nicht die Zeit zu einer Neugestaltung. luter urwu elleut lege3-, wiewohl durch den ganzen Aufsatz sich der Gedanke zieht: Eine solche Organisation sei die wirksamste Waffe zu Schutz und Abwehr. Er spricht von „Hierarchie" und weiß nicht, daß dem Laienelemente das Uebergewicht gesichert wird. Er setzt sich für die Autonomie, für die Selbstbestimmung der Gemeinden ein und vergißt, daß er einen sinnlosen durch Nichts zu rechtfertigenden Despotismus das Wort redet. Mit gleichem Recht könnte man aus Liberalismus die Landtage und den Reichstag abschaffen. Ihm steht. die inappellable Verfügung eines Branntweinjuden oder Hausirers oder sonst ignoranten Vorstehers höher als „die Theologie des Consistoriums", das heißt, als das Urtheil der intelligentesten Männer und Fachgelehrten, wie sie von den Gemeinde-Borstäildeu selbst gewählt werden können. Wo ist in dem ganzen, Elaborate eine Zeile enthalten, welche für die Warnung vor der Thatsache, „einen gleichmäßigen Cultus zu erzielen, um die Form der Kutte und des Käppchens der Prediger aller Tempel festznstellen, um eine Hierachie im Judenthume zu schaffen ....", auch nur den leisesten Anlaß böte? Wo findet sich darin eine Stelle, auf welche die Anekdote von der pedantischen Schulmeisterei im Entferntesten bezogen werden könnte? Welcher Passus enthält Etwas über „Schächter"? Aber Herr K. gehört zu jenen, die um jeden Preis einen fragwürdigen Witz anbringen wollen und wenn sie den Anlaß dazu bei den Haaren herbeiziehen müßten. Als muthmaßlicher Kostgänger oder Rechtsanwalt der „Allianz" mag er in der Verfassung eine Concurrentin seiner Anstalt wittern. Doch lesen wenigstens sollte er die Abhandlung, über die er den Stab gebrochen, und wenn er noch einen Rest seines literarischen Gewissens und Schamgefühls aufbringen kann, wird er roth werden müssen wie eine Klatschrose, das Emblem seiner Schriftstellerei. Noch Eines indeß verdient festgenagelt zu werden: Als etwas noch nie Dagewesenes kanu er sich den pyramidalen Einfall patentiren lassen: Der Versuch, Ordnung und Regelung in die zerrütteten jüdischen Verhältnisse zu bringen, wäre nichts weiter, als „die unselige Nachahmungssucht der Formen anderer Religionsgebiete, die schon das Jndenthum mit der Reform seines Cultus beglückte". ... Ei der Tausend! Da hätte jener polnische Fude Recht, wenn er sagte: „In der Synagoge müsse man lärmen und Spektakel machen, weil Ordnung und Anstand im Got'teshause nurChuckath a g o j, christliche Sitte, sei." Var Deutschthum als Geschäftchen. In der „Nation" vom 21. August veröffentlicht Herr Anton Bettelheim unter dem Titel „Trutzjuden" einen Aufsatz gegen die Zionisten. Der Artikel ist durch das Geständniß interessant, daß es sich bei der Sprachenfrage auch um recht materielle Fragen handelt. Nachdem ein zionistisches Blatt ironisch die Frage gestellt hatte: „Was bedeutet denn die am Horizonte Oesterreichs aufsteigende Ghettowolke, was bedeutet der ganze Jammer, der im Elend verkommenden galizischen, rumänischen und russischen Brüder gegen die Sprachenverordnung?" macht nämlich Herr B e t t e l h e i m zur Widerlegung folgende Bemerkung: „Daß die deutschböhmischen Juden in diesem Sprachenstreit sich ihrer Haut wehren, daß in diesem Kampfe auchdie Magen frage, die Besetzung zahlreicher VerwaltungsundLehrämter, öffentlicher und Privater Bestallungen, die Verkehrssprach e i m Handel und Wandel mitspielt, haben die Denker der „W e l t" offenbar vergessen. Sie beschäftigt die vieldringlichere Frageder neuhebräische n Literatur rc. Herr Bettelheim, dessen Geschäft die Literaturgeschichte ist, spottet über die Beschäftigung mit der neuhebräischen Literatur, welche deren Förderern doch weit mehr Mittel als Selbstzweck ist. Er wirst den Zionisten vor, „vergessen" zu haben, daß es sich bei der Sprachenfrage um eine Magenfrage handle. Vergessen, Herr Bettelheim? Woher sollen das die Zionisten wissen? Diejenigen von ihnen, die bei Marx und Engels in die Schule gegangen sind und die daher geschult genug sind, hinter der sittlichen Entrüstung die Profitwuth zu erkennen, die haben allerdings geahnt, daß der Gesang der „Wacht am Rhein" wesentlich auch dazu dient, das Geschrei der geschäftlichen Interessen zu übertönen. Aber die anderen, die ehrlich Naiven, welche ihre geistige Nahrung nur aus der nationalen Presse schöpfen, woher sollten die wissen, daß es sich um die Magenfrage handelt? In diesen Zeitungen stand wenigstens nichts davon, man mußte im Gegentheil nach ihren Artikeln annehmen, daß es sich bei der Sprachenfrage nur um das verletzte Recht und nicht um geschäftliche Fragen handle. Für uns Juden handelt es sich da um ein miserables Geschäft, Herr Bettelheim, und deshalb war es von Ihnen ein durchaus unglücklicher Gedanke, die Magenfrage zu berühren. So lange die Sprachenfrage als Rechtsfrage oder als Nationalitätsfrage placatirt wird, gibt es jüdische Wurzen genug, die darauf hineinfallen. Es ist aber durchaus verfehlt, einer Wurzeneinreden zu wollen, daß er ein gutes Geschäft macht. Wenn ein Mädchen eine Wurzen bittet, sie zu retten, oder ihm erzählt, daß sie ihr: liebt, so rührt sie sein Herz, genau so wie die Juden davon gerührt werden, daß man ihnen erlaubt, mitzuhelfen, das gefährdete Deutschthum zu retten und daß sie inzwischen Schonzeit haben sollen. Will man aber der jüdischen Wurzen Vorreden, daß das Deutschthum für ihn eine „Magenfrage" ist, so hat man das Spiel verloren. Damit zwingt man ja geradezu diesen Heuochsen, der sich mit Phrasen hat abfüttern lassen, darüber nachzudenken, ob er bei dieser etwas zweifelhaften Nahrung satt wird. Sie thun sehr Unrecht Herr B e t t e l h e i m, die Inden bei ihren Verstand packen zu wollen - ist erst ihr Verstand geweckt worden, so können Sie und Ihre Gesinnungsgenossen aus die unbedingte Gefolgschaft der Juden nicht mehr rechnen. Es handelt sich bei der Sprachenfrage um die Besetzung zahlreicher Verwaltungs- und Lehrämter? Was geht das uns an, ob Sie die Behörden deutsch oder zweisprachig serViren wollen? Genau so wenig, wie den Proletarier die Frage berührt, ob die Auster frisch oder gebacken besser schmeckt. Er kriegt eben von den Austern genau so wenig zu sehen, wie wir von den „zahlreichen Verwaltungs- und Lehrämtern". Und wenn Sie uns den Beweis hätten liefern wollen, daß uns die ganze Sache wirklich wenig angeht, hätten Sie das gar nicht schlagender thun können, als durch die Bemerkung, daß es sich bei der Sprachenftage um die Besetzung zahlreicher Verwaltungsuud Lehrämter handelt. Auch für den jüdischen Geschäftsmann ist es sicherlich nicht vortheilhaft, sich deutsch national zu erdreusten. Daß er dadurch die czechische Kundschaft sich entfremdet, liegt aus der Hand. Auf die deutsche Kundschaft kann er aber ohnehin nicht rechnen, denn das Feldgeschrei der deutschen Führer lautet: „Kauft nicht bei Juden." Dieser Schlachtruf betrifft die Magensrage, Herr Bettelheim. — Nachdem ihre Parteigenossen nach einer langen Regierung uns Juden von den „zahlreichen Verwaltungs- und Lehrämtern" recht wenig abbekommen ließen, gab ihnen ein günstiges Geschick im Coalitionsministerium von Neuem Gelegenheit, sich zu bethätigen. Eines der wenigen Gesetze dieser Epoche ist das Antihausirergesetz, das ureigene Werk Ihres Parteigenossen Wurm brand. Sehr wichtig für die Magenfrage, Herr Bettelh eim! Ich sehe vollständig ein, daß es für die christlichen Deutschen, denen mit der hohen GebuÄ die Beamtenstellung in die Wiege gelegt wird, eine Unbequemlichkeit ist, eine zweite Sprache zu lernen. Ich sehe ein, daß es für den christlichen Fabrikanten unbequem ist, mit seinen Arbeitern sich czechisch zu verständigen. Aber sollen wir uns deshalb todtschlagen lassen, um deu Herren die Unbequemlichkeit zu ersparen, eine zweite Sprache zu lernen? So gut wir Juden aus „Narrischkeit" auch Hebräisch studiren, werden wir aus geschäftlichen Gründen czechisch verstehen lernen. Und genau so, wie wir in Galizien wegen der Zweisprachigkeit — der deutschen Sprache in der Armee und der polnischen im Lande — einen unverhältnißmäßig großen Percentsatz jüdischer Unterofficiere haben,

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