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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-09-03 · 36 (3.9.1897) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
36 (3.9.1897)
Date
1897-09-03
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Sette 736 Dr. Vloch's Wochenschrift. Nr. 36 sich ihm die Thore öffneten, die ihn in das Reick des Schönen » führten!" I Jacob reichte dem Meister die Hände, er wollte reden, da! wurde die Thür geöffnet und herein stürmte ein schöner, statt- I licher, junger Mann. I „Kabele" — „Fritz" — tönte es freudig erregt von beiden I Seiten und die Freunde hielten sich umschlungen. Wie groß war I die Freude des Wiedersehens. Einige Stunden blieben die Drei I in fröhlichem und ernstem Gespräch beisammen. Dann kehrte jeder I zu seiner Arbeit zurück. I Von nun an begann für Kobele eine schöne, herrliche Zeit. I Er arbeitete mit Feuereifer bei seinem Rabbi und am Abend war! er beim Meister, der mit ihm spielte und ihn in die Geheimnisse I der Composition einweihte. Er setzte nun alle Psalmen in Musik, I die heiligen Gesänge, die im Tempel vorgetragen wurden. Bald I erschienen seine Sachen und große Cantoren bewarben sich um diese Arbeiten. Seine äußerliche Lage besserte sich. Er durfte bald an seine Heimkehr denken. Auch sein Mütterchen erfuhr von den Wechsel seines Geschickes. Wie freute sie sich, daß sich alles so zum Guten gewendet. Hie dankte sie Gott, daß Er ihr das Leben gelassen, nun durfte sie den Einzigen Wiedersehen, für den sie ihr ganzes Leben gebetet, gehofft hatte. Nnn kam er zurück so rein und edel, wie sie ihn ausgesandt, ein echter Sohn seines Volkes, ein treues Kind seiner Eltern, eine Zierde aller Menschen. War sie denn werth solcher Huld und Gnade?! Ach, nun erkannte sie erst, daß Gott nicht allein strafen, sondern auch! heilen, erhören und segnen kann tausend-, tausendfach ehrliches, redliches Streben und Ringen. Sie wartete, hoffte und begrüßte jeden Sonnenstrahl, der des Morgens ihr kleines düsteres Stübchen erhellte. Mit jedem Windhauch, der sie kosend berührte, glaubte sie einen Gruß von ihrem fernen Liebling zu empfangen. Die Tage, Wochen, Monate schwanden, wieder lag tiefer Schnee in den kleinen Gassen und hüllte das Städtchen fast ganz in seine weiche Decke ein. Auch aus Hannas Haupt hatte der Schnee des Alters sich gesciM Wieder war's Freitag Äbend. Die Tempelpsorten waren geöffnet und die frommen Beter eilten herzu, um den Einzug des Festes zu feiern. Hanna hatte still am Feilster gesessen, ein kleines Gebetbuch auf den Knieen, das sie noch einst von ihrer Mutter geerbt und welches ihr ein Trost, ein lieber Freund in bösen und guten Stunden geworden. Sie erhob sich, um die Lichter anzuzünden, die den Sabbath heiligen sollten. Laut sprach sie den Segen mit erhobenen Händen und Thränen stoffen langsani die Wangen herab. „Mein Gott", rief sie, sei gnädig und gib ihn mir bald wieder, meinen Jacob, meinen Sohn!" Da rief eine Stimme zärtlich, die sie so lange, so schmerzlich entbehrt: „Mutterle, Mutterle!" und ehe die blaße Frau sich umwenden konnte, hatten zwei kräftige Arme sie umschlungen und ein blühendes Lippenpaar bedeckte ihren Mund mit innigen Küsten. „Nun bin ich bei Dir und nichts, nichts kann uns trennen! Mein Wort lös' ich ein, ich habe es treulich erfüllt!" Jacob, mein Kind, inein Sonnenschein, Hab' ich Dich wieder!" schluchzte die Mutter, noch immer verwirrt von der frohen Ueberraschung. „Gott sei gelobt, daß Er mich diese Stunde noch hat erleben lassen. Nun kann er mich zu sich nehmen, so es ihm gefällt!" „Nein, nein, Mutter, nun sollst Du leben, nun baue ich Dir ein Häuschen und Pflege Dich, wie ich's mir erträumt seit meiner Kindheit. Ich erzähle Dir Alles, Alles! O, mein Gott, kann es denn wirklich so glückliche Menschen geben, wie wir es sind! — Doch das Gebet beginnt, ich will zum Tempel. Am Abend plaudern wir!" Er küßte die Mutter und ging ins Gotteshaus. — Sie sah ihm lange nach in stillem Glück und in innigem Dankgebet zum Vater im Himmel. Sie dachte an ihren Gatten, der so früh hatte scheiden müssen; wenn er ihn so gesehen, wie würde jede trübe Stunde, jeder Schmerz in seinem Herzen ausgelöscht sein. Ja, Gott straft und heilt! Nur er allein, der Einzige, kann wahrhaft erfteuen, beglücken und segnen, die auf ihn verttauen! Nach dem Gottesdienst füllte sich die keine Sttkbe mit vielen, vielen Gästen, alle kamen, um den Neuangekommenen zu begrüßen. Der Mutter Auge ruhte mit Stolz auf dem Sohn, der so schön und stattlich herangewachsen war. Der Raum konnte kaum all die Freunde fassen, dennoch beeilte sich Niemand heimznkehren. Man hatte so viel zu fragen und zu erzählen. Nochmals wurde die Hausthür geöffnet und geleitet von seinen Schülern trat der alte Rabbiner über die Schwelle. Jacob ging auf ihn zu und küßte seine Hand. Der alte Mann umarmte ihn zärtlich. „Gott segne Deinen Einzug, mein Sohn", sagte er feierlich und zur Mutter gewendet, fuhr er fort: „Der Ewige hat Gnade Euch erwiesen und Euer Gebet erhört. Ihr habt Euren Sohn wieder, der in der Fremde Euch nur Ehre gemacht hat. Mein alter Freund Rabbi Josef schreibt mir, daß er gut seine Zeit ausgenntzt imt> daß sein Zengniß ein glänzendes ist. Da ich alt und schwach bin, so habe ich mit den Aeltesten der Gemeinde berathen und wir ernennen Jacob einstweilen zu meinem Stellvertreter und tvenn Gott mich abrnft, so soll er an meiner Stelle zum Heile wirken!" Still ward es geworden im Zimmer. Alle waren erstaunt über die hohe Ehre, die dem jungen Mann zu theil gewordM Jacob selbst war blaß geworden. Er fand nicht Worte,. seinen Dank anszudrücken. Der alte Rabbi sah seine Verlegenheit und er ging auf ihn zu, ergriff seine Hand und sagte: „Ich beglückwünsche Dich zu Deinem neuen Amte. Möge es uns znsannnen vergönnt sein, zum Heil und Segen für unsere Brüder zu wirken und das Licht und die Erkenntniß des k wahren Glaubens in alle Herzen zn gießen. Gott lohnt auf Erden treue Pflichterfüllung, doch wer seine Eltern ehrt und ihrer gedenkt in der Ferne, wer sein Thun und Handeln, sein Schaffen und Wirken, sein Denken und Empfinden nach ihrem I guten Beispiel formt, der verdient sich doppelten Lohn. Dn bist ein treuer Sohn, Du wirst ein treuer Diener Deines Gottes sein, ein treuer Seelsorger Deiner Gemeinde." Diese Worte des weisen Lehrers brachen den Bann und und das starre Staunen, das Alle stumm gemacht. — Jacob umarmte in der Freude seines Herzens den alten Rabbi, seine geliebte Mutter und schüttelte Allen die Hände, die sich ihr glückwünscheud nahten. Spät war's, als Mutter und Sohn allein blieben. Sie konnten vor Freude und Seligkeit nicht schlafen und mußten sich immer wieder küssen und herzen, um gewiß zu sein, daß sie sich nun einander für immer haben werden, daß nichts sie mehr trennen sollte. Am Pessachfeste wurde der junge Rabbi feierlich in sein neues Anit eingeführt. Sein Mütterchen hörte ihn das Gotteswort verkünden und vergoß Thränen reinsten Glückes und innigster Dankbarkeit. Er hatte sein Versprechen gelöst, seine Kindheitsträume erfüllten sich. Das kleine niedere Cantorhäuschen putzte er stattlich heraus und sein Mütterchen pflegte und hegte er mit unendlicher Liebe. Sie durfte ihm helfen bei seinem Amt, Arme speisen und Thränen trocknen. All' ihre Wünsche gingen ihr in Erfüllung und ihr Lebensabend war ein friedlich schöner. Fritz, der sich inzwischen als. Arzt in der Heimat niedergelassen, blieb stets der Freund Jacobs und beide hatten oft Gelegenheit, zusammen zum Wohle der Menschheit zu schaffen und zu arbeiten. Der alte Meister Blandini hatte seinem Freund Jacob eine stattliche Erbschaft vermacht, die der junge Rabbi zu wohlthätigen Zwecken verwandte und so das Andenken des väterlichen Freundes und Schützers ehrte. Die kleine braune Geige blieb aber Jacobs treuester Schatz, sie erhielt den Ehrenplatz in seinem Hause und seine glücklichsten Stunden waren es, wenn er spielen konnte auf „Vaters Geige". Briefkasten. I. S. in Agram. Auf Ihren Wunsch, zu wissen, wo mau die correctesten Cultusgcgenstäude erhalten kann, empfehlen wir Ihnen die Firma Wolf Bandler, I., An: Bergl 2. R. in Wien. Lehrer Urban hat Recht, daß Mittermayer ein „Christ" sei und zur „christlichen Partei" gehött. Wo Vergani ein Ehrenmann ist, kann Mittermayer kein Lump sein. L. W. Ein derartiger Aufruf muß von den Mitgliedern des Culttisvorstandes unterfertigt sein. Salomon Frankfurter. Ungeeignet. F. Wir werden die Angelegenheit überwachen. kereurgrder u. verantw. Redacteur: 9». Josef «. «loch. — Druck v. L. Beck * Sohn, Wien, VJII., Lercken'elderstr 46.

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