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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-09-03 · 36 (3.9.1897) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
36 (3.9.1897)
Date
1897-09-03
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 36 Vr. Vloch's Wortzrnfchrifl. sich auf mit Tagesanbruch unter den guter: Wünschen der Ge- ’ meinde, kehrte aber am Mittag desselben Tages zurück zn feinem Bater und sagte: „Vater, ich habe noch nichts bis jetzt verkauft, aber etwas sehr Seltsames ist geschehen, ein kupferner Kessel ist mir gestohlen worden." „Du Narr", sagte der Vater, „wie hast Du Deine Bude zurückgelassen?" „Oh", sagte der Schlemiel, „die habe ich einem sehr ordentlichen Manne zur Obhut anvertrant, der sie für mich beaufsichtigt." „Kehr mit", sagte der Vater, „und wage nicht wieder auch Hause zu kommen, bis Du den Dieb nicht herausgefunden hast." In vier Stunden ist der Schlemiel wieder da mit der Miene eines Triumphirenden. „Schon Alles recht, mein Vater, er ist gefunden. Als ich zurück war, war auch die Bude schon weg. Ich bin nicht der Narr, für den Du mich hältst; demt das ist mir sicher, der Mann, der beit Kessel genommen, muß im Complot sein mit dem Manne, der mit der Bude davon lief." Doch nicht nur im Handel erntet der Schlemiel seine Lorbeeren. Einst hatte er sich über Nach! verweilt in einem Nachbarstädtchen, indem er gewissen Festlichkeiten beiwohnte, als ein furchtbarer Sturm losbrach, der keine Verheißung gab, anfznhören. „Ihr könnt heute Nacht nicht nach Hause gehen", sagte der Wirth zum Schlemiel. „Ihr würdet bis auf die Haut durchnäßt werden, und die Straßen würden sein unwegsam. Wir werden Euch hier ein Bett geben." Der Schlemiel willigte dankend ein. Als die Gäste auseinander gingen und es Zeit war, daß die Hanslente sich zurückzögen, war der Schlemiel nirgends zn finden. Er wurde überall gesucht und endlich begannen der gütige Wirth und die Wirthin nurrthig zu werden, da sie glaubten, der arme Schlemiel könnte das Opfer einer Unthat geworden sein. Entdeckungsgesellschaften wurden ausgeschickt in die furchtbare Nacht, aber keine Spur war zu finden von dem fehlenden Gaste und endlich zog sich die ganze Haushaltung zurück in Verzweiflung. Alles war ruhig geworden für einige Augenblicke, da weckte ein lautes Pochen an der Hansthüre die Insassen auf, die von den Treppen Herabstiegen, um den Schlemiel in eittem höchst bemitleidenswerthen Zustande zu finden, bedeckt mit nassem Koth von oben bis unten, und naß gewordeil dltrch und durch. „Gott sei Dank, Ihr seid da", war der Schrei der Erleichterung. „Ja", sagte der Schlemiel, „es ist Alles recht, jetzt bin ich zu Hause gewesen, um meinen Leuten zu sagen, mich nicht zu erwarten." Ein ander Mal ward dem Schlemiel schon so oft von der Gemeinde auf die Beine geholfen worde, daß sie für ihn nichts mehr thun wollten. Da ein großer Rav eben durch den Ort kam, wendete sich der Schlemiel an ihn, für ihn einzutret.'n. Die Häupter des Cultus erklärten, wie viel sie schon versucht hätten, ltnd ettdlich rieth der Rav, man möge genügend zusammenbringen, um dem Schlemiel eine Ziege zu kaufen, und die Milch solle man versprechen, ihm abzukaufen. Der Rath war neu, die Leute waren willig, das Geld wurde gesammelt und dem Schlemiel eingehändigt, der nach dem nächsten Marktfleck ging und nach Hause zurückkehrte mit einem hübschen Geiserich. Ich kannte selber einen Schlemiel, einstens einen sehr achtbaren Menschen, der entdeckt wurde, an Erev Sukkvth buchstäblich dem Verhungern nahe; ein braver Freund bestand auf der Inempfangnahme eines Souvereigns. Der Schlemiel kaufte dafiir gleich eine Gans für 6 Schilling 6 Pence undeinen Lulav sammt Esrog für 13 Schilling, den Rest, 6 Pence, dem Burschen übergebend, der es nach Hanse brachte. Eine Variante der Geisgeschichte war ein Liebliugsgeschichtchen des seligen Chiefrabbi Dr. Nathan Adler, der sie bei einer Gelegenheit mit großer Wirkung erzählte. Er war einige sieben Stunden nach einer Provinzgemeinde gereist, deren Mitglieder veranstaltet hatten, daß der Chiefrabbi von der Bahnstation nach der Synagoge gehen und eine Predigt halten, die Kinder prüfen und die Gemeinde empfangen werde, worauf er beim Nachtmahl bewirthet werden sollte. Der Chiefrabbi kam ermüdet an und schwach und billigte alle Veranstaltungen bis auf die Ordnung, wie sie vorkamen. Er gab ihnen zu erkennen, daß er im Momente gerade sich kaum im Stande fühle, zur Gemeinde zu sprechen, doch wolle er ihnen die folgende Geschichte erzählen: Der Schlemiel einer Gemeinde kant einst zum Rav, um seinen Rath zu erfragen, was er thun solle, alle Geschäfte seien mißglückt und er wäre mit seinem Witze zu Ende. Der Rav brachte überaus freundlich aus dem Schlemiel einen ungefähren Ueberschlag seiner Fähigkeiten heraus und endlich rieth er ihm, er solle eine Ziege kaufen und die Nachbarschaft mit Milch versorgen". Der Schlemiel ging weg voller Freude, kam Seite 733 aber in einer Woche zurück, niedergeschlagener als jemals. „Ach!" sagte der Schlemiel, „die Ziege gibt keilte Milch und sieht aus wie zttm Sterben". „Was habt Ihr ihr zu essen gegeben?" sagte der Rav. „Nichts!" sagte der Schlemiel. „Nun wohl", sagte der Rav, „wenn I h r ihr nicht Etwas gebt, könnt Ihr nicht erwarten, daß s i e Euch Etwas gebe." Was aus diesem Schlemiel weiter geworden, ist in der Geschichte des Ravs nicht angegeben, was aber den geistreichen Chiefrabbi betraf, so pflegte er mit einem lustigen Augenzwinkern zn erzählen, daß jene Landgemeinde das Nachtmahl au jenem Abend zuerst hatte und in die Synagoge nachher ging. Wir könnten hier von einem Lieblingsgeschichtchen jenes berühmten Erzählers, des Reverend A. L. Green, Notiz nehmen. Der Schlemiel hatte in seinem Heimatsorte in Polen an Alles schon seine Hand gelegt und mit Allem ein klägliches Miß geschick. Er hatte gehört, daß es ein Land gebe, das England heiße, dessen Straßen mit Gold gepflastert seien, ein Land, aus dem Niemand zurückkehre, so gesättigt seien sie Alle von dem Ueberflnß der Segnungen, deren Fülle so groß fei, daß Niemand ihnen entgehen kötme. Der Schlemiel kam im Londoner Hafen an, und wie er an's Land stieg, konnte er kaum daran glauben, daß er das goldene Land erreicht hätte. Es traf sich, daß Jemand ein 'Fünfschillingstück hatte zur Erde fallen lasiert, das vor den Augen des Schlemiels am Boden lag. Sein erster Drang war es aufzuheben, seine zweiten Erwägungen waren bessere. „Das ist der Jetzer-horang tjnn der böse Trieb", sagte er, „der einem armen Schlemiel, wie ich, will einen Streich spielen. Nein! Nein! Ich gehe kein Silber ausklaubeit, wenn in den Straßen draußen Gold liegt. Als der Schlemiel zu dem Fünfschillingstück zurückkam, war es verschwunden. Wir wissen nicht recht, was er in England machte, doch war es er oder sein Bruder oder wenigstens Einer aus ihrer Schule, der horte, daß durch den Besuch des Derby konnte Geld gemacht werden. Er verwendete sein ganzes Capital auf Sorbet ttnd eine Wasser fcittne. Er war nicht recht glücklich bei dem Rennen, und als er nach Hause kam, wurde er geftagt, rvie es gegangen wäre. „Oh, ich habe nur drei Gläser Sorbetwasser verkauft", sagte er, „aber ich habe den ganzen Rest nach Hause gebracht, ohne einen Tropfen zu verschütten." Zu ergänzen bleibt, daß er das Wasser hintrug, um einen Anspruch auf einen ersten Platz zn haben als der wahre Fürst der Schlemiels. Zuweilen wird der Schlemiel verzweifelt. Einst, ermüdet von seinen erfolglosen Bemühungen, sich ehrenhaft durchzuschlagen, ließ sich der Schlemiel von seinem Weibe verführen, ein Straßenräuber zu werden. Er ging aus bewaffnet mit einem scharfen Messer, entschlossen, nach Hause Geld zu bringen an diesem Abend, es koste ihn hierbei das Leben. Der Schlemiel wartete im Walde, bis nahe zur Dunkelheit und Niemand kam. Endlich blieben noch zehn Minuten, wo er Mincha beten konnte. Der Schlemiel steckte das Messer in seinen Gürtel unb begann seine Gebete. Während er in der Mitte der Amida war, kam Einer zu Pferde an ihm vorüber, der ein reicher Kaufmann zn sein schien, mit wohl gespickter Tasche. Der Schlemiel winkte ihm stehen zu bleiben; er hatte die Amida nicht beendet und konnte natürlich sie nicht unterbrechen, und in seiner verzweifelten Anstrengung sie zu beendigen, schlug er wiederholt lebhaft um sich, indeß der Wanderer sich freundlich erkundigte, ob ihm was fehle. Endlich war das Gebet fertig, und der Schlemiel forderte: „Geld oder Euer Leben". Der Wanderer verweigerte Beides, und der Schlemiel zog sein Messer, worauf der Wanderer, im Glauben, es mit einem Rasenden zn thun zu haben, sich zu besinnen begann, ihm etliche Gulden zn geben. Plötzlich ließ der Schlemiel das Messer sinken. „Ich sollte Euch den Hals abschneiden", sagte er, aber ich kann's nicht thun, Schlemiel, der ich bin; ich habe ein Buttermesier genontmen." Mattchmal gibt es zwei Schlemiels in Einer Familie, und die Geschichte wird erzählt von zwei Brüdern, die Beide mit einer besseren Sache würdigen Regelmäßigkeit in allen ihrett Unternehmungen Pech hatten. Sie entschlossen sich zu wandern, im stillen Glauben an das Sprichwort rr;ra ctpa ,-r;g»a „Wechsel des Ortes — Wechsel des Glücks". Sie lebten in Rußland, sehr nahe bei jener deutschen Grenze, die, wenn man Einwanderern ans Rußland glauben sollte, in weiter Ausdehnung über das Ganze des russischen Reiches vertheilt ist. Der ältere Bruder machte sich auf mit einem Ueberfluß von Hoffnung, einem kleinen Brod und einer starken Menge vott Zwiebeln, für die er sehr eingenommen war und ohne welche er niemals auf die Reise ging. Nach einigen Tagen nutzloser

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