Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 36 (3.9.1897)
- Date
- 1897-09-03
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 730 Vr. Vloch's Mochenkchrifl Nr. 36 die die Coalirten nicht so leicht hinnehmen durften, aber angesichts der Beweise, die Frank gegen sie erbrachte, sich Schweigen auferlegen mußten. Frank ist aber bekanntlich ein getaufter Jude, weshalb, wenn er auch nicht widersprochen werden konnte, seine Worte noch keine solche Wirkung im Landtage übten, wie es zu erwarten wäre, da die Coalirten im Stampiglius-Tone sich sagten: Ein &fut (Jude) hat gesprochen. Da geschah etwas Unerwartetes. Ein Mann aus der Mitte der Regierungspartei erhob sich und hielt eine zündende Rede gegen die clericalantisemitische Oppositionspartei, im Laufe welcher Rede er die Kuttenmänner wie folgt apostrophirte: „Ihre Parteiorgane athmen Haß, Ihre Reden athmen Haß. Sie glauben, daß Sie dadurch, daß Sie bestrebt sein werden, den antisemitischen Giftstoff auf croatischen Boden zu verpflanzen, an Anhang im Volke gewinnen. Sie irren sich! Das croatische Volk lechzt nach Liebe, aber nicht nach Haß. Was wollen Sie überhaupt von dem Juden haben? Sein Patriotismus, sein Familiensinn, sein Sinn für Wohlthätigkeit, seine Hingabe für das Edle und Gute sind bis heute unübertroffen. In C r o a t i e n ist kein Boden für den Antisemitismus. Ihr predigt Haß, das Christenthum Liebe. Ihr seid keine politische, sondern eine confessionelle, aber deswegen eben programmlose Partei." So donnerte, durchglüht vom heiligen Gefühle allgemeiner Menschenliebe und getragen von dem großen Gedanken, daß Haß und Feindschaft die ärgsten Krebsschaden für die gedeihliche Entwicklung eines Landes und Volkes bilden, ein Vertreter der Regierungspartei im Agramer Landtage. Wer aber ist dieser Redner, der es heute, wo bte' ganze europäische Atmosphäre von der antisemitischen Pest vergiftet zu sein scheint, so zu sprechen wagte? Es ist kein Geringerer als der Rector magnificus der königlichen Franz Joseph-Universität zu Agram,' der gewesene Vicepräsident des Agramer Landtages, Professor Dr. Franz Spevec, der als Jurist und Gelehrter auch in Deutschland einen Namen von Klang hat. Diese Rede hielt Professor Dr. Spevec am 25. August und ein paar Tage vorher nahm ein von der Agramer Universität relegirter Taugenichts" Namens Mogan, zum Taufbecken Zuflucht, wo anläßlich des Taufactes des Neugewonnenen Christenkindes der Bukovicer Pfarrer Cipranovic, der den Taufact leitete, zu seinem Täufling im Beisein eines zahlreichen Publicums Folgendes sagte: „Es ist sehr weise von Ihnen, daß Sie sich von einer Genossenschaft lossagen, die keinen Gott hat." Ich möchte wirklich gerne wissen, woher denn eigentlich der Herr Pfarrer Cipranovic seine» Gott hat? Sein Täufling Mogan soll auch der Verfasser des in der »Hrvat8lla Domovina* erschienenen Schmäh-! artikels gegen Dr. Neumann, von dem in diesen Blättern vor einigen Wochen die Rede war, sein. Nun, wir gratnliren der antisemitischen »Hrvatska Domovina« zu ihrem neuen Hausjuden, beziehungsweise Hintermann und gratnliren zugleich Herrn Mogan als zukünftigen croatischen Max Anton Löw, denn als solcher hat er nicht nur Aussicht, relegirter Studiosus zu bleiben, sondern sogar noch relegirter Eisenbahner zu werden. Daher Ävio Mogan! Birovitica. Rabbiner Dr. H. E. Kaufmann. Berlin, 19. August. Ueber das Frauenstudium an der Universität Berlin gibt die neueste Chronik der Hochschule eine Reihe von Nachrichten. Die Vorlesungen der Universität wurden im Sommerhalbjahr 1896 von 39 und im Winterhalbjahr 1896/97 von 95 Frauen besucht, darunter eine große Anzahl jüdischer Studentinnen. Ueber Fleiß und Begabung der ftudirenden Frauen geben die Berichte vieler Seminarlehrer Auskunft. Für uns von besonderem Interesse ist der Bericht des Literarhistorikers Professor Dr. Erich Schznidt, der einer Hörerin seines Seminars ein wahrhaft glänzendes Zeugniß ausstellt. Er schreibt in seinem Bericht über die moderne Abtheilung des germanischen Seminars: „Ausnahmsweise ist einer Danie (Russin) auf Grund ihrer Dissertation die Betheiligung gestattet worden; ihre Referate waren die besten." Diese Dame ist Frl. Dr. Anna Tumarkin aus Kischineff in Südrußland. Paris, 20. August. Die Verfolgungen, denen die u de n in P e r s i e n ausgesetzt sind, haben die Intervention Frankreichs, Englands und Amerikas hervorgerufen. Darauf rst wohl auch die folgende Ordonanz des Schah zurückzuführen, welche^ me Sicherheit seiner israelitischen Unterthaneu garan- ,,Damit die ^verschiedenen, dem Sccptcr des Schah unterworfenen Nationen in H-ricdcn miteinander leben, wird den Muselmännern verordnet, daß sie ihre Verfolgungen gegen die Juden aufgeben und diesen kein unterscheidendes Zeichen anheften. Alle Diejenigen sollen streng bestraft werden, welche sich Mißhandlungen gegen unsere nichtmuselmännischen Unterthanen erlauben, oder welche Schranken aufrichten wollen zwischen Diesen und Jenen. Alle Gouverneure sind angewiesen, diese aus der höchsten Autorität hervorgegangene Ordonanz zu veröffentlichen, damit Jeder den Schutz des Gesetzes genieße. Denn ein Jeder hat sich dem edlen Herzen und dem souveränen Willen des Schahs zu unterwerfen." Das Central-Comite der „Allianz Israelite" ist außerdem bereits benachrichtigt worden, daß die persische Negierung mit voller Energie für die Sicherheit der Israeliten von Teheran, welche durch die Anhänger des M o l l a h R i h a n Allah bedrängt werden, eintreten und erforderlichen Falles das jüdische Quartier durch ihre Truppen schützen werde. Leider war die Freude über diesen Erfolg nur eine kurze. Denn unmittelbar darauf erhielt das Central-Comits von seinem Correspondenten in Bagdad folgende Mittheilung: „In Hamadan, wo eine große jüdische Gemeinde existirt, hat die Ordonanz des Schahs den wilden Haß der Mollahs nur noch mehr geschürt. Durch Anschläge in den Moscheen haben sie die Getreuen ausgereizt, am 10. Moharem die Juden der Stadt n i c d e r z u m e tz c l n. Die Letzteren haben vorläufig den Haß ihrer Gegner dadurch beruhigt, daß sie ihren Priestern die geforderte Summe von 15.000 Mark bezahlten. In Kirmandschah sind unsere Glaubensgenossen noch nicht sehr beunruhigt worden. Sie sind klugerweise während der drei großen Trauertage des Moharem in ihren Häusern verblieben. Der Fanatismus der Schiiten wurde durch die Ermordung einiger Sunniten befriedigt. Es geht das Gerücht, daß in Schiras die Muselmänner 20 Israeliten ermordet und 6 Synagogen angezündet hätten. Unsere Glaubensgenossen sind in beständiger Angst. Mollah Rihan Allah, welcher der Anstifter der neuen Anschläge gegen die Juden war, hät in alle Provinzen Befehle geschickt, _ daß man seine ersten Entscheidungen aufrecht erhalten und die Ausführung des Tecrets des Schah womöglich verhindern soll. In Hamadan sind die Gemüthcr noch sehr erregt und die Juden fürchten für ihr Leben." Hoffentlich gelingt es den. vereinten Vorstellungen der europäischen Mächte, die ernsten Gefahren, welche unsere Glaubensgenossen bedrohen, noch rechtzeitig zu beschwören. «Kfsex. (Eine jüdische C o l o n i e in Englau d.) Das Dorf South Benfleeth erfuhr neulich eine große Ueberraschung: Fast zweihundert Juden ans dem East von London trafen mit Frauen und Kindern behufs Laudankaufs dort ein. Es wird dort eine förmliche jüdische Colonie gegründet. Das prächtige »Dllunäersle^ House« wird in eine Synagoge umgewandelt werden. Es wurde für ganze 40.000 -Gülden Land angekauft, und zwar zumeist von Polen. Zur Errichtung von Fabriken sind bereits Anstalten getroffen worden. In nicht allzu ferner Zeit, wenn dies schöne Dorf, das überaus reizend gelegen ist, eine blühende Stadt geworden sein wird, wird die Bevölkerung eine vorwiegend jüdische sein. Dieses Ereigniß dürfte einen Wendepunkt im Leben der Inden in England bedeuten und die Auswanderung aus dem übervölkerten Osten von London nach dem wenig bevölkerten Essex überall die größte Ermnthigung erfahren. Vermischtes. Wien. Herr Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Hermann Fi all a ist von seinem fünfwöchentlichen Curaufenthalte im Nordseebade Westerland auf Sylt nach Wien zurückgekehrt und hat die Functionen als Präsident des Politischen Bolksvereines wieder übernommen. Herr Dr. Fialla verweilte auf seiner Rückreise auch bei dem Ehepaare Geheimrath Professor Lazarus ans dessen Landsitze Schönfeld bei Leipzig und theilt uns mit, daß die literarische Production in diesem Gelehrten- und Schriftstellerheim in vollster Blüthe steht. Professor Lazarus hat den ersten Band seines seit einer Reihe von Jahren in Ausarbeitung befindlichen Werkes : „Die Ethik des Judenthums" soeben vollendet und für dessen noch im Laufe dieses Jahres zu gewärtigendes Erscheinen Vorsorge getroffen. Unsere Leser wird ferner die Mittheilung interessiren, daß der von Frau Geheimrath Nahida Ruth Lazarus in Wien gehaltene Vortrag, welcher, mit allgemeinem enthusiastischen Beifall aufgenommen, noch heute in der Erinnerung der Zuhörer fortlebt, nunmehr in Druck erscheinen wird. Aus den Kreisen der Zuhörer wurde unter dem frischen Eindruck des glänzenden Vor-