Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 36 (3.9.1897)
- Date
- 1897-09-03
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 36 Vr Blvch's WochrnfrtzrM Leite 729 wir nicht umhin, die Toleranz und Leutseligkeit Sr. Ehrwürden Bischof Solecky aus Przemysl unerwähnt zu lassen. Bei der in Radmus am 20. August stattgefundenen Einweihung einer Kirche kam Seine Eminenz Bischof Solecky nach Radmus. Die Honoratioren der Stadt, Bürgermeister, Bezirksvorsteher, Reichsrathsabgeordneter, Pastor und der israelitische Cultusvorstand, unter Anführung des Herrn Rabbiners Samuel Spiro mit der Thora, erwarteten bei dem errichteten Triumphbogen Se. Eminenz Bischof Solecky. Als bei der Durchfahrt Seine Eminenz den israelitischen Cultusvorstand erblickte, stieg er vom Wagen herunter, verneigte sich, reichte dem Rabbiner Herrn Spiro die Hand mit den gemächlichen Worten: „Ich danke Euch für die mir erwiesene Ehre, Gott segne die hiesige israelitische Cultusgemeinde, Amen!" Sollten diese goldenen Worte eines angesehenen Hirten ein Fingerzeug für die in hiesiger Gemeinde weilenden Wanderprediger sein? Lemberg, 27. August. Am 18. August verschied in Carlsbad im 68. Lebensjahre nach kurzem und schwerem Leiden unser angesehener Mitbürger Herr Samuel K l ä r m a n n. Seine sterbliche Hülle wurde nach Lemberg überführt, wo zahlreiche Glaubensgenossen seinem Sarge bis zum Friedhof folgten, woselbst Se. Ehrwürden Herr Rabbiner D r. Caro und Cultusrath Herr Dr. Salomon Landsberger in warmen Worten die reichen Verdienste des Dahingegangenen um die Interessen der Cultusgemeinde würdigten. Durch lange Jahre leitete Samuel Klärmann die Marcus Bernstein-Stiftung, welche die Hebung und Ausbildung des jüdischen Gewerbestandes zum Ziele hat, mit Eifer und Energie. Er war der intellectuelle Schöpfer und Leiter des von Baron Moritz Hirsch gesegneten Andenkens begründeten Wohl-, thätigkeitsbnreaus, welches die Nothlage zahlreicher Glaubensgenossen in Ostgalizien linderte und viele erschütterte Existenzen anfrichtete. Bei der Baron Hirsch'schen Schnlstiftnng, welche für die Förderung des Fortschrittes und der Intelligenz der galizischen Judenschaft so segensreich wirkt, war der Verstorbene als Bicepräses des Executivcomitös in hervorragender Weise thätig, und durch das Vertrauen seiner Mitbürger auf den Ehrenposten eines Cultusrathes und seinerzeitigelk Bicepräsidenteu der Cultusgemeinde berufen, war er nur eine strenge Verwaltung und gerechte Bertheilung der Cultussteuerlasten nach Kräften bemüht. Als Vertrauensmann der Regierung zur Berathnng des neuen Gemeindestatutes berufen, vertrat er den Standpunkt des maßvollen Fortschrittes, in welcher Richtung er während seiner ganzen jahrzehntelangen öffentlichen Thütigkeit gewirkt hatte. Die Cultusgemeinde verlor an Samuel Klarmann einen Mann von hoher Intelligenz und reiner Empfindung für die Interessen des Judenthums, dessen Heil er in culturellem und wirthschaftlichem Fortschritte erblickte und in diesem Sinne nach Kräften wirkte. Er hat in unserer an Persönlichkeiten individuellen Gepräges nicht überreichen Gemeinde eine empfindliche Lücke hinterlassen. Ehre seinem Andenkeil! Solka, 25. August. Letzten Sonntag war unser Cnrort der Schauplatz einer regelrechten Jndenhatz, wie sie nur im civilisirten Westen sonst vorzukommen pflegt. Einige feine Kinder waren aus Radautz zur Abgrusung Solkas herangerückt, ein sicherer Roman T e r l i f e r, die lieblichen Brüder Oscar und Ewald Brock und der mit Nachsicht der Taxen zum Oberingenieur ernannte Fritz Webe r, durchwegs landfremde Gesellen, welche durch die Baufirma Groß und Conrp. in die Bukowina verschleppt wurden zum Piounierdienst und für antisemitische Bengeleien. Bor der Waldrestauration schlugen die mannhaften Helden ihren Wohnsitz auf, um Vorübergehende zu molestiren und solche, die sich's nicht widerspruchslos gefallen ließen, weidlich durchzuholzen. Freilich richteten sich diese Bravourstücklein nur gegen alte gebrechliche Curgäste und schwächliche Frauen, auf welche Terlifer und Weber wie besessen loszudreschen den Wagemnth besaßen. Als endlich die Curgäste in Hellen Haufen heranrückten, ergriffen die Wackeren das Hasenpanier und wurden erst unten im Dorfe vom Cnrarzt Doctor Beil ich gestellt. Dieses Gesindel, das von aller Welt hergelaufen kommt, um sich im fremden Land die Säcke zu füllen, das radaut umher und macht in Judenhaß. Da reguet's nur mit: „Wir brauchen keine Juden, zum Teufel mit den Juden", und Juden werden weh und wund geschlagen. Man wird sich nächstens in unseren heimischen Badeorten mit Todtschlägern und Revolvern versehen müssen, um sich dieser hnndsgemeinen Bagage zu erwehren. Den Radautzern binden wir jedoch diese netten Gesellen an die Seele, sie werden vielleicht bequemer mit ihnen Abrechnung halten. Troppau, 30. August. Am vergangenen Samstag fand im hiesigen israelitischen Tempel eine Feierlichkeit statt, die auf die zahlreich erschienenen Gemeindemitglieder einen tiefen Eindruck machte. Herr Marcus S o n n e n s ch e i n, der seit bereits 25 Jahren das Amt eines Tempelvorstehers in unserer Gemeinde mit Liebe und Hingebung versieht, feierte seinen s i e bz i g ft e n Geburtstag. Aus diesem Anlässe wurde der Mussas- Gottesdienst besonders feierlich begangen, zu welchem der Gesammtvorstand und eine große Anzahl Gemeindemitglieder erschienen waren. Der greise Jubilar wurde zur Thora aufgerufen und über ihn in Verhinderung des Obercantors vom Herrn Cantor Herz ein sehr schöner hebräischer Mischeberach gesprochen, worauf der Synagogenchor einen passenden Psalm anstimmte. Der Jubilar war von dieser Ueberraschung tief ergriffen! — Herr Sonnenschein spendete unserer Gemeinde eine neue Sefer-Thora mit den dazu gehörigen Kle-Kodesch, und auch mehrere Wohlthätigkeitsinstitute wurden bei dieser Gelegenheit von dem liebenswürdigen Jubilar bedacht. Rach dem Gottesdienste begab sich der hiesige Cultusvorstand in die Wohnung des Jubilars, um ihm die besten Glückwünsche, sowie den aufrichtigen Dank für seine stets hingebungsvolle und unelgennützige Thätigkeit als Vorstandsmitglied darznbringeu. Im Lause des Tages erschienen unzählige Gratulanten in der Wohnung des allgemein geachteten und geschätzten Jubilars, um aufrichtige Wünsche darznbringeu. Möge es dem allgemein geachteten und liebenswürdigen Manne vergönnt sein, noch recht lange in Gesundheit und ungeschwächter Kraft wirken und schaffen zu können, zur Freude seiner hochgeachteten Familie und zum Wohle nuferer Gemeinde. Bisenz, 29. August. Eines der ältesten und frömmsten Mitglieder unserer Gemeinde, Herr Leopold David, und seine Frau Ernestine geb. Fürst feierten im Kreise ihrer zahlreichen und angesehenen Familienmitglieder in seltener Frische und Rüstigkeit das Fest der goldenen Hochzeit. Im Vereine mit dieser Feier fand auch die silberne Hochzeit des langjährigen Cultusvorstehers von Eiwanowitz. Herrn Alois L o e b l, des Gotten der ältesten Tochter Therese des oberwähnten Jubelpaares statt. Bon allell ihren Kindern und Kindeskindern umringt, voil allen Seiten beglückwünscht, fand dieses seltene und schöne Fest eine gebührende Weihe. Möge es beiden Jubelpaaren beschieden sein, noch lange zum Wohle und Glück ihrer Familien 51t wirken. Aus Croatien. Die jüngsten Debatten, die anläßlich der Verificirung einiger Landtagsabgeordneter, gegen deren Wahl seitells der zuständigen königlichen Behörden sowohl als auch seitens der Wähler Protest erhoben wurde, im Agramer Landtag geführt, ja, heftig geführt worden sind, haben auch für die geehrten Leser der „Oesterreichischeu Wochenschrift" ein gewisses Interesse. Denn seitdem die sogenannten Coalirten, oder wie man sie hierzulande spottweise nennt „die Programmlosen", dreißig Mann stark in den Landtag zogen, ist ihnen der Kamm ganz und gar geschwollen und sind sie bestrebt, weil sie weder ein wirthschaftliches, noch ein politisches Programm haben, ein confessionelles, clerical-antisemitisches und national-chauvinistisches zu entrollen, wobei natürlich der Jude als geeignetster Prügelknabe so manch empfindlichen Hieb davon tragen soll. Diese Hiebe, welche uns Juden zugedacht find, hat der „Obzor" beziehungsweise die »Hrvatska Domovina« in reicher Fülle gesammelt. Und wie lachte ihr antisemitisches Herz, wie schwelgte ihre Brust vor Freude, als der Agramer Landtag eröffnet wurde! Wie wird da die gefüllte — gefüllte? nein! überfüllte Bombe platzen, das Dynamit den Prügelknaben treffen und mit ihm hat dann auch die verhaßte Rationalpartei recte Regierungspartei ausgerungeu. Anfangs «rächte sich auch die clericalchauvinistisch-antisemitische Opposition, durch mancherlei Wahlerfolge ermuthigt, daran, das bereits grarr gewordene und verschimmelte antisemitische Lueger-Verganew-Lied von den „Fremden, die an Mark und Bein des einheimischen Volkes nagen", anzustimmen; doch wie kleinnrüthig wurde sie schon, als, kaum daß die oppositionelle Jeremiade ausgeklungen war, ein Abgeordneter, der päpstlicher als der Papst ist, und gewiß an nationalem Chanvirrismus das par nobilum fratrum: Obzorasen und Domovinasen weit übertrisft, — es ist dies ttärnlich der Abgeordnete Frank — sich erhob mrd ihnen Wahrheiten ins Gesicht schleuderte,