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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-09-03 · 36 (3.9.1897) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
36 (3.9.1897)
Date
1897-09-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 36 Vr. VLvch's WochrnPchrM Seite 725 Herder hat zu Anfang dieses Jahrhunderts ein Sammelwerk veröffentlicht, betitelt „A d r a st e a". Darin findet sich ein Aufsatz „zur Bekehrung der Jude worin er die Frage erörtert, wie die Europäer thätig -sein könnten, „Diejenigen, die d u r ch s i e e h r l o s wurden, der Ehre w i e d e ru m fähig und werth zu mache n." Dies könnte, so führte er aus, auf dreierlei Weise geschehen : 1. Durch Verstopfen der Quellen ehrlosen Gewinnes bei Christen und Juden. 2. Durch edleres Beispiel der Christen und mildere Gesetze. 3. Durch bessere Erziehung, Moral und Cultur. Am Ende dieses letztere» Abschnittes findet sich nun folgender beherzigenswerthe Ausspruch: „Welche Aussicht wäre es, die Juden, ein so scharfsinniges Volk, der Cultur der Wissenschaften, dem Wohle des Staates, der sie schützt und anderen der Menschheit allgemein nützlichen Zwecken treu ergeben, in ihren Beschäftigungen und in ihrer Denkart selbst rein bnmanisirt zu sehen! Abgelegt die alten stolzen Nationalvorurtheile, wcggeworfen die Sitten, die für unsere Zeit und Verfassung, selbst für unser Klima nicht gehören, arbeiteten sie, nicht als Sclaven an einem Colosseum, Wohl aber als Mitbewohner gebildeter Völker am größten und schönsten Colosseum, dem Bau der Wissenschaften, der Gesammtcultur der Menschheit. Nicht aus den nackten Bergen Palästinas, des engen, verheerten Landes, allenthalben stünde da geistig ihr Tempel aus seinen Trümmern empor, alle Stationen verehrten mit ihnen, sie mit allen Nationen verehrten den Weltschöpfer, indem sie sein Bild, Vernunft und Weisheit, Großmuth und Wohlthätigkeit im Menschengeschlecht ausbildeten und erhüben. Nicht durch Einräumung neuer mercantiler Vortheile führt man sie der Ehre und Sittlichkeit zu, sie heben sich selbst dahin durch rein menschliche, wissenschaftliche und bürgerliche Verdienste. Ihr P a l ä st i n a i st sodann d a, w o s i c l e b e n u n d e d e l w i r k e n, a l l e n t h a l b e ii." Rede eines evangelischen Geistlichen bei Einweihung einer Synagoge. Herr Dr. T h o m p s o n, methodistischer Prediger, hielt bei Gelegenheit der Grundsteinlegung des Tabernakels der ersten Synagoge in Buenos-Ayres, am 27. Juni 1897 folgende Rede: „Es freut mich, '.ieriu dieser Versammlung aus der vollsten Ueberzengung wiederholen zu können, was ich seit einigen Jahren schon meinen Glaubensgenosseu aussprach, daß die menschliche Race mit den Kindern Israels eine Schuldverpflichtung eingegangen hat, die sie niemals oder nur mit Mühe wird begleichen werden kann. Zu meinem Schmerze muß ich gestehen, daß diese Schuld heute vergessen, ja schlimmer als vergessen, mit verbrecherischer Undankbarkeit bezahlt wurde, als Folge der gotteslästerlichen und hartnäckigen Anmaßung der Menschen, sich Urtheile anzumaßen, die nur dem ewige» und allmächtigen Richter geziemen. Abraham! Israel! Zwei Namen, die sich derart aus der Genealogie der Menschheit hervorheben, daß der Forscher, wohin er auch in den letzten 30 Jahrhunderten der Weltgeschichte seinen Blick werfen mag, sie'unmöglich übergehen kann. Vom Ganges an bis zu den Säulen des Hercules, von New-'Iork bis San Francisco, von den Eisregionen bis zum Aequator, in allen jenen Regionen Afrikas, die eine ehrenvolle Seite in das Gesetzbuch geschrieben haben — überall wo ein civilisirtes oder nur halb civilisirtes Volk sich finden mag, finden wir den Namen Abraham als den meist gekannten und mehr noch verehrt. als irgend ein anderes wirklich menschliches Wesen. Wer könnte sich schmeicheln, eine so große Nachkommenschaft aufzuweisen, welche in der Literatur, in den Wissenschaften und in der Philosophie in gleichem Maße sich auszeichnen und ausgezeichnet hat? Es ist eine Thatsache, die auch nicht den geringsten Vergleich mit den Annalen unserer Race verträgt; sie ist bewunderungswürdig oder vielmehr übernatürlich, wenn wir bedenken, wie dieser Mann sowohl physisch wie geistig gesegnet war. Aber es hat Gott gefallen, unter den Enkeln Abrahams einen auszuwählen, der in directer Nachkommenschaft der Träger uud Erbe der Ehren der Familie werden sollte; und damit seine Vorherrschaft von Allen anerkannt werde, verlieh er ihm ausdrücklich den neuen und glorreichen Namen Jsh-ra-el was den „Fürsten in Gott" bedeutet und etwas in seiner Ursprache erweitert : der Mann „den Gott als den Ersten" verkündet. Es ist dies ein Titelparchemin, neben welchem alle königlichen Edelmannverleihungen verdunkelt oder nichtig werden. Es waren schon 32 Jahrhunderte verflossen, das heißt sieben Jahrhunderte vor der Geburt des Gründers Roms, als Moses, der begeisterte Gesetzgeber, die Kinder Israels in ein Volk vereinigte und wir haben uns hier versammelt, um heute Abend eine Abschrift der Gesetze, welche Moses selbst zur Regierung seines Volkes versaßt hatte, als Zeugniß fiir die kvmmenden Geschlechter an sicherem Orte zu hinterlegen. Mit vollster Ueberzeugung bin ich von der Verehrung zu einer Religion, wie diese es ist, durchdrungen; ich verehre sie, für das, was sie enthält und bewundere sie um das, was sie in Wirklichkeit geleistet hat. Wir stehen hier vor einem Buche, dem ältesten der Welt, das in Buchstabenschrift verfaßt ist, in welchem auch Israel den Vorrang einnimmt. An die Spitze der gänzlichen menschlichen Literatur, wie sie genannt werden muß, müssen wir unbedingt und in erster Linie die civile und religiöse Verfassung der Israeliten stellen. Sie ist eine Urkunde, ans welche die Juden mit Fug und Recht stolz seill dürfen, denn die Principien, welche zum ersten Male dort niedergelegt wurden, sind bis auf den heutigen Tag noch die Grundlagen jeder richtigen Gesetzgebung. Diese Thora gibt ein faßbares Zengniß von dem Dasein Gottes und von seiner vorsehenden Vermittlung in menschlichen Dingen. Einige Gelehrten leiten das Wort Israel von einer, von mir verschiedenen Wurzel ab, indem sie es mit „I h s r e H-E l" wiedergeben, d. h. „der Soldat Gottes" oder „der Kämpfer zu Ehren Gottes". Nun, während beinahe 40 Jahrhunderten mit nur geringen Unterbrechungen des Verfalles, haben Israel und seine Erben vor der Welt einen geistigen, heiligen und einzigen Gott bewiesen, der mit den menschlichen Wesen Mitleid übt unt> während mehr als 30 Jahrhunderten bezeugt, daß das mosaische Gesetz göttlicher Eingebung ist. Dieses bildet für mich das Hauptverdienst und die Ehre des Volkes Israel und beweist, daß die Offenbarung, welche Gott der Welt enthüllt hat, schon lange vor unserer hentigen Zeitrechnung verkündet worden ist. Jedem Menschen, der heutzutage zu mir träte, um mich zu fragen, welches die Zeichen Gottes wären, indem er einerseits die heiligen Schriften der Israeliten durchblätterte und andererseits sie verschwiege, diesen würde ich als anmaßend und trügerisch zurückweisen. Gott selbst hat die Wahl bestimmt, die ihm in Seiner hohen Weisheit znstand und mir ist nicht zur Kenntniß gekommen, daß er sie seitdem hätte ersetzen wollen. Ich also, als Christ, erkläre mich zum Schuldner Israels, für den hohen, der ganzen Menschheit gewährleisteten, so glorreichen Dienst. Ich bin überzeugt, daß dem Volke Israel die ruhmvollen Tage bevorstehen, welche ihm seine Propheten geweissagt. „Die G n a d e n u n d B e st i nr m u n g e n G o t t e s sind r e n el o s" und „d er T h r o u D a v i d s wird neuerdings von einem Sohne Davids b e st i e g e n werden." Zu Enden der Zeiten wird das Hans des Herrn ans den Gipfeln der Gebirge erstehen und über Berg und Thal wird die Menschheit herbeiströmen und sich zurusen: Kommt heraus auf den Berg des Herrn und in das Haus des Gottes Jacobs Er wird uns die Wege zeigen und wir werden i» seinen Pfaden wandeln; denn von Sion erstrahlt das Gesetz und das Wort des Hüters von Jerusalem. Alle Versprechungen, welche der Allmächtige den Patriarchen Abraham, Isaak und Jacob gelobt, werden i« Erfüllung gehen. Wie und auf welche Weise wir zu dieser« glücklichen Tage ge langen werden, geziemt gewiß nicht mir, es offen bei dieser Feierlichkeit auszusagen. Ich kann indeß den hier gegenwärtigen Kindern Israels zusichern, daß in keinem ihrer Herzen ihr Wunsch so laut schlägt, wie in dem meinigen, damit dieser Tag bald erscheine; denn ich habe noch nie einen gleichen Gennß in meinem Leben'genossen, wie in dem Augenblick, wo ich die ruhmreichen, von Israeliten verfaßten Wahrheiten lesen konnte. Ein neuer Schatz hebräischer Handschriften. Die gelehrte Welt Englands, wenigstens die philolmgische und theologische, ist gegenwärtig in Aufregung über die Schätze neuer Handschriften, die in diesem Jahre aus Egypten, nach England kame,i. Nach London und Oxford brachten Grenfell und Hunt im Dienst des Egypt-Exploratiou-Fund etwa 280 Kisten Papyrusfragmente, während sie die schönsten ganz erhaltenen Rollen, 150 an der Zahl, zum Theil von 100 Fuß Länge, der egyptischen Regierung überließen. Das eine zu dieser Sammlung gehörige Papyrusblatt mit den bisher unbekannten Sprüchen Jesu ist in den Tageszeitungen schon mehrfach erwähnt ivorden.

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