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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-09-03 · 36 (3.9.1897) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
36 (3.9.1897)
Date
1897-09-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 36 Vr Vloth's VochenfchrM einrücken könnten? Glauben die Anderen einmal an diesen Wahnsinn, so werden sie um Vorwürfe — berechtigte oder unberechtigte — nie verlegen sein, um unsere Verdrängung zu rechtfertigen. Welches Volk, welche Gesammtheit wäre vorwurfsfrei? Wo g bt es eine Menschenclasse ohne einzelne Unwürdige? Wozu also die Anderen erst reizen, an uns Fehler zu suchen, um in unsere hiesigen Positionen einrückeu zu können? Das ist die ernste reelle Gefahr, die Suggestion des Abzuges, nicht der Operettengedanke des Einzuges in Palästina und des Judenstaates ans Actien der Antisemiten! Wien. Dr. Frank. Die Wiener Stadtblamirer. Nicht alle seine Getreuen konnte Doctor Lueger mit Stadtrathinandaten versorgen, nicht für Alle gab es fett dodirte Pfründen und Sinecnren. Es gab zu viel Anwärter. Da scheint er insgeheim ein neues Amt geschaffen zu haben, er hat einen neuen Posten crcirt, das ist eine Würde, für die unter unseren einheimischen Antisemiten besonders viel passende und geeignete Männer zu finden sind. Das ist das Amt der Wiener Stadtblamirer. Leute, die in die Ferne geschickt werden, um den Ruf des modernen Abdera, des Schilda an den Ufern der Donau weithin zu verpflanzen. In Zürich sind zwei Wiener Stadtblamirer vor einem größeren Publicum aufgetreten, die Herren A x m a n n und Bielohlawek. Wenn unsere Christlich-Socialen auf einen wissenschaftlichen Congreß gehen, wenn unsere Wiener Antisemiten über ernste sachliche Fragen, bei denen man mit dem Hepp, Hepp nicht auskommt, mitreden wollen, dann kommen Dinge heraus, wie man sie eben in Zürich beobachten konnte. Die Herren Axmann und B i e l o h l a w e k behaupten bekanntlich, daß sie christlich-social seien. Christlich-social nennen sie sich deshalb, weil ihre Heilslehre vom Judenerschlagen ebensowenig vom Christenthum des Rabbi von Nazareth als vom Socialismus der Judenstämmlinge Marx und Lassalle an sich hat. Aber christlich-social ist ein Programm. Die Christlich-Socialen sind eine Partei, die, man kann mit ihren Tendenzen einverstanderl sein, ihre Ansichten theilen, ihren Principien huldigen oder nicht, immerhin Neberzeugungen vertritt und für Grundsätze eintritt und daher ganz ebenso achtunggebietend sei, wie ein Mann ohne Principien, ein Mann ohne Gesinnung, ein menschliches Chamäleon oder ein Lueger nicht achtunggebietend ist. — Was sind aber die Tendenzen dieser Christlich-Socialen, die in Deutschland draußen, jenseits der schwarzgelben Grenzpfeiler, an Bedeutung immer mehr gewinnen, dort große Massen mit sich fortreißen nicht durch die Macht der Schlagworte, sondern durch den Ernst ihrer wohldurchdachten Lehre. Diese wirklich christlich-sociale Pastoren-Partei, die. freilich mit den: Radau-Antisemitismus, ja mit dem Antisemitismns überhaupt cbeusogut wie nichts zu schaffen hat, basirt auf der wissenschaftlichen Lehre des getauften Inden Stahl und ihr bedeutendster Wortführer, der, nebenbei bemerkt, an der Wiege der österreichischen Gewerbegesetzgebung gestanden ist, Doctor Rudolf M a i e r, ist ebensowenig ein unverfälschter Arier, wie der Enkel Schmill Leeb Kohn's und der Nachkomme jener Barbara Lueger von Klosterneuburg, nur mit dem Unterschiede, daß Rudolf Maier sich dieses Bluteinschlags nicht schämt. Unsere Axmann und Bielohlatvek, unsere Wiener Stadtblamirer, die den Namen Christlich-Social ganz ebenso unterschlagen wie andere Parteigenossen es mit Gemeiudegeldern, Lotterie-Zettel oder Obligationen thun, wurden in Zürich eines Bessern belehrt. Man sagte ihnen sehr deutlich, daß sie nicht im österreichischen A bg e o r d n e t e n h a u f e seien, daß der Flegelton, der am Franzensring in Wien usuell ist, in Versammlungen außerhalb des Weichbildes unserer Stadt nicht zugelassen werde. Und als sie niit dem Krims-Krams, den sie aus verbrauchten Waschzetteln des Baron Vogelfang zusammengestohlen hatten, vor die Versammlung hintreten wollten, wurde ihnen der Unterschied zwischen diesen Läppereien und der wirklich christlich-socialen Lehre, die den Seite 723 Schutz auch der landwirthschaftlichen Interessen gegen ihre Ausbeuter, die fromme» Bauern und noch frommeren Großgrundbesitzer, verlangen klar gemacht. Von unseren Antisemiten gilt es eben „Bleibe im Lande und nähre dich unredlich". Sobald sie über Hernals und Ottakring, über Währing und Döbling hinauskomnien, da passirt es ihnen entweder, daß sie angespuckt oder durchgeprügelt werden, oder daß sie sich sterblich und unsterblich blamiren. Gin Interview mit Herrn Mittermayer. (Frei nach Mark Twain.) Der Chef des „Arizona Kiker" batte Mr. James, den ersten Reporter, vor sich rufen lassen. James, sagte er, es gibt eine schwierige Ausgabe, dem „Arizona Kiker" zum Ruhm und Preis. Hast Tn Werthsachen bei Dir? Mr. James zog eine Tombakuhr, eine silberbeschlagene Tabakpfeife und anderthalb Schilling ans dem Sack. Gib sie in meine Verwahrung, sagte der Chef, man kann nicht wissen. Du mußt M i t t e r m a n e r interviewen. Mr. James machte ein verdutztes Gesicht und meinte, er will lieber den Judianerwigmam besuchen oder die Tochter des Schah von Persien stehlen. Das sei, was die Sicherheit seines Eigenthums betrifft, immerhin ungefährlicher. Aber der Chef des „Arizona Kiker" ist ein energischer Mann und er stellt Air. James vor, daß dieser alle seine Werthsachen zurücklassen dürfe. Höchstens könnten ihm einige Backenzähne abhanden kommen. Ai! right, sagte Mr. James. * * -ft Hier ein Bruchstück aus dem Interview : Report e r: Gedenken Herr M i t t e r nt a h e r Ihr Mandat niederzulegen? M i t t e r m a y e r: Ein Mandat ist kein Riseonto, das kriegt man viel schwerer. Reporter: Aber Ihr würdiger College Herr Bergan i hat es gethan. M i t t e r m a y e r: Vergani, das ist ganz etwas Anderes l Vergani hat eine Ehrenerklärung und eine Anerkennung bekommen. Ihm hat der Lueger einen Fleißzettel ausgestellt; den will ich auch. Ein armer Kellner kann nicht gleich Obligationen stehlen. Report e r: Ja, aber bedenken Sie, Herr Mittermayer, Sie haben leider selber Briefe aus der Hand gegeben, worin Sie Alles eingestehen. M i t t e r m a y e r: Das war eben eine kleine Dummheit; aber die Dummheir hat in unserer Partei Niemanden in seiner Carriere gehindert. Report e r: Kommen Sie niitunter mit Herrn Vergani zusammen? Mitter m aper: Nein, der Mann ist so aufgeblasen, seitdeni er das von den Geschwornen bestätigt bekommen hat, was ich nur von einem Bezirksrichter. Er behauptet, die Geschwornen seien zwölf, und das macht mehr aus. Reporter: Und ist es richtig, daß Sie nach Amerika auswandern wollen? M i t t e r m a y e r: Fällt mir nicht im Schlaf ein. Ich gedenke dem Lueger schon zu zeigen, daß ich auch so ein Ehrenmann bin, wie die anderen Parteigenossen. Ich gründe jetzt ein antisemitisches Blatt. Tann muß man mir entweder einen Weinschank kaufen, wie dem Doctor Psenner, oder das Ehrenzeugniß geben, das der Vergani hat. Und jüdische Pauschalien nehme ich auch.

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