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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-08-27 · 35 (27.8.1897) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
35 (27.8.1897)
Date
1897-08-27
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 35 Vr. Vwch's WochrnfttzrM. Sette 717 Odessa. Der Fabriksinspector des Gouvernements Cherson hat einen Bericht über die Fabriksthätigkeit der Stadt Odessa veröffentlicht, dem wir die folgenden Daten entnehmen : Von 410 Fabriken gehören 153, also 38 Percent, jüdischen Besitzern, darunter sind U Baumwollwaaren-Fabriken (alle dieser Branche in Odessa), einige große Zuckerfabriken, 8 Tabakfabriken, 8 Cigarettenpapier-Fabriken, 16 Druckereien, 7 Destillationen, 12 Mineralwasserfabriken rc. Eine interessante Petition ist den Provinzialbehvrden durch die Bauern des Dorfes (Doronowskaya Dolost Bryanskiy Uyend) unterbreitet worden. Sie bitten, daß dem Juden T. A. ertaubt werde, lvieder in dem Dorfe zu wohnen. Es heißt wörtlich: „Seine Abwesenheit vom Dorfe bereitet uns armen Bauern große Betrübniß und Sorge, denn er ist unser Wohlthäter und Ernährer." Monastir (Macedonien). Am 23. Juli brach hier in Monastir in einem Geschäftsladen ein Feuer ans, das rasch um sich griff und fast die halbe Stadt mit Flammen umfaßte. Leider traf d a s U n g l ü ck gerade d i e I u d e n. Drei Viertel ihrer Geschäftsläden und alle Höfe derselben, auch der Getreide- Bazar wurde verwüstet. Man berechnet den Schaden des verbrannten Getreides auf 20.000 Kilo und überdies gingen 8000 Säcke Mehl zu Grunde. Das Unglück traf 90 Percent der hier ansässigen Juden, so daß kein jüdischer Hof unversehrt blieb. Diese Katastrophe gleicht an Intensität dem furchtbaren Brande in Monastir vor" 34 Jahren! Zumeist geräth die arme Bevölkerung dadurch in noch größere Noth. Vom Bürgermeisteramte wird dieselbe vorläufig in den „Han's", d. h. öffentliche Bazars, untergebracht und mit Brod versehen. Was später erfolgen wird, weiß man nicht. Fast tausend Familien liegen in den Gärten mit ihren Kindern herum gleich Zigeunern. Diese vielen armen Leute kann die Stadt hier unmöglich anshalten. Viele jüdischen Gassen sind ausgebrannt; auch ein jüdischer Tempel ist erngeäfchert! London. Vor einiger Zeit äußerte Hermann Land a u die Idee, die armen Juden des Ostend sollten, anstatt sich den iiberfüllten Handwerken zu widmen, auf das Land hinaus gehen und selbst Bauern werden. Einige Familien haben nun thatsächlich diesen Rath befolgt und sind nach dem Dorfe Sanct Beufleet in Essex übersiedelt, wo sie Gelegenheit hatten, Land im Betrage von circa 60.000 Mark zu kaufen. Die neue Ansiedlung zählt im Ganzen 200 Seelen, wobei Frauen und Kinder und die Synagogenbeamten miteingerechnet sind. Thundersley Honse, ein alter Herrensitz, ist in eine Synagoge verwandelt worden und man trifft gleichzeitig Vorbereitungen zur Errichtung kleiner Fabriken, um die Bauern während der Zeit, wo im Lande nichts zu thun ist, in denselben zu beschäftigen. Man darf sehr gespannt sein, zu beobachten, welche Resultate dieser Versuch bringen wird, der unter Umständen entscheidende Bedeutung ftir die Entwicklnng der englischen und eingewanderten Inden bringen kann. Capstadt. Die kräftige Entwicklung der jüdischen Gemeinden in Südaftika legt den Gedanken nahe, eine Verbindung zwischen denselben herzustellen. Längst sind, wenn auch noch vereinzelt, Versuche aufgetaucht, die geistigen Interessen der Juden zu pflegen, sich auch der jüdischen Wissenschaft anzunehmen und sich nicht nur auf den Gottesdienst in der Synagoge zu beschränken. Der Reverend Bender von Capstadt, der schon seit Langem als das geistige Haupt der südafrikanischen Juden gilt, hat eine Reise nach Port Elisabeth gemacht und ist dort ausgezeichnet ausgenommen worden. Man hat ihm dabei nahe gelegt, seine Reise dazu zu benutzen, um diese Vereinigung der südafrikanischen Gemeinden herbeizuführen. Reverend Bender hat dies auch zugesagt und will sein Versprechen auch ausführen. Uebrigens war der Empfang B e n d e r's ein außerordentlich feierlicher und auf einem ihm zu Ehren gegebenen Bankette sprachen der Bürgermeister, ein katholischer Priester und mehrere protestantische Geistliche. Alle nahmen Gelegenheit, das ausgezeichnete Verhältniß zwischen Juden und Nichtjuden zu betonen. — Mr. S a b e r, der Präsident der jüdischen Gemeinde in Bulawayos, ist zum Vorsitzenden des Spitalcomitös dieser Stadt gewählt worden. Es ist dies ein Zeichen der Anerkennung für die reichlichen Spenden, welche die Juden Bnlawayos dem Hospital haben zu Theil werden lassen. New-Aork. Die jüdische Gemeinde hat einen schweren Verlust erlitten: Mr. Lewis May ist gestorben. 1823 in Worms geboren, kam er im Jahre 1840 nach New-Aork, wo er das Bankhaus May und Rieg gründete. 1884-zog er sich vom Geschäfte zurück. Eine bedauerliche Veränderung ist in der lleberwachung der Einwanderung eingetreten. An Stelle des großherzigen Einwanderungsinspectors S e n n e r ist Mr. Ference V. P v w d e r l y, der frühere Chef des Ordens der Ritter der Arbeit, ernannt worden. Derselbe vertritt den Standpunkt der einheimischen Arbeiter, der alle fremde Einwanderung als Cvncnrrenz fernhalten will. Auch Präsident Mac K i n l e n hat erklärt, daß er die Einwanderungsbill, welche fein Vorgänger C l e v e l a n d abgelehnt hatte, seinerzeit acceptiren würde. Diese Bill schränkte bekanntlich die Einwanderung auf's Wesentlichste ein und ihre Ablehnung durch C l e v e l a n d war ein besonderes Glück für die russischen und polnischen Juden. Philadelphia. Die vor Kurzem von hier ansgeivanderten 60 Colouisten unter Ephraim Damard sind in San Francisco eingetroffen, aber sie sind bereits genöthigt, sich um Unterstützung hier und in San Francisco zu bemühen. Unter diesen Umständen kann von gedeihlichen Entwicklungen keine Rede sein und man darf dieses Colonisationsproject bereits als tvdtgeboren betrachten. New-Jersey. Gute Nachrichten kommen ans der Cvlonie Woodleyne. In diesem Jahre sind 500 neue Colouisten znge kommen, so daß jetzt im Ganzen 1200 im Torfe sind. Tie Ernte verspricht ausgezeichnet zu werden, und da die Entfernung nach New-Iork nicht groß ist, so können die Colo nisten gute Preise erzielen. Sehr guten Erfolg hat man mit der Weincultur erreicht und die ganze Production des vorigen Jahres zn hohen Preisen verkauft. 25 neue Häuser sind bereits fertig und einige weitere sind im Bau für neue Ankömmlinge. In der Ackerbanfchnle in der Cvlonie befinden sich gegenwärtig 25 junge Männer und einige junge Mädchen. Bekanntlich hängt das Gedeihen dieser Cvlonie sehr wesentlich von den industriellen Unternehmungen ab, in denen die Colouisten beschäftigt werden. Glücklicherweise gehen dieselben alle sehr gut, insbesondere ist die Ziegelfabrik und die Fabrik für Herrenconfection außerordentlich gut beschäftigt. Die Colouie bildet eine seltene Ausnahme unter den Versuchen, die Juden in Amerika dem Ackerbau zuzn sühreu. Baltimore. 48 russische Inden, sämmtlich Schneider, sind kürzlich bestraft worden, weil sie ani Sonntag gearbeitet haben, trotzdem sie am Sonnabend streng gefrieret haben. Der Richter hat betont, daß er mit Bedauern die Strafen anssprechen müsse, weil das Gesetz es einmal verlangt. E. B. Wien. (V o n den beiden Hoftheater n.i Bei der ani 16. September erfolgenden Eröffnungsvorstellung des reconstruirten Bnrgtheaters wird Lessing's „N a t h a n d e r Weise" gegeben werden. Man wird sich zu erinnern wisse», daß von antisemitischer, mehr aber von deutsch-volklicher Seite gegen die Aufführung dieses „v e r j u d e t e »" Schauspiels eine systematitische Hetze betrieben worden ist und darf man in dieser Aufführung bei der feierlichen Eröffnung, welcher auch der Allerhöchste Hof anwohnen soll, ein nicht zu unterschätzendes Symptom erblicken. Wien. (Zur H o ch w a s s er - K at a st r o p h e.) Wie uns ein Freund unseres Blattes berichtet, war bei den Arbeitern zur Vertheidigung Wiens gegen das drohende Hochwasser der seit drei Monaten bei der Donau-Regulirungs- Commission provisorisch angestellte Beamte Herr Adolf Rebscheid aus Neu-Sandec in Galizien in hervorragender Weise thätig. Als Se. Majestät der Kaiser die Expositur Nr. 12, welcher der Genannte zugetheilt war, besichtigte, geruhte Derselbe Herrn Rebscheid wiederholt seine Allerhöchste Anerkennung, in Anwesenheit des Ministerpräsidenten Grafen Badens, des Statthalters Grafen K i e l m a n s e g g und des — Bürgermeisters Dr. Lueger auszusprechen. Wien. Am 3. August verschied hier im 57. Lebensjahre Frau Bertha Ausländer, Gattin des allgemein geachteten Herrn I. Ausländer. Mit ihr ist nicht nur eine gute Mutter und Gemalin ins Grab getragen worden, sondern auch "ine Wohlthäterin im edelsten Sinne. Kein Armer, der ihre Schwelle betrat, durfte, ohne sich sattgegessen zu haben und ohne Almosen zu bekommen, fort gehen. Kein Nothleidender, der an die Thüre um Rettung und Hilfe anklopfte, wurde von ihr abgewiese». An

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