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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-08-27 · 35 (27.8.1897) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
35 (27.8.1897)
Date
1897-08-27
Page
– (sequence 12)
Language
German
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«eite 716 Vr. Vwch's Wochrnkttzrifl Nr. 35 Vaterstadt und in Heidelberg und trat dann zum Christenthmn 1 über. Er starb im besten Mannesalter, im rüstigsten Schaffen, und der Vergleich mit Heinrich Hertz in Bonn liegt so nahe, daß er auch allenthalben angestellt wurde. Beide Forscher von Weltruf gehörten ursprünglich dem Judenthum an; beide haben cs später verlassen. Sie gehören also in zweifacher Weise in unsere Verlustliste, und wir registriren diesen Verlust, einmal, um unseren Gegnern zu beweisen, was diese semitische Race auf dem Gebiete der exacteir Wissenschaft geleistet hat und zu leisten vermag, sodann aber, um Denen in unserem eigenen Lager, welche optimistisch die Theorie von den welken Blättern predigen, die man ruhig abfallen lassen könne, zu zeigen, wie viel Intelligenz und Wissen durch die Judentaufen schon verloren gegangen und leider noch immer verloren geht. Berlin. Dem polnischen Heine-Uebersetzer und Geschichtsforscher, Rechtsanwalt Alexander Kraushaar in Warschau ist vom neuen Beherrscher von Schaumburg-Lippe das Ehrenkreuz für wissenschaftliche Verdienste verliehen worden. Kraushaar hat in einer Reihe von Quellenstudien zur Lippe'schen Geschichte, insbesondere in dem Werke über „Siegmund von Unruh" das ausschließliche Erbrecht des Grafen Ernst von Lippe- Biesterseld verfochten. Bremen. Bei den Verhandlungen des Bundesausschusses, rvelche anläßlich des XIV. Bundesfestes des Deutschen Radfahr- Bundes am 5. bis 8. August in Bremen gepflegt wurden, war vom Gauverband 34, Niederösterreich, beantragt worden, die Bnndessatzungen dahin zu ändern, daß nur deutsch-arische Mitglieder Bundesmitglieder sein können. Aus der Mitte der Versammlung wurde beantragt: Der Bundestag beschließt, den vorliegenden Antrag abzulehnen und von der Tagesordnung abzusetzen. (Allseitiges lebhaftes Bravo!) Die Antragsteller zogen angesichts der Stimmung der Versammlung ihren Antrag sofort zurück. Metz, 13. August. Der älteste Mann der Stadt Metz ist der Pfründer im israelitischen Hospital Lion Eisenstein welcher am 4. October d. I. das Alter von 102 Jahren erreichen wird. Er ist verhältnißmäßig noch rüstig und geistig sehr rege. Wenn in seiner Gegenwart Ereignisse aus der Vergangenheit zur Sprache kommen, dann greift er in die Erzählung seiner viel jüngeren Hausgenossen hie und da richtigstellend ein, ein Beweis für die Gedächtnißstärke, welche er sich erhalten hat. Dann pflegt er auch schmunzelnd zu erzählen, daß ihm die Beiträge, welche er früher für seine Unterbringung iui Spital zahlen mußte, seit dem Tage, an welchem er hundert Jahre alt geworden war, erlassen worden sind. Man ersieht daraus, daß es ganz einfach ist. sich ein sorgenfreies Leben zu verschaffen; man braucht nur hundert Jahre alt zu werden. Reb Löw bringt einen großen Theil des Tages in der Beschäftigung mit dem Thorastudium im kleinen Betsaale des Hospitals zu. Er ist eine bekannte Persönlichkeit der Stadt; zu seinem hundertsten Geburtstage hatte ihn der Kaiser durch ein ansehnliches Geschenk erfreut. Paris. Innerhalb der jüdischen Kreise unserer Stadt wird stark ein Project discutirt, ein jüdisches Licenm zu gründen. Die Befürworter dieses Projectes, und ihre Zahl ist sehr groß, begründen ihre Zustimmung erstens damit, daß in einer solchen Schule die jüdischen Kinder ohne Schwierigkeit den Sabbath halten können. Außerdem fände der Antisemitismus gleich weniger Nahrung, wenn die jüdischen Kinder nicht bereits auf der Schule den Neid der christlichen Kinder erwecken würden. Auch die Gegner des Projectes müssen beide Momente zugeben und nehmen Anstoß ausschließlich an den Kosten. Paris. Ein interessanter Zwischenfall ist dem Correspondenteu des „Pais" passirt, als er um die Erlaubniß nachsuchte, den Präsidenten Faure auf seiner Reise nach Petersburg zu begleiten. Der gute Mann führt den Namen Laumann, und unter diesem Namen witterte die russische Gesandtschaft einen verkappten Juden und wollte ihm daher nicht die nothwendigen Papiere ausstellen, bevor er durch Vorlegung seines Taufscheines den Beweis erbracht habe. Anders. Die Brüsseler Weltausstellung, welche so viele hervorragende Persönlichkeiten in die belgische Hauptstadt geführt hat, hat vergangenen Freitag den Bewohnern von Klein-Paris, die Gelegenheit verschafft, das Haupt der Londoner Bevölkerung — den Lord-Mayor Baron Sir Fandet Philipps — in seinen Mauern zu begrüßen. Der Bürgermeister von Wien, dessen semitische Abstammung nur theilweise erwiesen ist, wird wohl nicht wenig erstaunt sein, zu vernehmen, daß dem Bürgermeister der Welt-Metropole Auszeichnungen beschieden waren, die man ihm selbst wohl niemals eingeräumt hätte. So weit uns bekannt, war es dem Racenantisemiten Dr. Lueger bisher nicht gegönnt, an der Tafel seines kaiserlichen Herrn zu speisen. Fandet Philipps indeß, wiewohl Jude vom Scheitel bis zur Sohle, ward der Gastfreundschaft des Königs der Belgier im vollen Umfange zu Theil. Unter den andern bemerkenswerthen Unterschieden, welche zwischen den Bürgermeister der österreichischen Reichshauptstadt und dem jüdischen Oberhaupte der Welt-Metropole obwalten, ist auch das hervorzuheben, daß der Vater des englischen Inden die Würde des Lord-Mayor bereits bekleidete, seine Verdienste um den englischen Staat von Lord Salisbury bei wiederholten öffentlichen Anlässen gewürdigt und seine Tugenden den versammelten Tausenden in Guild-Hall als leuchtendes Vorbild für die Bürger des großen englischen Staates bezeichnet wurden. Soweit uns bekannt, war dies dem Nachkommen der Jüdin „Schebelin" nicht beschieden, auch hat man bis zum heutigen Tage nichts davon gehört, daß Graf Badeni das Tugendlied Lneger's gesungen hätte. Kiew, 10. August. Im Jahre 1890 war Herr Commercienrath Lasar Brodsky beim Generalgouverneur vonKiew um die Erlaubniß eingekommen, auf seine Kosten auf einem ihm gehörigen Grundstück eine Synagoge bauen zu dürfen. Die Erlaubniß wurde erst im Jahre 1892 gewährt, und nur unter der besonderen Bedingung, daß nichts an dem Aeußeren des Gebäudes auf seine Bestimmung hindeuten und daß der Eingang der Synagoge nur ein einfacher Thorweg sein dürfe. Als nun die Synagoge fertiggestellt war und eben dem Gottesdienste übergeben werden sollte, verbot der Generalgouverueur die Eröffnung weil die Fahnde nicht „unbedeutend genug anssehe", so daß man leicht die Bestimmung desselben erkennen könne. Da sich in Kiew Pilger aus allen Theilen des Reiches einfänden, „sei der Anblick einer Synagoge ein unpassender für die Gläubigen." Nunmehr hat auf eingelegte Beschwerde der dirigireude Senat die Entscheidung des Generalgouverneurs für ungiltig erklärt und erlaubt, daß das Gebäude dem jüdischen Gottesdienste freigegeben wird. Der „Kiewlanin", ein alles eher wie judenfrenndliches Blatt, veröffentlicht folgende interessante Notiz über die wachsende Betheiligung der Juden an der Landw i r t h s ch a f t: „Zweifellos nehmen die Juden lebhaft an der landwirthschastlichen Industrie unserer Gegend theil. So sind bedeutende Weidegelände von dem Vieh jüdischer Besitzer in Anspruch genommen, die in Bessarabien und anderswo magere, dürftige Rinder kaufen, um sie auf unseren Wiesen zu mästen. Oft betragen die Ochsenheerden, die von den Juden auf dem freien Felde gezüchtet werden, 1000 bis 1500 Stück. Die Butter- und Käsefabrication ist seit vielen Jahren völlig in den Händen der Juden. Die Grundbesitzer verkaufen ihnen Alles, was die Milchkühe liefern; es wird in die Depots und Eiskeller der Flecken gebracht, wo Butter und Käfe fabricirt wird. Zuerst hatten die deutschen Colonisteu die Butter selbst fabricirt. Aber der Verkauf war schwer, und die Kunden waren daran gewöhnt, mit Juden zu thun zu haben. Die Colonisten haben darauf mit den Juden über den Verkauf von Milch verhandelt, und so ist die Butterfabrication eine Art Privilegium der Inden geworden. Shytomir ist der Mittelpunkt des Handels und hat in der letzten Zeit sich bedeutend ausgedehnt. Ebenso ist es mit dem Geflügelhandel. Das Geflügel wird auf eine besondere Art gestopft und genährt, und wenn es recht fleischig ist, bringen es die Bauern in die Depots, wo die Juden große Mengen für die Märkte der . großen Städte sammeln. Ebenso werden Millionen von Thieren in die Depots gebracht, um in gleicher Weise verschickt zu werden. In vielen Dörfern bildet diese Industrie die Haupteinnahme der Bauern. In Bessarabien, Podolien und anderen Gegenden des Territoriums ziehen die Grundbesitzer jüdische Arbeiter direct vor, weil ihre Arbeit in vielen Beziehungen die bessere ist. Im Gouvernement Cherson haben die größten Grundbesitzer, die Grafen I g n atie w, Dup o n ie r, K o u r i s, E z i tz k i ic. ganze Züge von Landarbeitern gebildet. Leider verbietet ihnen die Polizei immer noch, auf dem Felde oder in beit Dörfern zu übernachten, so daß sie Morgens und Abends große Strecken zurücklegen müssen, nm zur Arbeit und nach Hause zu gelangen."

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