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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-08-27 · 35 (27.8.1897) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
35 (27.8.1897)
Date
1897-08-27
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 35 Vr. Bloch» VochrnkchrM. Seite 715 seiner Gemeinde und seiner Glaubensgenossen nie ermüdende Präses unseres Cultnsvorstandes, Herr Heinrich Salem und der Präses unserer Schulcommission Professor Viktoria C a s i g l i o n i zu dieser Schulfeier eingefunden. Letzterer hielt auch am Schlüsse der Prüfungen eine weihevolle Rede, in der er der eifrigen Wirksamkeit der Lehrer dieser Anstalt lobend gedachte. Dann überreichte er den zwei Vorzugsschülern Alberto Jtalia und Ben de Levi die ihnen zugesprochenen Prämien. Auch Oberrabbiner M e l l i hielt eine Ansprache au die Zöglinge, in der er sie ermahnte, die hier in der Anstalt empfangenen religiösen Lehren auch draußen im Leben zu bethätigen. Die Talmud-Thora war Heuer von 317 Schülern besucht, von denen 211 nur den religiösen Unterricht genossen. Selmeezbanya (Schemnitz in Ungarn), August 1897. Selten oder vielleicht noch niemals ist eine Kunde aus dieser Hauptstadt des ungarischen Erzgebirges in diesen Blättern vorgekommen und es wird die zahlreichen Leser der „Oesterreichischen Wochenschrift", die sich auch in Ungarn einergroßen Popularität erfreut, gewiß nur höchlich interessiren. Manches aus dem Cnltnrleben der hiesigen jüdischen Einwohnerschaft zu erfahren. Schemnitz im Honter Comitat, als der uralte Hanptvrt mit seinen Silber- und Goldbergwerken, war bis zum Jahre 1848 den Juden verboten, sowohl für die Freizügigkeit, als auch für die Seßhaftigkeit derselben und es zählte diese Stadt nebst vielen andern des montanistisch-ärarischen Gebietes Obernngarns zu der sogenannten „trefenen Medinah". Nach dem Freiheitsjahre 1848 siedelten sich nur sehr wenige Juden an, deren Fleiß, Tüchtigkeit und redliches geschäftliches Gebühren sehr bald die althergebrachten Vorurtheile von der „Bösartigkeit, Schädlichkeit oder gar Staatsgefährlichkeit" der Juden, sowohl in der größtentheils aus Bergleuten bestehenden Bevölkerung als auch in der ärarischen Beamtenwelt gründlich zerstörte. Nach und nach wuchs die kleine jüdische Gemeinde, die Anfangs kaum zehll Personen zählte, heran und bildet heute eine Mitgliederschaft von circa achtzig Familien. Einer der ältesten Männer, der seither verstorbene Herr David Eichel brachte es zu großem Vermögen und schuf vor Allem d i e Schule, um aus der Jugend ein tüchtiges Geschlecht heranzubilden. Lange mußte die jüdische Gemeinde ans Mangel eines eigenen Hauses sich nothdürftig mit gemietheten Localen, die für Bet- und Schulhauszwecke adoptirt wurden, begnügen. Erst vor circa fünf Jahren erwarb die ziemlich gut sitnirte jüdische Einwohnerschaft, Dank ihrer zu allen finanziellen Opfern stets bereiten Freigiebigkeit, einen durch die localen Terrainverhältnisse bedingten kleinen Grund von circa 80 Quadratmeter Baufläche, worauf nun ein in architektonischer Beziehung zwar nicht ganz harmonischer, aber sonst vollkommen praktisch ausgestatteter und sehr bequem und luftig eingerichteter Tempel sich erhebt. Im Tempelgebände ist auch die aus 4 Volksschulclassen bestehende Gemeindeschule, je 2 Classen in einem Zimmer, untergebracht, so auch die Wohnungdes Schächters und zweiten Vorbeters. An der Schule wirken seit vielen Jahren zwei ausgezeichnete Lehrer, Herr Jacob Wellwart, welcher zugleich die Functionen eines Rabbinatsverwesers versieht, und Herr Bernhard Geiger. Mit einem Kostenaufwand von 15.000 Gulden, welcher gleich in der ersten Subscription gedeckt erschien, wurde der Bau in Angriff genommen und gebührt das Verdienst des glücklichen Zustandekommens eines gemeinsamen Cultnsmittelpunktes dem gemeinnützigen Streben des Vorstandes, an dessen Spitze Herr Dr. Goldsticker als Präses, Herr Bernhard Steiner, Herr Dr. I. Kapp, Herr Gynla Glücksthal und Herr Marcus Geiger als Ausschüsse stehen. Die Gemeinde hat auch einen eigenen Friedhof erworben, welcher, in der Nähe des Ortsfriedhofes gelegen, ebenfalls nicht unerhebliche Geldopser gefordert hat. So bietet jetzt Schemnitz, durch Schaffung dieser drei wichtigsten Institutionen ein erfreuliches Zeichen von der segensreichen Wirksamkeit unserer transleithanischen Glaubensbrüder im politisch freien Ungarn, wo die wahre Gleichheit vor dem Gesetze die oberste Staatsregel geworden. I. Beruh. Straßer. Berlin, 15. August. Alls dem Bureau des Deutsch- Israelitischen Gemeindebuudes erhalten wir nachfolgende Notizen: In seinem Bestreben, die Organisation der deutschen Judenheit durch Schaffung von localen Verbänden immer mehr auszugestalten und so eine noch wirksamere Vertretung, wie der allgemeinen, so auch der örtlichen Interessen zu ermöglichen, hat der Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Genieindebundes einen neuen werthvollen Erfolg zu verzeichnen. In einer durch den Vorstand der Synagogengemeinde Breslau am 27. Juni d. I. nach der Hauptstadt Schlesiens einberufenen Versammlung von Gemeinde-Deputirten lvirrde der „Verband der S y n a g o g e n g e m e i u d e n de r R e g i e r u n g s b e z i r k e B r e s l a u und L i e g n i tz" constituirt. Dem neuen Verbände, dessen Ausschuß sich znsammensetzt aus den Herren: Stadtrath P r i u g s h e i m (Vors.), Amtsgerichtsrath Wöllstein (stellv. Vors.), Rabb. Dr. G u t tm a n n (Schriftf.), Dr. med. C. Reich (Schatzm.), sämmtlich in Breslau, sowie Cohn in Liegnitz, Justizrath Friedman n in Glogau, Em. K a tz in Görlitz, Justizrath L e d e r m a n n in Hirschberg und Lomnitz in Schweidnitz haben sich bereits die nachfolgenden 29 Gemeinden angeschlossen: a) Im Regierungsbezirk Breslau: Bernstad t, Breslau, Brieg, Canth, Freibnrg, Glatz, Guhran, Löwen, Milisch, Münsterberg, Namslau, Neumarkt, Ohlau, Prausnitz, Reichenbach, Schweidnitz, Strehlen, Striegau, Trachenberg, Waldenburg, Wartenberg und Wohlan. d) I m Regierungsbezirk L i e g u i tz : Blmzlau, Glogau, Görlitz, Hirschberg, Liegnitz, Löwenberg und Sagan. Das Verdienst der eifrigen und hochherzigen Männer, denen das Gelingen des schönen, aber schwierigen Werkes zu danken ist, wird dadurch gesteigert, daß sie im Sinne der Beschlüsse des VII. Gemeindetages vom Jahre 1896 im £ 1 der Statuten des nengegründeten Verbandes zum Ausdrucks bringen, daß sich dieser als Zweigverband des Deutsch-Israelitischen Gemeindebnndes betrachtet und demnächst sich verpflichtet, ein Zehntel der jährlichen Mitgliederbeiträge an den Deutsch-Israelitischen Gemeindebund in Berlin abzuführen. In dieser regelt Bethätigilng der Hiilgabe an das große Ganze erblicken mir die sicherste Gewähr auch für das Gelingen der besonderen Ziele des Verbandes, dem wir im Interesse der Gesammtheit des deutschen Jlldenthnms nicht minder wie in seinem eigenen Wachsthmu, Blüthe und fröhliches Gedeihen und — baldige Nachahmung wünschen. * * * Die Lehrabtheilnng des Deutsch-Israelitischen Gemeindebnndes hat in Erfüllung des ihr von dem letzten Gemeindetage gewordenen Auftrages die Berathnng der Lehrpläne für den jüdischen Religionsunterricht an den nichtjüdischen Volksschulen, höheren Mädchenschulen und höheren Schule für die männliche Jugend, sowie zur Vorbildung akademisch gebildeter Religiouslehrer und von Religionslehrerinnen beendet. Von einem Lehrplan zur Vorbildung von seminaristisch gebildeten Religivnslehrern wurde abgesehen, da die bereits vorhandenen jüdischen Lehrerseminare dem Bedürfnisse durchaus nicht genügen. Inzwischen hat sich der Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Gemeindebnudes mit den Cnratvrien und Lehrercvllegien der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums und des (Hildesheimer'schen) Rabbinerseminars zu Berlin, sowie des Rabbinerseminars in Breslau (Fränkel'sche Stiftung) über die Einrichtung von Vorlesungen für akademisch gebildete Lehrer (Candidaten des höheren Schulamts und pro taenltat» docendi geprüfte HerrerO in Verbind tt tt g gesetzt. Von aCteit diesen Anstalten sind erfreulicher llnd dankenswerther Weife zustimniende Antworten eingelaufen, die eventuell eine Eröffnung solcher Vorlesungen schon für das nächste Wintersemester in Aussicht stellell. Die Einführung jüdischen Religionsunterrichts in den Lehrplan höherer Schulen findet bekanntlich in immer weiterem Umfange statt, es ist sogar nicht ausgeschlossen, daß die im Jänner dieses Jahres vom Deutsch-Jüdischen Gemeindebund bei dem preußischen Herrn Cnltusminister eiugereichte Petition um allgemeine Einrichtung solchen Religionsunterrichtes an sämmtlichen öffentlichen Schulen eine günstige Erledigung findet. Voraussichtlich wird sich also für die nächste Zukunft ein starker Bedarf auch an akademisch gebildeten Lehrern jüdischen Glaubens Herausstellen und sich damit für zahlreiche jüdische Kandidaten des höheren Schulamts der Weg zur Anstellnng eröffnen. Berlin, 17. August. Die deutsche Wissenschaft hat durch den Tod des berühmten Chemikers Geheimrath Victor- Meyer in Heidelberg einen unersetzlichen Verlust erlitten. Meyer war der Sohn des Berliner Kattunfabrikanten Jaques Meyer, welcher sich neben seiner Frau Bertha durch humanitäre Bestrebungen, unter Anderem die bekannten „Meyer-Häuser", ein ehrenvolles Gedächtniß gesichert hat; er studirte in seiner

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