Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 35 (27.8.1897)
- Date
- 1897-08-27
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 714 Dr. Vwch's Wochrnptzrifl Nr. 35 definitive werden. 3. Jeder Candidat um ein solches Amt sei verpflichtet, Mitglied des Pensionsfondes zu sein. 4. Jede Cultusgemeinde sei verpflichtet, zu vem Pensionsfonde nach ihren Verhältnissen beizutragen. 5. Streitigkeiten zwischen Gemeinde und Beamte unterliegen dem Schiedsgerichte des Gemeiudebundes. 6. Mcht das Alter, sondern die physische und intellectuelle Eignung soll über die Berechtigung zur Bewerbung um eine Stelle entscheiden. Alle Erschienenen haben sich durch Ehrenwort, und Unterschrift zur Erfüllung dieser Beschlüsse zu verpflichten. Dringend Abwesende thun dies durch Zuschrift an den Obmann des israelitischen Lehrervereines in Böhmen, Herrn I. S p r i ng e r, Prag, Jungmannsgasse 19, vor der Generalversammlung zu wissen. Badeort Wysowa (Galizien). Gestatten Sie, daß ich zu Ihrem letzten Artikel über den Antisemitismus in den verschiedenen Curorten einen kleinen Beitrag liefere. Ich war jüngst in Szczawnica als Curgast anwesend. Die dortige Behandlung unserer Glaubensgenossen spottet jeder Beschreibung. Wir wurden allseitig beschimpft, es war uns verboten, an gewissen Plätzen spazieren zu gehen. Wird ein Jude von einem Polizisten thätlich beleidigt, so findet er keine Genugthuung. Am ärgsten noch sieht es bei der Quelle aus, dort mußten wir im Gedränge solange warten, bis endlich an alle Nichtjuden, selbst lueiut sie nach uns gekommen waren, das Wasser gereicht war, was zu erregten Scenen Anlaß gab. Die Aufregung unter unseren Glaubensgenossen war so groß, daß Alle wie ein Mann ihre Cur während einiger Tage unterbrachen, so daß das Geld nicht so reichlich in die Taschen ihrer Beleidiger floß; aber auch das half nichts, Alles blieb beim Alten. Gekränkt und gepeinigt von all den Erniedrigungen wurde mir mein Verbleiben in Szczawnica unerträglich. Ich begab mich daher nach Wysowa, um hier Heilung und Linderung für mein durch die Aufregung noch gesteigertes Leiden zu suchen, welche ich auch fand. Wysowa besitzt sieben analysirte Mineralwasserbrunnen, welche einen vollen Ersatz der Szczawnicaer und Krynicaer Wässer bilden.. Nach Meinung medicinischer Autoritäten sind die Wysowaer Wässer noch weit besser. Auch besteht hier ein nett eingerichtetes Badehaus sammt großartigem Parke. Bemerkt mau noch hiezu, daß hier eine wahrhaft balsamische Lust herrscht, dazu die Ausflüge ins Hochgebirge, die gesunden Wohnungen, Nadelwaldungeu, billige Lebensmittel rc., so ist es wirklich als ein Verbrechen an der eigenen Ehre und den eigenen Gefühlen zu betrachten, wenn trotzdem unsere Glaubensgenossen noch antisemitische Badeanstalten mit ihrem Gelde füttern. Wie bekannt, sind die Eigenthümer Wysowas Juden, dieselben scheuen keine Mühe und Opfer, um den Aufenthalt so angenehm als möglich zu machen. Die Wünsche aller Gäste, ohne Unterschied des Standes, finden bei der Verwaltung nach Thunlichkeit Berücksichtigung und ist dieselbe stets bestrebt, daß sich Niemand zu beklagen habe. Hochachtungsvoll L. L. Feanzerrsbad. Wie alljährlich, veranstaltete auch heuer der besonders in Berlin bekannte Kunstmäcen und gediegene Musikkenner, Herr Martin L e s s e r, zu Gunsten des hiesigen israelitischen und internationalen Hospitals ein Wohlthätigkeitsconcert, bei welchem sowohl seine tiefempfundenen Gesangsvorträge. wie die von Fräulein Emma Grünfeld und das schöne Violinsolo seines Schützlings Herrn Ferd. Schleicher ungetheilten Beifall des zahlreich erschienenen Publicums fanden. Der die israelitischen Gemeindeangelegenheiten mit der größten Gewissenhaftigkeit verwaltende Vorsteher Herr B. Krauß, Besitzer des „British Hotel", richtete, den allgemeinen Wünschen nur entsprechend, folgendes Schreiben an Herrn L e s s e r, dem gütigen Förderer alles Edlen und Guten: Euer Hochwohlgeboren! Aus dem Reinerträgniß der durch Ihre gütige Vermittlung arrangirten musikalischen Abendunterhaltung zum Zwecke des israelitischen Hospitals wurde uns der Betrag von 100 Gulden übermittelt. Im Namen des Vorstandes der israelitischen Cnltusgemeiude wiederhole ich den von Seite des Bürgermeisters abgestatteten Dank mit der Versicherung, daß Ihr gütiges Bemühen für unsere humane Anstalt als dauernd im Protokoll verzeichnet wurde. Franzensbad, 22. August 1897. Der Vorstand der israelit. Cultusgemeinde B. Krauß. Brody, 17. August. Ueber Einladung des Vorstandes der „Neuen Synagoge" hielt Samstag den 14. d. M. Herr Rabbiner Dr. Bernhard Templer, Schwiegersohn des hiesigen, allgemein geachteten Kaufmannes Herrn Samuel Strisower, vor einem zahlreichen Publicum einen höchst interessanten Vortrag, welcher, von dem ersten Gebote ausgehend, nachwies, daß das Judenthum keine Dogmen, sondern nur eine Erkenntnißlehre kennt. Im weiteren Verlaufe seiner Ausführungen kam der Vortragende auf das politische Gebiet zu sprechen und führte aus, daß Niemand so das innerste Wesen des Judenthumes durchschaut und dessen Lebensnerv erkannt hat, als Bileam, der fremde Beobachter des Judenthums. Selten habe sich ein Wort durch die vieltausendjährige Geschichte so bewährt wie jenes Bileam's: „Siehe, ein Volk, gesondert wird es wohnen, und unter die Völker wird es nicht gerechnet." Nur auf seine eigene Kraft allein sei das Judenthum angewiesen, Selbsthilfe müsse daher das Losungswort Israels sein. Würden wir uns dagegen auf die politischen Parteien verlassen, und mögen dieselben noch so schönklingende Namen, wie „Polenclub", „Liberale Partei" rc. führen, so würden wir vollends zu Grunde gehen. — Der Vortrag übte eine mächtige Wirkung auf die Versammlung und fand allgemeinen, enthusiastischen Beifall. Die Zuhörerschaft bestand zumeist aus jenen unserer Glanbensbrüder, ' die bei der letzten Reichsrathswahl für Dr. Bloch gestimmt hatten oder stimmen wollten. Gleichenberg. Trotz der Jnternationalität und Inter' confessionalität dieses Curortes ist hier doch für die religiösen Bedürfnisse unserer Glaubensgenossen bestens gesorgt. Im „Theresienhof" (Restauration Bremer) findet täglich Gottesdienst statt, ebenso Freitag Abends und Samstag (Morgen- und Mussafgebet mit Vorlesung der Thora). Am 9. Ab wurden Früh und Mittag die Klagelieder recitirt, Herr Rabbiner Goldberg aus Budapest trug Maftir vor und Abends nach 7 Uhr leitete Herr Rabbinner L e i m d ö r f e r aus Teschen den Gottesdienst. Schreiber dieses besuchte mit beiden Herren Rabbinern auch den hiesigen jüdischen Friedhof, wo diesen Sommer fünf neue Gräber hinzukamen. Im anliegenden christlichen Friedhofe wurden vor etwa 30 Jahren auch einige Israeliten begraben, darunter ein Einwohner, dessen Vater ans Frömmigkeit nach Jerusalem ausgewandert war. Im israelitischen Hospital, wo die größte Reinlichkeit herrscht und sehr gute Kost verabreicht wird, befanden sich dieses Jahr abwechselnd 54 Leidende. Das Hospital wurde im Jahre 1884 vom seligen Dr. I e l l i n e k eingeweiht und im Vorjahre hat der Verein einen oberen Stock aufgesetzt. Herr Dr. Henigsberg besucht dasselbe täglich und sorgt dafür, daß jedem daselbst Aufgenommenen entsprechende Pflege zutheil wird und Curmittel verabreicht werden. Bon Antisemitismus findet man in Gleichenberg keine Spur. Es herrscht hier wahre Humanität und oft schon wurden Sammlungen veranstaltet, um den armen Kranken, die weder im israelitischen, noch im christlichen Spital nntergebracht werden konnten, Unterstützung zu gewähren. Görz, 10. August. In Folge der neuen Eintheilnng der Rabbinatsbezirke in Oesterreich wurde das ganze Küstenland in zwei solcher Bezirke geschieden: Görz mit der dazu gehörigen Grafschaft und Triest mit der Halbinsel Istrien. Zugleich hat die Statthalterei die Verordnung erlassen, daß von nun an im Küstengebiete nur solche Rabbiner angestellt werden, die auch das Obergymnasium besucht haben. Nur bei besonderen Umständen können auch gewöhnliche jiidische Gelehrte als Rabbiner angestellt werden. Vor einigen Tagen wurde unsere Religionsschule, wie üblich geschlossen und fand aus diesem Anlasse eine solenne Feier statt, der auch unser verehrter Oberrabbiner B o l a f f i v anwohute. Die Schule war im heurigen Jahre von fünfzig Schülern und Schülerinnen besucht. Zur Semestralprüfung hatten sich indeß noch sechs fremde Knaben eingefunden. Die einzig zu vergebende Schulprämie fiel der Schülerin Emma P a v i a, Tochter unseres verstorbenen gleichnamigen Lehrers, zu. Oberrabbiner Bolaffio richtete zum Schlüsse väterliche Worte an die Zöglinge, mit der Ermahnung, stets dem väterlichen Glauben treu zu bleiben. Triest, 3. August. Zugleich mit den übrigen Schulen unserer Stadt hat auch unsere Talmud-Thora dieser Tage ihre Pforten geschlossen und zwar, um auf die Schüler mehr Eindruck 511 machen, in recht feierlicher Weise. Nebst unserem verj ehrten Oberrabbiner M e l l i hatte sich auch der im Interesse