Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 35 (27.8.1897)
- Date
- 1897-08-27
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 35 Dr Vloch's VochrnfchrM Sette 713 mente. Eines freilich ist geblieben: Einkommen bis zu 600 fl. sind von der Rentensteuer frei; doch ist dies so gemeint, daß das Gesammteinkommen der betreffenden Person 600 fl. nicht übersteigen darf, einschließlich des Renteneinkommens. Dies ist natürlich nicht die einzige Befreiung des Gesetzes. Es gibt deren vielmehr noch vierzehn. Denn die Rentensteuer ist eine Steuer, bei der die Ausnahme die Regel nicht etwa blos bestätigt, sondern geradezu bildet. (Fortsetzung folgt.) Korrespondenzen. Wien. (Rabbiner Dr. Deuts ch.) Am 22. August Abends ist in Vöslau der Rabbiner in Ottakring und Religionslehrer der israelitischen Eultusgemeiude in Wien, Dvctor Moriz Deutsch gestorben. Der Verblichene, welcher in den Bezirken Hernals und Ottakring durch ein Decenninm gewirkt hat, war vordem in der Gemeinde Mährisch-Weißkirchen durch zwanzig Jahre thätig. Der Heimgegangene war ein Mann von großem theologischen Wissen, bedeutender rednerischer Begabung und allgemein anerkannter humaner, menschenfreundlicher Gesinunng, die ihm weit über den Kreis seiner Gemeinde hinaus Sympathien und Verehrung erworben. Seine Schlichtheit und Bescheidenheit war sprichwörtlich und erinnerte an die jüdischen Seelsorger ältester Zeit. Mittwoch Vormittags fand unter zahlreicher Betheilignng das imposante Leichenbegängniß statt. Unter den Anwesenden bemerkte man die Cultusvorsteher Dr. M. Spitze r, kaiserl. Rath Vogel, R o s n er unter Führung des Präsidenten Landesschulrath Dr. G. K o h n, die Vertreter der Chewra-Kadischa, der Bethausvereine, Secretär Dr. Th. Liebe n u. s. w. Oberrabbiner Dr. G ü d e m a d n hielt die Leichenrede im Namen der Gemeinde und zeichnete in ergreifenden Worten den Charakter, das Leben und Wirken des Verstorbenen; sodann widmete Rabbiner Dr. Jonathan Wolf dem Heimgegangenen Collegen rührende Worte des Abschiedes. Beide Reden waren von mächtiger Wirkung. Die israelitische Gemeinde Wien verliert in ihm einen treuen Hirten. Sein Andenken bleibt gesegnet'. Wien. Ans London erhalten wir folgende Warnung: Der „H ilfS v e r ein s n r jüdi s ch e A r m e" (koarck of Guardians for the Relief of Jewish Poor) i tt London erläßt folgende beherzigeuswerthe W a r n u n g : „Zu seiner großen Betriibniß ist der Vorstand seit geraumer Zeit mehrfach von Seiten verarmter und unbemittelter Frauen, oftmals mit Kindern, um Unterstützung angegangen worden, sie durch Gewährung von Fahrscheinen ans Tampferlinien in die Lage zu versetzen, ihren Ehemännern nach amerikanischen oder anderen Hafenplätzen nachzureisen. Diese Frauen, welche sich oftmals im größten Glend und in der ärgsten Nothlage befinden, geben sich der falschen Hoffnung hin, daß ihnen die jüdischen Gemeinden Englands zur Erreichung ihres Zweckes behilflich sei» würden, nämlich ihre Männer zu erreichen, die aber in vielen Fällen sogar schließlich ihre Familien im Stich ließen. Man wird zngcstehen, daß es im höchsten Grade unstatthaft ist, wenn Frauen unter solchen Verhältnissen hieher zugereist kommen, und es darf daher nicht überraschen, daß sich unser Vorstand zu dem Beschluß gezwungen sieht, fernerhin alle derartigen Unterstützungsgesuche abzuweisen, es sei denn, daß außergewöhnliche Gründe vorliegen, welche eine Berücksichtigung ans den ohnedies stark in Anspruch genommenen Hilfsmitteln empfehlen. Diese ernsten, aber leider durch den Zwang der Selbsterhaltung nothwcndig gewordenen Maßnahmen des Vorstandes verursachen selbstredend viel Glend und Enttäuschungen bei jenen Bittstellern, welche ans den oben angeführten Gründen London überlaufen. In Fällen, in beitet: der Vorstand sogar willens war, solchen Frauen und deren Kindern zur Weiterreise nach Amerika beizustehen, mußte davon Abstand genommen werden, weil diesen Frauen der Aufenthaltsort ihrer Männer unbekannt war und ihnen jegliche direkte Beziehung mit denselben fehlte, was zumal deshalb nöthig war, weil die amerikanischen Behörden solchen Frauen die Landung verbieten, es sei denn, daß bereit Ehemänner sich bereit erklären, sie am Landungsplatz in Empfang zu nehmen und für sie zu sorgen. Dieser ununterbrochenen Einwanderung des ärmsten Elements jüdischer Armuth muß unbedingt Einhalt geboten werden, da sich sonst die folgenschwersten Eonsequenzen ergeben, durch welche d a s Sch i cksa l der in England c i n g ew and e rte n ausländischen Juden ernstlich b e e i n t r ä ch t i g t w i r d. Aus diesen Gründen ersuchen tvir, alle Mittel und Wege anfzubieten, Warnungsanzeigen und diesbezügliche Mittheilungen cireuliren zu lassen, welche den im Vorstehenden beschriebenen weiblichen Auswanderern ein klares Bild geben sollen, daß Elend und Unglück ihrer hier wartet, wenn sie trotz eindrücklichster Verwarnung sich ans die Reise begeben wollen. Schon die Unkenmniß der 'Landessprache wird sie in Gefahr bringen. Zn diesem Zweck bitten wir, nachstehende „Warnung" zu weitmöglichster Verbreitung zu bringen: Der Vorstand des „Hilfsvereins für jüdische Arme zu London" bringt zur Kenntnis;, daß allen solchen unbemittelten Frauen und Kindern, welche unter falschen Erwartungen mnzloier Weise nach London kommen, in der Hoffnung, seitens unseres Vorstandes mit Schiffsfahrkarten verseheil zu werden, um ihren Ehemännern nach Amerika oder anderwärts nachzureisen, in kein e r Weise Hilfe geleistet w e r d e n k a n n. Es werden daher alle mit derartigen Absichten Durchreisende ernstlichst und feierlichst gewarnt, sich nicht unnütz in Elend und Leiden zu stürzen, da der Vorstand Ansuchen auf Unterstützung irgend welcher Art unter keiner Bedingung berücksichtigen kann. Tie Mütter mögen ihrer selbst und ihrer Kinder wegen sich diese Mittheilnng zu Herzen nehmen, um sich vor Enttäuschung zu behüten. I. A.: M. Stephan n, Schriftführer. Sollte es möglich sein, unser Ansuchen auch durch eigens zu ergreifende Büttel, welche den von uns erwünschten Zweck erfüllen, thatkräftig zu unterstützen, so würde unser Vorstand in reichstem Maße zu Dank verpflichtet sein. Aber mehr noch, man erweist der Menschheit und insbesondere jenen elenden armen mindern und deren Müttern, deren Interesse wir bei diesem unseren Schritt im Auge haben, unschätzbare Dienste. Benjamin L. E o h e n, Michael A. G r e e n, Präsident. Ehremecretär. Wien. (Ferienheim in R o s s i tz.) Am 18. August fand in Rossitz bei Brünn im Schlosse der Frau Baronin Hirsch de Gereuth ein Gottesdienst artläßlich des Geburtstagsfestes unseres erhabenen Monarchen in Anwesenheit vieler Gäste statt. Nach dem Früh-Rapporte der militärisch organisirten Kinderschaar wurde das Festexercieren begangen. Herr Präfect Lehrer N e u m a n n und Commandant W a n t n ch hoben in warm empfundenen Worten die Bedeutung des Tages hervor und schlossen mit dem innigen Wunsche, daß noch viele edle Menschenfreunde dieser humanen Institution ihr Interesse zuwenden mögen. Die im herrlich gelegenen Schlosse untergebrachten Colvnisten sangen die gut eingeschulte Festhymne, am Schlüsse der Feier die Volkshymne. Instrumental-Vorträge, Declamativnen, Gesänge und ein von einem Colonisten verfaßtes Kindertheaterstück: „Die schlauen Diebe" gelangten zur Aufführung. Sowohl die Leitung des Vereines „Ferienheim", als auch Herr Präfect Lehrer Neumann und Herr Commandant Wantuch haben am Gelingen des schönen, kindlichen Festes ihr Hauptverdienst erworben. Prag. (Für die indischen C n l t n s b e a m t e tt B ö l) m e n s.) Die diesjährige Generalversammlung des israelitischen Lehrervereines in Böhmen dürfte besondere Bedeutung gewinnen durch eine vom vorbereitenden Cvmitö eiugeleitete Action zu Gunsten der jüdischen Cultnsbeamten (Rabbiner, Lehrer und Cantoren). Das Comite erläßt einen A tt f r tt f, in dem es heißt: „Für die Arbeiter in den Fabriken, in den Bergwerkeil u. dgl. gibt es z. B. Fabriksinspectoren, die darüber wachen, daß den Wohlfahrtseinrichtungen und Gesetzen für die Arbeiter strengstens entsprochen werde, die Advvcaten ltnd Aerzte haben ihre Kaminern, letztere' haben erst vor Kurzem ihren Tarif für ihre Leistungen festgesetzt. Für Alle, ob private oder öffentliche Beamte, bestehen gewisse Normen betreffs ihrer Anstellung und Eutlassung, ihrer Pension und der Versorgung ihrer Hinterbliebenen; nur der j ü d i s ch e C u l t n s b e a m t e i n B v h m e n i st trotz Gesetz n n d S t a t u t s ch u tz- und r e ch t l o s. Nach wie vor stellt ihn der Cultusvorstand auf 1 -.*> Jahre au, trotz tz 28 des Statuts der Cultusgemeinden, nach lvie vvr wird er ohne triftigen Grtlnd ganz entgegen dem Statute tz 41 a l ent lassen, und geht es nicht anders, wird ihm der Gehalt gekürzt ein probates Mittel — lind er muß gehen; denn wenn sein bisheriger Gehalt zur Nothdurft hinreicht, was soll er mit 4n<» -550 -HOf» ft. anfangen, das sind die höchsten Gehalte! Es ergeht sonach an alle Cultusbeamte in Böhmen der energische Ruf! Wachet ans! Heran alle Mann! Sammelt euch um das Panier des israelitischen Lehrervereines in Böhmen, kommet vollzählig zur heurigen Generalversammlung, die atn 29. und 30. August 1897 in Prag stattfindet. Wir schlagen Euch folgende Punkte zur Beschlußfassung vor! 1. Der Gehalt der Cultusbeamten - Rabbiner, Lehrer und Cantor — sei den örtlichen Verhältnissen ent sprechend, jedoch niemals unter 600 fl. ö. W. bei freier Wohnung. 2. Die Anstellung muß nach 1—3jährigen Provisorium eine