Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 35 (27.8.1897)
- Date
- 1897-08-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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«Seite 708 Nr. 35 Vr. Vloch's Wochrnlchrif!. Laßt mich darum in deutschen Worten Den Tank aus meines Herzens Pforten Euch senden, dessen Glücktvunschbries Gegangen mir zu Herzen tief. Ich lüge nicht, ich sage Wahrheit, Wenn ich versich're, daß der Grus; Mit seiner gold'nen Freundschaftsklarheit Zum Schönsten, Besten zählen muß. Was mir von Freunden, thcilnahmsvoll An Grüßen, Wünschen jüngst erscholl. Wohl sind im Wort und iin Gedanken Wir abgetrennt durch ernste Schranken. Doch sollten wir derselben hassen? Mein HERR sagt mir: Du so llst den Andern M i t L i e b e und Gebet umfassen, Damit einst das getrennte Wandern Einniünde in die gold'nen Gassen Der Gottesstadt, da gleiches Licht In das erschloss'ne Auge bricht. Und wenn wir beide Wahrheit, Liebe, Der Demuth und der Sanftmuth Triebe, Tiefernste, laut're Herzenszucht, Ein Leben reich an Wohlthunsfrucht Mit Treue predigen, so thut Ter Eine wie der And're Das Im gleichen Augenmerke, was Den Herzen heilsam ist und gut, U n d a l l e wirklich redlich F r o m m e n — Sie muffen einst zusammenko m in e n. Genug. Nehmt einsichtsvoll vorlieb Mit dem, was ich in Eile schrieb! Komm ich nach 36. bald, so bringe Ich mit die Lieder, die ich singe. Lebt wohl! Laßt uns in Frieden geh'n Den fernen Weg! Auf Wiederseh'n! Der königlich englische Gouverneur eröffnet die Rabbiner-Conferenz. Dieses Jahr fand die amerikanische Rabbiner-Conferenz in Montreal, aus englischem Gebiete statt. Se. Hoheit Sir C h a p l e a u, Gouverneur der Provinz Quebeck, der Repräsentant der Königin erschien mit seinen höchsten Beamten und Adjutanten, mit dem Stern seines Amtes und dem Orden seiner hohen Würde auf der Brust, ganz nach den Regeln der englischen Etiquette. Als der Gesang verklungen und das Gebet gesprochen war, erhob sich der Gouverneur der Provinz — Mer Augen sind auf den hohen Staatsmann gerichtet — und mit kräftiger, deutlicher und wohlklingender Stimme spricht er zum Präsidenten und dann zu den Mitgliedern der Conferenz ein herzliches Willkommen im Namen der ihm anvertrauten Provinz Quebeck und führt dann in einem Strome goldener unvergeßlicher Worte aus, wie er und alle Mitbürger sich freuen, daß die Conferenz dieses Land und diese Stadt mit ihrer Gegenwart beehrt und ihm die Gelegenheit geboten ist, diesem Körper und dem jüdischen Glauben als Entgelt seine Hochachtung aussprecheu zu können. Ganz in demselben Tone sprachen nach dem Herrn Gouverneur mehrere seiner hohen Beamten und der Herr Mayor der Sta^t Montreal. Alle verblieben auf ihren Sitzen, bis die Eröffnungs-Ceremonien beendet und die Versammlung für diesen Abend geschlossen war. Wider Berdeutschuugssucht, Jahncultns und Turnerei wendet sich das Organ der Dühringianer, der „Mod. Völkergeist" (Juli S. 108 f.). Das Blatt schreibt: Tic plumpe V e r d e u t s ch u n g s s u ch t, die mit ihrer Lerdeutschungswuth oft die erheblichsten Begriffsnuanccn, die eben nur durch jenes gleichsam technische Fremdwort ausgedrückt werden, unterschlägt, ist nur der Ausfluß eines niedrigen und sich ziemlich lächerlich anlassenden Chauvinismus .... Mit der gewaltsamen sprachlichen Teutschisirung löst man noch keine politischen, socialen, wirthschaftlichen uiid Geistesführungsftagcn. Aehnlich verhält cs sich mit dem übertriebenen Jahncultns. Die Franzosenhetzc ist heute völlig antiqurrt. Abgesehen von der Turnerei und der ziemlich kritiklosen Herunterreißung anderer Nationen gestaltete sich bei jenem Jahn das „Deutsche Volksthum" zu einem dürftigen Constitutionalismus. Im Grunde genommen, ist alles jenes großsprecherische Wesen, sofern es seinen Charakter nicht ^in specielleren Reformationspunkten enthüllt, nur Chauvinismus. Solche specielleren Punkte waren aber eben nur die T u r n e r e i und der Constitutionalismus. Damit deutsches Volksthum repräsentircn zu wollen, ist ein bischen komisch. Ein gewandter, kräftiger und wehrhafter Körper ist gewiß wünschenswerth und nothwendig. Dazu scheint uns aber das zeitraubende Kunstturnen weniger geeignet, als etwa Waflensührung und zeitweiliges Arbeiten in der eigenen Häuslichkeit oder ein wenig Gartenarbeit. Im Uebrigen nimmt in der Reihenfolge menschlicher Verrichtungen, die alle an sich not tzwendig sein können, jede Angelegenheit einen verhältnißmäßig niedrigen Rang ein, und sie zum Mittelpunkt von Allem und Jedem machen zu wollen, ist eine Lächerlichkeit. Wir haben auch noch nicht gestruden, daß die besten, stärksten rnrd gewandtesten Trrrner auch zugleich die besten und klügsten Menschen seien. Auch mit dem „Alldeutsche n" ist cs bei näherem Zusehen gar oft eine üble Sache. Gewöhnlich verbirgt sich dahinter ein Allcäsarisnins mit womöglich sogenannter christlich-germanischer Verbrämung. Wir aber hegen vorr den arisch-deutschen Völkern noch eine höhere Meinung, als daß wir glauben sollten, sie könnten inr Cäsarismus politisch und moralisch verfaulen. Ob sich auch die zäh anhaftenden Sondereigeuthümlichkeiteu, oft beschränkt egoistischer Art, bei den verschiedenen deutschen. und deutschverwandten Volksstämmen so leicht unter einen Hut bringen lassen werden? Die sogenannten Deutschrussen in den Ostseeprovinzeu sind z. B. die dort eingesessene Bevölkerung und aussaugende Großgrundbesitzer deutscher Abkunft, mit deren Ausnahme in einen „alldeutschen Verband" man wenia Ehre einlegcn würde. So ergibt sich noch manches Bedenkliche bei näheren: Zuschaucn. Man stelle sich überall auf den Boden der Wirklichkeit und hüte sich vor aller optimistisch fälschenden Romantik, dann wird man nicht Gefahr laufen, enttäuscht zu werden und sich in der Praxis zu blamiren." In demselben Artikel macht der Verfasser auch ein Geständniß, das Beachtung verdient. Er meint: „Man halte im Allgemeinen daran fest, daß jedes Volk die Z u ft ä n d e, unter denen es lebt, auch verdient hat. Besitzen gewisse Volkst h e i l e nicht die Neigung und die Kraft, sich gewisser fremder Einflüsse innerlich zu erwehren, so sind sie eben auch n i ch t allzuviel wert h." Wir wollen uns einen Augenblick auf den Boden dieser Weisheit stellen und fragen: Was sind die christlichen Volkstheile werth, die sich — antisemitischem Urtheile zufolge — verjuden lassen? Uebrigens ist E u g e n D ü h r i n g selbst der Schutzgeist des curiosen Blättchens, dessen Stil an Schwerfälligkeit nur von Dühring übertrosfen wird. Das Blatt gesteht nämlich, daß es oft Anfragen an Dühring richtet, weil nur dessen „scharfer Blick die innersten Beweggründe zu erkennen und die Schiebungen hinter den Coulissen (der Politik) zu durchschauen" vermag. „Glücklicherweise hält Dühring a u f A n s r a g e n mit seiner Ansicht nicht zurück, und so sind wir auch jetzt mehr natürlich als ftüher — denn die Praxis schärft auch den Blick — in der Lage, auch nach dieser Richtung unsere Freunde und Leser durchweg zuverlässig zu bedienen." Hans von Bülow und Meyerbeer. Seitdem Richard Wagner in seiner bekannten Einseitigkeit gegen die „jüdischen" Componisten Mendelssohn-Bartholdy und Meyerbeer Front gemacht hat, ist es Mode geworden, auf diese beiden geringschätzig herabzusehen. Weil sie jüdischer Herkunft sind, sollen sie auch schlechte Musikanten sein. Hans von Bülow hat im Gegensatz zu dieser Voreingenommenheit diese beiden Componisten sehr geschätzt. Seine Urtheile über Mendelssohn-Bartholdy haben wir im vorigen Jahrgang der „Mittheilungen" abgedruckt gefunden. Ein unbekanntes Urtheil über Giacomo Meyerbeer findet sich in „Hans von Bülow's Briefen und Schriften" (Leipzig, Breitkopf und Härtel HI, Seite 362) Seine Ehrenrettung Meyerbeer's hat im Lager der Wagnerianer unliebsames Aufsehen gemacht. Da die Verunglimpfung des Hauptbegründers der „großen Oper" eigentlich unter Fachkreisen ohne Unterschied des musikalischen Glaubens zum wenig guten Ton gehört, so sei die aus dem Jahre 1877 stammende Stelle citirt: „Wenn nun aber gar . .. Meister Giacomo als „überwundener Drache" niederposaunt wird und sich die auf seine Erfolge neidischen Pygmäen der „Jetztzeit" hiebei auf die olympischen Frechheiten zu berufen wagen, die Robert Schumann vor 40, Richard Wagner vor 25 Jahren gegen den vermeintlichen Antichrist geschleudert haben, so ist hiergegen einfach zu erwidern: Quod licet Jovi, non licet bovi. Schumann verstand von der Oper gerade so viel, als Rossini von der Symphonie; Wagner beging seine Ungerechtigkeiten mit mehr Bewußtsein, vermag jedoch entschuldigt zu werden durch die harten Gesetze des „Kampfes ums Dasein". Der Handel in der Fremde. In Nr. 27 der „Mittheilungen" wurde betont, daß für den Fremden fern der Heimat das bewegliche Capital mehr Werth hat, als Grund und Boden. Deshalb widmen sich Fremde ungleich mehr den Zweigen des Handels und der Industrie als dem Ackerbau und der Beamtencarriere. Ebenso wie der Ausländer in Chile (siehe „Mittheilungen Nr. 27, Seite 216) ist der Deutsche in Belgien vorwiegend dem Handel zugethan. Die „Tägliche Rundschau" vom 10. Juni d. I. schreibt darüber: Im halbamtlichen „Brüsseler Journal" veröffentlicht B a r o n d e H a n l l e v i l l e, einer der geistvollsten katholischen Journalisten