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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-08-20 · 34 (20.8.1897) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
34 (20.8.1897)
Date
1897-08-20
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 702 Vr. Vloch's WochrnschrM. Nr. 34 Dabei ist zu bemerken, daß der Kantar zu 300 Kilo, nicht wie sonst zu 287 Kilo, gerechnet wird. Außerdem muß man bedenken, daß von den Sorten, deren Preis in diesem Jahre erhöht wurde, nur verhältnißmäßig wenig in den Colonien gebaut wird, dagegen um so mehr Carignan und andere schwarze Sorten, für die man ursprünglich 35 Francs zahlte, während beute nur 25 Francs gegeben werden. Wir hoffen, daß man ein Mittel findet, um die eingetretene Preiserhöhung den Colouisten noch mehr zu Gute kommen zu lassen. Inzwischen wissen die Colonisten auch für diese Wohlthat dem edelmüthigen Protektor den herzlichsten Dank. Auch in der Zeit der Weinlese, wo sich die ganze Arbeit der Colonisation gewissermaßen cumulirt, unterbricht man nicht die Thätigkeit für die jüdische Palästina-Ausstellung in Hamburg. Es ist das besondere Verdienst der beiden Brüder A. und D. Bril in Ekron und Rischon-l'Zion, die auch die zur Ausstellung gesandten Bäume präparirt haben, mit unermüdlichem und rastlosem Eifer, immer Neues zur Ausstellung zu senden. Der letzten Sendung konnten wir auch die Ernteproducte von der neuen Colonie Beer-Tobiah beilegen, die uns von Herrn Reisermann freundlichst gesandt wurden. Wir denken noch weitere Sendungen zu machen. Vermischtes. Wie«. (Regierungsrath Dr. W. Wintern i tz.) Wie die „Wiener Zeitung" meldet, hat der Kaiser dem Eigenthümer und Leiter der Kaltwasserheilanstalt in Kalte nleutgeben, außerordentlichen Universitätsprofessor Dr. Wilh e l m W i n t e r u i tz, in neuerlicher Anerkennung seines humanitäreu und gemeinnützigen Wirkens den Titel eines Regierungsrathes verliehen. Wie«. Der König von Serbien hat dem Verwaltungs» rathe der Bozen-Meraner Eisenbahn Julius R e i n i tz das Commandeurkreuz des Takowa-Ordens verliehen. E. B. Wien. (Venedig in W i e n.) Bei dem zu Gunsten des Hilfsfond der durch die letzte Hochwasser-Katastrophe Betroffenen vom Direktor Steiner veranstalteten, ersten Festabend trug die Altmeisterin Frau Marie G e i st i n g e r Lieder von Goldmark („DieNachtigall"), Weinberger („Schmetterlingslied") und Rosen zweig („Wie Strauß den ersten Walzer schrieb") vor, welche der Sängerin endlosen Beifall eintrugen. E. B. Wien. (Todesfall.) Mitte dieses Monates verschied hier Herr Jonas K o h n, 73 Jahre alt. Der Verstorbene entstammte einer sehr achtbare Familie in Proßnitz, wo er lange hiedurch sich an dem öffentlichen Leben betheiligte und mehrere Ehrenämter bekleidete. Friede seiner Asche! L'nz. (Vom Oberösterreichischen Landesschulrath e.) Seine Majestät der Kaiser hat den Rabbiner Dr. Moritz F r i e d m a n n für die nächste dreijährige Functionsdauer zum Mitgliede des Landesschulrathes fiir das Erzherzogthum Oberösterreich ernannt. Marienbad, 15. August 1897. Heute wurde in Marienbad die Verlobung des Herrn Dr. Ludwig Landes, Sohn des Herrn N. Landes, Juspector der Baron Hirsch-Stiftungsschulen in Galizien aus Lemberg, mit Frl. Mania Margulies, Tochter der Frau Jvanna Margulies aus Tarnow. im engsten Familienweise gefeiert. E. B. Bisenz. (Rabbinerwahl.) Herr Dr. Josef Hoff, Sohn weiland Dr. Emil Hoff, Rabbiners in Proßnitz wurde einhellig zum Rabbiner der hiesigen Cultusgemeinde gewählt. Stanislau. Sonntag den 15. d. M. wurde hier das Hochzeitsfest von Frl. Anna Weißbach mit Sr. Ehrwürden dem Herrn Bezirksrabbiner Dr. M. Engel aus Creutz in Ungarn von einer großen Anzahl distinguirter Gäste gefeiert. — Den Reigen der Toaste eröffnete Herr Isidor Weißbach, der Bruder der Braut, mit einem geistreichen Speech, der sehr beifällig ausgenommen wurde. — Die Gesellschaft verblieb bis zum frühen Morgen in animirtester Stimmung. Frankfurt a. M., 10. Mgust. Dem Docenten für Elektrotechnik Herrn Dr. Epstein ist der Charakter als P r oe s s o r verliehen worden. Danzig, 6. August. Dem Kreiswnndarzt a. D. Sanitätsrath Dr. Sentoit ist der Kronenorden d r i t t e r C l a s s e verliehen worden. Paris, 6. August. Zn Rittern der Ehrenlegion wurden unter den anläßlich des diesmaligen Nationalfestes am 14. Juli Ausgezeichneten folgende Glaubensgenossen ernannt: Staatsanwalt - Substitut S e l i g m a n n - Paris, Docent G u st a v B l o ch-Paris, endlich M. W ei ll, Präsident der französischen Gesellschaft in San Francisco. Zu Officieren der Akademie wurden ernannt: S. B e r n a r d, C a h e n, F a n t a, H a l p h e n, I u l e s W o g u e, Lion und Salomon, sämmtlich Gymnasialprofessoren in Paris, Jacques T r e n e l, Professor am Gymnasium zu Bordeaux und Mademoiselle M i ch e l, Directrice der höheren Töchterschule in Bong. St. Petersburg, 6. August. Herrn Staatsrath Lazar P o l j a k v f f in Moskau ist der erbliche Adel verliehen worden. Feuilleton. Vaters Geige. Erzählung von Jda O p p e n h e i m. (Fortsetzung.) Der kleine Jacob, von allen Buben seiner schönen Stimme wegen das Singercheu genannt, hatte schon einige Jahre au heiliger Stätte gesungen. Immer strömten die Töne klar und hell von seinen Lippen, froh und freudig saug er sie hinaus, seinen Gott preisend. Heute war seine Stimme matt, thränenerstickt. Hatte er doch sonst immer mit seinem geliebten Vater gesungen, nun nahm ein Anderer seine Stelle am Altar ein, das Sängerchen war verwaist. — Am Sabbathnachmittag war Jacob zum Rabbi besohlen, dort fanden sich die älteren Schüler, des alten Seelsorgers ein, die Bochurim, und hörten den talmudischen Vorträgen zu, die ihnen der weise Lehrer hielt. Es war eine besondere Auszeichnuilg für den Knaben, dorthin berufen zu sein und die Mutter war nicht wenig stolz auf diese Bevorzugung. Als Jacob heimging, fing es zu dämmern an. In Gedanken versunken, das eben Gehörte nochmals sich in's Gedächtniß zurückrufend, ging er langsam heim. Da hörte er rohe, polternde Rufe. „Hallo, he, he, hepp, hepp -- 's „Singerchen" aus der Judenschule kommt daher getrabt. — Singercheu, kannst auch so gut dich schlagen, als du singen kannst? Komm, feige Judenbrut, wir wollen uns messen!" Es waren ein paar sehr anständig und sauber gekleidete Knaben, die aus einem großen rothen Ziegelhause herausgestürmt waren, der Turnhalle des Gymnasiums. Die Mäntel hingen ihnen lose um die Schultern, die Wangen glühten ihnen noch von der gehabten körperlichen Anstrengung. Einige hatten noch Bücher und Hefte in den Händen, die sie wohl den betreffenden Lehrern beimtragen sollten. Jacob war blaß getvorden, als er die Rufe vernommen; zu sehr daran gewöhnt, von den rohen Buben verspottet zu werden, blieb er äußerlich ruhig und wollte schnell weiter gehen. Doch die übermüthige Schar schien kampflustig zu sein: „He, Du willst fliehen, nun Du Pulver riechst!" rief der eine lachend, und die anderen stimmten nach Herzenslust ein. „Heute ist Schabbes, da ist es verboten sich, zu schlagen. Nichts da, her mit den Knochen". Die wilde Schaar hatte den schwachen todtblaßen Knaben umringt und ehe er sich's versah, ward er zu Boden gerissen, sein Mützchen flog weit fort und der dünne, lange Mantel lag zerfetzt daneben. Er sprang auf. Mit schier übermenschlicher Kraft wollte er sich auf einen seiner Peiniger stürzen, in demselben Momente fuhr ein Wagen dazwischen und störte den Angriff. Die Buben stoben auseinander. Jacob nahm bebend seine Sachen auf und wollte weiter gehen. Da stürzte einer, der größte und stärkste Knabe, ihm nach, er trug ein Bündel Hefte. „Warte, feige Memme, so sollst Du nicht davon kommen, ich muß Dir noch einen Schlag geben!" Kaum hatte der rohe Patron

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