Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 34 (20.8.1897)
- Date
- 1897-08-20
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 700 Vr. Vwch » Wochrnschrist Nr 34 Der christliche Frauenbund für das Kaiserfest und die Ueberschwemmten. Aus Anlaß des Kaiserfestes, sowie um eine Action zu Gunsten der Ueberschwemmten einzuleiten, hielt Mittwoch Abends der christliche Wiener Frauenbund irr der Volkshalle eine Versammlung ab, in welcher Bürgermeister Dr. Lueger, Vicebürgermeister Dr. N e u m a y e r, Landesausfchuß Steiner, Abgeordneter Dr. W e i s k i r ch n e r, Stadtrath Fiedler und die Fnnctionärinnen des Frauenbundes erschienen waren. Bundespräsidentin Frau Platter cröffnete die Versammlung. Landesausschuß Steiner dankte dem christlichen Frauenbünde, daß er die Initiative ergriffen habe, um die allseits herrschende Noth zu lindern. Er erörterte des Näheren die eingeleitete Rettungsaction und betonte, daß man dem Bürgermeister und der Gemeindevertretung Dank Nüssen müsse, daß sie nicht ein specielles Rettungscomite für Wien gebildet, sondern sich mit dem Landescomite verschmolzen, woraus hervorgehe, daß man in Wien auch für die auswärts Verunglückten ein Herz habe. Hierauf ergriff Dr. Lueger das Wort: Die Noth ist groß, sagte er, aber auch die Barmherzigkeit ist groß, und wenn Sie in den Zeitungen von Spenden lesen, werden Sie die Bemerkung machen, daß jene Kreise, die zu den capitalistischen zählen, sich ostentativ fernhalten. Sie wollen wahrscheinlich zeigen, daß die Christen gar nicht im Stande sind, zu Helsen. Ihre Aufgabe ist es nun, zu beweisen, daß wir die gewissen protzigen Leute nicht brauchen, daß wir selbst helfen können und daß sich das christliche Volk nicht kaufen läßt. (Beifall.) Gebe Jeder, was er kann, und wenn es sich jemals als zweckmäßig gezeigt hat, daß wir diesen Kampf ausgenommen, so ist dies jetzt der Fall, und wir werden jenen Leuten beweisen: Wir können ohne Euch erreichen, was wir wollen. Thun Sie, was Ihnen Ihr Herz anbefiehlt, schloß Dr. Lueger seine Rede, gehen Sie von Partei zu Partei, und wenn es gelingt, das Elend zu beheben, werden Sie mit Stolz sagen können: Das christliche Volk hat sich selbst geholfen, es ist würdig, daß es wieder herrsche in der Vaterstadt Wien. Tragen Sie das Ihre bei, und das wird helfen, daß oas Werk gelingt." Abgeordneter Dr. Weißkirchner begrüßte das Anwachsen des Frauenbundes, dessen erste Action sich auf dem Gebiete edelster Humanität bewegt. Nachdem noch Vicebürgermeister Dr. Nettmayer und Frau Platter gesprochen, wurde die Versammlung geschlossen. Jener Theil unserer Glaubensgenosse», welche trotz unserer Mahnung mit erheblichen Beträgen an der Sammlung zu Gunsten der Ueberschwemmten sich betheiligt haben, erhalten nunmehr durch den Herrn Bürgermeister Dr. Lueger den wohlverdienten Dank. Krakau. Seit einigen Wochen erscheint hier in polnischer Sprache ein neues antisemitisches Blatt, das an Lügenhaftigkeit und Rohheit der Gesinnung vielleicht Alles, was auf diesem Gebiete geleistet wurde, überragt. Die im Processe Rohling durch Dr. Bloch actenmäßig nachgewiesenen Unwahrheiten und Märchen werden wieder mit unglaublicher Ignoranz aufgefrischt, doch kann man mit Grund hoffen, daß diese Blüthen auf hiesigem Boden nicht gedeihen werden. Der Rabbiner von St. Kilda in Amerika hat au den Vicepräsidenten der hiesigen Cultusgemeinde Obmaun der Spitalssection Herrn Hirsch Landau den Betrag von 5 Lire - 60 fl. ö. W., die der dort in ärmlichen Verhältnissen verstorbene Glaubensgenosse Aaron Pincus dem hiesigen israelitischen Spitale testamentarisch unter schmeichelhaftester Anerkennung der Thätigkeit der hiesigen Spitalssection vermacht hat. Der Vicepräsident H. Landau hat im Namen der Cultusgemeinde den Dank ausgesprochen und den Rabbiner ersucht, dies der Familie des Verblichenen zur Kenntniß zu bringen und gleichzeitig angeorduet, daß der Verblichene im Buche der Wohlthäter der hiesigen Gemeinde verewigt werde. Roznau. (Fünfundzw anzigstes Spendenv e r z e i ch n i ß.) Zur Errichtung eines israelitischen Friedhofes und eines Asylhauses für lungenkranke, arme Glaubensgenossen im Curorte Roznau sind weiters nachstehende Spenden eingegangen von: Cultusgemeinde Brünn 10 fl.; Cultusgemeinde Meseritsch 10 fl.; Chewra-Kadischa Kattowitz 10 fl.; Max Pollak, Brasilien 10 fl.; Ignatz Fluß, Freiberg 10 fl.; Rabbiner L. Pollak in Budapest 3 fl.; Professor Oser, Wien 5 fl.; Rabbiner Horowitz, Stryj 5 fl.; Leopold Langer, Wien 5 fl.; Robert Kollisch, Wien 5 fl.; Wilh. Kux, Wien 5 fl.; Victor Silberstein, Wien 5 fl.; Mendl und Löwy, Wien 5 fl.; Frau Dr. Marie Brecher, Prag 3 fl.; Adolf Bergl und Comp., Wien 2 fl.; Summe 95 fl.; Ignatz Klinger, Prag, Drucksorten im Werthe von 30 fl. Letzter Ausweis 4044 fl. 28 kr. Zusammen 4139 fl. 28 kr. Dr. L. S. S kr ein k a, Adolf Pollak, Curarzt in Roznau. Fabrikant in Proßnitz. Marcus Neu m a n n, Mitglied des Cultusvorstandes in Proßnitz (Mähren). Roznau. (Ein israelitisches Krankenasyl in Rozna u.fl Die ansehnliche jüdische Curgemeinde, die sich alljährlich in dem von der Natur reich bedachten mährischen Luftcurorte vereinigt, entwickelt eine eifrige Wirksamkeit im Sinne traditioneller jüdischer Humanität und jüdischen Gemeinsinnes. An die kürzlich stattgefundene Eröffnung des jüdischen Friedhofes reiht sich nunmehr die mit Energie in Angriff genommene Action zur Errichtung eines Asyls für bedürftige Brustleidende israelitischer Confession, dessen Bau nach den bisherigen Ergebnissen bereits im nächsten Jahre in Angriff genommen werden dürfte. Ein stattliches Scherflein zu diesem gemeinnützigen Werke hat eine hier am 14. d. M. gegebene Dilettantenvorstellung beigetragen, deren Erfolg sowohl in künstlerischer als auch materieller Hinsicht den schönsten Erwartungen gerecht wurde. Das Programm bestand aus zwei lustigen Einactern, welche, im Verein mit launigen Coupletvorträgen, das den Saal bis auf das letzte Plätzchen füllende Publicum den ganzen Abend hindurch in animirtester Stimmung erhielten. Darstellung und Regie waren in jeder' Hinsicht gelungen, manche Leistungen hätten wohl auch Berufsschauspieleru zur Ehre gereicht. Demgemäß widerhallte auch der Cursaal, auf dessen Bühne die Vorstellung stattfand, immer wieder von dem reichlich gespendeten Beifall und sowohl Darsteller als Publicum konnten sich am Schluffe mit dem Bewußtsein entfernen, ein wahres Vergnügen mit werkthätiger Menschenliebe gepaart zu haben. Ischl. (I u b i l ä u m s f e i e r.) Die Wasserheilanstalt der Herren Dr. H e r tz k a und W i n t e r n i tz in Kaltenbach feierte am 12. d. M. den 25. Jahrestag der Anstalt; Doctor H e r tz k a war an diesem Tage Gegenstand herzlicher Ovationen. Trotzdem der Jubilar jede Ovation abgelehnt und auch den für ein Festdiner am Jubiläumstage gewidmeten Betrag den Ueberschwemmten zugeweudet hatte, ließen es sich seine zahlreichen Verehrer und dankbaren Patienten nicht nehmen, für seinen Ehrentag festliche Vorbereitungen zu treffen. Ein aus der Mitte der Curgäste gewähltes Co mite entledigte sich glänzend der Aufgabe, den Tag zu einem Jubeltage zu gestalten. Schon der Morgen brachte die erste Ueberraschung in Form eines Ständchens; der von Dr. W i n t e r n i tz zur Feier des Tages gespendete Springbrunnen, ließ zum ersten Male seine Wasser spielen und bald füllten sich auch die Räume der festlich decorirten Wasserheilanstalt mit einem zahlreichen distinguirten Pnblicum. Die mündlichen, schriftlichen und telegraphischen Glückwünsche, die dem Gefeierten in reicher Fülle zukamen, gaben Zeugniß von dessen Beliebtheit, wie dies nicht minder die zahllosen Blumenspenden und Geschenke bewiesen; ein Comite überreichte dem Jubilar das prächtige Ehrengeschenk, einen Tafelaufsatz, den die Gäste der Anstalt gewidmet hatten. Sodann brachte das Festdiner eine Reihe von Toasten, deren Abschluß eine gerührte Dankesrede des Jubilars bildete. Nachmittags folgte ein Radfahrcorso auf blumengeschmückten Rädern, Abends Illumination, Feuerwerk und ein Concert, in welchem Fräulein Prochaska, ehemals Mitglied des Prager Landestheaters, sowie Fräulein Adele H e r tz k a wohlverdienten Beifall ernteten. Budapest. Von einem jüdischen Lehrer, der zwei Menschenleben rettete, wird aus Erlau berichtet: Der dortige Lehrer Soma Weiß hat am jüngsten Sonntag mit eigener Lebensgefahr zwei Menschen vom sicheren Tode gerettet. Der Juwelier Bola T a r b a y, der des Schwimmens unkundig ist, wagte sich ins große Wasser der Schwimmschule. Plötzlich entglitt aber die Schwimmblase, an die er sich geklammert hatte, seinen Händen. In seiner Verzweiflung, ergriff er den Arm eines neben ihm schwimmenden 12—14jährigen Knaben, den er mit sich in die Tiefe zog. Der Lehrer Weiß, der vollständig angekleidet eben aus derCabiue trat, warf sich rasch entschlossen ins Wasser und rettete die Beiden vom sicheren Tode. Der wackere Lebensretter wurde vom Badepublicum mit stürmischen Eljenrufen belohnt. Prag. (Carl Schlesinger's Bestattung.) Unter geradezu massenhafter Betheiligung aller Kreise der deutschen