Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 34 (20.8.1897)
- Date
- 1897-08-20
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 34 Dr. Vloch's WochrnfchrM Seite 699 Gewerbe-Ausstellung, Equitable-Palast, Leipzigerstraße 102lausgestellt. Ein Kunstreferent schreibt uns über den Meister und sein Werk: „Der bekannte italienische Künstler, ein Enkel des ßabbino maggiore in Verona, verstand es, die Achtung und Bewunderung, die er für das Judenthum hegt, in diesem Gemälde in großartiger Weise zum Ausdruck zu bringen. Die Versinnlichung der einzelnen Charaktereigenschaften des Judenthums, die Mäßigkeit mit den Vorzügen des Familienlebens, der Wohlthätigkeit und die Vaterlandsliebe hat Herr Professor Gerolamo Navarra durch harmonisch an einander gereihte Figuren mit Meisterhand durchgeführt. Um die Arbeit und die Zähigkeit scharren sich der Handel, die Industrie, die schönen Künste und die Wissenschaften. Allen voran schreitet die Tochter Israels, ausgerüstet mit den Vorzügen des Herzens und des Geistes, die sie aus dem Glauben geschöpft, ihrem ersehnten Ziele, nämlich dem Friedere und dem Fortschritt, der Wahrheit, Gerechtigkeit und Brüderlichkeit entgegeir. Das ganze Gemälde zeigt das große Können des Meisters, seine Gewandtheit in der Pinselführnng und seine Begeisterung für das Judenthum." — Der Eintritt zur Ausstellung und zur Besichtigung des Gemäldes ist vollkommen frei. Ein Bubenstück. Als Freitag den 13. d. M. Mends der in der Leopoldstadt, Kleine Schiffgasse 30 wohnhafte Hausnnd Küchengeräthehändler Jacob Weeg mit seiner Gattin Regina Weeg im Speisezimmer der ebenerdigen Wohnnng das Nachtessen einnahm, bemerkte er plötzlich im anstoßenden Cabinet, dessen Berbindungsthür offen war, einen Lichtschein und hörte gleich darauf eine schnßähnliche Detonation. Im Cabinet, in welches das Ehepaar sofort eintrat, verspürte es Rauch und sah zugleich, daß der Fensterpolster glimmte. Die polizeiliche Commission stellte bei der Thatbestandsanfnahme Folgendes fest: Auf der Fensterbrüstung fanden sich noch Spuren einer auf derselben verbrannten Flüssigkeit vor, ferner eine größere Anzahl von Glassplittern, anscheinend von einer Flasche herrührend. Auf dem Trottoir unterhalb des Fensters lagen ebenfalls Glassplitter, ebenso im Cabinet, mit ungebrannten Papierstreisen vermengt. Es unterliegt keinem Zweifel, daß ein Passant entweder muthwilliger oder boshafter Weise ein mit einer explodirbaren Flüssigkeit gefülltes Behältniß auf die Fensterbrüstung gelegt und es zur Explosion gebracht hat. Unmittelbar vor der Explosion ist ein Wagen langsam an dem Fenster vorbeigesahren, als aber die Explosion erfolgt war, bog der Kutscher rasch in die Floßgasse ein und fuhr gegen die Obere Donaustraße. Die Polizei hat diesen Kutscher gestern ausgeforscht. Er heißt Joses Kl atzet und ist bei dem Spediteur Popper im Schöllerhos bedienstet. Der Kutscher erzählt, daß er im Borbeisahren die aus das Fläschchen gestellte Lunte brennen sah. Er war der Meinung, daß Jemand bei dem offenen Fenster rauche. Einige Secunden später erfolgte die von einem Knall begleitete Explosion, in Folge dessen seine Pferde scheuten und in rasendem Galopp davonfuhren. Nach dem Befunde des Sachverständigen in der Sprengtechnik, des Herrn Ing. Hugo Munik, enthielt das Fläschchen blos Pulver und keinen anderen Sprengstoff. Bei der Behörde neigt man der Ansicht zu, daß es sich ilm ein antisemitisches B u b e n st ü ck handelt; auf der Straße soll man in der Nähe des Weeg'schen Geschäftes vor der Explosion den Ausruf gehört haben: „Die Inden müssen verbrannt werden!" 4vien. (Synagoge in S t e i n b r u ch.) Die Steinbrucher israelitische Cultusgemeinde war bisher bemüssigt, den Gottesdienst in einer engen unpassenden Räumlichkeit zu vollziehen. Durch die Munisicenz der Gemeindemitglieder wurde eine größere Summe gesammelt, wodurch es möglich war, einen größeren Baugrund anzukaufen, und demnächst werden auch die Baupläne fertiggestellt sein. Für den benannten Bauzweck haben dieser Tage Leopold Blankenberg und Gemahlin 2000 fl. gespendet. 4vien. (Todesfall.) Am 12. d. starb hier Herr N. Sträußler, Oberlehrer der städtischen Volksschule für Knaben, I!., Kleine Sperlgaffe 2, nach langem, schweren Leiden im 57. Lebensjahre. Der Verblichene war seit dem Jahre 1867 im Lehramte thätig. Im Jahre 1884 wurde er zum Oberlehrer ernannt, der erste Schulleiter jüdischer Confession, nachdem, der Schutnovelle entsprechend, die Majorität der an dieser Anstalt befindlichen Schuljugend der jüdischen Consession angehörten. Während dieser Zeit ertheilte Herr Oberlehrer Sträußler auch den subsidiarischen mosaischen Religionsunterricht in den Unterclassen. Sonntag den 15. d. M. fand auf dem Centralfriedhofe das Leichenbegängniß des Verstorbenen statt, zu dem sich eine große Anzahl Leidtragender einfanden. Der Vorstand unserer Cultusgemeinde entsendete die Herren Secretäre Dr. Lieben und Dr. Adler und Herrn Oberbuchhalter Emil K a tz. Ans Lehrerkreisen gaben zahlreiche Communal- und Religionslehrer dem Verblichenen die letzte Ehre. Herr Rabbiner Dr. Schmied! hielt au der Bahre einen ergreifenden Nachruf. Am Grabe sprach der derzeitige provisorische Schulleiter Herr S. I. P o l l a k, namens des Lehrkörpers. Er pries die außergewöhnliche Pflichttreue, den Fleiß, die Gewissenhaftigkeit des Verblichenen, schilderte die Schwierigkeiten, die derselbe als erster jüdischer Oberlehrer beim Antritt seines Amtes durch kräftige Energie 51t bekämpfen wußte, und feierte die außergewöhnlichen Tugenden, die den Verblichenen als Vater, Gatten und Verwandten zierten. Zum Schluffe sprach der Redner dem Verblichenen sowohl namens des Lehrkörpers wie auch der Schuljugend in warmen Worten Dank und Anerkennung für sein aufopferungsvolles und liebevolles Wirken als College und Lehrer ans. Herr Sträußler hinterläßt ein§ tiefgebeugte Gattin und sechs unmündige Kinder, vier Söhne und zwei Töchter. Allgemeines Befremden erregte es unter den zahlreichen Leidtragenden, daß es die Ortsschulbehörde nicht der Mühe werth fand, auch nur einen einzigen Vertreter zu entsenden. Wahrlich ein wichtigeres Zeichen der Zeit konnte von dieser Körperschaft kaum geliefert werden. Wenn wir auch begreifen, daß die christlichen Mitglieder des Ortsschnlrathes im II. Bezirke dem Leichenbegängniß eines verdienstvollen jüdischen Schulmannes ferne bleiben, so ist es desto unbegreiflicher, daß kein einziges der zahlreichen jüdischen Mitglieder es der Mühe werth fand, dem alten Schulmanne die letzte Ehre zn erweisen. Wahrlich ein trostreiches, ermuthigendes Vorgehen für die jüdischen Lehrer bei der heutigen Strömung! Um so tiefer fühlen sich die Hinterbliebenen und Leidtragenden dem Vorstände unserer Cultusgemeinde verpflichtet, die dem Verblichenen durch ein ebenso würdiges als ehrenvolles Leichenbegängniß würdigte und so hiedurch den ganzen Lehrerstand ehrte. Sch. Grotz-E»zersdorf. (F ü n f t e s S p e n d e n - V erzeich n i ß z n m T e m p e l b a u.) Frau Fanny und Eva Reichsfeld, Berbocz 2 fl.; die Herren Hauser und Sobotka, Wien 50 fl; Altmann Mano, Verbocz 1 fl.; Jacob Reichsfeld's Witwe, Berbocz 2 fl.; Emarmel Rind, Witis 2 fl.; A. Zucker in Reinhof 1 fl.; Julius Lemberger, Gvpsritz 50 kr.; Wilhelm Stukhart, Waidhofen 50 kr.; I. Ressek in Pfafienschlag 50 kr.; I. Spitz in Bitis 1 fl.; T. Glaser in Heidenreichstein 50 kr.; D. Schön, Siegharts 50 kr.; H. Jedlinski, Ditmans 50 kr.; A. Lederer, Vitis 1 fl.; Ä. Zellingen, Hanzen 1 fl.; M. Singer jun., Waidhofen 1 fl.; Josef Pollak, Waidhofen 1 fl.; Ignatz Stukart, Waidhofen 1 fl.; R. Schwarz, Gmünd 2 fl.; Leopold Kollmann, Gnlünd 50 kr.; Heinrich Eisenstädter, Wien 5 fl.; Alois Winkler, Leobersdorf 10 fl.; Singer und Kraus, Wien 3 fl.; Moritz Winkler, Mißlitz 5 sl.; Jaques Schuk, Budapest 2 fl.; B. Jones, Lemberg io fl.; Sigmund Reichsfeld, Lassee 5 fl.; Leopold Altmann, Lassee 2 fl.; Max Finoler, Lassee 50 kr.; Leopold Saller, Lassee 1 fl.; Pollak's Witwe, Lassee 1 fl.; Anton Leichter, Lassee 1 fl.; A. Kohn, Lassee 1 fl.; I. Löw, Lassee 1 fl.; S. Blum, Dewa 5 fl.; I. Reichsfeld, Napagedl 2 fl.; Ignaz Kohn, Jedlesee 5 fl.; Josef Keller. Jedlesee 2 fl.; Jacob Klein, Jedlesee 1 fl.; A Drab, Jedlesee 1 fl.; Summe 133 sl., mit bereits ausgewiesenen 3222 fl. 50 kr. Zusammen 3355 fl. 50 kr. Weitere Spenden mögen entweder an den Gefertigten oder an den Minjan-Vereine in Groß-Enzersdorf gesendet werden. Heinrich Reichsfeld Obmann des Tempelbau-Comites. Theusing bei Petschau. Von vertrauenswürdiger Seite erhalte ich Mittheilung über nachstehenden Vorfall: Im Gasthause „zur Stadt Wien" oder im sogenannten Renthause beim Gastwirth P r ö h m, wo viele Hunderte jüdischer Geschäftsreisende 4—6malint Jahre einkehren und übernachten und so den größten Theil zu dessen Einkommen beitragen, wurde am Sonntag den 1. d. M. Herrn Schönerer und dessen Anhang der große Saal und angeblich alle Fremdenzimmer eingeräumt. Als anr selben Nachrnittag der Oberinspector Ries von der „Asäicnrazioni Generali“ im genannten Gasthause ankam und ein Zimmer verlangte, wurde ihm bedeutet, daß alle Zimmer vergeben seien, so daß derselbe ein anderes Gasthaus aufsuchen mußte. Dies allen jüdischen Geschäftsreisenden zur Darnachachtung!