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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-08-20 · 34 (20.8.1897) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
34 (20.8.1897)
Date
1897-08-20
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 34 Vr BLom's Mvür^nzarrm. Ente K95 10. Das Landes-Consiftorimn setzt für seine Amtsperiode die Geschäftsordnung fest nnd vertheilt unter seine Mitglieder die Agenden. 11. Für austretende oder mit Tod abgehende Mitglieder rücken die, welche bei der Wahl die nächstmeisten Stimmen erhielten, kategorienweisc nach. Sollte dies bei mehr als der Hälfte der ursprünglichen Mitglieder der Fall sein, dann hat eine neue Gesammtwabl stattzufinden. 12. Nach Ablauf der Functionsdauer sind die früheren Mitglieder wieder wählbar. IV. C e u t r a l - C o n s i st o r i u m. 1. Das Ceittral-Coilsistorinm hat seinen Sitz in Wien nnd wird als eigentliche Repräsentanz der österreichischen Jndenschafl angesehen. Es gilt als fachmännischer Beirath der Regierung, der k. k. Ministerien, welche in allen die Israeliten Oesterreichs betreffenden allgemeinen Cnltus- und Religionsunterrichts-Angelegenheiten, sowie in' solchen speciellen Streitfragen, bei welchen an das Ministerium recnrrirt wird, die gutächtliche Aenßernng des Central-Consistoriums einholen, und kann es in gleicher Eigenschaft auch von den obersten Gerichtsbehörden herangezogen werden. 2. Es ist die zweite inappellable Instanz bei Recursen gegen Anordnungen und Entscheidungen der Ländes-Eonsistorien. (II. 3.) 3. Für das zu creirende Reichs-Rabbiner-Seminar hat es den Organisationsplan zu entwerfen, die auszustellenden Professoren dem Cnltus- und Unterrichts-Ministerium zur Ernennung vorzuschlagen und über das Institut selber die Aussicht zu führen. V. Z u s a m n: e n s e tz u n g, W a h l - M o d n s, E o n st i t u i r n n g d e s E e n r r a l - C o n s i st o r i u m s. 1. Das Eentral-Consistorium besteht ans dem Präsidenten, den Se. Majestät der Kaiser ernennt, und 20 Delegirten aus den einzelnen Landes-Consistorien, und zwar: aus A — 3 Laien, 1 Rabbiner (Seelsorger) ,f G — 1 „ 1 „ also aus 13 Laien und 7 Rabbinern. 2. Tie Amtsperiode dauert 6 Jahre. 3. Sämmtliche Mitglieder wählen ans ihrer Mitte 2 Bicepräsidentcn und setzen die Geschäftsordnung fest in einer Sitzung, zu deren Beschlußfähigkeit die Anwesenheit von mindestens 15 Mitgliedern erforderlich ist. 4. Die Delegirten aus den einzelnen Landes-Eonsistorieil haben in der Regel das Referat über Angelegenheit ihrer betreffenden Landesjudenschaft. 5. Ein Beschluß des Central-Eonsistoriums in rein religiösen Fragen, gegen welche sämmtliche erschienenen rabbinischen Mitglieder dieses Collegiums motivirte Einsprache erheben, ist als aufgehoben zu betrachten. 6. Gegen statutenwidriges Vorgehen des Central-Eonsistoriums steht der Weg der Beschwerde an das Minifterum für Eultus- und Unterricht, beziehungsweise an den Verwaltnngsgerichtshof offen. (Fortsetzung folgt.) Vom judenreinrn Spanien. ii. Ein Zug von Grausamkeit inmitten aller Ritterlichkeit, die sich in Spanien erhalten hat, geht durch den öffentlichen Geist des spanischen Volkes und beeinflußt gar oft auch die Handlungen und Maßregeln der Regierung. Die Parteikämpfe in diesem Lande waren oft von blutigen Thaten begleitet. Die Art und Weise, wie die Regierungen die Aufstände in Cuba und in den Philippinen zu bezwingen suchten, zeigt ein Uebermaß von Strenge und Härte. C a n o v a s selbst war niemals für milde Maßregeln. Die Gnade ist kein häufiges Wort in den spanischen Maßregeln. Der spanische Volkscharakter ist durch die Jahrhunderte zur Grausamkeit erzogen worden. Philipp II. hatte man zu Valladolid als jungen König mit einem Autodafe empfangen; er schwur damals vor dem Holzstoße, „dem heiligen Amt der Inquisition gegen die Ketzer, die Abtrünnigen, und die, welche sie begünstigen, alle nöthige Unterstützung" verleihen zu wollen; eine fromme erhebende Predigt hielt der Bischof von Cuen?a; der Großinquisitor rief: Domine adjuva nos; O Herr, hilf uns; und dreizehn ausgezeichnete Opfer stürzte man lebend in die Flammen, wo sie langsam verbraiulten. Um den Ketzern den Ruhm öffentlichen Marüiriums zu nehmen, versagte man es sich später, sie auf freiem Platze zu verbrennen; sie wurden „zur Nachtzeit im Gefängniß, die Köpfe zwischen die Knie gebunden, in Waffertvnnen langsam ertränkt". Der Hinrichtung ging meist die Folter voraus. „Manche Personen haben die Folter und die Haft fünfzehn Jahre lang ertragen und sind schließlich noch verbrannt worden". Auch die Todten hatten keine Ruhe; der Bischof von Ppern ließ die Leichen der Ketzer ausgraben, mochten sie selbst Jahre lang bestattet sein, und die Leichen wurden an den Galgen gehängt. Ein Ketzer aber war, wer sich zur neuen Lehre bekannte; man konnte aber auch verbrannt werden, „weil man am Freitag eine Wurst oder ein Kapaun gegessen, weil man in der Bibel gelesen, weil man die Psalmen von Clement Marot oder weil nran die Bergpredigt in flämischer Sprache besessen hatte", oder endlich, weil man in dem Verdacht stand, nicht ganz so zu denken, wie es das Christenthum Roms verlangte. Philipp U. konnte sich auch auf seinem Todtenbette erinnern der zahlreichen Meuchelmörder, die er ausgesandt hatte. Wilhelm von Oranien hatte er in die Acht erklärt. Wer diesen - edlen Gegner umbrachte oder ihn lebend oder todt auslieferte, sollte 25.000 Kronen in Gold erhalten: „Sollte derselbe — der Mörder - sich irgend eines Verbrechens schuldig gemacht haben, so abscheulich es immer fein möchte, io versprechen wir ihm zu verzeihen und sollte er nicht dereils adelig sein, so werden mir ihm den Adel für seine Tapferkeit ertbeileu." Es gab Bewerber genug. In der Tasche des Einen, Juan Jauregny, der den Versuch vergeblich gemacht hatte, fand man einen Agnus dei, ein Kruzifix, ein Gebetbuch und eine Schreibtafel „voll von Gelübden nnd frommen Anrufungen". Mit Balthasar Gerard hatten die Spanier einen vollständigen Vertrag abgeschlossen. Als man ihn, den es gelang, Wilhelm von Oranien zu tobten, aus der Folter fragte, „seit wie lange er sich dem Teufel verkauft habe", erwiderte er in mildem Tone, „mit dem Teufel habe er nichts zu schaffen. Er danke den Richtern höflich für die Nahrung, die er im Gefängniß empfangen und verhieß es ihnen zu vergelten, indem er im Paradiese für sie spreche". Jauregny und Gerard waren fromme Männer, nnd das erkannte Philipp an; die überlebende Familie Gerard's erhielt im Land den versprochenen Lohn, und die Mordthat des Sohnes verschaffte den Eltern den Adel. Im Jahre 1559 und im darauf folgenden Jahre erließen Papst Paul IV. und dann Papst Pius IV. Bullen, in denen die Inquisition, in den Provinzen geregelt und nochmals verstärkt wurde. Die Bulle sagt, daß „Paul IV., der Knecht der Knechte, in seiner Sorge für die Wohlfahrt der Provinzen und für die ewige Seligkeit ihrer Bewohner beschlossen habe, in diesen fruchtbaren Gefilden einige ueue Bisthümer zu pflanzen" . . .; es wird verordnet, daß „jeder Bischof neun neue Präbendarien ernennen solle, zu seiner Unterstützung in der Inquisition in seinem Sprengel, von welchen Präbendarien je zwei selbst Inquisitoren sein sollten." Bon seiner Heiligkeit dem Papst erhielt der Herzog Alba einen geweihtenkostbaren Hut und Degen als Geschenk nebst einem eigenhändigen Schreiben; in dem Schreiben stand, er möge gedenken, „wenn er den Hut auf das Haupt setze, daß er damit bedeckt sei, wie mit dem Helm der Gerechtigkeit und mit dem Schild des göttlichen Beistandes, daß ihm derselbe die himmlische Krone vorbedeute, welche für alle Prinzen, die der heiligen Kirche und dem römisch-katholischen Glauben dienten, bereitet sei." Und auf dem Schwerte war zu lesen : „Ac-eipe 8LNL1IUN gladium, munus a Deo quo dejicies adversarios populi mei Israel.“ „Empfange des geheiligte Schwert, ein Geschenk Gottes, mit dem Du die Gegner meines Volkes Israel tödten wirst." Auf die Bartholomäusnacht, das furchtbare Pariser Blutbad, ließ Gregor XIII. eine Medaille schlagen; auf der einen Seite erblickte man den Papstkopf und die Worte Gregore XIII. Pont Max. An. I; auf der Rückseite, bewehrt 'mit Kreuz und Schwert, einen Racheengel, der einen verwundeten Hugenotten durchbohrt, nebst der Erläuterung Ugonottorum strages 1572. An diese nicht unbekannten Thatsachen — sie ließen sich beliebig vermehren — mag bei der menschlichen Leichtvergeßlichkeit wieder einmal erinnert werden. * * * In den „Brüdern Karamasow" von Dostojewsky gibt es . eine grandiose Phantasie; sie heißt „Der Großinquisitor". Es „ ist in Spanien die Zeit der Ketzergerichte und der flammenden

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