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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-08-20 · 34 (20.8.1897) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
34 (20.8.1897)
Date
1897-08-20
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 692 Nr. 34 Vr. Vloch's Wochenschrift. überdies — wie bereits oben erwähnt — zwei von der Hand Dr. D e ck e r t's stammende Bestätigungen überlassen, die im Originale dem Gerichte zur. Verfügung gestellt wurden. In dem ersten Schriftstück de dato io. September 1888 bestätigt Dr. D e ck e r t die Uebernahme von drei Sparkassebüchern mit der Einlage von 2265 fl. 23 kr. Die zweite, vom Cassier des Weinhauser Kirchenbauvereines, Franz Fasching und Dr. Deckert gefertigte Urkunde besagt ausdrücklich, der Kirchenbauverein habe die Vollmacht zur Verwaltung des Vermögens der Frau Wieden angenommen; nach ihrem Tode haben ihre Rechte an die beiden Töchter Anna (diese ist bereits gleichfalls gestorben) und Caroline überzugehen. Das Bezirksgericht Währing hat mit Rücksicht auf den klaren Wortlaut der beiden Urkunden den Pfarrer Dr. Josef Deckert darauf aufmerksam gemacht, daß seine gerichtliche Eingabe mit dem in den beiden Schriftstücken, die von seiner Hand stammen, dargestellten Sachverhalte nicht überein st imme, er werde daher neuerlich aufgefordert, den Nachlaß binnen acht Tagen bei Gericht zu erlegen. Jonas, der Wasserträger, ein Vorläufer Berganis. (Ei ne w a h r e G e s ch i ch t e.) Die ältere Generation in Nicolsburg wird sich noch des alten Jonas erinnern, der seines Zeichens Wasserträger war, d. h. in einer großen Butte aus den öffentlichen Brunnen um kargen Lohn Wasser in die Häuser trug und auf diese Weise sein klägliches Dasein fristete. Eines Tages ging unser Jonas, die schwere Last auf dem Rücken tragend, versunken in Gedanken und sein trauriges Geschick beklagend einher, als sich ihm ein robuster Bauernbursche entgegenstellte und ihm eine schallende Ohrfeige versetzte. Nebenbei bemerkt, scheint dieser Bauernbursche ein Vorläufer so manches modernen Antisemiten gewesen zu sein. Als sich Jonas vom ersten Schrecken ein wenig erholt hatte, rief er dem Burschen zu: „Probir's und gib mir noch eine!" Der Bauernbursche „fvrcht sich nit", holte zum zweiten Male aus und that, wie ihm befohlen. Resignirt und mit der Ruhe eines Stoikers brummte der arme Jonas die Worte in feinen struppigen Bart: „Wären wir nur nicht im Goluß" und ging feiner Wege. An diese, eines guten Stückes Humors nicht entbehrende Episode aus dem Leben des armen Jonas wurde ich unwillkürlich erinnert, als ich die kühne! Aufforderung des zaubergewaltigen Vergani an Schönerer, Wolf und Arnoscht las, sie mögen den incriminirten Artikel noch einmal znm Abdruck bringen, dann werde er es ihnen zeigen! Ich glaube. Vergani würde, falls die genannten Herren ihm den Gefallen erweisen würden, ein zweiter Jonas, der die Worte vor sich hiumurmelu: „Wenn nur nicht die ver.Geschworenen wären!" * * -i- Der arme Jonas möge verzeihen, daß ich seine Manen heraufbeschworen und den edlen Vergani mit ihm in eine Parallele brachte. Wahrlich, er hätte ein besseres Geschick verdient. Arthur Held. Mitarbeiter des „Deutschen Bolksblatt" in jüdischen Diensten. Am 8. Juli und 5. August d. I. berichtete das „Deutsche Bolksblatt" in der Rubrik „Gerichtssaal" unter der Spitzmarke : „Ein unartenloser Freund" über eine Ehrenbeleidigungsklage, welche Herr Johann I n d i ch gegen den antisemitischen Sollicitator Emil Winter angestrengt hatte. In dem Verhandlungsberichte wurde nicht nur der Kläger, sondern auch sein Vertreter Dr. Zweigenthal angegriffen; nur der Name des christlich - socialen Helden Emil Winter wurde in discreter Weise verschwiegen. Das Motiv zu diesenr merkwürdigen Vorgänge ist in der Thatsache gelegen, daß Herr Ernil Winter in jüdischen Diensten steht. Der christlich-sociale Parteigenosse fürchtet, Herr Dr. Heinrich Sieger könnte, falls seine Anonymität gelüstet würde, darüber nachzudenken anfangen, ob es denn doch nicht der Sachlage mehr entspräche, wenn Herr Vergani die Honorirung seiner Mitarbeiter nicht Anderen überließe. Herr Dr. Z w e i g e n t h a l hat bei der Verhandlung vom 5. August hervorgehoben, daß durch die Berichterstattung des „Deutschen Volksblatt" beabsichtigt werde, die Existenz des Klägers, eines jüdischen Familienvaters, zu untergraben. Herr Emil Winter, ein eifriges Mitglied des Gesangvereines der antisemitischen Advocatursbeamten, verlegte sich darauf, über den Kläger das Gerücht zu verbreiten, Letzterer habe niit einem Sammelbogen und einer gefälschten Stampiglie des Bezirksgerichtes Alsergrund Neujahrsgelder eincassirt und nicht abgeführt. Bei der Verhandlung mußte Herr Emil Winter den Inhalt der Klage zugeben, weil Zeugen anwesend gewesen waren, als Herr Winter auf einem Postamte der inneren Stadt diese Behauptung aufstellte; es blieb dem Geklagten somit kein anderer Ausweg, als den Wahrheitsbeweis zu versuchen. Und bei dieser Gelegenheit mußte er auf Befragen des klägerischen Vertreters Dr. Zweigenthal zugeben, daß er nur ein einziges angebliches Factum überhaupt anzuführen vermöge. Winter berief sich auf Herrn Dr. Ludwig Deutsch, bei welchem der Kläger auf die früher geschilderte Weise 5 fl. eincassirt haben soll, beantragte die Vernehmung des Herrn Dr. Deutsch und die Vertagung der Verhandlung auf längere Zeit. Diesem Anträge opponirte Dr. Zweigenthal und beantragte vielmehr die Vertagung der Verhandlung blos auf eine Stunde, damit inzwischen Herr Dr. Deutsch vorgeladen, sofort vernommen und die Verhandlung unverzüglich zu Ende gefiihrt werden könne. Der tapfere Herr Winter bekämpfte diesen Antrag und trat wiederholt für eine längere Erstreckung ein, offenbar zu dem Zwecke, um noch öfter die Leser des „Deutschen Volksblatt" mit Berichten erfreuen zu können. Aus der vorstehenden Darstellung wird jeder unparteiische Leser entnehmen, welche der beiden Parteien auf die rasche Beendigung und welche auf die Verschleppung des Processes hinarbeitet. Der vorliegende Fall ist sehr lehrreich: In rücksichtsloser Weise wird seitens der Christlich-Socialen der Boycott gegen unsere jüdischen Glaubensgenossen, welchen! Gewerbe und Berufe immer sie angehören mögen, gepredigt und durchgeführt. Der Jude dagegen ist so tolerant — dieses Wort gebrauchte Herr Emil Winter bei der gerichtlichen Verhandlung — daß er antisemitischen Parteigängern ihren Lebensunterhalt gibt. Wir glauben der richtigen Meinung Ausdruck zu geben, wenn wir behaupten, Herr Vergani möge seine Mitarbeiter selbst honoriren. Allerdings würde bei der stadtbekannten Geringfügigkeit der von Herrn Vergani bezahlten Löhne Demjenigen, der seinen Posten in einem jüdischen Unternehmen mit einer Anstellung bei Ernst und Emma Vergani vertauschen wollte, wahrlich keine Verbesserung des eigenen Loses bevorstehen. Wir resumiren: „Warum hat das „Deutsche Volksblatt" so ängstlich die Anonymität des Herrn Emil Winter gehütet? Vielleicht gibt darauf eine kurze treffende Antwort ein etwas variirter Ausspruch Goethe's („Faust"): „Ein echter Anti (-semit) mag keinen Juden leiden. Jedoch seine Gelder — nimmt er gern." Eine judeureine Spar- und Borschußgesellschaft. Der Leopoldstädter „St. Josef-Spar- und Vorschußverein", durch dessen Concurs Dr. Max Anton L ö w sich seine ersten antisemitischen Sporen und — die ersten fetten Expensen ver- 1 diente, hat ein Seitenstück erhalten. Wie mag es Dr. Max Anton Löw bedauern, daß er gerade jetzt von seinen wackeren antisemitischen Gesinnungsgenossen mit Acht und Bann belegt wurde! Seit einiger Zeit sind in der Leopoldstadt Gerüchte im Uinlauf über den mißlichen Stand eines finanziellen Unternehmens, zu dessen Gründung Mitglieder der christlichsocialen Partei und speciell geistliche Herren herangezogen wurden. Die Firma des Unternehmens sollte lauten: „S e c u r i t a s, ch r i st l i ch e Spar- und Vorschußgesellfchaft in Wien, Genossenschaft mit beschränkter Haftung." Ueber die Zwecke der „Securitas, christliche Spar- und Vorschnßgesellschaft" geben folgende Sätze Aufschluß, die wir einem Circular entnehmen, das in Zehntausenden von Exemplaren überallhin an „Gesinnungsgenossen" und speciell an Mitglieder des katholischen Clerus versendet wurde. In diesem Circular heißt es: Es hat sich eine Anzahl von christlichen Geschäftsleuten, Geistlichen, Beamten, Hausbesitzern rc. zusamn!engefunden, um mit Ausschluß aller Juden mit vereinten Mitteln für ihre Capitalien bei pupillarmäßiger Sicherheit eine reichere Verzinsung zu erzielen.....

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