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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-08-20 · 34 (20.8.1897) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
34 (20.8.1897)
Date
1897-08-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 34 Vr Vloch's Wochrnptzryt Sette 691 Schutze die häßlichsten Leidenschaften im Kinde geweckt und genährt, einseitige Ueberzeugungen und falsche Principien dem Kinde in der frühesten Jugend künstlich eingeimpft, für welche es dann im Mannesalter mit Leib und Seele eintreten zu müssen glaubt. Und welche Gefühle regen sich in dem jüdischen Schüler, wenn er fein Büchlein liest? Er sieht seine Stammesgenossen erniedrigt und zu gemeinen Verbrechern gestempelt, vor denen gewarnt werden muß, und deren Vernichtung eine verdienstvolle That ist. Er wittert in jedem Juden einen Räuber, in jeder Jüdin eine Hyäne. Es wird ihm bange vor seiner teuflischen Umgebung, vor seinen eigenen Eltern, ja vor sich selbst. Und was ist das Ende der Comödie? Entweder hat er nur eine schwache Erziehung genossen, dann bekommt er Abscheu vor seinem angeborenen Stamm und dem herkömmlichen Glauben und wird Apostat und Judenfresser — oder er hat eine genügende religiöse Erziehung vom Hause, die ihn vor der Apostasie wappnet, dann übermannt ihn ein schmerzhaftes Gefühl, das ihn dann in die extremsten Bewegungen des Lebens stürzt, und seine Existenz ist zerstört. Wie lange aber noch soll das Treiben dauern? Wie lange uoch werden sich die Juden in Galizien von ihren Führern verführen lassen und zu keiner ernsten Rettungsaction greifen? Ist es noch nicht Zeit, die Byk's und Tr achtender g's 6 tutti quanti abzuschütteln? Ist es noch nicht Zeit, die Augen zu öffnen, um die weit gähnende Kluft zu sehen, die uns zu verschlingen droht, um wenigstens bei Zeiten die Flucht ergreifen zu können? O gebet acht, daß es dann nicht zu spät wird! I. N. Vom Jaljrmavftt des ledens. Zum Reichenberger Turnertag. Sehr geehrter Herr Redacteur! Von einer Reise zurückgekehrt, finde ich Ihre Nummer 31 und darin den Artikel „Jüdische Turner in Reichenberg". Sie fügen dem Artikel die Bemerkung hinzu, daß Sie nicht in allen Punkten mit demselben einverstanden sind. Sollte das nicht eine etwas zu sanfte Abwehr des Artikels sein? Der Artikel beansprucht als Verdienst der turnenden Juden von Reichenberg das, was ein Verdienst Badeni's ist. Die Juden haben nach ihm den Deutschen bewiesen, daß die Deutschen sie noch dringend brauchen. Mit Verlaub, nein! Badem und die Czechen haben den Deutschen bewiesen, daß sie die Juden brauchen. Die Juden haben im Gegentheil nur bewiesen, daß sie sich geehrt fühlen, wenn man sie braucht oder mißbraucht, sie sind gratis zu haben und nehmen selbst ein paar Fußtritte nicht übel. Alles, was hiermit zusammenhängt, sprach allso durchaus nicht für den Verfasser. Weil die Deutschen jetzt die Juden nöthig haben und noch mehr nöthig haben werden, und weil die Deutschen später wieder gewichtige Menschenkinder sein werden — deshalb thaten die Juden recht, in Reichenberg zu turnen? Augenscheinlich nicht logisch, und noch weniger politisch. Ebenso verfehlt wie in politischer Hinsicht ist die Betheiligung der jüdischen Turner aus gesellschaftlichen Gründen. Machen wir uns doch den Vorgang klar. 47 Vereine wollen die Juden hinauswerfen. Gegen die Mehrheit von 67 Vereinen wird der Antrag abgelehnt. Und Herr Strache aus Warnsdorf macht unter „stürmischem Beifall" die „lehrreiche" Bemerkung, daß der jetzige Moment nicht der geeignete sei, Zwist in die Turnerschaft zu tragen. Mit anderen Worten das bischen Antisemitismus schadet nichts, aber nur jetzt nicht, weil — wir momentan die Juden brauchen. War das Erscheinen der jüdischen Turner somit vom jüdischen Standpunkte aus beklagenswerth, so können wir andrerseits nicht einsehen, was es dem Deutschthum genützt hat. Mit dem Deutschthum hat die Turnerei eigentlich recht wenig zu thun, das „gefährdete Deutschthum" wird auch durch die schönste Bauchwellen nicht gerettet werden. Es handelt sich schließlich nur um einen Sport, wenn auch dieser Sport, wie Alles bei diesen gespannten nationalen Verhältnissen eine politische Färbung erhält. Darum ist es durchaus falsch, daß der Verfasser etwaige Gegner unter den „Fanatikern des Abstinenzstratagems" sucht, es besteht vielmehr ein großer Unterschied zwischen dem politischen Gebiet — einem Gebiet der Pflicht — und dem socialen Gebiet — einem Gebiete der Neigung. Es wäre denkbar, daß man von Jemand beschimpft wurde und ihm trotzdem bei der Wahl in den Reichsrath seine Stimme gibt. Mr ihn zu agitiren, wäre allerdings schon nicht geschmackvoll. Es wäre aber für einen taktvollen Menschen nicht möglich, mit Leuten in einem Club zu bleiben, von denen erbeschimpft wurde. Erklären ihn gar vierzig Procent für anrüchig, das ist das Verhältniß von 47 zu 67, so ist das kein Trost für ihn, daß Herr Strache meint, das Beschimpfen habe man für spätere Zeit aufzuschieben, wenn die dringenden Gegenstände der Tagesordnung erledigt seien; erst komme das Geschäft und dann das Vergnügen! Wir sind Gegner der politischen Abstinenz, meinen vielmehr, die Juden sollen jüdische Vertreter wählen. Stellen wir uns indessen selbst auf den deutschen Standpunkt, so ist doch zu berücksichttgen, daß gesellschaftliche Zurückhaltung und politische Abstinenz verschiedene Begriffe sind. Und wenn ein Jude heute mit Gewalt das gefährdete Deutschthum retten will, so wird es sicherlich sowohl den Deutschen als den Juden lieber sein, wenn das in einer gewissen natürlichen Weise, ohne zuviel Lärm, geschieht. Er darf zur Noth mit Schönerer vereint schlagen, aber nicht mit ihm marschiren. Mzu empfindlich darf man ja nicht sein, eine dicke Haut ist eine Gottes gäbe, die ich zu schätzen weiß, aber die Sache hat ihre Grenzen. Wer nach Allem, was sich in den letzten Jahren ereignet hat, von „etlichen tausend antisemitischen Stänkerern" spricht, der belügt sich in so gigantischer Weise, daß er sehr urtheilslos sein muß, um zu glauben, was er erzählt. Er nröchte ein guter Deutscher sein und ein guter Jude, und da beides sich zur Zeit schlecht vereinigen läßt, muß er, um seinem Ideal folgen zu können, die Thatsachen in seiner Phantasie verfälschen. Er fälscht sie zu Gunsten der Deutschen. Daher mag er ein guter Deutscher und ein guter Turner sein, ein guter Jude, ein guter Polittker schwerlich. Wer so spricht wie er, erinnert an den Mann, dem man in's Gesicht spuckte und der seinem Beleidiger sagte: „Ich glaube, es regnet." Hochachtungsvoll 0. Eine neue Affaire des Herrn Pfarrer Deckert. Ein merkwürdiger Rechtsstreit, in dessen Mittelpunkt unser alter Freund von Weinhaus Dr. Joses D e ck e r t steht, beschäftigt das Bezirksgericht Währing. Im V. Bezirke, Hundsthurmerstraße Nr. 7, lebte bis vor Kurzem die Näherin Caroline Wieden, Witwe nach einem kaiserlichen Diener, die als vermögend galt, zugleich aber als „Betschwester" bezeichnet wurde. Sie erkrantte und wurde ins Ottakringer Wilhelminenspital gebracht, woselbst sie am 4. Juni d. I. st a r b. Sie hinterließ eine Tochter gleichen Namens, die laut Zeugnisses des städtischen Arztes mit Gicht und Nervenleiden behaftet ist und die tnt größten Elend lebt. Sie bezieht vom Obersthofmeisteramte eine kleine Unterstützung, die aber nicht ausreicht, weshalb sie um eine Armenpftünde einschreiten mußte. Das Mädchen wußte, daß die Mutter Vermögen besaß, allein bei der im Wilhelminenspital aufgenommenen gerichtlichen Todesfallsabhandlung hieß es, es sei keinerlei Nachlaß vorhanden. Da erfuhr sie, daß ein Jugendfreund ihrer Mutter, der Private Theobald Gell i ne k. Letztere kurz vor ihrem Tode im Spitale besucht hatte und daß die Mutter ihm gegenüber erklärt hatte, für ihre Tochter Caroline sei gesorgt, er möge sich derselben annehmen. Zugleich übergab sie ihm ein Couvert mit dem Vermerke: „Darf erst nach meinem Tode geöffnet werden." Als Herr G e l l i n e k von dem Ableben der Caroline Wieden sen. Kenntniß erlangte, öffnete er das Couvert und fand darin zu seinem Erstaunen zwei vom Pfarrer Dr. Josef D e ck e r t eigenhändig geschriebene Bestättgungen, aus denen hervorgeht, daß Frau Wieden dem genannten Pfarrer in feiner Eigenschaft als Präsident des Weinhauser St. Josef-Kirchenbauvereines ihr Vermögen von 2265 fl. 23 kr. am 10. September 1888 zur Aufbewahrung übergab. Die arme und sieche Tochter gab dies Alles dem Bezirksgerichte Währing bekannt und dieses forderte Pfarrer Dr. D e ck e r t auf, das ihm anvertraute Vermögen der Verstorbenen binnen acht Tagen bei Gericht;n erlegen. Dr. Deckert antwortete schriftlich: „Da der Unterzeichnete keinen Nachlaß der Caroline Wieden in Verwahrung genommen, sondern eine Summe Geldes fürdenSt. Josep h-K irchen bauverein übernahm, mit Vorbehalt lebenslänglichen Fruchtgenusses, ist derselbe n i ch t in der Lage, dem Aufträge Folge zu geben." Nun hatte aber Frau Wieden Herrn G e l l i n e k mündlich erklärt, daß beim Pfarrer D e ck e r t ein Nachlaß für ihre Tochter erliege und hatte an G e l l i n e k

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