Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 34 (20.8.1897)
- Date
- 1897-08-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 690 Vr. ALoch's Wochenlrtzrtfl Sir. 34 „D i e s e F r ü ch t e d e r E r l ö s u n g hat dieWelt bis jetzt noch nicht gesehen; ja statt daß Schwerter Pflugscharen werden, bindet man Jedem ein Schwert an die Seite, nöthigt Alle, Krieg zu lernen, weil die Völker alle, zumal bereit stehen, gegen einander das Schwert zu erheben. Ich habe den Ungläubigen, welche mir diese Texte Vorhalten, um die Hoffnungslosigkeit des christlichen Standpunktes zu erweisen, stets geantwortet, daß sich dies auf der neuen Erde, in einer neuen Ordnung erfüllen wird; wie einst die Abtrünnigen durch Wasser zu Grunde gingen und Noe's Familie die Menschheit fortsetzte, so wird der zweite große allgemeine Abfall, welcher sich heute sichtlich entwickelt, durch Feuer verschwinden, aber eine Schaar Heiliger, die nicht gesündigt haben oder durch Buße geläutert wurden, wird aus dem Brand gerettet werden, um die neue heilige Ordnung der neuen Erde zu beginnen, welche dauert ohne Ende." Nach der Entwicklung dieser schönen Aussichten auf den nahen Weltuntergang, wobei wir hoffen wollen, daß der Verfasser sich bis dahin durch Buße geläutert haben wird (aber durch gehörig viel Buße, vielleicht noch ein Verbot seiner Bücher!) kommt endlich ein vernünftiges Wort: „Eben hat der heilige Vater eine neue herrliche Encyklika über die heilige Schrift erlassen. Er sagt uns, daß wir dort Schätze finden über Schätze, je aufmerksamer wir lesen. Vieles, was die Schrift sagt, ist bereits dogmatisch festgeftellt; aber gar Manches enthält sie noch sonst, wie uns die Andeutungen und Aussprüche der heiligen Väter bezeugen. Oesters geschieht es, daß große Lehren der Offenbarung ganz aus dem Bewußtsein der Menschen verschwunden zu sein scheinen. Die entschieden überwiegende Majorität hat keine Ahnung mehr davon, Priester und Laien sind in der Mehrheit ohne jede Kenntniß derselben." Der Prinz ist offenbar der Ansicht, daß sein Professor der Exegese üder die Bibel genau informirt ist. Er richtet an ihn daher die rührende Bitte: „Erzählen Sie mir also des Weiteren, was Sie sonst noch über das künftige Reich, um dessen Herabkunft wir durch Gebet und Arbeit flehen, in Ihrem näheren. Beruf, die heiligen Bücher zu erklären, gefunden haben." (Fortsetzung folgt.) Im sntisemitenreinrn Galizien! Kozlow, 10. August. Bereits unzählige Male wurde die hinfällige These der hiesigen Optimisten und Schleppträger der politischen Schlachta, als kenne Galizien den Antisemitismus gar nicht, widerlegt. Mehrmals wurde bereits den hiesigen Talmi-Juden, oder — wie sich die Herren im eigenen Lager zu nennen belieben — „Polen mosaischer Confession", das Verführerische und Lügenhafte ihrer Behauptung, als hätten die tobenden Wogen dieses verheerenden Stromes noch nie einen Anprall gegen die Grenzdämme unseres glücklichen Kronlandes gewagt, vor Augen geführt. Es hieße also Eulen nach Athen tragen, wollte man über die ins Verderben führende Politik der Schirmherren der galizischen Judenschaft ä Ja Byk, Tr achte nberg und Co nforten, noch ein Wort verlieren. Wenn ich dennoch in den nachfolgenden Zeilen auf dieses tragikomische Thema zurückkomme, so thue ich es nicht deshalb, um die Existenz des schon längst altgewordenen Antisemitismus in Galizien zu beweisen, sondern um einen besonders grellen Fall zu beleuchten, da nicht nur die stillschweigende Duldung, sondern geradezu die w e r k t h ä t i g st e U n t e r st ü tz u n g desAntis e m i t i s m u s und dessen Menschenfreundl i ch e r Z i e l e, als die systematische Boycottirung und Verfolgung der Inden in Galizien, von autoritativer Seite beweisen soll. Gelegentlich eines Besuches bei einem meiner Freunde zeigte mir derselbe das Schulzeugniß seines zehnjährigen Neffen aus der zweiten Volksschnlclasse in Podhajce. Es ist das in der That ein Vorzugs-Zeugniß und das wißbegierige Kind erhielt somit als Anerkennung seines Fleißes ein schön ausgestattetes Prämien-Büchlein mit der goldenen Aufschrift »Nagroda pilnosci« (Preis des Fleißes) von der Schulleitung zum Geschenk. Auch datz Büchlein zeigte mir mein Freund in Gegenwart des stolzen, ob seiner Errungenschaft triumphirenden Kindes. Das kleine Bändchen führt den Titel »'Wies Zarudka« und ist vom k. k. Landesschulrathe in Le m berg mittel st R escriptes vom Jahre 1889 als Prämie für fleißige Schulkinder auf's Wärm st e anempfohlen. Was erzählt aber das harmlose Büchlein dem unschuldigen Kinde? Jeder unbefangene Leser würde da, so wie ich, erwarten, eine Geschichte zu hören, welche das Kind in der Sittlichkeit bestärken und dessen Fleiß anspornen kann. Aber von alledem keine Spur! Ist doch schon längst die höchste Zeit, dem verjudeten Bildungs- und Sittlichkeits-Gefasel in der Schule den Garaus zu machen, denn das Kind könnte dann am Ende wirklich sittlich werden und für die allein seligmachenden antisemitischen Theorien gar nicht'empfänglich sein. Der Verfasser erwähnten Preisbüchleins erzählt vielmehr dem fleißigen Kinde die Entwicklungsgeschichte seines Geburtsortes, des Dorfes Zarudka in Podolien. Er erzählt, wie das Dorf, welches erst vor wenigen Decennien sehr herabgekommen war, im Verlaufe einer allzu kurzen Zeit zu geistigen und materiellem Wohlstände gelangt ist rc. rc. Aber nicht etwa den Fleiß, die Ausdauer, die Sittlichkeit oder die Förderung der allgemeinen Bildung führt der Verfasser als Ursache des raschen Emporblühens und Ansehens des Pvdolischen Dorfes an. Auch nicht die Vorurtheilslosigkeit und das friedliche Zusammenleben der Dorfbewohner, sondern vielmehr — hombile dictu — den Antisemitismus, die B o ycottirung der Juden und deren Vernichtung bis zum völligen Untergänge, das ist — nach Ansicht des vom k. k. Landesschulratheempfohlenen Verfassers — der Grund und Boden, auf dem der Wohlstand eines Dorfes so wohl gedeiht. Höret und staunet! Drei Juden lebten seit Jahren in dem erwähnten Dorfe, alle drei hatten Wirthshäuser und alle drei bereicherten sich von dem Leichtsinn der bäuerlichen Bevölkerung, welche sie zu Trunkenbolden herangebildet haben, um dieselben sodann umso leichter ihrer Felder und Häuser zu berauben. Schon waren sämmtliche Bauern im Dorfe Bettler und die drei Juden die einzig Wohlhabenden, da kamen als Retter in der Noth der Schullehrer und der neue G e i st l i ch e, welche durch die Gründung einer Lesehalle und eines »Kölko rolnicze«, sowie durch die unaufhörliche Beeinflussung des Pöbels von Kathedern nd Kanzel, die Bevölkerung von der Schädlichkeit des jüdischen Einflusses zu überzeugen wußten. Im Handumdrehen waren also die Rollen verwechselt. Die Bauern gewannen ihren Reichthum wieder, während die Juden Bettler wurden. Zwei von ihnen mußten das Dorf verlassen und der Dritte ist kaum in der Lage, ein armseliges Dasein zu fristen, und ernährt sich nur von Taglohn. Das ist mehr weniger der Grundgedanke des mehrerwähnten Büchleins; das Uebrige ist voll des dümmsten antisemitischen Geschwätzes, um deffentwillen es schade ist, auch nur einen Tropfen Tinte zu verderben und die Geduld der Leser auf die Probe zu stellen, um es zu reproduciren. Schließlich wird doch jeder erfahrene Leser wissen, daß derartige trockene, abgeschmackte Stoffe hie und da mit einigen antisemitisch-humoristischen Witzen gewürzt sein müssen. Selbstverständlich ist da Alles generalisirend angeführt, um nicht widerlegt werden zu können. Hier handelt es sich jedoch nicht um die Widerlegung bekannter Lügen, denn vor welchem Forum soll da eigentlich gestritten werden? Sollten etwa zehnjährige Kinder, deren unschuldiges Gewiffen für Alles empfänglich ist, dazu berufen sein, die viertausend Jahre alte Judenfrage zu lösen? Da ist es doch in erster Reihe um die frühzeitige Verrohung der Gemüther zu thun, denn gesetzt den Fall, eine Polemik auf diesem Felde wäre angezeigt und zulässig, würde der k. k. Landesschulrath auch die Gegenschrift, die es versuchen würde, das Gebäude des Hasses zu zerstören und einen Funken von wahrer Menschenliebe in die Seele des Kindes hineinleuchten zu lassen, als Prämie für fleißige Schulkinder empfehlen? Wohlan denn, wir scheuen den Gerichtssaal nicht, auch nicht den der Jugend; aber lasstt die Kinder ehrliche Richter sein, gebet ihnen unparteiisches Untersuchungs-Material zur Hand, lasset sie den Vertheidiger ebenso gut wie den Staatsanwalt anhören, dann wollen wir ruhigen Herzens das Urtheil abwarten. Leider aber werden unter autoritärem