Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 34 (20.8.1897)
- Date
- 1897-08-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 34 Vr. Vlortz's WochrnschrM Seite 689 der seine Religion kennt, niemals Antisemit fei« (verzeihen Sie mir diesen Barbarismus und den Widerspruch), sofern er nicht durch Fanatismus oder noch verwerflichere Leidenschaften geblendet ist. In Rom, wo ich soeben die Osterfeiertage verlebt, wie auch in Jerusalem, wo ich sie voriges Jahr verbrachte, bleibe ich der treueste Anhänger der Wiederversöhnung der Söhne und Väter, der Christen und Juden. H Y a c i n t h e L o y s o n." Kohling's verbotenes Buch. ii. Der „Prinz" hat es umso nöthiger, in die Discussion einzugreifen, als sein Lehrer und Meister Rohling vorher noch geschwind recht consuses Zeug zum Besten gibt. Dem Armen scheint Rodbertus zu Kopfe gestiegen zu sein, der berühmte Socialphilosoph, den er offenbar verbessern will. „Wenn Rodbertus", so läßt er sich vernehmen, „die Verstaatlichung des Bodens und des Capitals vorschlug, den Arbeitsgewinn aber in's volle, unbeschränkte Privateigenthum des Arbeiters gab, so leugnete er offenbar nicht communistisch alles Privateigenthum; doch würden jedenfalls bestehende Verhältnisse, welche aus gerechtem Kauf, gerechter Erbschaft und dergleichen beruhen, Ablösungen fordern, wenn eine volle Verstaatlichung platzgreifen sollte. Wir sagen daher, durch Kauf, Erbschaft, Geschenk, Verjährung, Occupation erwirbt man, soferne das Recht Aller gewahrt werden soll, nur ein durch eben jenes Recht limitirtes Bodeneigenthum der Art, daß die Nutzung der von der Gemeinschaft erzeugten Werthe zur Gänze als Pacht an die Gesellschaft zu zahlen oder durch sonstige Leistungen nach Art derjenigen des Mittelalters zu begleichen ist." Dies geht nun unserem gerechten Socialpolitiker wider den Strich. Er philosophirt wenigstens den Grundeigenthümern den- Boden unter den Füßen weg und möchte ihnen ihr bisheriges Privateigenthum so auslegen, daß sie für ihren Verlust "nicht entschädigt werden. Seine Argumentation ist ungefähr so sophistisch, wie er sich unbekannter Weise den Talmud vorstellen mag. Und das hätte die Kirche billigen sollen! Doch es ist Zeit, daß auch das Capital seinen Klaps bekomme. Rohling fährt also fort: „Auch bezüglich des Capitals ist eine gewisse Vergesellschaftung ohne Frage wünschenswerth; so wurde ja zum allgemeinen Heil im Mittelalter der Rohstoff gesellschaftlich angeschafft, der Umfang des Absatzgebietes gesellschaftlich ausgemittelt und demgemäß Production und Preis gesellschaftlich geregelt; in diesem Sinne ist die Verstaatlichung des Capitals selbstverständlich eine Wohlthat für Alle." Wir fragen jeden Sachkenner, ob in der ganzen, oft recht unklar gedachten und mittelmäßig geschriebenen, wirthschaftsgeschichtlichen und socialpolitischen Literatur ein solcher „Stuß" zu finden ist. Die mittelalterlichen Zünfte mit den lebenslänglichen Altgesellen und der Kundenprellerei als Erfüllung des socialistischen Ideals der Production durch die Gesellschaft! Du armer Karl Marx, wie oft mußt Du Dich im Grabe umdrehen, bis Du diesen Unsinn ertragen gelernt hast, ohne diesem Wortverdreher zuzurufen: „Rohling, bleib' bei Deinen Blutmärchenlügen und laß' den Zukunftsstaat in Ruh'!" „Nachdem wir in solcher Richtung noch eine Weile gesprochen", verräth der Autor dem für die Verschweigung des Restes dankbaren Leser, „meinte der Prinz, es sei einleuchtend, daß man so oder ähnlich Vorgehen müsse, um in Ordnung zu kommen." „Aber", fuhr er fort, „durch die „intelligenten" Finanzoperationen, welche der Liberalismus immerfort auf die Bühne zu bringen weiß, gelangen wir, wenn auch hie und da etwas gebremset werden mag, doch schließlich Dank der geringen Kampfeslust unserer Führer sicher dahin, daß Ritter und Knecht, Kleinbauer und Großgrnndherr von Haus und Hof verschwinden, oder in Haus und Hof als Hörige des Capitalismus unbedingt seiner Willkür und Laune unterworfen sein werden bis zu dem Grade, daß er uns sogar, intolerant wie er ist, die Gedanken und den Glauben vorschreibt, sofern wir nicht auf sein Brod und das Leben verzichten. Für die Herbeiführung dieser Lage arbeitet der Liberalismus mit aller Kraft." Wirklich ein Schrecken erregendes Schauspiel, der jetzige Liberalismus, wie er mit aller Kraft arbeitet! Doch noch ist nicht Alles verloren. Unser Prinz — fein Name mag lichtreicher sein als sein Kopf — kommt auf eine Idee; sie ist aber auch danach. Er ist also auf die Idee gekommen, „daß der Einzelne sehen mag, in dem Titanenkampf, der auf Erden tobt, sich zu retten, so gut er kann, daß aber die Menschheit als solche erst jenseits des großen Gerichtes, welches die jetzige Weltgestalt, die jetzige Weltordnung, beseitigen wird, das goldene Zeitalter wiederfindet." Halloh, ihr braven Arbeiter und Bürgersleute da habt Ihr einmal den billigen Wechsel aufs Jenseits für eine ganz kleine Drangabe, eine kleine, kleine, kleine Reaction! Durchlaucht fährt nämlich recht naiv fort: „Ich erwarte aber in allem Ernst diese Wiederherstellung der paradiesischen Urzeit nach jenem Gericht auf der neuen Erde, von der die heiligen Bücher reden; bis dahin wird es zwar, einige Fristen einer glücklichen R eaction abgerechnet, immer weiter bergab mit uns gehen, doch schöpfe ich aus der Betrachtung der neuen Ordnung, auf die wir als Gläubige hoffen, nicht geringe Kraft, auf dem Posten, welchen die Vorsehung mir angewiesen hat, unentwegt für die Wahrheit und Gerechtigkeit einzutreten. Wenn wir auch tatsächlich nur mehr geringe oder vorübergehende Erfolge erreichen oder gar untergehen, über unserer Arbeit, so haben wir doch unsere Pflicht gethan, so daß wir unseres persönlichen Heiles bei Gott theilhaftig werden und zugleich durch das Gebet des Wortes und der That für die Ankunft jenes Reiches Mitwirken, in welchem die Menschheit der neuen Erde über alles Böse triumphirt und, mit den Verklärten der Höhe einen erhabenen Doppelchor bildend, das Hallelujah singt. Lassen wir also die nutzlose Jammerklage über die böse Zeit der Gegenwart, aber erfüllen wir täglich mit Entschiedenheit, voll Charakter, fest wie der Fels im Meer, unsere Pflicht, und reden wir, um uns zu ermuntern, recht oft über die künftige neue Ordnung der menschlichen Gesellschaft hienieden, von der St. Petrus spricht. Denn dieser Zukunftsstaat ist der ideale, der Musterstaat, das gloriose Königreich auf Erden, dessen Betrachtung auch uns, die um sein Erscheinen erst bitten» mit Wonne und Kraft erfüllt. Das ist der Staat, in welchem die Menschheit in Gerechtigkeit als Eine Herde unter Einem Hirten leben wird in Ewigkeit der Ewigkeiten, ohne Ende Angehörige, welche ihre Aufgabe erfüllt haben, zur Anschauung des Höchsten sendend. Das ist der Staat, welchen der Erlöser als ein menschliches Königreich paradiesischer Unschuld gründet, in welchem Er selbst verklärt, aber sichtbar, als König unter Gerechten thront, die niemals fehlen, sondern die Aufgaben, welche der Unendliche Jedem für seine Erdenzeit bestimmt, vollkommen erfüllen. So wird sich erfüllen, was Jsai 11, 9 steht, daß nämlich die Erde voll der Erkenntniß Gottes sein werde, wie das Meer voll Wasser ist, daß darum dann kein Sünder mehr sei, kein Unrecht mehr geschehe, und nicht minder erfüllt sich dann das große Wort Js. 3, 4 „Und sie werden nmschmieden ihre Schwerte zu Pflugeisen. Und ihre Lanzenspitzen zu Winzermessern; Nicht hebt Volk gegen Volk das Schwert Und nicht lernen sie mehr Krieg." Bis daher spricht der Prinz fast, als ob er genug gelernt hätte, um Rabbiner zu werden. Und welche für einen Christen recht bedenkliche Aeußerung entschlüpft sofort dem Gehege der Zähne: «äs«