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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-08-13 · 33 (13.8.1897) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
33 (13.8.1897)
Date
1897-08-13
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 33 Vr. Vloch's WochrnfttzrM. Helte 683 Berlin, 1. August. Die philosophische Facultät der hiesigen Universität hur unseren Glanbensgeikosfen, Herrn Regieruugsbaumeister Ludwig B v r ch a r d t iu Auerkennuug seiner Verdienste um die Erforschung altegyptischer Knustdeukmäler zum E h r e n d o c t o r ernannt. Berlin, 1. August. Der Vorstand des „V e r e i n s jüdische L e s e h a l l e" (Vorsitzender Herr Cvmmerzieurath Jul. I s a a c), hat sich geuvthigt gesehen, zum 1. October n. e. andere Räume für die Lesehalle und die Bibliothek zu mietheu. In Rücksicht auf die günstigere Lage, ihren Umfang und ihre Einrichtung darf die Wahl der Räume im Hause Oranienburgerstraße 28 als eine glückliche bezeichnet werden. Sowohl die Lesehalle als auch die Bibliothek erfreuen sich fortgesetzt eines guten, stetig wachsenden Zuspruchs. Bis zum 1. Ortober verbleibt die Lesehalle im Hanse Münchener Hof, Spandanerstraße 11—15. Leipzig, 28. Juli. Die „A n t l s e m i t i sch e E o rr e s p o n d e n z" des Herrn Lieber m a n n v. -Lo tt it e nberg ist von der russischen Censurbehörde für den ganzen Umfang des russischen Reiches verböte n worden. Memel. (Eine großartige Spende.) Die Frau Baronin von Hirsch hat zum Fonds des hiesigen israelitischen Krankenhauses 40.000 Mk. gespendet. Die Dame setzt die philautropische Thätigkeit ihres leider allzufrüh aus dem Leben geschiedenen Gatten in würdiger Weise fort nud hat bereits an eine sehr große Anzahl derartiger und ähnlicher Anstalten bedeutende Unterstützungen gewährt. Bewunderung verdient nicht nur dieser Wohlthätigkeitssinn, sondern auch die geschickte und zweckmäßige Wahl und Weise, womit die edle Frau ihre reichen Gaben anstheilt. Parma, 26. Juli. Es dürfte für jüdische Gelehrteukreise von Interesse sein, daß Herr Alberto O r v i e t o bereit ist, Manuscripte aus der d e 9t o s s i - S a m m l u n g iu der hiesigen Bibliothek abzuschreiben und zu collatiouiren. Brüssel, 29. Juli. Der bekannte englische Maler ititb Mitglied der Londoner Akademie Herr Solomon I. S a l o m o u erhielt in der Abtheiluug Malerei der hiesigen Ausstellung die große goldene Medaille. London. Der L o r d m a y o r v v n L v u d o n, F a nd e l P h i l i p P s, hat anläßlich seines Besuches in Brüssel vom König von Belgien, von welchem er in feierlicher Audienz empfangen worden war, die Insignien des Commandenrs des Leopold-Ordens erhalten. Die Mitglieder des Gefolges des Lordmayors erhielten die Osficiers-Jnsignien desselben Ordens. Jerusalem. Se. Excellenz der Bali von Beyrnth, der in Jerusalem war, um den Streit um das Patriarchat zu schlichten, hat auch einen Ehrenbesuch bei unserem Chacham-Baschi Elyascher gemacht. Als der Bali in Jaffa weilte, hat er einen Ausflug nach der jüdischen Ackerbauschule Mikweh-Jisrael gemacht und seine hohe Befriedigung über die Schule und die Arbeiten der Schüler unumwunden ausgesprochen. Johannesberg, 10. Juli. In der Transvaal-Republik sind die Juden, trotzdem ihrem geschäftlichen Fortkommen keine Schwierigkeiten in den Weg gelegt werden, keineswegs vollständig gleichberechtigt. So können sie z. B. weder in den Volksrath gewählt werden, noch eine amtliche Stellung bekleiden. Am 30. Juni fand eine große jüdische Volksversammlung statt, welche nach lebhafter Discussion eine Commission wühlte, die mit den obersten Regierungsbehörden in Verhandlungen treten soll. Feuilleton. Vaters Geige. Erzählung von Jda O p p e n h e i m. Am Ende eines kleinen, winkeligen Gäßchens ftcuib ein schmales niedriges Hänschen, gegenüber einer alten Synagoge, die umgeben von einem winzigen Gärtchen, recht angenehm, wie ein bescheidenes Schmuckstück aus dem dürftigen Rahmen sich abhob. Es war ein bitterkalter Winterabend. Eben war das Gebet vorüber, das den Sabbatheinzug verkünden sollte. Eine große Anzahl von Gläubige»! verließ das hellerleuchtete Gotteshaus. Bor der Eingangspforte schüttelten sich die Freunde und Bekannten herzlich die Hände, „Guten Schabbes" einander zurnsend, um sich daun fester iu ihre Mäntel zu hüllen und so schnell als möglich heimznkehren. Unter den letzten, die den Tempel verließen, befand sich ein schlanker Knabe von etwa zwölf Jahren. Sein Gebetbuch hatte er fest an sich gepreßt und seine Hände verloren sich in den Taschen seines dünnen, fadenscheinigen Röckcheus. Die Mutze hatte er tief in den dunklen Lvckenkopf gedriickt, damit der eisige Rokdvst sie nicht svrtiveheu sollte. Er blieb einen Moment am Eingang stehen und sah hinein, daun schüttelte er traurig den Kops und ging langsam die Straße hinüber, dem kleinen Hänschen zu, aus dessen Fenster ein schwacher matter Lichtstreiseu schimmerte. Je näher er dem Häuschen kam, desto langsamer und zögernder wurden seine schritte. Er wendete nochmals den Kopf, daun ging er traurig weiter, öffnete die Hausthür nud trat in einen dunklen Flur. Da wurde eine Thür zu ebener Erde geöffnet. Eine weiche Stimme rief zärtlich: „Jacob, mein Kind, kommst Du endlich heim. Alle sind schon aus Schul' gekolumeu, nur Dil bleibst so lange aus Der Knabe schlang die Arme fest um den Hals der Mutter, der Sabbathgruß erstarb aus feineit Lippen. „Mutter, Mutter," rief er schluchzend, „ich meinte, der Vater, er müßte noch einmal wiederkvmmen, so wie alle Freitag Abend!" Die kleine, blasse Frau, die Kummer und Sorge schon früh hatten altern lassen, legte ihre zitternde Hand aus des Kindes Haupt und segnete ihn mit lauter Stimme, daun richtete sie das schmale, blasse Gesichtchen des Knaben auf, drückte einen heißen Kuß aus Stirn und Wangen und sagte: „Teilt Vater, mein Kind, ist immer bei uns und um uns. Er ist nicht tobt, er lebt in icns, mit uns, sobald wir in seinem Sinne handeln und so sein Andenken ehren. Komm', setze Dich zu mir, wir wollen zusammen den Wochenabschnitt lesen, gerade so, als wenn der Vater noch bei uns wäre." Ter Knabe holte ein kleines, vom vielen Gebrauch recht abgegriffenes Büchlein herunter und schlug es auß Mit leiser Stimme begann er zu lesen. Doch bald hörte er wieder auf, griff nach den Händen der Mutter, die gefaltet im Schvvß lagen, und begann von Neuem zu schluchzen. „Mutter, heute vor acht Tagen, da war der Vater noch bei uns, ich durfte au seinem Bette sitzen und ihm vvrlesen. Wie gut und freundlich er warEr hatte keine Schmerzen, seine Wangen waren roth und seine Augen leuchteten." Die arme Frau seufzte. Diese trügerischen Zeichen, ach sie hatten oft ihr Herz erzittern gemacht. Diese Wangenröthe Wälder letzte Hauch anssteigeuder Lebenskraft, das zehrende Fieber hatte sie ans die eingefallenen Wangen gezaubert. — — Ein schweres Lungenleiden hatte den armen Mann iu wenigen Wochen vernichtet. Wohl hatten einst Sonnenschein und Behagen in denk kleinen Häuschen gewohnt. Rur Zufriedenheit und Frohsinn waren aus allen Gesichtern zu lesen gewesen, die darin ein- und ausgingen. Geld und Gut ilauute die kleine Eantvrfamilie nicht ihr eigen, aber Genügsamkeit und bescheidener Sinn ließen sie nichts entbehreu. Drei liebliche Knaben wuchsen zur Freude der Eltern ans und machten das Haus licht und hell. Die Mutter bereitete sich langsam vor, die Baimizwa1) des des Aeltesten zu feiern. Wohl hatte sie schon Jahre lang dazu gespart, Groschen 'zu Gr-.,;cu gelegt, um dem Knaben ein würdig Festgewand zu dem so wichtigen Tage kaufen zu können. Der alte Rabbi hatte den aufgeweckten Knaben schon lange unterrichtet und freute sich aus den Tag, da er zum ersten Male an heiliger Stätte sein Glaubensbekeuntniß sagen würde. Goldene treue Worte wollte der greise treue Lehrer seinem begabten Schüler mit auf den Lebensweg geben und Alle sollteil mit deir glücklichen Eltern einen Festtag begehen, denn Abraham war ein heller, begabter Jüngling, den Gott ausgezeichnet hatte. Eine böse Kinderkrankheit verheerte einige Zeit das Städtchell, und der TodeSeugel nahm den glücklichen Eltern die beiden ältesten Söhne, den begabten Abraham und den prächtig rvthwaugigen Isaak, Jacob, der allerkleinste, blieb verschont. ') Ecmfirirmtion

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