Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 33 (13.8.1897)
- Date
- 1897-08-13
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seite 682 Vr. Vloch s WochrMchrM Nr. 33 Wien. Der Kaiser hat dein Oberbaningenieur im Ackerbauministerinm E m a u u e l B u ch r v iv s k y den Titel und Charakter eines Banrathes, ferner dem Abthcilmigs-Assiftenten der Poliklinik Tr. S a m n e l K o h n den Titel eines kaiserlichen Rathes verliehen. Der Minister für Cnlrns und Unterricht hat den ordentlichen Professor des österreichischen Civilrechtes an der Universität in Wien, Dr. Freiverrn von S ch e y, zum Mitglieds der rechtshistvrischen Staatsprüfungs-Commission daselbst ernannt. U. B. Wien. (?l nszeich n n n g.) Se. Majestät der Kaiser hat den in der VI. Raugsclasse eingereihten Gewerbe- Obcrinspector Michael Kulka den Titel und Charakter eines Regiernngsrathes verliehen. In Industriellen- und Arbeiterkreisen, wo sich Gewerbc-Inspectvr Kulka allgemeiner Sympathien erfreut, hat diese allerhöchste Auszeichnung ungetheilte Befriedigung wachgerufen. E B. Wien. Das vierzigjährige Dienstjahr hat in den letzten Tagen Tlliangulirungs-Tirector Herr Abraham Broch zurnckgelegt. In der ihm im eigenen Bescheidenheit hat es Tirector Broch vermieden, auch nur feinem nächsten Bekanntenkreise hievon Mittheilung zu machen, um allen Ovationen ansznweichen, die ihm sonst zweifelsohne bereitet worden wären. Herr Tirector B r o ch nimmt im Finanzministerium eine hochgeachtete Stellung ein. Obwohl in der sechsten Raugsclasse, verkehrt er dennoch mit dem letzten, der ihm unterstehenden Beamten in cvllcgialster Weise. Seine Vorgesetzten aber wissen feine außerordentliche Begabung und eminente Befähigung zu schätzen und zu würdigen. Wenigen dürfte es bekannt fein, daß Tirector B r v ch es war, dem die größte Last bei der letzten Grundsteuer- Regnlirung zugefallen ist, die colosfalen Arbeiten, die ihm bei diesem großen Werke erwuchsen, erledigte er mit Anspannung aller Kräfte und zur allgemeinen Zufriedenheit. EL ien. Die kleine Melanie S p i e l m a n n — gastirte vorige Woche mit großem Erfolg im Kaltenleutgeben- Cnrtheater in einer neuen Parodie „Die 'Königskinder," welche eigens für die niedliche Künstlerin geschrieben wurde. Die kleine M c l a n i e trüt demnächst eine große Gastspiel-Tournäe an, die sie nach Gleichenberg, Karlsbad, Leipzig, Berlin u. s. w. führt. Wien. iS p e u d e.) In Folge Aufrufes durch Seine Chrwürden Herrn Rabbiner Dr. S i m o u Nt a n d l in Kostel zur Rettung eines völlig unverschuldet ruiuirten Kaufmannes vom Rande der B-rzweiflung, dessen wackere, mit allen Tugenden geschmückte Gattin ihm und ihren sieben unversorgten Kindern im blühenden Alter von 47 Jahren durch den Tod entrissen worden, nachdem die schwere Krankheit derselben (Typhus) die letzten Ntittel erschöpfte, find uns ferner eingegangen: Bon Herren Prof. Dr. Heinrich Bloch ans Budapest, derzeit in Luhatschowitz 5 ft.; Moritz Abeles, Saaz 2 fl.; Dr. Engel, Brünn 2 st.; Sch., Mistelbach 2 fl.; Frau Toni T., geb. Aderer, Wien 1 fl., zusammen 12 fl., welche nur der Bestimmung zugeführt haben. Wien. (Ausweis e i n g e g a n g e n e r Spenden zum Bau eines Tempels in d er Brigitten a u.) Herr I. Lederberger 2 fl., Herr Will). Frei 2 fl., Herr Bernhard Crnot 10 fl., Herr Alois Kolben 10 fl., Herr Josef Süß 1 fl., Herr Rudolf O. Weil 10 fl., Herr Johann Küttag 10 fl., Herr Carl Lumbe 10 fl., Frau Marie Straibl 5 fl., Herr M. Erber 5 f!., Herr M. Karten 5 fl., Herr Heinrich Weiner für Block 25 fl. Zusannuen 95 fl., bereits ausgewiesen 11.915 fl. Im Ganzen 12.010 fl. Wien, 10. August. Frau Toni M o d l i n g e r, Gattin des durch seine philosophisch-kritischen Schriften rühmlichst bekannten Samuel Modliuger und Mutter der bekannten Künstlerin Fräulein Grethe Modliuger, als die einzige Tochter des eben verunglückten Ehepaares ist einem 14tägigen Nervenleiden erlegen und heute zur Seite ihres im Jahre 1885 hier in Wien verstorbenen Sohnes, der ein äußerst begabter Student war, auf dem Centralfriedhof (israelitische Abtheilung) öeigesetzt worden, ein bcjammeruswerthes Los einer gebildeten Frau, einer würdigen Gattin und würdigen Mutter. Friede ihrer Asche. Das verschwundene Mädchen. Aus Budapest berichtet ui an: Bor einiger Zeit ist ein sechzehnjähriges Mädchen, Helene S ch e i n h a u s e r, plötzlich verschwunden. Polizeiliche Nachforschungen ergaben, daß Helene, welche der jüdischen Religion augehvrt, unter Intervention zweier Nonnen und eines Caplans getauft und in einem Kloster untergebracht wurde, ohne daß cs gelungen wäre, den Ort auszuforschen. Jüngst gelangte aber die Polizei zur Kenutuiß, daß Helene in Brabant in einem Kloster sich befinde. Es wurden nun im Wege des Ministeriums des Aeußern Schritte unternommen, um das Mädchen herauszubekommen. Brünn. Am 1. August l. I. fand im Sitzungssaale der israelitischen Cultusgemeinde eine zahlreich besuchte Camorenversammlung statt, in welcher die Statuten des mährischen Cantorenvereines durchberathen wurden. Es wurde der Jahresbeitrag für l ordentliche Mitglieder mit 24 Kronen, der der unterstützenden Mitglieder mit 10 Kronen und der Gründer mit 100 Kronen festgesetzt. Die Witwenunterstützung beträgt 1000 Kronen. Weiters sorgt der Verein für die Hinterbliebenen Waisen bis zur Selbstständigkeit derselben. Saaz. (A n t i s e m i t i s ch e A u s s ch r e i t u n g e n.) Aus Saaz wird berichtet: Im nahen L i e b e s ch i tz wurden unlängst auf dem dortigen jüdischen Friedhofe ungefähr dreißig Grabsteine herausgerissen, umgeworfen und theilweife zerbrochen. Die Anzeige von diesem neuerlichen antisemitischen Bubenstücke, welches an das unlängst im nahegelegenen Orte Weitentriebetitsch ausgeführte erinnert, wurde erstattet. Koliu, 8. August. (Ein Guter in der Gemeinde) war es, den wir gestern zu Grabe getragen haben. Daniel S ch u l h o f war nicht nur ein mit seltenen bürgerlichen Tugenden ausgestatteter Mensch, er war auch ein glaubenstreuer Jude in des Wortes vollster Bedeutung. Bor Jahren zum Cassier und Rechnungsführer unserer Cultusgemeinde gewählt, verwaltete er dieses Ehrenamt mit rühmlichem Fleiß und Ausdauer, ja — mit Hintansetzung des in seinem Berufe doppelt so schwer wiegenden Gewinnes an Zeit, bis zum Momente, wo ihn eine tückische Krankheit zu jeder weiteren Thätigkeit unfähig machte, und von der er erst nach langem, schweren Leiden im besten Mannesalter erlöst wurde. Was den Dahiugegangenen besonders auszeichnete, war seine übergroße Bescheidenheit, verbunden mit dem zähen Festhalten an dem Priucip, kein Haarbreit preiszngeben von den von unseren Vätern ererbten Institutionen, Niemand zu Lieb und Niemand zu Le id etwas zu opfern von alldem, was den geistigen Besitz unserer Gemeinde ausmacht; und als wir vor nicht langer Zeit gewissen Bestrebungen in unserer Gemeinde nothgedrungen entgegentreten mußten, da war Daniel Schulhof wahrlich nicht einer der letzten von Denjenigen, welche den Leitern jener Bewegung schon wegen deren friedensstörenden Tendenzen ein kräftiges . Keep away“ zngerufen haben. Die ungemein zahlreiche Betheiligung an dem Leichenbegängniß gab Zeugniß von der Achtung, welcher sich der Dahingeschiedene in den breitestell Schichten der Bevölkerung erfreute; und als an der Bahre der Vorsteher Herr Julius Kraus im Namen des Cultusrathes in einer ergreifenden, tiefempfundenen Rede von bem Dahingeschiedeneu Abschied nahm, da blieb kein Auge trocken; die Arbeiterschaar, welche die entseelte Hülle ihres Fabriksherrn umstand, ließ ihren Thränen freien Laus, wohl wissend, was sie an ihm verloren hat. Die Gemeinde aber, in welcher er gewirkt, wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Heinrich P. Prag, 10. August. Se. Excellenz der Herr Statthalter Graf Condenhove hat den Präses der israel. Cultusgemeinde, Dr. Arnold Rosenbacher in das Nothstandscomite berufen. Brandeis, 10. August. Am 8. d. M. haben wir hier Herrn Ferdiiland I a n o w i tz, Gründer der gleichnamigen Firma, zu Grabe getragen, dessen edler Charakter und goldenes Herz es fürwahr verdienen, daß ihm in den Spalten Ihres werthen Blattes ein Nachruf gewidlnet werde. Seit einem halben Jahrhundert widmete sich Herr Ferdinand Janowitz der hiesigen israelitischen Gemeinde, darunter 26 Jahre als Vorsteher der Beerdigungs-Brüderschaft, allezeit einWohlthäter der Armen, die Zufluchtsstätte der Bedrängten. Geliebt und geehrt, nicht nur von seinen Glaubensgenossen, gestaltete sich die Trauerfeier zu einer imposanten Kundgebung aller Schichten der hiesigen und auswärtigen Gesellschaft. Alles drängte sich heran, um dem edlen Manne die letzte Ehre zu erweisen. Die hiesigen Veteranen- Vereine, die Feuerwehr, die Handwerkervereine, Alles mit Fahnen, und in größter Parade; der Herr k. k. Bezirksrichter und viele k. k. Beamte nahmen thränenbewegt an dem Conducte theil — ein unübersehbarer Zug bewegte sich zu unserem heiligen Gottesacker. Als die sterblichen Ueberreste des Verblichenen der Erde übergeben wurden, blieb kein Auge trocken. Ehre dem Andenken des geliebten Mannes! Franzensbad, 30. Juli. Frau Baronin Hirsch hat den Baukosten des hiesigen jüdischen Hospitals, dessen Eröffnung bevorsteht, 3000 fl. zugewendet.