Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 33 (13.8.1897)
- Date
- 1897-08-13
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Dr Vloch's Wochenschrift Sette 681 Nr. 33 zö fische Volk, welches stolz ist auf seine Großmuth und vorgibt, au der Spitze der Eivilisation zu schreite», hält es doch deuumgeachtet uiit den Vilsseu, dem barbarischsten Volke der Welt. Ter Franzose ist manchmal grausam, und ich sinde es einfach lächerlich, das; wir groszartige Expeditionen machen und nach Afrika gehen, um die Schwarzen zu civilisiren. Es wäre wahrhaftig ebenso berechtigt, daß die zu uns kämen, um uns besser zu machen! Lei ihnen gibt es doch keine Vorkommnisse wie der Fall Treyfnß und Panama, und sie haben auch keine so schändliche Polizei, wie die von Paris. Und welche Mittel wenden die Franzosen an, um Afrika zu civilisiren? Drei: DaS Pulver, den Alkohol und den Tod. Und dieses Land behauptet, an der Spitze der Eivilisation zu schreiten! Die Polizei, die niedrige Pariser Polizei, hatte einen falschen Bericht über das Privatleben des Eapitäns Drehfus; gegeben. Das wundert mich gar nicht, denn dieselbe Polizei hatte zu meinen Acten einen Bericht geliefert, der unter Anderem behauptete, ich unterhielte fortgesetzte Verbindungen mit den.l Grafen Münster, ich verkehrte bei der deutschen Botschaft, ich organisirte in der Wirthschaft Georges Versammlungen von Deutschen und ich empfinge postlagernd Briefe ans Deutschland. Ten Grafen Münster habe ich niemals mit Augen gesehen; ich bin mit keinem Fnsze in der deutschen Botschaft gewesen, wo ich Niemand kenne; die Wierthschaft Georges besnchre ich ebensowenig wie andere deutsche Wirthfchaften. Alle meine Briefe empfing ich zu Hanse, und mit Deutschland stand ich gar nicht in Briefwechsel! Wie soll man sich nun auf die französische Justiz oder die französischen Behörden verlassen 'i Ties beweist augenscheinlich, daß Frankreich inr Niedergang begriffen ist, daß das Volk entnervt ist, daß dieses Land allmählich auf gleiche Stufe fällt wie Spanien. Das gibt uns ja auch die Erklärung dafür, das; Frankreich, das Land, welches darauf pocht, an der Spitze der Eivilisation einherzuschreiten, die Stierkämpfe bei sich eingeführt hat. Derjenige, der den Fall am besten beiirtheilen kann, der sich damit besaßt hat, Herr Demange (berühmter Pariser Advocat, Trevfnß-Vertheidiger vor dem Kriegsgericht) hegt die Ueberzengung, daß der Eapitän keineswegs schuldig ist; er hält ihn für unschuldig, für einen Märtyrer. Warschau, 27. Juli. Eine bemerkenswerthe Erklärung hat der R e c t v r der hiesigen Universität, Professor W a ft o k o f in den Tagesblättern erlassen. An der Warschauer Universität besteht eine Anzahl Stiftungen, aus denen würdige und begabte Stndirende Unterstützungen erhalten. In jüngster Zeit war nun aus Anlaß des Umstandes, daß ans der „Kopernikus-Stiftung" mehrere jüdische Stndirende, welche ihre besondere Begabung für Mathematik und Astronomie durch hervorragende Arbeiten gezeigt hatten, Stipendien erhielten, in hiesigen Blättern die Frage aufgeworfen worden, ob es gerechtfertigt sei, diese Stiftung, welche doch katholischen Ursprunges sei, anders als zu Stipendien für katholische Stndirende zu verwenden. Hierauf hat nun der Rector der Universität, Professor W a st a k o f folgende Erklärung erlassen : „Die Universitäten find nach den Statuten Anstalten, welche sich ausschließlich mit der Leitung der Studirenden in ihren Studien und Forschungen befassen. Me Betrachtungen außerhalb dieser Studien insbesondere die, welche die Rationalität und Religion der Studirenden betreffen, müssen von der Universität verbannt sein, da die Zulassung derartiger Betrachtungen eine Verminderung des wissenschaftlichen Ansehens und des moralischen Einflusses der Universität zur Folge haben würde." London, 16. Juli. Der „Zionismus" steht auch bei uns noch immer im Vordergründe der öffentlichen Discussion. Nunmehr ergreifen die Herren Josef P r a g, Vorsitzender.der hiesigen Chowawe-Zion-Bereinignng und Dr. H i r s ch, Secretär derselben, das Wort, der Eine im »Jewish Chronicle«, der Andere in der Vierteljahresschrift „Palästina", um übereinstimmend sich gegen die Pläne des Herrn Dr. H e r z l zu erklären, andererseits zu betonen, daß sie nach wie vor auf ihrem jüdisch-nationalen Standpunkte, der mit jenen Plänen nichts zu schaffen habe, stehen. Gerade von diesem Standpunkte aus lehnen sie es ab, die Bestrebungen zu unterstützen, welche auf die sofortige Gründung eines jüdischen Staates hinauslaufen. In voller Uebereinstimmung mit den vortrefflichen Darlegungen des Herrn W. Bambus in der „Jüdischen Presse" tadeln beide Herren den ganzen Jdeengang, mit dem Dr. H e r z l Propaganda für seine Pläne macht, welche er vollständig auf den durch die antisemitische Bewegung hervorgerufenen temporären Zuständen aufbaut uud durch die Mittel beseitigen will, die sich mit demjenigen, was für das jüdische Volk lvirklich nothwendig ist, keineswegs decken. Gerade als Nationaljuden, welche für die Verwirklichung ihrer Ideen bemüht sind, müßten die englischen Chowawe- Zion die Theorie vom „Jndenstaat" nachdrücklich bekämpfen. Auch in der Anglo Jewish Association gab es kürzlich eine „Zionistendebatte". Herr Oberrabbiner Dr. A d l e r erklärte in der Generalversammlung dieser Gesellschaft, daß er sich der Kundgebung des Vorstandes des deutschen Rabbinerverbandes gegen Doctor H e r z l in vollem Umfange anschließe. In gleichem Sinne sprach sich Herr F. D. M v c a t t a aus, während Herr Oberrabbiner Dr. G a st e r darauf hinwies, daß über die religiöse Seite der Gründung eines jüdischen Staates die Ansichten sehr getheilt sein könnten, wobei ihm Herr Rechtsanwalt Herber- Bentwich secundirte. Paris, 26. Juli. Durch eine ungewöhnlich mühsame Wahl, die beit ganzen Tag in Anspruch nahm, wurde im dritte« Wahlgang der Stadtrath Paul Strauß zum Senator der Seine ernannt; er nimmt den durch Tolain's Tod erledigten Pariser Senatssitz ein. Für Strauß stimmten die gemäßigten und conservativen Senatswähler, aber auch seine svcialistischen Eollegen im Stadtrath, gegen ihn die radicalen und Socialisten, die keine Stadträthe sind. Ta Strauß Jude ist, wurde die Verkündung des Wahlergebnisses von seinen Gegnern natürlich mit dem Schrei: „Nieder mit den Inden beantwortet. Gegen die Wahl Strauß' wurde der ganze antisemitische Heerbann aufgeboten. Algier, 24. Juli. Als ein Beispiel der Gemüthsverrohung, welche die antisemitische Bewegung zeitigt, kann folgendes Histörchen dienen, das sich beinahe wie eine Satyre ausnimmt, aber bittere Wahrheit ist. In Fontainebleau ist kürzlich ein jüdischer Lieutenant mit dem Pferde gestürzt und an den Folgen der Verletzung gestorben. In einer antisemitischen Zeitung in Oran werden nun Frendenrufe, daß wieder ein Jude weniger die französische Armee „verunziere", ansgestoßen und dem Pferde wird der „Dank des französischen Volkes" votirt, weil es einen Juden umgebracht hat. Ein Leser dieser Zeitung macht sogar den Vorschlag, schleunigst Recherchen nach diesem Heldenthier anzustellen, um ihm eine Staatspensiou bewilligen zu können! Sofia. (I u b e n von Bnlgarie n.) Große Ueberschwemmungen haben in den letzten Wochen Ungarn, Rumänien und die Balkanhalbinsel heimgesncht. In Bulgarien war die Noth sehr groß, namentlich wurden Widdin, Schumla, Pravady mitgenommen; es sind auch viele Menschenleben zu beklagen. In Schumla ist die Knabenschule der Alliance von dem Strom mit fortgerissen worden; danach kann man sich eine Vorstellung von der Gewalt der Gewässer machen. In Adrianopel ist das Jndenviertel, das an der Maritza liegt, überschwemmt worden; kleinere Häuser wurden mit sortgeschwemmt, nahezu 500 Familien sind im größten Elend. Unter diesen traurigen Verhältnissen hat sich das Central-Comits de;; „Alliance JUraelite“ an großherzige Freunde gewendet. Dank ihrer Hilfe konnten die am meisten geprüften Gemeinden unterstützt werden. Dasselbe hat Unterstützungen nach Adrianopel, Sofia, Philippopel, Widdin, Pravady und Schumla gesandt Es wird zweifelsohne nöthig fein, einer Anzal von Familien wieder aufzuhelfen, wenn erst die Gewässer sich wieder zurückgezogen. Auch der Wiederaufbau der Schule zu Schumla wird bedeutende Mittel erfordern. Wien. Herr Aron B o n d i, Gesellschafter der Firma Jacob Neurath, k. und k. Hof-Metallwaaren-Lieferant in Wien, hat sich mit Fräulein Esther H i r s ch, Tochter des Großindustriellen Herrn Gustav Hirsch in Messingwerk-Eberswalde bei Berlin, Chef der Firma Aron Hirsch & Sohn in Halberstadt, verlobt — Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Alexander M i n tz hat sich mit Fräulein Amelie Schur verlobt. Wien. (A u s z e i ch u u u g.) Der Kaiser hat dem Abtheilnngs-Affistenten an der Poliklinik in Wien Dr. Samuel K o h n in Anerkennung seiner vieljührigen verdienstlichen Berufswirksamkeit taxfrei den Titel eines kaiserlichen R a t h e s verliehen. Aus diesem Anlässe sind dem Herrn Dr.Kohu zahlreiche Beweise von Sympathien zugekonnuen. Wien. Der Kaiser hat die nachstehenden Herren zu Mitgliedern der großen Centralcvmmiffivn für die Pariser Weltausstellung 1900 ernannt: Julius Ritter von Gomperz, Dr. Max Grube r, Max Ritter von Gut m it n n, Alois N e um a n n, Präsident der Reichenberger Handelskammer, und Nathaniel Freiherr von Rothschild. Wien. Am 18. d. M. um 9 Uhr Vormittags findet anläßlich des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers in der Synagoge, ll., Leopoldsgaffe 29 ein feierlicher Gottesdienst statt.