Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 33 (13.8.1897)
- Date
- 1897-08-13
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3021169-3021202--07016-3031324- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 676 Dr. Vloch's Wochrnsrtzrist ytr. 33 unter Alle vertheilen ließ? O-weh,-Professor, woran erinnern ' Sie uns da? Unser alttestamentarischer Gott hat den Boden unter Alle vertheilen lassen, nur nicht unter die Diener des Altars, die Leviten. Unser alttestamentarischer Gott war der Ansicht, daß der Grundbesitz die Diener seines Altars zu sündigen und hochmüthigen Prassern machen könnte. O-weh-Professor, sind Sie in der Bibel-Exegese noch nicht so weit gekommen? Nehmen Sie sich doch auch dazu einen getauften Juden auf, wie zur Talmud-Exegese! Wir wollen dem großen Denker, den wir bei der Arbeit sehen, kein Unrecht thun. Wir wollen also seine Geistesgröße in ihrem ungetrübten Glanze vorführen und citiren demgemäß, solange wir es aushalten, ohne Unterbrechung die eigenen Worte des Autors. Er hat sich als Theologe blamirt, nun mag er sich als Nationalökonom — versuchen. Rohling fährt fort: „In anderer Form würde dasselbe Recht auch durch die in der Gegenwart verbreitete Single-Tax-Lehre zur Anerkennung komuren, nach welcher der Boden einerseits für Alle von Gott erschaffen wurde, anderseits aber sein jedesmaliger Werth eine Schöpfung vornehmlich der menschlichen Gesellschaft nicht des Einzelnen ist, weshalb eben dieser ganze Werth für die Deckung der gemeinsamen Bedürfnisse verwandt werden sollte, bevor andere Dinge, welche durch indirecte Steuern, Einkommensteuern und dergleichen betroffen-werden, zur Verwendung kämen. Es leuchtet ein, daß die Landeigenthümer durch die Leistung der ganzen Pachtsumme für die Benützung dieser von der Gesellschaft geschaffenen Bodenwerthe, in welche die durch die private Thätigkeit des Eigenthümers entstandenen Verbesserungen natürlich nicht einzurechnen sind, das Recht Aller praktisch anerkennen würden. Es leuchtet ein, daß der kleine Mann im Bauernstand und Gewerbe auf diese Weise bedeutend entlastet würde, weil die Eintreibung jener Landwertheeinen großen Nationalfond schaffen müßte, der für alle öffentlichen Bedürfnisse mehr als ausreichend wäre, so daß der K l e i n e (!) gleich Allen der indirecten und anderer Steuern enthoben wäre, für seine minderwerthige Hufe aber nur sehr -gering taxirt, sehr wenig zu zahlen hätte. Es ist klar, daß die Hypothekenschulden und weiterhin Landesschulden aus diesem Fonds bald gedeckt und dann Unternehmungen solider, des Personalcredites bedürftiger und würdiger Leute aus eben diesem Fonds gefördert werden könnten, ohne daß für sie eine Gefahr bestände, von privaten Capitalisten abgewiesen oder ausgebentet zu werden. Es ist aber auch klar, daß die Institution der Hypothek verschwinden müßte und die dermaligen Inhaber von Hypotheken als die Realinhaber des Bodens d i e N u tz u n g s g e b ü h r für die durch die Gemeinschaft erzeugten Landwerthe zu zahlen hätten, wenn nicht etwa ein Gesetz die nominalen Besitzer des Bodens zur Zahlung ihrer Nutzungsbeträge direct an den Staat obligiren und die Guthaben der Hypothekeninhaber dann durch staatliche Begleichung lösen würde. Nur die Schließung des Hypotheken buch es würde das mobile Capital u ö t h i g e n können, nicht m e h r in Grund und Boden, sondern in Arbeit zu s p e c u l i r e n, auf Unternehmungen zu denken. Denn da es nicht müßig liegen will, so muß es, von der Bodenspeculation abgeschlossen, n o t h w e n d i g die A r b e i t s u n t e r n e h m u n g ins Auge fassen. Dann gibt es auch einen vollen gerechten Lohn, weil die Arbeiter, nachdem das Capital ans die Arbeit angewiesen ist, es in der Hand haben, den gerechten Lohn in friedlicher Weise zu erzwingen. Dann kann die Arbeit jeden Familienvater abundant ernähren, der Art, daß die Frau mit ihren kleinen Kindern zu Hause den Angelegenheiten der Familie und der Erziehung obliegen kann, ohne für sich selbst und mit noch Minderjährigen um Geldverdienst in die Fabrik gehen zu müssen. Wenn so ein Capitalist jährlich mitein er Fabrikei neMillion(!) Reingewinn machen will, wie derlei Fälle ja jede r (?) k e n nt, so fällt für den Arbeiter freilich kein gerechter Lohn ab, daß er als Vater seine Familie davon ernähren könnte, sondern der Arbeiter muß sich dann eben „begnügen", weil der Grund und Boden durch die hypothekarische Gebundenheit nicht mehr allgemein zugänglich ist, weshalb die Coaliiion des capitalistischen Absolutismus die Lohnbedingungen und Lohnsätze nach Willkür bestimmen kann. Alle Associationen der Arbeiter richten daher nichts Erkleckliches aus, so lange der Boden nicht von der Willkür des monopolistischen Kapitalismus best eit wird." Es ist wirklich nicht leicht, auf so beschränktem Raum so viel Unsinn zu sagen. Also der jedesmalige Werth des Bodens ist eine „Schöpfung vornehmlich der der menschlichen Gesellschaft, nicht des Einzelnen"; andererseits sind die durch private Thätigkeit des Eigenthümers entstandenen Verbesserungen nicht in den an die Gesellschaft abzuführenden Pachtzins einzurechnen; also sind sie doch nicht gar so sehr zu vernachlässigen. Oeste> reich — ohne Ungarn — allein hat z. B. über 2 Millionen unabhängiger landwirthschaftlicher Betriebe mit über 5'/- Millionen an Grundbesitzbogen; wir sind begierig, wie man diesen Bauern klar machen wird, welchen Theil ihres Ertrages sie au die Gesellschaft abzuführen haben, welchen sie als Frucht individueller Verbesserungen behalten dürfen. Zunächst soll man ferner die Hypothekarschulden — doch wohl die Capitalien — aus dem an die Gesellschaft zu zahlenden Pachtgeld decken; dabei soll aber „die Eintreibung jener Landwerthe" zugleich alle öffentlichen Bedürfnisse decken. Rechnen wir ein wenig. In Oesterreich besteht der Katastralreinertrag der Grundstücke in 165 Millionen Gulden jährlich; ihr wirklicher Reinertrag wird auf das Doppelte, also 330 Millionen geschätzt. Aus diesen will Rohling zunächst 660 Millionen an jährlichen Staatsavsgaben decken; mit dem, was übrig bleibt, wird die ganze Hypothekenschuld der österreichischen Grundbesitzer recht „bald" abgezahlt. Dann beginnt das Paradies für die Arbeiter. Kein Wunder! Denn das Hypothckenbuch ist geschlossen und der Landwirth, welcher sie arbeiten lassen möchte, hat - selbst kein Capital l Und einen solchen Mann läßt man für die paar Theologen in Prag Exegese vortragen, statt ihn zum Finanzminister zu machen! Zum Glück war bei der ganzen Sache ein Zeuge anwesend, welcher diesem Uebelstande noch abhelfen kann, weil er gute Verbindungen zu haben scheint, ein „Prinz", den unser genialer Publicist denn auch, etwa wie Plato seine jungen Leute, mit philosophischer Verwunderung ins Gespräch eiugreifeu läßt. Vielleicht war es gar Prinz L. Was der wohl vorzubringen haben wird? (Fortsetzung folgt.) Die Besteuerung der Aktiengesellschaften, Genossenschaften, Sparkassen, Gemeinden #.*) In unserem vorigen Artikel ist bereits hervorgehoben worden, daß eine Besteuerung nur dann erfolgen kann, wenn die Unternehmung auf die Erzielung von Betriebsüberschüssen ausgeht und daß in diesem Fall nur eine Erwerbsteuer zu entrichten ist, die jetzt noch nicht fatirt wird. Wir haben ferner gesehen, daß gewisse Unternehmungen, wie : Sparkassen, wechselseitige Versicherungsanstalten, Gemeindevorschußcassen, Consumvereiue rc. als gemeinnützig anerkannt werden, weshalb sie einer günstigeren Besteuerung unterliegen. Wie hoch wird nun in Zukunft die Steuer aller dieser Unternehmungen sein? Bezüglich der eigentlichen Erwerbsunternehmungen wird der Steuerfuß ungefähr ebenso hoch sein wie früher, in den meisten Fällen sogar etwas niedriger, dabei wird aber der Staat eher eine größere Einnahme haben als bisher. Die Erleichterung des Steuerträgers wird man uns nun zunächst nicht glauben wollen, wenn wir verrathen, daß bisher diese Unternehmungen die Einkommensteuer I. Elaste mit 10 Perzent ihres Ertrages zu zahlen pflegten, jetzt dagegen 107- Percent der gewöhnliche Steuerfuß sein wird. Wie können 107, Percent weniger als 10 Percent sein? Mff" *) Abonnenten, welche spccielle Auskünfte wünschen, erhalten dieselben im „Briefkasten" unserer nächsten Nummer.