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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-08-13 · 33 (13.8.1897) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
33 (13.8.1897)
Date
1897-08-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 33 Vr. Bloltz's Moarrnfttzrlfl» Seite 675 Moderner Geist, moderner Fortschritt, moderne Wissenschaft — tobte Worte für die Nachkommen der Besieger der j Mauren. Nicht ungestraft erschöpft sich das geistige und politische Leben einer Nation durch Jahrhunderte in religiösen Kämpfen — dieselben Ursachen, welche einst Spaniens Größe schufen, begründeten dessen Verfall. Heute gehört das pyrennäische Königreich zu den unglücklichsten Ländern. Drei Jahre wüthet bereits ein Bürgerkrieg ans Cuba; Hunderttausende von Soldaten muß das arme Volk erhalten, ungezählte Millionen verschlingen die fortwährenden Rüstungen. Und auch in den anderen Colonien gährt es. Armeen auf Armeen entsendet das schwergeprüfte Land, Anleihe auf Anleihe wird im Innern ausgenommen — man weiß nicht, soll man das Volk mehr bemitleiden oder bewundern, das im Stande ist, solche Opfer zu bringen? Und doch kein Erfolg! Der blutige General Wehler vermag trotz seiner neronischen Härte nicht in Cuba des Aufstandes Herr zu werden; vergebens sendet er täglich Siegesbulletins auf Siegesbulletins. Was nützt es, wenn die Insurgenten Schlappen erleiden? „Nicht, mit welchem Erfolg gekämpft, sondern daß überhaupt gekämpft wird, ist die Hauptsache" — so sagte der Jnsurgentensührer Maceo vor seinem Tode. Und gekämpft wird! Das Klima erweist sich als furchtbarer Bundesgenosse der Aufständischen; mehr als 30.000 Mann liegen in Cuba darnieder. Bor einigen Tagen erst erregte eine Rede in Spanien ungeheures Aufsehen. Moret, der frühere Minister des Aenßern, ein durchaus gemäßigter Liberaler war es, der die Lage seines Vaterlandes in den düstersten Farben schilderte und schließlich ausrief: „Welcher Verfall! Und während die Cortes schweigen, erfahren wir, daß die Mönche um Rath gefragt werden, damit sie uns sagen, was wir aus den Philippinen thun sollen.. Wir befinden uns offenbar in Zeiten wie in denen, die dem Jahre 1868 voransgingen. Hier i st Alles B e r w i r r u n g, drüben auf Cuba V e r w ü st u n g und Zer st ö r u u g. D i e B v r b o t e n d e s S t u r m e s machen s i ch ü b e ra l l geltend. Die Parteien sind deshalb verpflichtet, mit ihrer Ansicht nicht hinterm Berge zu halten, keine darf so eigennützig sein, erst die Fehler der anderen abwarten zu wollen. Können die politischen Parteien unserer Tage keine Losung bieten, so haben sie eben ihre Daseinsberechtigung verloren; sie werden dasselbe Schicksal erleiden, das Christus den Wechslern im Tempel bereitete." * Der Anarchismus, welcher besonders in beit romanischen Staaten zahlreiche Anhänger besitzt, fand in dem zerrütteten Spanien, dessen Volk unter unerträglichen Lasten seufzte, einen überaus günstigen Boden. 'In letzter Zeit aber hatten sich Ereignisse zugetragen, welche die Gährung im Lande aus eine bedenkliche Höhe trieben. Es kam in Madrid und in der Umgebung der Stadt zu lärmenden Unruhen, da die Verzehrungssteuer in Pacht gegeben worden war und eine neue Thenerung der Lebensmittel drohte; die unerhörten Corruptionsgeschichteu ans dem Madrider Gemeinderathe, die der Marquis Cabiner der Oeffentlichkeit übermittelt hatte, ließen einen tiefen Einblick in die schamlose Mißwirthschaft des größten spanischen Gemeindewesens thun und die Entrüstung war eine umso größere, als der Staatsanwalt sich weigerte, gegen die bestochenen Gemeinderäthe Madrids vorzngehen; die fortwährenden Recrutirungen trieben die Familien zur Verzweiflung und es kam vor, daß jammernde Mütter mit Gewalt die Einschiffung ihrer Söhne nach dem todtbringenden Cuba verhindern wollten; endlich drangen langsam aus deni finsteren Gefängnisse entsetzliche Gerüchte in die Welt; es wurde erzählt, daß im Lande der Inquisition die Tortur wieder ihre Auferstehung gefeiert habe und schreckliche Grenelthaten hinter den düsteren Kerkermauern verübt rvürden. Lange wollte die Welt daran zweifeln, daß im neunzehnten Jahrhundert Torquemada's System zur neuen Blüthe gelangt sei; allein heute besteht die traurige Gewißheit, daß die Tortur in ihrer grausamsten Art in Spanien zu den Regierungsmitteln zählt, wodurch die leitenden Kreise die Achtung und die Liebe zum Staat und zur Gesellschaft dem Volke „auszwingen" wollen. Unter solchen Umständen gewann die destructive Bewegung immer neue Adepten. Schon lange besteht in Spanien unter dem Namen „Die schwarze Hand" eine ausgebreitete anarchistische Organisation, die nicht nur in industriellen Arbeiterkreisen, sondern auch in der ländlichen Bevölkerung, namentlich Süd- Spaniens festen Boden faßte. In lt'eres kam es vor vier Jahren zu förmlichen Gefechten zwischen Banden. welche die „schwarze Hand" ausgerüstet hatte und spanischen Truppen: das grauenvolle Attentat im Theater zu Barcelona rief in der ganzen Welt das größte Entsetzen hervor. Und nun lenkt sich wieder die allgemeine Aufmerksamkeit nach Spanien. Wer wird und kann Canvva ersetzen? Welches Gewirr von häßlichen Kämpfen um die Macht, von schleichenden, gefährlichen Jntrignen, um zur Herrschaft zu gelangen, stehen diesem Hofe, diesem Staate, diesem Volke jetzt wieder bevor? Das kann eine gar folgenreiche Episode in der Tragödie Spaniens werden, dieser Mord in Santa Agueda. kvhling's verbotenes Vurtz. i. Unter dem Titel „Ter Znknnftsstaat" hat unser alter Freund, der sattsam bekannte Canonicus und Prosessor der Exegese an der deutschen Universität in Prag, Tr. A. Rohling Tn „Trostbüchlein" erscheinen lassen, das nun schon die zweite Auflage erlebt hat. Dasselbe trügt das Motto: „Schöpfet daraus Zuspruch für einander" 1. Thessal. 4, 18. Die römisch-katholische Kirche war aber nicht der Ansicht, daß die Gläubigen aus diesem Büchlein Zuspruch für einander schöpfen sollten. Es wurde von der Sacre Congregatio indicis libronum prohibitivum auf das Verzeichniß der für gläubige Katholiken verbotenen Bücher gesetzt. Uns hat diese Nachricht nicht im Mindesten gewundert. W e r d a m i t a n f ä n g t, a n t i j ü d i s ch z u s e i n, wird damit ende n, a n t i ch r i st l i ch z n w erde n. Auch aus den Inhalt des Buches waren wir als alte Kenner Rohling'scher „Gelehrsamkeit" nicht allzu neugierig. Ta dasselbe indeß seit seiner Verdammung im Buchhandel schwer erhältlich ist, werden unsere Leser nns vielleicht für die Mittheilung des wesentlichsten Inhaltes dieser Schrift verpflichtet sein. „Ich saß eines schönen Winterabends", so beginnt das Buch, „mit einem lieben Freunde am prächtig lodernden Käminsener. Wir vertieften nns in allerlei Projecte zur Losung der socialen Frage. Die Utopien von Bellamy und Cüsar's Tenksänle hatten uns lebhaft interessirt, aber nicht befriedigt. Wir warerk überzeugt, daß die heidnisch-römische Behandlung des Bodens die vornehmlichste Quelle der capitalistischen Monopole und des Wuchers sei, und daß darum an die Spitze aller Resormvvrschläge die These der Freiburger katholischen Union gestellt werden müffe, d a ß d a s E i g e n t h u m a n G r u n d und Boden durch das Recht aller Menschen aus die Existenz und Prosperität der Familien beschränkt sei. Denn alle Association der Arbeiter und Gewerbelente bleibt ohne durchschlagenden Erfolg, solange das mobile Capital durch hypothekarische Befugnisse zum absoluten, unbeschränkten Eigenthum des Bodens gelangen ka >.n." Man sieht, wie der Haß gegen das mobile Capital, das Rohling für jüdisch hält, den Herrn Canonicus zu Sätzen verleitet, welche in ihren letzten Conseguenzen auch gegen den Grundbesitz der katholischen Kirche gerichtet sind. „Die Freiburger These von dem Recht aller Menschen auf den Boden", fährt unser Gelehrter fort, „ist nicht neu. Gott selbst verkündigte sie, indem er durch Moses den Boden zu gleichen Theilen unter Alle vertheilen ließ. Im Mittelalter war der Umfang der einzelnen Besitzungen zwar verschieden: aber das gleiche Recht Aller kam zur vollen Geltung, indem die Großgrundherren auch entsprechend größere Lasten für die Gemeinschaft übernahmen; die weltlichen Besitzer deckten die Ausgaben, welche nach heutiger Benennung die Ministerien der Justiz, des Innern, des Krieges und des Auswärtigen verlangten, während die geistlichen Güter für Cnltus und Unterricht aufkamen, abgesehen von der Armenpflege, die aber nicht so sehr in's Gewicht fiel, weil die Massenarmnth der heutigen Gesellschaft, welche das biblische Recht Aller aus den Boden zur Geltung brachte, unmöglich war." Es ist ein Glück, daß wir aus dem Titelblatt mit Sicherheit entnehmen können, daß wir es mit einem o. ö. Professor der Exegese an der deutschen kl k. Carl Ferdinands-Universität zn Prag zu thun haben. Sonst hätten wir beinahe geglaubt, daß wir einem O-weh! - Professor der Ignoranz gegenüberstehen. Gott hätte ein gleiches Recht aller Menschen ani den Boden verkündet, indem er durch Moses den Boden zu gleichen Theilen

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