Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 33 (13.8.1897)
- Date
- 1897-08-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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- Oman 1× ep/1047563
- Tunis 1× ep/1048155
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Nr. 33 Dr. Vloch's Wochrntchrist Seite 669 wahr sei, daß er die Angeklagten retten wolle. Den Damen gab er eine in der Form galante, dem Inhalte nach niederschmetternde Antwort, indem er sarkastisch lächelnd sagte: „Ich bin ja gerne bereit, wenn die Damen es durchaus verlangen, für Sie so viel Leute anfknüpfen zu lassen, als Sie nur befehlen. Aber da Sie Frauen und Mütter sind, möchte ich Sie doch fragen, ob Sie nicht vielleicht einen Augenblick darüber nachgedachthaben, daß auf diese 14 Angeklagten z n H a u s e, wi e i ch e r f a h re n habe, nicht weniger als 63 Kinder im größten Elend warten? . . ." Und zu den Herren der Gesellschaft gewendet, fuhr er in nachdrücklichem Ernste fort: „Wenn die Angeklagten schuldig sind, so verspreche ich Ihnen, daß keiner dem Galgen entgehen wird. Andernfalls aber versichere ich Sie, daß nicht für das Wohlwollen und nicht für den Zorn des gesammten Comitatsadels ich erlauben werde, daß auch nur einem unschuldigen Menschen ein Haar gekrümmt werde.." Und als ein Witzblatt die Gelegenheit zu einer Carrikirung Kozm a's benützte und ihn gleichzeitig beschuldigte, daß er bestochen worden sei, unterließ er, dessen Lauterkeit nicht einmal die Gegner anzuzweifeln wagten, eine gerichtliche Klage; er — der Oberstaatsanwalt — appellirte an die Gesammtheit der Vertreter der öffentlichen Meinung und der Schriftsteller- und Journalistenclub, an den er sich um Genugthuung wandte, gab ihm eclatante Satisfaction in einem außerordentlich warm gehaltenen Schreiben. Alexander K o z m a war im Jahre 1871 eine kurze Zeit hindurch auch Reichstagsabgeordneter. In Budapest kannte ihn jedes Kind; er war beliebt in allen Kreisen der Gesellschaft, wie so bald kein Zweiter. Im „Cafe Abbazia" gehörte er znm Stammtische Carl Eötvös' und des verstorbenen Grafen Gabriel Karo l y i. Einer seiner Söhne, Andreas K o z m a, zählt zu den talentvollsten Mitgliedern der jüngeren Schriftstellergarde Ungarns. Ein katholisches Kol-Nidre. Cincinnati, O., In der „Theologisch-praktische Qnartalschrift" 50. Jahrgang p. 640 findet sich folgender Fall eines Processes über die Nichtigkeitserklärung einer Ehe: Ein Liebespaar, welches nach französischen Gesetzen eine giltige Ehe nicht schließen konnte, wandte sich nach Tunis und ließ sich daselbst von dem Generalvicar trauen. Vierzehn Jahre später wurde die Frau des Mannes überdrüssig und klagte ans Nichtigkeitserklärung der Ehe. Der Proceß kam vor die Concilscongregation in Rom am 15. Mai 1895 zur Verhandlung. Der wesentlichste Grund für die Nichtigkeitserklärung der Ehe war der, daß der zuständige Pfarrer der Brautleute keine Delegation ertheilt habe. Hingegen machte der velen8or matrimonii geltend: „Wenn Margaritha sich auf ein Schreiben des Pfarrers voil fytanleon beruft, in welchem derselbe sagt, er hätte keine Delegation gegeben, so muß man beachten, daß in Frankreich die Pfarrer schwer bestraft werden, wenn sie Mitwirken zur Schließung einer Ehe, welche nach bürgerlichem Gesetze verboten ist. Deshalb pflegen sie nur im Geheimen unb so ihre Zustimmung zu geben, daß vor dem weltlichen Gericht ihre gegebene Zustimmung nicht erwiesen werden kann; und so war der Pfarrer wohl auch berechtigt, die nur geheim gegebene Zustimmung in einem für die Oeffentlichkeit bestimmten Schreiben per restrietionern mentalem als nicht gegeben zu bezeichnen". Die Concilscongregation erkannte diesen Einwand als stichhältig an, und erst nachdem der Pfarrer von Manleon geheim und unter Eid bestätigt hatte, daß er in keiner Weise eine Delegation ertheilt, erklärten die Cardinäle die Ehe als ungiltig. Die Nächstenliebe im Alten und im Neuen Testament. Bekanntlich wird behauptet, daß das Alte Testament Liebe nur zum Stammesgenossen der Juden vorschreibe; selbst Stade, der berühmte Bibelexeget, behauptet, daß unter dem Nächsten (Rea) III. Buch Moses, 19. 18., wo es heißt: „Du sollst den Nächsten lieben, wie Dich selbst", nur der Stammesgenosse gemeint sei. Der Streit ist sowohl geschichtlich, als für das praktische Leben der Jetztzeit eigentlich ganz unerheblich. Denn an vielen Stellen des Alten Testaments ist vorgeschrieben: „Du sollst den „Fremdling" lieben wie Dich selbst", einerlei Recht sei Dir und dem „Fremdling, der in Deinen Thoren weilt". — Gerade in der Liebe zum Fremden zeigte sich die wahre Nächstenliebe, die Liebe zu Denen, die uns nahe stehen, ist ja natürlich unb angeboren. Neuerdings hat man daraus ansmerksam gemacht, daß das Gebot der Nächstenliebe im Lncasevangelium nicht Jesus, sondern dem Schristgelehrten in den Mund gelegt ist. Die Stelle lautet: „Lucae X. 25. Und siehe da, da stand ein Schriftgelehrter aus, versuchte ihn und sprach: „Meister, was muß ich thun, daß ich das ewige Leben erwerbe?" 26. Er aber sprach zu ihm: „Wie steht im Gesetz geschrieben, wie liesest Du?" 27. Er antwortete und sprach: „Du sollst Gott Deinen Herrn liebelt von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und vort ganzem Gemüth; und Deinen Nächsten als Dich selbst." — Die Ausgabe Berlin 1869 der britischen ausländischen Bibelgesellschaft, der wir den vorstehenden Text entnehmen, citirt hierzu in einer Anmerkung: III. Moses 19. 18. und Marc. XII. 30. 31. Die beiden erwähnten Stellen haben nicht dieselbe Bedeutung. Marc. XII. 30. 31. wird erwähnt, weil dort derselbe Borgaitg erzählt ist — allerdings mit dein Unterschied, daß dort Christus die Antwort selbst gibt, lvährend er sie hier in pädagogischer Weise durch den Schristgelehrten selbst finden läßt. Dagegen ist III. Moses 19. 18. die stelle, auf welche der Schriftgelehrte hingewiesen wird. Der Schristgelehrte kann nicht int Marcusevangelium, sondern nur im Alten Testament gelesett haben, nur auf dieses von Christus gewieseit worden seilt. Die Stelle im Lncasevangelium beweist also unwiderleglich, daß das Gebot: „Du sollst den Nächsten lieben", von Christus nicht als neue Lehre verkündet wird. Er macht den Schristgelehrten daraus ausmerksam, daß er, um das ewige Leben zu erwerben, nur nach dem Gebote seiner Schrift — des Alten Testaments — zu handeln habe, welche befiehlt: „Du sollst den Nächsten lieben wie Dich selbst". Daher weist die Ausgabe der engischen Bibelgesellschaft in der Anmerkung mit Recht aus die Stelle III. Buch Moses 19.18. hin. Christus selbst bezeugt an dieser Stelle, daß die Nächstenliebe, die er predigte, die Nächstenliebe des Alten Testaments ist. — Für den unbefangenen Denker hat das nichts Merkwürdiges. Die Identität der urchristlichen und jüdischen Lehre, die Christus allgemein mit der Erklärung bezeugt hat, daß er gekommen sei, das Gesetz zu erfüllen, nicht es auszulösen — diese Identität wird im Besonderen für den Begriff der Nächstenliebe von Christus bezeugt. Das ist die Bedeutung der besprochenen Stelle ans dem Lllcasevangelium. H. M. Die Wege des Welthandels. In seinem Buche über „Moderne Geographie" schildert Beazley die Wege des Welthandels und gibt bei Beschreibung des neunten Jahrhunderts folgenden Passus: „Jbn Khordadbeh zeigt uns in seinem berühmten Buche den Laus des Handels vom Osten znm Westen in den Händen der jüdischen und russischen Kauslente. Die Jttden waren nach ihm die hauptsächlichstett Berntittler zwischen Europa und Asien. Sie. sprachen griechisch und lateinisch, persisch und arabisch, fränkisch, spanisch unb slavisch. Aus der einen großen Route schifften sie von Frankreich und Italien nach der Landenge von Suez, von da durch das Rothe Meernach Indien und dem Hinteren Asien. Ans einer zweiten Roure brachten sie die Waaren von dem Westen nach der syrischen Küste, den Oroutes auswärts nach Antiochien, den Euphrat hinab nach Bassora und so schließlich den persischen Golf hinab nach Oman und dem Indischen Ozean. Zwei andere Wege für den Ueberlandhandel gehen von Westen nach Osten. Während ans der einen Seite die Kauslente ihre Waaren von Spanien aus am Nordrande der Wüste entlang nach Egypten, Syrien und Persien führten, ging ein anderer Karawanenweg durch Deutschland in die slavischen Gebiete an der unteren Wolga, diesem Fluß entlang über das Kaspische Meer in das Oxnsthal bis Balkh, dann nordwärts durch die Länder der Tagazgaz- Türken bis an die Grenzen Chinas. Jüdische Katlslente waren ans allen diesen Wegen zu finden und brachten oft viele Jahre aus diesen Reisen zu, ehe sie nach Hause zurückkehrten." D»e Juden und der Ackerbau. Der „Kiewlanin" vom 30. Mai (11. Juni) veröffentlicht folgende interessante Notiz über die immer größer werdende Betheiligung der Juden an der Landwirthschaft: „Zweifellos nehmen die Juden lebhaft an der landwirthschastlichen Industrie unserer Gegend theil. So sind bedetttetide Weidegelände von dem Vieh jüdischer Besitzer in Anspruch genommen, die in Bessarabien und anderswo," mageres dürftiges Vieh kaufen, um es auf unseren Wiesen zu mästen. Ost betragen die Ochsenheerden, die von den Juden auf dent freien Felde gezüchtet werden, 1000 bis 1500 Stück. Wenn das Vieh int ■ i; ft ti: < Ul i ■Ü'.j V I ' I ”!