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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-08-13 · 33 (13.8.1897) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
33 (13.8.1897)
Date
1897-08-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 33 Vr. Vwch's Wochrnfitzrift Seite 667 O'-iitc leuchtende A’iflur dieses Proeesses ist der Pfarrer R u pp e v t « b e r g c r, ein echter Priester, erfüllt von strenger Gercckuigkeit, einer wahrer Volksfrennd. Unerbittlich sagt er die Wahrheit, die für Vergani tödtliche Wahrheit. Der Präsident gibt ihm ein Ehrenzengniß, iudenl er einem Entlastungszeugen gegenüber erklärt: „(? s habe n sich all c B e h a n p t n n g e it d e s P f a r r e r s bewahrheite t." Er gemahnt an das historische Bild Lnther'S auf dem Wormser Reichstag, indem er ausrnft: „W a S i ch g ef a g t h a b e, i st so ge w i ft, a l s i ch hie r st c h e." Wir fchreibcil diese Zeilen in einem Augenblick, in dem die Geschwornen ihr Verbiet noch nicht gefällt haben. Wir wollen demselben nicht vorgreifen. Wir wollen die sattsain erörterte Obligationengeschichte aus dein Kreise unserer Betrachtungen ansscheiden. Ja, mehr als das. Nehmen wir an: Wolf und Arnoscht seien bereits schuldig gesprochen und es sei dadurch von Gerichtswegen anerkannt, das; Ernst Vergani nur ein l i t c r a r i f ch c r Dieb sei. Wie gesagt, die Photographie, die wir heute von Ernst Vergani entwerfen, sieht von den behaupteten Malversationen in Mühldorf vollständig ab. Jedoch selbst angenoninien, daft das Eonterfei des Ernst Vergani n i ch t ins Verbrecher-Album gehöre und daß an ihm nicht der neue Bertillon'sche Polizeiapparat für Eriminalphotographien erprobt wird, dürfte cs von Nutzen sein, ein Bildnis; dieses Hauptpnblicisten der christlich-socialen Partei, des G e n tz des modernen M e t t e r n i ch, des H e r r rrDocto r E a r l Lnege r zu entwerfen. Ernst von Vergani. Bevor er die öffentliche Meinung fälscht, fälscht er den eigenen Namen. Er legt sich den Adel bei. Vielleicht deshalb, weil in einer der italienischen Republiken des Mittelalters der Ueberlieferung nach das aufstrebende selbstbewußte Bürgerthum, um die Institution des Adels zu discreditiren, die geständigen Verbrecher in den Adelsstand erhob. Der Mann wird Bürgermeister von Mühldorf. Aber halt, die Alles für sich einnehmende Thätigkeit des Bürgermeisters Vergani wollen wir unserem Versprechen gemäß heute aus dem Spiele lassen. Wir begegnen ihm wieder als abgekrachten, dem schmählichen Concurs nahen Grundbesitzer. Er hat die Idee, das Geschäftsantisemitenthum publicistifch zu frnctificiren. Wie macht man ein Tagesblatt? Das lernt man nicht vom nunmehr tobten Gemeindesecretär Bartl, der jetzt von Ernst Bergan! Alles einstecken muß, was dieser selbst — aber reden wir nicht vom Proceß und dessen Ausgang. Ernst Vergani gesteht mit jenem triumphirenden Selbstbewußtsein, daß bedeutende Criminalisten bei allen Vertretern des sechsten Standes gefunden haben wollen, ein, daß er sich, als Arbeiter verkleidet, in die Officinen liberaler Zeitungen geschlichen hat, und der Gedanke beunruhigt ihn nicht einen Augenblick, daft er damit ein Vorgehen eingesteht, beiläufig ebenso ehrenvoll, wie es Jenem nachzusagen ist, der als literarischer Rabe Feuilletons aus Reisehandbüchern abschreibt. Der Mann wird Chefredakteur des „Deutschen Volksblatt". Hier thront er in Unterhosen und offenem Hemd. Auch wenn Damen in der Redaction erscheinen, verschmäht er cs, seine Toilette zu vervollständigen, denn das Schamgefühl, der Sinn für Anstand und die Begeisterung für Moral und gute Sitte sind patent-arische Eigenschaften. Es gibt nur jüdische Ausbeuter, Christen dient nicht bei Juden! Arische Stammesgenossen, weicht semitischen Dienstgebern im weitem Bogen aus! Ernst Vergani sitzt in den Theatern aus den Referentcnsitzen; tvahrscheinlich auf beiden, wie es seine überquellende Leiblichkeit heischt. Der Referent freut sich während dessen im Stehparterre, daß sich Herr Vergani im Parquet gut unterhält. Dann wird dieser Zustand sogar den schlecht bezahlten Schreibknechten des Ernst Vergani zu arg. Sie demonstriren, und nun beschließt der edle Ritter, selbst Theaterkritiken zu schreiben. Und wie müssen diese ausgeschaut haben, wenn die Mitarbeiter corporativ zum Chef eilen und ihn bitten, um Gottestvillen seinen Namen und seine Chiffre darunter zu setzen, damit kein Anderer in den Verdacht komme, derlei geschrieben zu haben. Er nützt seine Leute aus, verlangt von ihnen verleumderische Artikel und läßt sie dann vor den Geschwornen in Stich. Er schickt ihnen Ausschnitte, in denen es von ihm heißt, Vergani wirke durch die Zanbergewalt seiner Erscheinllng, und tvenn sie sich nicht fügen, wirst er sie zur Thür hinaus. Dann erzählt er im Gerichtssaal, daß sie stinkfaul gewesen seien, spricht von ihnen in einer Weise, wie es sich kein Maurer von den niedrigsten Handlangern dies gestatten würde. Alls Bnrg Aggstein bat er den Trenichwur an Schönerer geleistet. Aber nein! Montag Nachmittag erklärt er, derlei niemals gethan zu haben; das sei eine Unwahrheit, llnd Dienstag Vormittag jesuitelt er, die Sache sei ganz gegenstandslos, da ihn Schönerer verfolgt habe, so sei er unter keinen Umständen mehr für Treue verpflichtet gewesen. Diese Compensation der Versprechen ist eine der gelungensten Erfindungen, die zweideutige Verlogenheit sich jemals geleistet hat. Das sind einige Züge, die derjenige nicht außer Acht lassen darf, der ein Charakternsangelbild des Herrn Ernst von Vergani entwerfen will. Ter Partei aber, die sich genöthigt sieht, jede Woche ein moralisches Reinigungsbad zu nehmen, einmal ein hochnotbveinliehes Untersuchnngsgericht einsetzt, um die M i t t e r m a h e r - K r ä t; e loszuwerden, dann wieder einen Monstreproceß herbeizwingen muß, um den Ve rg ani a uss ch la g wegzukratzen, werden diese Stahlbäder wenig frommen. Wenn es so tvciter geht, würde die Partei allzu rasch deeimirr werden. Das ist die Geschichte vom Esel, welcher vor Entkräftung starb, als er das Hungern gelernt hatte. Wenn die Anrisemitenvartei von den unanständigen Leuten gereinigt sein wird, wird es eben ancb keine Antisemiten mehr geben. Ernst V e r g a n i ist entlarvt und gerichtet. Tie Gauner, die Diebe, die Fälscher und Betrüger mögen glauben, daß er ans diesem Proeesse mit heiler Haut hervorgegangen, die ehrlichen Leute -- und deren gibt es vielleicht auch etliche noch unter den Antisemiten wissen, warum sie mit ihm sind. Der Name, den wir ihm gegeben, bleibt ihm ans Lebenszeit: Verganew. Muß er sich das gefallen lassen? Mit dem Präsidenten antworten wir ihm: „Ich g l a u b e j a!" Noch schwebt V e r g a n e w's Anklage gegen Tr. B l o ch und die „Oesterreichische Wochenschrift". Wird er noch den Mnth haben, diesen Proceß zu führen? Wir warten daraus! Er kann nicht sagen, daß hier Wuchergeist oder gekränkte Eitelkeit im Spiele ist! Er bat sich von Dr. Bloch nichts ausgeborgt und das „Deutsche Volksblatt" ist keine Concurrenz für die „Oesterreichische Wochenschrift". Tie Vorwürfe, die er gegen Schönerer erhebt, treffen hier nicht zu. Vorwärts, Manu mit der eisernen Stirne, in Hemd und Unterhosen! 'Wenn Dir auch dieses Negligee noch zu viel ist, wohlan, wir wollen Dich in voller Nacktheit zeigen! Vom Jahrmarkt des Lebens. Goethe, Sonnenfels und die Inden. Aus Berlin erhalten lvir von geschätzter Seite folgende Zuschrift: „Ihre Erwähnung von Sonnenfels rief mir ins Gedüchtniß zurück, daß G o e t h e über die von S o n n e n f e l s verfaßte Schrift: „Die Liebe zum Vaterland", Wien 1771, in den „Frankfurter Gelehrten-Anzeigen" eine Reeension erscheinen ließ, welche für die Frage: „Sind die Inden eine Nation" von Bedeutung ist. Goethe schreibt, nachdem er angeführt, daß bei Sonnensels in Bezug auf Vaterlandsliebe die jagenden und streifenden Völkerschaften am übelsten zurecht kommen: „Und hier müssen wir anmerken, daß Herr S., durch das Wort „Vaterland" verführt, durchaus zu sehr als Zlebae adscriptus discnrirt, und wir Haltens noch immer mit Themistokles : nicht der Boden, sondern die Verhältnisse eines Volkes, deren zwar viele auch aus dem Lande, das sie bewohnen, hervorspringen, bestimmen die Nation. So haben die Inden Nation und Patriotismus, mehr als Hunderte leibeigener Geschlechter." Es ist eine sehr feine Ironie, daß Goethe das gerade dem getauften Sonnensels sagt. Vielleicht steht auch hinter dem glebae adscriptus der Hinweis darauf, daß dem Juden in Deutschland die Freizügigkeit fehlte. Zn Ihrem Eitat aus dem „Heiligen Cyprian" bemerke ich, daß theoretisch auch jetzt die Stellung des Ekiseopats sich nicht geändert hat. Wenigstens erschien doch in den letzten Jahren ein Erlaß des österreichischen Egiscopats gegen das Hervortreten der Geistlichen im politischen Leben.

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