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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-08-06 · 32 (6.8.1897) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
32 (6.8.1897)
Date
1897-08-06
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nt. 32 Vr. Bloch's WochrnphrM. Seite 661 wünsch' ich, daß die Juden glücklich über die Grenzen meines Gutes kommen mögen. Ich lass' ihnen nur noch Zeit, zu Mittag zu essen." „Die Juden haben heute einen strengen Fasttag." „Einen Fasttag?" rief der Graf und sprang von seinem Sitze auf, „nnd warum hast Du mir's nicht früher gesagt? Nein, an einem Fasttag kann ich sie nicht wegtreiben, das soll man nicht sagen, daß Leute, von denen mehrere Generationen unter dem gräflich . . . .'scheu Schutze lebten, hungrig weggejagt wurden. Wir wollen dies bis morgen oder besser bis übermorgen aufschieben, damit sie sich bis dahin recht satt essen können." Ein Hoffnungsstrahl ging dem Verwalter auf, daß mit der Verschiebung der Ausführung der ganze Befehl vereitelt werden kann. „Erlauben Euer Gnaden, daß ich den Inden die große Gnade melde?" fragte der Verwalter ermuthigt. „Wozu?" erwiderte streng der Graf. „Wenn sie vor mich kommen, werden sie wieder weinen und bitten, daß ich am Ende noch erweicht werde, sie behalten könnte." „Und was würden Euer Gnaden dabei verlieren?" wagte der Diener zu fragen. „Sie bleiben ja doch immer in Euer Gnaden Gewalt." „Du verstehst das nicht. Ich muß ein Exempel statuiren, nicht den Juden gegenüber, sondern den Gesetzmachern in Preßburg gegenüber, die Judenschutzgesetze schaffen zu können glauben und mir befehlen wollen, wie ich mit den Juden auf meinem Grund und Boden verfahren muß. Diesen soll gezeigt werden, . daß ich noch bei mir der Herr bin und die Juden wegjagen kann, wann ich will. Ich will meine Rechte wahren. Auf dieses Argument konnte der Verwalter nicht antworten. „Und wollen Euer Gnaden auch den Zehngcbot-Schreiber und Lehrer Feitel wegjagen?" „Selbstverständlich, warum soll er denn eine Ausnahme machen?" „Und mit wem wollen Euer Gnaden dann Schach spielen?" „Schach? Schach?" stammelte der Graf nachdenkend. „Es ist wahr, ich habe einen solch guten Schachspieler noch niemals gefunden. Wie wunderbar ist jeder Zug dieses Schuftes von Juden. Meinetwegen, so darf er und seine Familie hier bleiben." -i- * * Der Sanguinismus ist der vorherrschende Charakter des Juden, er ist mehr Sanguiniker als der Athener im Alterthnm, als der Pariser in unserer Zeit. Nachdem die Juden St . . .'s erfuhren, daß die Gesereh nicht sofort, sondern erst iit drei Tagen zur Ausführung kommen soll, waren sie schon wieder beruhigt. „In drei Tagen kann Meschiach kommen", sagten sie sich, und wenn nicht heute gerade der Neunte Ab gewesen wäre, hätten sie diesen Tag vielleicht in Triumph gefeiert. Die drei Tage Schonzeit schienen ihnen wenigstens drei Generationen. Und so gingen sie auseinander, jeder seiner Beschäftigung nach, für den morgigen Tag etwas zu erwerben. Und die Frauen schürzten ihre Aermel auf, zogen ihre Schürzen an und gingen an die Bereitung des Mahles für Abend, wenn der Fasttag zu Ende sein wird. Nur die Vorsteher und einige Reichere der Gemeinde machten sich sofort daran, dem Unglücke seine Schärfe zu nehmen. In der Umgegend von St . . lebten mehrere Adelige, die geschworene Feinde des Grafen von St . . . waren. An diese wendete sich nun der Vorstand mit der Bitte, die Juden aufzunehmen. Theils aus Mitleid mit den Vertriebenen, theils ans eigenem Interesse zeigten sie sich dazu bereitwillig und ließen unverzüglich alle leeren Räumlichkeiten auf ihren Herrensitzen zu Wohnungen für die Ankommenden adaptiren. Am bestimmten Tage, nachdem sie noch das Morgengebet in der Synagoge verrichtet und die heiligen Schriften und Geräthschaften hinausgetragen und auf dem Friedhof sich von den Gräbern ihre.r.Theuren verabschiedet hatten, verließen die Juden St..., ihre geringen Habseligkeiten auf Karren oder auf dem Rücken fortschleppend. Aus der einen Gemeinde wurden jetzt vier, aber eine nicht weit von der andern und keine weiter als höchstens zwei Wegstunden von St.. . entfernt. Die Herrschaften, welche die Vertriebenen aufgenommen, hatten es nicht zn bereuen. Ans ihren Dörfern wurden Märkte. St . .. ging nun aber von Tag zu Tag mehr zu Grunde. Die Herrschaft wurde mit Schulden belastet und die Bauern verrohten und verarmten, daß sie als Diebe und Räuber verrufen wurden. Mehr als hundert Jahre wohnte dann kein Jude in St.. so sehr sich auch die Grafen bemühten, Juden wieder herauzuziehen. Vor 25 Jahren wurde das Gut Schulden halber feilgeboten und ein Jude, ein Nachkomme der dort Vertriebenen erstand es und zog einige Glaubensgenoffen dahin, theils als Pächter, theils als Wirthschaftsbeamte. Das Schloß ist jetzt ein Kornmagazin und das Zimmer darin, in welchem der tolle Graf den Befehl zur Judenaustreibung gegeben, eine Rumpelkammer, in der sein Oelbild zerfetzt unter altem Eisen liegt. Die bessere Welt. Novelle von Hermann Menkes. (Schluß.) Das war ein großes Wegwandern im Dorf. Es war wie ein Fieber über sie gekommen und eine wilde Entschlossenheit. Nun, da in ihr armes Leben eine Illusion gekommen war, fühlten sie, wie elend sie früher gewesen. Sie verkauften ihren ganzen armseligen Besitz, an dem der Schweiß von Generationen haftete, mit frohen Gefühlen, als ob sie zu einer Hochzeit sich rüsteten. Der Pope hielt ihnen Strafpredigten und malte ihnen das ferne Land mit grausigen Farben, der Gutsherr wüthete und spie sie an — aber sie kehrten sich nicht daran. Das ferne Eiland wirkte und lockte; es war ihnen, als hätten sie eine nene Religion bekommen. Freudig gaben sie Alles dahin .... und der Dorfschreiber Tymowicz rieb sich vergnügt die Hände. Auf elenden Karren saßen sie mit Weib, Kind und Gepäck nnd sie weinten und winkten, während der Staub sie einhüllte. Und Tag um Tag ein neuer Zug ... bis es immer stiller und stiller wurde und die Felder brach dalagen, die sie für eine Chimäre verschenkt hatten. Arvn's Gemüth war noch bedrückter, als es schon gewesen. Er mußte Hochzeit machen und er hatte nicht so viel, um den Hunger von heute auf morgen zu stillen. „So dornig ist mein Weg", sagte er zu seiner Mutter, während Lea draußen stand und den Wegziehenden nachsah „wie soll ich ins Glück kommen, während der Dalles auf meinen Schultern sitzt und mich erdrückt?" „Wer mit Thränen säet, der wird ernten mit Jubel - weißt Du es nicht mehr, wie es in der heiligen Schrift steht?" „Wie soll ich denn säen — auch dazu bin ich zu arm. Und ich soll mein Kind verheiraten . . . und kann ihr nicht mal ein neues Hemd kaufen." * „Was sorgst Du? Taugt Deine alte Mutter schon zu gar nichts? Wozu habe ich Ohrgehänge? Und wenn's nicht reicht — gut, so verkaufe ich meine Tachrichim (Todtengewänder) und meine Mazewe (Grabstein) — denn mit meinem Tod hat's noch eine gute Weile." „Das soll ich bei Dir nehmen?" „Was heißt? Und Du nennst Dich meinen Sohn und mi..) Mutter? Bist Dn mein Kind oder nicht? Eine Freud' und Licht will ich noch erleben in meiner zwölften Stunde - und da kommst Du und sagst: Das soll ich bei Dir nehmen? Und ich frag' Dich: Und das willst Du mir nicht geben?" Als der Hochzeitstag herannahte, stand Israel vor seinem Vater, demüthig und bittend. „Ich Hab' Dir gesagt, zu reden ist da nichts — ich habe kein Kind mehr, ich Hab' kein Kind. Die heilige Thora hast Dn weggeworfen und geschändet; Deine Eltern hast Dn weggeworfen und das ganze Jüdischkeit . . . und Schande bringst Du über unsere Gesichter — weh mir — und Du nimmst die Tochter von Aron, dem Meschimed (Abtrünnigen), dem Käufer beikor (Gottesleugner) nnd jetzt gehst Du weg in die Welt, wo es dort keine Frömmigkeit gibt und keinen Gott, und arbeiten willst Du dort wie a Goj — und Dein Vater soll Dich segnen? Nichts als Fluch Hab' ich für Dich . . . nichts als Fluch, hörst Du, Srul?" Ein Schrei, so bitter, wie ein wundes Mutterherz ihn ausstoßen kann, ertönte vom anderen Zimmer. Dort lag Israels Mutter und drückte ihr müdes Haupt in die Kissen und rang die Hände. „Still dort, Rifke! Sei kein Weib, kein narrisch Weib — Du hast kein Kind mehr, klag' nicht."

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