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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-08-06 · 32 (6.8.1897) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
32 (6.8.1897)
Date
1897-08-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 32 Br Bloch s WochrnschrtN Seite 659 Fanatiker die Häuser der Juden, erstürmte sie und Mang die Bewohner, das schmachvolle Abzeichen zu tragen. Am Abend desselben Tages hatte sich der Sohn eines Said in dem jüdischen Viertel verspätet. Seine Eltern suchten ihn hier. Sie fanden ihn fast nackt. Sie klagten die Israeliten an, ihn beraubt zu haben, um ihn dann zu ermorden. Sogleich singen sie an zu schreien und forderten die Mohammedaner auf, den vermeintlichen Mordversuch zu rächen. Der erregte Pöbel wollte einen regelrechten Sturm gegen unsere armen Glaubensbrüder unternehmen, als eine hohe Persönlichkeit dazwischen trat, den Kläger beruhigte und ihm sein Recht und Bestrafung der Schuldigen versprach. Nach diesen traurigen Auftritten in Teheran ist zu befürchten, daß der Fanatismus noch mehr in den Provinzen entzündet und zu noch schrecklicheren Thaten führen wird. Das Central-Comite hat dies in folgendem Briese an das Ministerium des Auswärtigen in Paris berichtet. Excellenz! Am 15. December 1896 haben tvir die Ehre gehabt, ihre wohlwollende Aufmerksamkeit aus die unglückliche Lage der Juden in Persien, besonders der außerhalb der Hauptstadt wohnenden, zu richten. Wir hoffen, daß Sie die arme Bevölkerung dem Vertreter Frankreichs in Teheran empfohlen und ihn gebeten haben, ihre Sache bei der Regierung des Schah zu führen. Heute schickt uns aus Teheran selbst ein Jude, der ans Bagdad stammt und dort mehrere Jahre unsere Hauptschule besucht hat, eine Nachricht. Seinem Brief zufolge scheint die Sicherheit und selbst das Leben unserer Glaubensbrüder in der Hauptstadt und sogar im ganzen Reiche in großer Gefahr zu stehen; wir erlauben uns Ihnen eine Abschrift des Briefes zu schicken. Wenn man die Juden zwingt, ein Abzeichen zu tragen und die Haare besonders zu schneiden, so ist dies nicht nur eine unserer Zeit unwürdige Schmach, sondern man bezeichnet sie als Juden dem Haß und Fanatismus des verblendeten Volkes und setzt sie den schwersten Gefahren aus. Ta die Regierung des Schah die Vorstellung, die der französische Vertreter in dieser Frage machen würde, nicht unbeachtet lassen kann, so wenden wir uns an Ihr Wohlwollen mit der Bitte, die Angelegenheit dem französischen Vertreter in Teheran mitzntheilen. Die Anglo Jewish Association wird ihrerseits die Aufmerksamkeit des „Foreign Office" auf diese wichtige Angelegenheit lenken. Vermilchtes. Wien. (B e r l o b u n g.) Dr. Heinrich Grimm hat sich mit Fräulein Gisela Beck, Tochter des Herrn Hermann Beck, Chef der Firma Wilhelm Beck und Söhne, Hoflieferant, verlobt. Wien. (S p e n d e.) In Folge Aufrufes durch Seine Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Simon Mandl in Kostet zur Rettung eines völlig unverschuldet ruinirten Kaufmannes vom Rande der Verzweiflung, dessen wackere, mit allen Tugenden geschmückte Gattin ihm und ihren sieben unversorgten Kindern im blühenden Alter von 47 Jahren durch den Tod entrissen worden, nachdem die schwere Krankheit derselben (Typhus) die letzten Mittel erschöpfte, sind uns ferner eingegangen von Herr n k. k. Polizeirath Frankl 3 fl., welche wir der Bestimmung zugeführt haben. Wien, 4. August. (Professor G r u b e r's siebzigster Geburtstag.) Fern von Wien, in Aussee, begeht heute der Nestor und Begründer der modernen Ohrenheilkunde, Professor Dr. Joses G r u b e r, in vollkommener Frische des Geistes und des Körpers seinen siebzigsten Geburtstag im engsten Familienkreise. Aus diesem Anlässe wurden gestern aus den Kreisen der Wiener medicinischen Professoren, Docenten, Assistenten und sonstigen Aerzte die herzlichsten Glückwunschtelegramme an den allverehrten Gelehrten gerichtet. Ueber Anregung des ärztlichen Stabes der ersten Ohrenklinik im Allgemeinen Krankenhause, deren Vorstand der Jubilar seit dem Bestände der erwähnten Klinik ist, wird im October laufenden Jahres eine officielle Feier veranstaltet werden, mit deren Vorbereitung ein großes Comite betraut ist, dem die hervorragendsten Ohrenärzte angehören. Dr. ©ruber, geboren in Kosolup (Böhmen) am 4. August 1827, absolvirte die mediciuischen Studien an der Wiener Universität, wo er im Jahre 1855 zum Doctor promovirt wurde. In den Jahren 1855 bis 1860 prakticirte er im Wiener Allgemeinen Krankenhause, widmete sich speciell dem Studium der Ohrenkrankheiten und habilitirte sich im Jahre 1863 als Privatdocent für theoretische und praktische Ohrenheilkunde an der Wiener Universität. Im Jahre 1870 erfolgte seine Ernennung zum Professor und im Jahre 1873 zum Borstande der damals neuerbauten Ohrenklinik, an der er seither zum Ruhme der Wiener Schule mit außerordentlichem Erfolge thätig ist. Während seiner 42jährigen __ ärztlichen Wirksamkeit entwickelte der Gelehrte eine rühmliche fachliterarische Wirksamreit, die seinen Ruf in der wissenschaftlichen Welt für immer fest begündet hat. Floridsdorf. (Das eigene H ei m d e r C ul tu sgemeind e.) Der verstärkte Ausschuß der israelitischen Cultusgemeiude hat in seiner sonntägige»! Sitzung die Erbauung eines Gemeindehauses u»ld die Allsnahme eines Darlehens per fl. 20.000 zu diesen» Zwecke beschlossen. Das Gemeindehaus, »velches z»vei Stock hoch geplant ist und in »velchem Kanzlei, die Wohnungen der Beamten und des Rabbiners untergebracht werden sollen, »vird ans dem der Cultusgemeiude gehörigen Platze in der Mühlfeldgasse erbaut. Mit dem Bau wird begonnen, sobald die Pläne von» Bauamte genehmigt werden und dürfte der Rohbau bls zum Herbst fertig gestellt sein. _ Im Sommer des nächsten Jahres soll das Gebäude schon seiner Bestimmung übergeben werden. Adbaza. (W e t t s ch »v i m m e lt i u Abbazi a.) In Abbazia fand ein Wettschlvinilnen, Springen und Tauchen statt, bei welchem unter andereil Kämpfe»» auch derjenige um die Meisterschaft von Oesterreich über die lange Strecke zum Austrag kan». Ueber den Verlaus dieses Wettbewerbes »vird aus Abbazia berichtet, daß Wolf sofort von» ^tart aus spurtete und schon in der ersten Bahnlänge (100 Meter) einen Vorsprung von 20 Metern erlangte, den er dann nach und nach bis ans etlva 40 Meter vergrößerte. Er gewann das Rennen überlegen vor Ernö Lirrdner vom -^la^var Uszö-Egyesület< in Budapest. Beide, Wolf sowohl als Linduer, zeichnen sich durch ruhiges und stets gleichmäßig scharfes Tempo aus. Wolf schwamm englisch, Linduer spanisch. Die Zeit des Siegers soll angeblich 25 : 087betrübe»» habe»». Lemberg, 22. Juli. Heute »vurde hier der ->wd. sur. Salomo»» Gottlieb beerdigt. Der Verstorbene stammt ans Brody, tvo er die Gymnasialstudieu mit Auszeichnung absolvirte. Dann »vandte er sich juridischen Studien zrr, an deren Vollendung er aber durch sein schlveres Siechthnm verhindert »vurde. Von eine»»» Curaufenthalte aus Kierliikg bei Wien heimkehrend, konnte er die Reise nach Brody nicht »nehr fortsetzen und starb in Lemberg a»n 20. Juli. Sein Bruder, cand. med. Samson Gottlieb aus Wien, an de»»» der Verstorbene mit rührender Liebe hing und der die letzten Wochen nicht von dessen Krankenlager »vich, widlnete ihm am offenen Grabe einige Worte des Abschieds. Nachod, 1. August. (S t e r b e s a l l.) Am Freitag wurde hier Herr Saul Schur, Mitinhaber der rühmlichst bekannten Leinenwaarenfabriksfirma I s a k S ch »» r's Söhne zu Grabe getragen. Der Verblichene sta»»d erst im 44. Lebensjahre uud erlag einem larrgjährigen Leiden. Welcher Beliebtheit in allen Kreisen der Bevölkerung sich der Verstorbene erfreute, davor» zeigte die große Betheiligung arn Leicherrbegängnisse und hiefür sprechen die unzähligen Beileidskundgebungen, welche die trauernde Familie erhielt. Die Armen und Nothleidenden verloren ei»»en ihrer hiesigen größten Wohlthäter. Feuilleton. Ein Neunter Nb in Bl. (Ein Blatt »mgariicher Kulturgeschichte.» Ungarn zählt sehr viele Orte, die nach Heiligen benannt sind, ohne gerade heilig zu sein. Besonders stark sind die St. Peter, St. Martin und St. Stephan vertreten. Eines dieser Sanctnsie »var ehemals der Stammsitz einer gräflichen Familie, die heute noch zu den ersten Magnatengeschlechtern des Landes gehört, von der ein Sprosse jetzt eine hervorragende sociale Stellung hat u»»d eine Zierde der liberalen Partei des Reichstages ist. Bor etwa 150 Jahren hatte aber ein Ahne desseben als echter und rechter Bauernschinder auf dem Schlosse dieses Stammgutes gehaust, der. ein alter Junggesell, wegen seiner Extravaganzen im Verschwenden und seiner Härte und Rohheit weit und breit berüchtigt war. St.besaß damals auch eine nicht unbedeutende Judengemeinde, welche sich aus den Nachkommen der um ein Jahrhundert früher aus der nahe gelegenen königlichen Freistadt

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