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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-08-06 · 32 (6.8.1897) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
32 (6.8.1897)
Date
1897-08-06
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 32 Vr Kwrtz » Ivoltzeniltzrist. Seite 657 I. Schwarz, Wien 1 fl.; Carl Hauser, Mißlitz 5 fl.; Josef Wiener, Oedenburg 2 fl.; B. Redlich, Leipertitz 3 fl. Summe 462 fl. 50 kr. Mit den bereits ansgewiesenen 2760 fl. zusammen 3222 fl. 50 kr. Aus Croatien. Vor Jahren, wie auch erst vor einigen Monaten, bot sich mir die Gelegenheit dar, ans Grund eigener Erfahrungen in der „O österreichischen Wochenschrift" erklären zu können, daß wir in Slavonien und Croatien von dem modernen Nebel, genannt „antisemitische Pestseuche", bislang gottlob verschont geblieben sind.Meine apodictisch abgegebene, durch Thatsachen unterstützte Erklärung bezog sich aber nur auf das Volk. Denn während es gewissermaßen in der Natur der germanischen Vvlksstämme liegt, dem Judenthume gegenüber bei jeder passenden und auch unpassenden Gelegenheit eine feindliche Stellung einzunehmen und es ungerechter und unverdienter Weise zu bekämpfen, ist das Wesen der slavischen Volksstümme ein mehr geschmeidiges, sanftes und duldsames, das nicht leicht Racenunterschiede macht. Das Slaventhum will trotz aller seiner Frömmigkeit und seines rigorosen orthodoxen Glaubens von keiner wie immer gearteten confessionelleu und religiösen Unduldsamkeit wissen. Ist es doch sattsam bekannt, daß weder der russische Bauer noch der russische Bürger antisemitisch gesinnt ist und daß die gehässige antisemitische Gesinnung nur von den sogenannten oberen Zehntausend der russischen Gesellschaftskreise sorgsam gepflegt und gezüchtet wird. Bei uns in Slavonien und Croatien aber wird man erfreulicher Weise selbst in denjenigen Gesellschaftskreisen, die man als die „oberen Zehntausend" bezeichnet, antisemitische Gesinnung vermissen. Allein böse Beispiele verderben gute Sitten, auch sociale Uebel können epidemisch werden. Was Wunder nun, wenn zwei clericale Hetzorgane Agrams ihre Freude daran finden, im antisemitischen Koth zu waten, und mit Ehren-Vergani darin wetteifern, auch der Seele des crvatischen Volkes den antisemitischen Giftstoff einzuimpfen, und zwar nach echt wienerisch-Lueger-Max Anton Löw'schem Muster? Am vergangenen Purim dieses Jahres wurde von der Judenschaft in Sissek (Croatien) ein Fest veranstaltet, bei welchem der dortige Cantor sich den Scherz erlaubte, Jemandem aus der Gesellschaft ein Purimgeschenk anzubieten. Als nun der so Bedachte das Geschenk, das auf eineul Teller präsentirt ward, entgegenuehmen wollte, da sprang von selbem eine Katze zu Boden. Der Witz fiel keineswegs nach unserem Geschmacke aus; trotz alledem vermöchten wir es gar nicht zu denken, daß es hier auf Erden irgend eine Phantasie gäbe, welche im Stande wäre, irgendwelchen Zusammenhang zwischen dieser Katze und dem Christenthum herauszuklügeln. Und doch war dem so. Einen Tag nach dem Purimfeste erzählte das Dienstmädchen Jedem, der es hören wollte, daß öifuti (Juden) eine Katze als christlich getauft haben. Sofort beeilten sich die »Hrvatska Domovina« und der »Obzor«, Brandartikel zu bringen. Das edle Brüder-, beziehungsweise Geschwisterpaar wetteiferte, im crvatischen Antisemitenjargon das ganze Judenthum anzuschwärzen, denn Dank gewisser hetzerischer Kreise in Croatien kann und darf sich auch die croatische Sprache des Besitzthums des antisemitischen Jargons rühmen. In Sissek herrschte in Folge dessen eine nur allzu begründete, gerechtfertigte und begreifliche Aufregung der Gemüther. Es blieb daher der Sisseker israelitischen Cultusgemeinde nichts Anderes übrig, als von der zuständigen königlichen Gerichtsbehörde die strengste Untersuchung in dieser Angelegenheit zu verlangen, was auch geschah. Und was war das Resultat dieser Untersuchung? Folgendes : Christen, ja unverfälschte arische Christen, welche bei besagtem Feste zugegen waren, sagten unter Eid aus, daß scherzweise der Cantor Jemandem eine Katze zum Purimgeschenk angeboten hat. Nun sollte man meinen, daß dieses Resultat der gerichtlichen Untersuchung der peinlichen Sisseker Affaire die »Hrvatska Domovina« und den »Obzor« ZUM Schweigen gebracht haben wird. Weit gefehlt! In Feuilletons, falschen Berichten und Artikeln fuhren diese edlen antisemitischen Preßorgane fort, die Lüge, deren sie überführt waren, weiterhin als Wahrheit auszugeben, um so die croatische Bevölkerung gegen die Juden aufzuhetzen. Da das croatische Volk, wie bereits erwähnt, keine Racen-, noch Confessionsünterschiede macht, so sind die zwei genaunten antisemitischen Blätter Agrams bestrebt, dem Volke den falschen Glauben beizubringen, als hätte das Judenthum keine andere Mission zu erfüllen, als das Christenthum herabzuwürdigen. Da dieses in Folge des Ergebnisses der gerichtlichen Untersuchung zu Sissek beim crvatischen Volke nicht mehr verfängt, so ließ sich die »Hrvatska Domovina« am 27. vorigen Monats zum neuesten Schandbubenstück herbei. Die Sache verhält sich so: Vor mehr denn Jahresfrist wurde Dr. mell. Siegmund N e u m a n n, Sohn des Rabbinatsverwesers zu Slatina in Slavonien vou Herrn G u t t m a n n d e G e l s e zum herrschaftlichen Arzt ernannt, und zwar mit dem Sitze in Oravicza bei Essegg, wo Herr Ritter von G n t1 m a it n einen Theil seiner Besitzungen hat. Dr. N e u m a n n hat es aber im Lauft der Zeit verstanden, die Herzen der Oraviczer ohne Unterschied der Coufesfion für sich zn gewinnen. Seine Bescheidenheit, sein Fleiß und seine außerordentliche Tüchtigkeit auf ärztlichem Gebiete haben ihm die Sympathien Aller zugeführt. Was Wunder nun, wenn, da der alte Chirurg F e r a l, der Gemeindearzt zu Oravicza war, peusionirt wurde - der Mann ist bereits 74 Jahre alt — die politische Gemeinde hat sich nun mit dem Gedanken vertraut gemacht hat, Dr. S. dt e um a u n zu ihrem Gemeindearzt zu erueuueu. Solches ist aber ein Dorn im Auge der antisemitischen »Hrvatska Domovina«. Ein Jude politischer Gemeiudearzt! Sie ließ daher einen Schand- und Schmäh-Artikel gegen Dr. N e u m a it it vom Stapel, beschuldigt ihn, daß er nach Oravicza deswegen gekommen wäre, um den Chirurgen F e r a l zu verdrängen und sagt unter Anderem: „Man kennt doch den Dr. Reumann!" Diese Niederträchtigkeit der »Hrvatska Domovina« verdient niedriger gehängt zu werden. Was heißt das: „Man kennt doch den Dr. Reumann?" Ist er das Prototyp eines Verbrechens? Hat er sich je etwas zu Schulden kommen lassen? Mit dem größten Eifer geht Dr. dt e n m a n u seinem Berufe nach und sein Charakter als Mensch wird auch in christlichen Gesellschaftskreisen gerühmt. Da kommt die »Hrvatska Domovina« mit ihrer schurkischen Verleumdung und Anschwärzung und sagt: „Man Pennt doch den Dr. dteumann", als wäre Dr. dteumann ein Verbrecher! Da sie aber Dr. dteumann zn ihrem größten Leidwesen doch nichts Böses nachsagen kanu, so erzählt sie, — man höre und staune über ihre Unverfrorenheit! - daß, wenn auch Dr. Neumann in Slatina die Volksschulen, in Agram das Gymnasium absolvirt habe, er doch wie seine übrigen Landsleute geartet sei. Ja. wie sind denn die Landsleute Dr. N e um a n n's? Wer sie immer mm sein mögen, solche saubere Gesellen, wie die elenden Seribenteil der »Hrvatska Domovina« sind sie keineswegs, und dies gereicht Dr. S. dt e it m a n n nur zur Ehre. Zum Schluffe aber noch eilt dringendes Wort an meine Glanbensgenossen in Slavonien und Croatien! Bei uns in Slavonien und Croatien gibt es nämlich manche Inden, die mit den Hintermännern und politischen Strömungen der »Hrvatska Domovina« liebäugeln. Sie mögen sich daher lieber in dlcht nehmen und nicht die Schlange am eigenen Busen nähren, sonst könnte es ihnen ergehen, wie dem Wiener Dr. M a n d l mit seinem Busennadel-Freund Dr. Carl L u e g e r. Biroviticza (Slavonien). Rabbiner Dr. H. E. Kausmaun. Die Juden in Jassy. Jassy, 28. Juli 1807. Das hiesige Gemeindeleben krankt an dem Hervvrtreteu zweier Extreme; aus der einen Seite übertriebene Frömmigkeit, auf der anderen gänzliche Indolenz. Diese Kluft zu überbrücken, ist die Aufgabe Aller, die sich im Dienste des Fortschrittes und im Geiste der Tradition bethätigen wollen, mtd im Interesse dieser Ausgabe gilt es besonders, das in der letzten Zeit Geschaffene zu beobachten. Jassy mit seinen 40.000 Inden besitzt gegen 150 Synagogen, unter welchen sich mehrere große befinden. In dem sogenannten Schulhof, dem bevölkertsten Stadttheil, wo ausschließlich Juden wohnen, befindet sich die Hauptsynagoge, die 5000 Personen faßft Dieses ehrwürdige Gotteshaus mit seiner eigenthümlichen Bauart ist mehr als zwei Jahrhunderte alt und bildet die officielle Synagoge bei patriotisch feierlichen Anlässen. So fand auch unlängst in derselben ein Gottesdienst für die Gesundung des Kronprinzen Ferdinand statt mit Predigt und ergreifendem Gebet von unserem Rabbiner Dr. N i e m i r o w e r. Neben diesem allgemeinen Heiligthum erfreuen sich viele kleine eines großen Zuspruches. So gibt es hier z. B. eine Synagoge am Marktplatze, in der täglich 30 m a l das Morgen gebet vom Morgengrauen bis um 12 Uhr u n u n t e rb r o ch e n verrichtet wird. Die Namen solcher Andachtstätten I sind lehrreich; sie widerlegen die Legende von der Arbeitscheu j der Juden, da sie gleichsam jüdische Zünfte, bestimmte Arbeits- ' gruppen, andeuten. Es gibt hier eine Schneider-, eine Schuster-

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