Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 32 (6.8.1897)
- Date
- 1897-08-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Skr. 32 Vr. Bwry's MmtzrnfürriN- Seite 651 alte Kirche war stets bestrebt, die Geistlichkeit von dem Politischen Parteikampf fern zu halten. Wir erinnern an die geharnischte Epistel des im dritten christlichen Jahrhunderte lebenden karthagischen Bischofs, des heil. Cyprianus, gerichtet an eine gewisse Partei von Geistlichen. Cäcilius Thascius Cyprianus, Bischof von Karthago, (249—259) hat an die Geistlichkeit und das Volk von Furni ein Schreiben (Epist. ll.) gerichtet, in welchem die Aufgaben der Diener der Kirche klar und bündig umschrieben sind. Hier wird jede Einnlischttng des Clerus in weltliche Angelegenheiten auf das stärkste gegeißelt mit Berufung auf das Wort des Evangeliums: „Niemand, der für Gott streitet, verwickelt sich in weltliche Geschäfte, damit er dem gefallen könne, welchem er sich verpflichtet hat" (ll. Tim. Il, 4). Die in Rede stehende Epistel des heil. Cyprianus lautet wörtlich: „Sehr betroffen, liebste Brüder, waren wir, ich und meine Amtsgenossen, die zngegen waren, sowie die Mitpriester, unsere Beisitzer, als wir vernahmen, daß unser Bruder Geminius Victor bei seinem Hinscheiden aus der Welt in seinem Testamente den Priester Geminius Faustinus zum Vormund ernannt habe, da doch schon längst in einem Concilium der Bischöfe verordnet worden ist, daß Niemand in seinem Testament einen Vormund oder Sachwalter aus' dem Clerus und den Dienern Gottes bestimmen sollte, weil alle Jene, welche mit dem göttlichen Priesteramt beehrt und zum Kirchendienst bestimmt sind, sich ausschließlich dem Altar und Opferdienst widmen und mit Beten und Bitten beschäftigen sollten, denn es steht geschrieben: „Niemand, der für Gott streitet, verwickelt sich in weltliche Geschäfte, damit er dem gefallen könne, welchem er sich verpflichtet hat." Ta nun dieses von Allen gesagt ist, um wie viel müssen sich Diejenigen den Händeln und Fallstricken der Welt entziehen, welche, blos mit göttlichen und geistlichen Dingen beschäftigt, nicht die Kirche verlassen und sich zeitlichen und irdischen Geschäften widmen dürfen. Diese Ordnung und Religionspflicht haben schon die Leviten im alten Bunde beobachtet, so daß ,als alle die 11 Stämme das Land und die Besitzungen unter sich theilten, der Stamm Levi, welcher sich dem Tempel und dem Altar und dem Dienste Gottes widmete, bei dieser Theilung nichts erhielt, sondern blos den Gottesdienst besorgte und zu seinem Unterhalte von den 11 Stämmen den zehnten Theil der Früchte des Landes empfing, während andere das Land bebauten. Und dieses alles geschah auf Befehl und Anordnung Gottes, damit Diejenigen, welche sich mit göttlichen Diensten befassen, durch nichts von denselben entfernt und nichts Zeitliches zu denken oder zu thun gezwungen würden. Und dieselbe Weise und Ordnung besteht noch jetzt bei dem Clerus, damit die Kirche des Herrn, die zunl geistlichen Dienste Berufenen niemals von ihren göttlichen Aufgaben abberufen und an keine Beschwerden uttb Geschäfte der Welt gebunden werden, sondern in der Ehrenreihe der theilnehmenden Brüder gleichsam den Zehnten von den Früchten erhalten und sich vom Altar und Opfer nicht entfernen, sondern Tag und Nacht himmlischen und geistlichen Gegenständen weihen. Dieses haben die Bischöfe, unsere Vorfahren, gewissenhaft beobachtet und mit heilsamer Vorsorge angeordnet, daß kein Bruder bei seinem Tode einen Cleriker zur Vormundschaft oder Verwaltung heranziehen und daß, wenn Jemand solches gethan, weder für ihn ein Opfer dargebracht, noch für seine Seelenruhe ein. Opfer entrichtet werden sollte. Denn der verdient nicht, im Gebete der Priester am Altar Gottes genannt zu werden, welcher die Priester und K i r ch e n d i e n e r v o m A l t a r e n t f e r n e n wollte. Nachdem also Victor gegen die neulich in dem Concil von den Priestern erlassene Verordnung den Priester Geminius Fauftinus zum Vormund aufzustellen sich erkühnt hat, so braucht für seine Seelenruhe bei euch weder ein Opfer dargebracht, noch ein Gebet seinetwegen in der Kirche veranstaltet zu werden, auf daß die aus heiligen und nothwendigen Gründen gemachte Verordnung der Priester von uns beobachtet und zugleich den übrigen Brüdern ein Beispiel gegeben werde, daß Niemand P r i e st e r und Diener Gottes, d i e s i ch dem A l t a r u n d d e r K i r ch e w i d m e n, zu weltlichen B e löst i g u n g e n a b b e r u f e. Denn so das, was jetzt geschehen ist, bestraft wird, wird sich in der Folge zeigen, daß dieses bei dem Clerus nicht mehr geschehen werde. Ich wünsche euch, liebste Brüder, ein immerwährendes Wohlbefinden." Soweit der Bischof von Karthago! Wie ganz anders ist die heutige Kirche! Und wenn man die durch das Wirken der politischen Geistlichkeit erzielte Volksmoral im Gerichtssaal studirt, erkennt man das volle Maaß des Schadens, den das Christenthum durch das Ablenken von den alten Grundsätzen sich selber zugefügt hat. Vom Jahrmarkt des Lebens. Das goldene jüdische Herz! Binnen wenigen Tagen werden an den Straßenecken sowohl, als auch an den Ankündigungssäulen und in den Tagesblättern Aufrufe zu lesen sein, die in höchst ergreifenden Worten uns zu Gemüthe führen sollen, an einem Samaritanerwerke uns zu betheiligen, an einem Werke, das, durch die furchtbare Elemeutarkatastrophe hervorgerufen, so überaus zahlreiches Unglück über Tausende und Abertausende gebracht. Wir werden bei dieser Gelegenheit keinen Unterschied der Confession finden, der sonst so augenscheinlich seine Wirkung ausübt. Bürgermeister Doctor Lueger wird schon trachten, daß für die überschwemmten Gemeindemitglieder Sammlungen veranstaltet werden, die das Ansehen des heiligen Carl noch bedeutend stärken und beleben und kräftigen sollen; es wird zu diesen Sammlungen Alles herangezogen. Also: „Geld heraus!" wird uns zugerufen; „Das Geld der Juden ist uns ebenso willkommen, wie das des ausgesprochensten Judenhassers!" So wird die Parole lauten, die natürlich. auf den Aufrufen nicht prangen, aber zwischen den Zeilen zu lesen sein wird. Aber, da dieser Ritter Carl ohne Tadel sein Völkchen nur zu gut kennt, ist es Pflicht jedes Klardenkenden, unsere Glaubensbrüder auf das Eindringlichste zu warnen, auf ihrer Hut zu sein und nicht, wie es leider allzu häufig geschieht, angeregt durch die zu erwartende Veröffentlichung ihres Namens, dem antisemitischen Mob ihre Unterstützungen zu gewähren, denn für wen sanimelt der heilige Carl? Für die überschwemmten Kleinhändler und Gewerbetreibenden, die durchaus, ohne A u snähme, die strammsten Antisemiten sind! Wer nur die Vorgänge bei den Wahlen in die Vertretungskörper verfolgt, der wird sofort finden, daß diese kleinen Leute zu den eifrigsten Anhängern und Verehrern unserer ärgsten Feinde zu zählen sind, welche die Juden etweder hängen oder köpfen wollen! Der Wohlthätigkeitssinn der Juden soll dazu gebraucht werden, respective mißbraucht werden, um sie zu möglichst großen Gaben zu veranlassen, aber daß es unseren Stadtvätern einfallen würde, an die durch die verheerende Katastrophe betroffenen Juden auch nur Einen Kreuzer des Judengeldes zu verabfolgen, daran wird doch Keiner auch nur halbwegs denken! Und da sollen wir beisteuern! Wäre solches Vorgehen nicht geradezu ein Verbrechen, eine Sünde, die wir da bewußt begingen! Fürwahr, es ist sehr traurig um die Opfer des erschreckenden Ereignisses bestellt, zumal auch unsere Glaubensbrüder hievon nicht ausgenommen sein werden, und andererseits ist es auch Pflicht, diese unverschuldet ins Elend Gerathenen nach Kräften zu unterstützen; hierzu eignet sich aber nicht der zu gewärtigende Aufruf des Stadtoberhauptes, an ihn das Geld zu senden, sondern wir sind in der Lage, diese möglichst zahlreich ausfallende Unterstützung durch unsere Armenanstalt an die richtige Adreffe gelangen zu lassen. Der Vorstand dieses Armeninstitutes wird alle für diese Zwecke einlaufenden Spenden unverzüglich den Betreffenden zuwenden, und wir haben das wohlthuende Bewußtsein, nur unseren Armen, die ohne Verschulden ins Elend gestürzt, aufgeholfen zu haben und, was uns bei diesem menschenfreundlichen und gottgefälligen Werke noch besonders leiten sollte, wir haben unseren Feinden den Beweis erbracht, daß wir auch die Wohlthätigkeit üben und pflegen können, nur mit dem Unterschied, nicht ihres Spottes und ihrer Verumglimvfung ausgesetzt zu sein! Mögen diese Zeile« die richtige Würdigung finden, mögen zahlreiche Beiträge einfließen, unter der Adresse: An den Vorstand der Armenanstalt der israelitischen Cultusgemeinde zu Händen des Herrn Josef Jelinek, 1/1, Seitenstettengasse 5. Dann wird das goldene jüdische Herz sich zeigen!!! Es soll das eine beherzigenswerthe Mahnung an unsere Glaubensgenossen im Vorhinein sein, nicht, wenn es zu spät ist, sondern noch ehe der Aufruf placatirt wird! E. I. Ein echter Arier. Dem Obligationenliebhaber von Mühldorf ist Cisleithanien für seine Lügen und Enthüllungen zu klein. Auch ist Ungarn weiter, und von dort her passirt es ihm seltener, an den ungewaschenen Ohren genommen zu werden. Vergangene Woche veröffentlichte daS „Deutsche Volksblatt" unter der Spitzmarke „Jüdisches Maß" die nachstehende Notiz: