Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 31 (30.7.1897)
- Date
- 1897-07-30
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 31 Vr Sloch's WochrnfchrM Seite 643 erhielten Miethsunterstützung, 2072 Familien, sowie 424 Einzelpersonen bekamen zn Pessach Mazzos. Kleidungsstücke wurden an 225 Personen vertheilt, Medicameute an 2511. Mit besonderer Sorgfalt nimmt das Comite sich der armen Kinder an, von denen in directer Pflege 80 Waisen und 457 andere Kinder stehen. Die Suppenküche vertheilte 525.000 Portionen. Auch Arbeitsvermittlung wurde neuerdings eingerichtet und 588 Personen wurden auf ihren Wunsch in ihre Heimat zurückgeschickt. Die Einnahmen überstiegen um 768T1 Francs die Ausgaben. Paris, 20. Juni. Gestern Abends hat eine große antisemitische Volksversammlung im Wintercircus stattgefunden, und es wäre Vogel Straußpolitik, zu leugnen, daß diese Versammlung ein großer Erfolg für die antisemitische Partei in Paris gewesen ist. Mehr als 2000 Menschen waren anwesend, darunter von angeseheneren Personen: Millevoye, Guerin, Marcel Hadert, Julien Dumas, Joseph Menart, Houdaille, Dubnec rc. Alle diese Personen haben zu der Versammlung gesprochen, aber den Hanpterfolg hat Drumont davongetragen. Natürlich haben auch die nun einmal von derartigen Versammlungen untrennbaren Radauscenen nicht gefehlt und die Rufe: „Nieder mit den Inden!" sind verschiedene Male thatsächlich verwirklicht worden. Verschiedene gute Katholiken, die das Unglück haben, etwas jüdisch auszusehen, sind trotz ihrer antisemitischen Gesinnung so gründlich verhauen worden, daß dieselben nicht sobald wieder Lust verspüren werden in die Versammlungen ihrer Parteigenossen zu gehen. Als Drumont die- Versammlung verließ, brachten ihm seine Anhänger eine große Ovation dar, die Polizei schritt aber auf der Straße sofort ein und zerstreute die Menge. Paris. Mr. Levy-Bing, Lieutenant der Marine, ist Ritter der Ehrenlegion geworden. Algier. Unsere Leser werden sich entsinnen, daß vor einigen Monaten die Studenten der Universität Algier sich arge Excesse gegen einen neu angestellten jüdischen Professor zu Schulden kommen ließen. Die beiden Rädelsführer, zwei Brüder Regis, sind von der Universität relegirt worden und auf ihre Appellation hat der Oberste Unterrichtsfach ihre Relegation aufrechtgehalten. Diese Verfügung hat eine allgemeine Entrüstung bei den antisemitischen Organen der Provinz Algier hervorgernfen und mit Recht weisen die Pariser Zeitungen auf den rohen Ton hin, der in der antisemitischen Presse Algiers herrscht. Der »Siede« erinnert daran, daß noch keine lange Zeit seit den Exceffen in der Provinz Oran verstrichen ist und die Gehässigkeit der judenfeindlichen Presse wohl geeignet ist, neue Excesse herbeizuführen. London, 11. Juli. Heute fand die Generalversammlung der Anglo Jewish Association unter zahlreicher Betheiligung der angesehensten Persönlichkeiten statt. Mr Claude G. M oute f i o r e präsidirte und gedachte vor Eintritt in die Tagesordnung der beiden im letzten Jahre verstorbenen Vicepräsidenten Sir John S i m o n und Sir Albert S a s s von. Der Präsident gab dann eine Uebersicht über die Thätigkeit der Anglo Jewish Association, erwähnte das Hauptwerk, die Unterstützung der Schulen, welches einen Betrag von circa 38.000 Mark an Unterstützungen beanspruchte. In den von der Anglo jewish Association subventiouirten Schulen werden 4171 Knaben und 2892 Mädchen erzogen. Alle Berichte über die Thätigkeit dieser Schulen lauten durchaus günstig. Die Anglo jewish Association ist wie in früheren Jahren bemüht gewesen, die verfolgten Juden in den uucivilisirten Ländern zu unterstützen. Mit Genugthuung verzeichnet sie ihre Erfolge in Tripolis und die Thatfache, daß in dem weiten Umfange des türkischen Reiches nicht der geringste Fall von Bedrückung gegen die Inden vorgekommen ist, während die Verhältnisse in Marokko und in Persien sehr ungünstig liegen. M o ntefiore erwähnte dann noch, daß die jewish (Kolonisation Association, in deren Vorstand die Anglo jewish Association vertreten ist, bisher nicht viel thun konnte, da vielerlei Vorarbeiten zu machen sind. In A r g e n t i n i feit befinden sich nur noch 7000 Juden auf den Colonien des Baron Hirsch und die Lösung der russischen Judenfrage kann nach der Meinung Montefiore's nur in Rußland selber liegen. Bedauerlicher Weise bringt das englische Publicum der Anglo jewish Association eine sehr geringe Theilnahme entgegen und die Beiträge nehmen eher ab als zu. An diesen Bericht knüpfte sich eine lebhafte Debatte, in der Rev. G a st e r das richtige Wort fand, um die Theilnahnislosigkeit der englischen Juden gegen die Thätigkeit der Anglo jewish Association zu erklären. Er führte aus, daß dieselbe genau wie die Alliance israelite universelle zu einem bloßen Schulverein geworden fei, deni jeder höhere Schwung fehle, während früher beide Vereine ihre Aufgabe ungleich weiter gefaßt hätten. Der Generalversammlung folgte eine Borstandssitzung, in der unter Anderem mitgetheilt wurde, daß die Inden in Teheran mit Hilfe beträchtlicher Geldopfer den Hauptführer der dortigeri Judenfeinde zum Schweigen gebracht hätten. 4000 Mk. wurden für die jüdische Armenschule in Gibraltar bewilligt. London, im Juli. Die Delegirten der „Anglo jewish Association" und das „Board of Depn’its" haben ein gemeinsames Memorandum über die Angriffe auf die persischen Inden Lord Salisbury übrrreicht. Man hofft aber, da keine weiteren schlimmen Nachrichten aus Persien eintreffen, daß sich die Wuth des fanatisirten Volkes gegen die Inden beruhigt hat. — Der diesjährige Bericht der „Anglo Jtwiah Association" gibt ein Bild von der mannigfaltigen Thätigkeit des Vereines, der seine Wirksamkeit gleich der „Alliance israelite universelle" in drei Welttheilen, Europa, Asien, Afrika, ausübt. Die Nachrichten aus Rußland und Rumänien, aus Marokko uud Persien lauten sehr unerfreulich, dagegen wird aus der Türkei nicht das Geringste von Angriffen gegen die Juden berichtet. — Der Erfinder der atmosphärischen Eisenbahnen, bei denen der Druck der Lust die bewegende Kraft bildet, war ein Jude, der Maschinist Jacob S a m u d a, was gewiß nur Wenigen bekannt ist. S a m u d a wurde am 24. August 1811 geboren uud starb in jungen Jahren am 13. November 1844. Er versuchte zuerst 1839 in der Nähe von London bei Wormwood-Scrubs nach eigener Erfindung eine Eisenbahn, die durch atmosphärische Luft getrieben wurde; dann baute er anfangs 1844 die Linie zwischen Kiugstown und Dalkey, etwa 3 Kilometer lang. Dieser Versuch übertraf alle Erwartungen so sehr, daß er bald in England und Frankreich nachgeahmt wurde. Leider starb der begabte Mechaniker noch im selben Jahre, und zwar durch eine zweite Erfindung, eine Maschinerie in einem-eisernen Dampfboot, die ihm und sechs Anderen das Leben kostete, indem beim ersten Versuche die Unvorsichtigkeit eines Arbeiters das Ansströmen des Dampfes in den Raum, wo sie standen, -herbeiführte, so daß sie erstickten. Aber Samnda's Arbeit besteht und sein Name wird immer in Ehren gehalten werden, denn auf dem von ihm entdeckten Princip beruhte auch die spätere Erfindung der pneumatischen Bahnen und des Rohrpostbetriebes. Für uns ist es besonders wichtig, diesen hervorragenden Antheil eines Inden auch auf technischem Gebiete von Neuem in Erinnerung zu bringen. Eine Biographie Samnda's wurde nach seinem frühen Hinscheiden in der englisch-jüdischen Zeitschrift „Voice of Jacob", 1884, Nr. 30 veröffentlicht. Unter dem Vorsitz von Lord Roths ch i l d fand am 12. Juli die Bertheilnng der Preise der jüdischen Freischule statt. Bei dieser Gelegenheit hielt Lord Rothschild eine Ansprache, der wir entnehmen, daß dieses große Institut, in dem ca. 3000 Kinder Unterricht empfangen, ohne Schulgeld zu bezahlen, einen Kostenaufwand von 24.000 Mark erfordert. Bombay (Indien). Auch in unserem von Hungersnot!) und Pest geplagten Lande ist das Jubiläum der Königin von England nicht ohne mancherlei Veranstaltung vorübergegangen. Die jüdische Hilfsgesellschaft, die kürzlich hier gegründet wurde, begann ihre Thätigkeit am Jubiläumstage, indem an alle jüdischen Armen für einige Wochen Lebensmittel vertheilt wurden. Es hatten sich bisher 17 Familien gemeldet, denen allen die Unterstützung zutheil wurde. Mr. Moses Eliga, Ingenieur bei den indischen Mühlen, veranstaltete am 22. Juni für 64 Arme ein großes Fest. Außerdem schenkte er 40 dürftigen Personen Lebensmittel auf einen Monat. In allen Synagogen fanden gottesdienstliche Veranstaltungen statt, in denen meist das vom Oberrabbiner Adler für diesen Tag vorgeschriebene Ceremoniell gebraucht wurde. Auch außerhalb Bombays wurden, wenigstens in den Synagogen, Jubiläumsfeier abgehalten und an den Abenden des 21. und 22. Juni illuminirt. New Aork. In dem Testamente von Mayer Lehman ist eine große Anzahl wohlthätiger Anstalten mit reichlichen Legaten bedacht worden. Darunter sind die namhaftesten: »Mount Sinai Hospital* 63.000 Mark; »Hebrew Benevolent and Orphan Asylum Society« 32.000 Mark; »Montefiore Home for Chronie Invalids 21.000 Mark; »Hospital for Hebrews in New-Orleans« 13.000 Mark; »Orphans and Widoms Home in New-Orleans< 13.000 Mark; »Lebanon Hospital 13.000 Mark; »Educational Alliance 10.500 Mark und das »Hebrew Technical Institute« 10.500 Mark; »Home tor Aged and Infirm Hebrews« 8000 Mark