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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-07-30 · 31 (30.7.1897) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
31 (30.7.1897)
Date
1897-07-30
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 636 Vr. Bloch's »ochrnlchrtsr Nr. 31 „Wenn nun in der Tagespresse oder in politischen Versammlungen sociologisches Gut marktschreierisch feilgeboten wird, wenn kräftige Federn oder schrille Agitatorenstimmen in die Menge hinein decretiren: „Die Soziologie, die modernste Wissenschaft hat dies oder jenes festgestellt" — so erkläre ich alle diese kecken Behauptungen unbesehen für geistige Contrebande — für minderwerthige Schmugglerwaaren". Gerade unsere frömmeren Leser, denen sonst angestrengte Berufsarbeit vielleicht die Verfolgung der neuesten wissenschaftlichen Entwicklungen nicht möglich macht, werden wohl diese Excerpte nicht ohne Interesse und Nutzen lesen. Wie häufig kommt es vor, daß irgend ein junger Mensch mit dem berühmten kurzen Gedärm, der heute schon Jedermann wegen Unkenntniß dessen verhöhnen möchte, was er vielleicht gestern selbst noch nicht wußte, Alles, was den Juden älteren Ritus theuer und heilig ist, vom Standpunkte der Wissenschaft verspotten möchte. Da kommt man mit Friedrich Engels und seinem Ursprung des Eigenthums aus Gemeineigenthum, der Ehe aus der Weibergemeinschaft und der väterlichen Gewalt aus dem Mutterrechte, alles unfrei nach Morgan; aber Morgan ist längst durch Westermarck angefochten, und dieser wird wieder angegriffen. Man pocht auf den historischen Materialismus, nach welchem alle Religionen aus den ökonomischen Verhältnissen der Menschen entstanden sein sollen, also selbstverständlich auf Fabeln beruhen würden. Alles schon wieder im Niedergange begriffen, Alles — der monomische wie der philosophische Materalismus, eine Pariser Mode von früheren Jahren, die sich in der Provinz noch recht stattlich trägt, aber von Eavalieren längst abgelegt ist. Mein Gott, Entstehung der Religion, des Eigenthums, der Ehe, das ist alles Sociologie und diese liebe Sociologie, wie steckt sie noch in den Kinderschuhen der Zweifel an den Elementen! Hören wir darüber unseren Socialphilosophen: ..Feststellen können wir überhaupt noch nichts! Wir sind noch beim Sammeln, Sondern und Combiniren; aber zu zwingenden allgemeinen Schlüffen, zu feststehenden, jeden Zweifel ausschließenden sociologischen Gesetzen haben wir es leider noch nicht gebracht. Dieses offene, freimüthige Eingeständniß und die dadurch gegebene kühle Zurückhaltung in der Entscheidung sociologischer Tagesfragen nenne ich geistige Keuschheit. . . „Die Philosophie hat weder noch darf sie jemals eine andere Tendenz haben als die Ermittlung jenes Ausmaßes von objectiver Wahrheit, welches der jeweilig erklommenen Höhe einer Generation angepaßt ist. Während die exacten Wissenschaften nach einem schönen Worte von Helmholtz wesentlich die Aufgabe haben, zu ermitteln, was wirklich ist, fällt es den Geisteswissenschaften, vorab der Philosophie anheim, festzustellen, was wahr ist, d. h. was auf den eensus communis der jeweilig herrschenden Richtungen Anspruch machen kann. Es wird daher Aufgabe der folgenden Untersuchungen sein, unbeirrt von den einander durchkreuzenden Tagesmeinungen und unbestochen von irgend welcher Parteiparole, so viel sociologische Wahrheit auszumitteln, als der gegenwärtige Stand der betreffenden Disciplin nur irgend gestattet. Den die sociale Entwicklung sud aetemitatis specie betrachtenden Philosophen, der jede Einzelerscheinung in den großen Weltzusammenhang einzuoxdnen sich gewöhnt hat, sind die heutigen politischen Parteigruppirungen nur vorübergehende accidentelle Momente in der socialen Gesammtentwicklung der Menschheit, und die politischen Tagesgrößen sind ihm nur Marionetten, die nach dem Draht der natürlichen Weltentwicklung hin- und hertanzen. Der Parteimann sieht nur das Hier und Jetzt, der Philosoph aber forscht nach dem Ueberall und immer (und sucht) das dem politischen Kräftespiel des Augenblicks zu Grunde liegende Beharrende und Generellem die ewigen Interessen der menschlichen Haltung". (S. 29.) Wer fühlt hier nicht den Hauch des jüdischen Geistes, wer erkennt nicht den Gesinnungsverwandten Spinozas, wen ergreift hier nicht die Sehnsucht des Jahrtausende alten Volkes des Monotheismus nach dem Einen, Einzigen, Ewigen und Wahren, allen wechselnden Gestaltungen des Augenblickes zu Grunde Liegenden? Und muß es nicht in dein wütheuden Kampfe der Nationen um die gierig erspähte Beute des Augenblicks, um das Linsengericht des Erfolges, auch eine Stammesgemeinscha't geben, in deren Blut es liegt, über Völkergrenzen und Zeitalter hinweg dem Ewigen in Natur und Menschheit nachzuforschen und nachzuleben? Wie Professor Stein sich seinem hohen Ziele genähert hat, wird in den folgenden Erörterungen dargelegt werden. Seine Methode soll Gegenstand unserer nächsten Betrachtung sein. Erwrrbsteuerrrklärung.*) Schlußbemerkungen. Mit dem 1. August schließt die officielle Frist zur Ausfüllung der Erwerbsteuererklärung. Nochmals möchten wir unseren Lesern dringend an's Herz legen, dieselbe rechtzeitig auszufüllen. Wer dies nicht thut, soll in der ersten Augustwoche eine Mahnung erhalten; wenn er in der nächsten Woche, also bis zum 15. August die Erklärung nicht abgibt, so wird die Commission eigenmächtig seine Erwerbsteuer bemessen; natürlich kann er Berufung einlegen, jedoch mit äußerst geringer Aussicht auf Erfolg. Ueberdies können Ordnungsstrafen bis zu 100 Gulden gegen jeden Steuerpflichtigen verhängt werden, der dieser oder einer anderen Aufforderung der Steuerbehörde oder Commission nicht nachgekommen ist. Nach der Vollzugsvorschrift soll dies nur denen von der I. und II. Classe (über 130 fl. jährlich ohne Zuschläge des Landes oder der Gemeinde) angedroht werden. Es kann ja immerhin bei der Massenarbeit der ersten Veranlagung der Eine oder der And.re übersehen werden. Aber da die Steuerregister 14 Tage laug öffentlich anfliegeu werden und jeder Steuerpflichtige ein Interesse hat, Verheimlichungen anzuzeigeu, weil die Anderen jedes Jahr diese Portion mehr bezahlen müßten, so werden solche Fälle auf die Dauer nicht geheim bleiben, zumal bei Juden nicht, da sich diese der liebevollen Aufmerksamkeit scharfer Wächter erfreuen. Die absichtliche Nichtabgabe der Erwerbsteuererklürung wird als Steuerverheimlichung bei der allgemeinen Erwerbsteuer (§ 244, Alinea 1) mit der Nachzahlung des Betrages u u d Strafe vom einfachen bis zum dreifachen Betrage bedroht. lieber mehrere in demselben Veranlagungsbezirke unterhaltene Betriebsstätten eines und desselben G e w e r b e s ist eine gemeinsame Erklärung einzubringen, in welcher jedoch die Betriebsverhältnisse jeder einzelnen Betriebsstätte nachzuweisen sind. Nach dem 1. August 1897 sind neu entstehende Gewerbe und Beschäftigungen oder neueröffnete Betriebs st ä t t e n nicht nur bei der Gewerbehörde, sondern auch — was bisher nichr der Fall war — bei der Steuerbehörde erster Instanz (Bezirkshauptmannschaft oder Steueradministration) spätestens gleichzeitig mit dem Betriebsbeginne anzumelden; es erfolgt dann eine individuelle Aufforderung der Steuerbehörde zur Einbringung der Erwerbssteuererklärungen; binnen 6 Tagen muß dieser Aufforderung Folge geleistet werden. Es ist leider anerkanntermaßen in Oesterreich nicht selten, daß Steuerzahler und Steuerbehörde sich gegenseitig zu überschlanen suchen. Nirgends wäre dies so wenig ange- *) Abonnenten, welche specielle Auskünfte wünschen, erhalten dieselben im „Briefkasten" unserer nächsten Nummer.

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