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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-07-30 · 31 (30.7.1897) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
31 (30.7.1897)
Date
1897-07-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Dr. Bloch's Wvchrnschrtst. Nr. 31. Lazar, der Prügelknabe. Wir haben diese Woche nachstehende Zuschrift erhalten : Geehrter Herr Redacteur! Inder „Sonn- und Montags-Zeitung" war ein Feuilleton aus der Feder des Juden Dr. Elbogen erschienen, das den Titel „Lazarismus" führte. Ein Pamphlet im antisemitischen Jargon, fabricirt nach antisemitischen Vorbildern. Darf eine Jude derart das Judenthnm verunglimpfen? Wo bleibt die „Oesterreichische Wochenschrift"? Wir haben vergebens auf ein kräftiges Wörtlein gewartet. Hochachtend Dr. F. Der „Lazarismus" hat eine private Seite gehabt und eine Seite, die die Oeffentlichkeit angeht. Wir haben es für correct gehalten, zuzuwarten, bis die private Seite der Angelegenheit in irgend einer Weise ihre Erledigung gefunden hätte. Das ist nun in der Gonzagagasse geschehen. Jetzt entsteht die Frage: Was sagt außer Dr. Ludwig Gelber das Judenthum zum „Lazarismus"? Hier unsere Antwort: Der böse „Lirzar" und der edle „Friedrich". Seitdem Dr. Friedrich E l b o g e u Arm in Arm mit dem Raubmörder Eichinger die Wiener Oeffentlichkeit in die Schranken gefordert hat, seit dieser Fall dem talentirten Manne die Gelegenheit gegeben hat, sich sowohl als Vertheidigcr als auch als Feuillctonist in Scene zu setzen — ob Elbogen bei seiner Vielseitigkeit den Mörder des armen Rothziegel auch in Musik gesetzt hat, ist bisher unbekannt — seit jener Zeit betrachtet er sammtliche Raubmörder als sein forensisches und literarisches Eigenthum. Da aber auch jüngere strebsame Advocaten oft Monate lang keine warme Zeitungsnotiz im Magen haben, so entfesselt jeder verthcidigungsbcdürftige Mordgeselle einen Wettlauf unserer Barreauzierden und so kam es, daß der wackere Dolezal, der Greisinncnmörder von Wien, der Ehre nicht theilhaftig wurde, von Friedrich dem Schönen vor einem schluchzenden Damcnpublicum als moderner Jdcalmensch, als schönstes Ergebniß Jahrhunderte alter Culturcntwicklung, als der praktische Nietzsche von Ottakring gepriesen zu werden. Dolezal hat in stillerer Weise das Schicksal Eichinger's erreicht, seine Briefe bleiben unveröffentlicht, und nur an einem Feuilletonzipfel hat Dr. Elbogen den Ehrenmann erwischt, um ihn dem „scharfe n" Lichte der Oeffentlichkeit vorzustellen. Dr. Elbogen hat das Kunststück Zusammengebracht, einen Zusammenhang zwischen dem Mörder Dolezal und den — polnischen Juden herauszuklügeln. Weil der Arier Dolezal gemordet hat, leistet sich der verehrte Rechtsanwalt eine dreispaltige Judenbeschimpfuug. Weil im Processe Dolezal der Staatsanwalt den arischen Mörder Dolezal „einen vollendeten Heuchler, einen verschlossenen und hinterlistigen Menschen" genannt, ihn zu jener Gattung von Verbrechern gezählt hat, „welche den Schein der Anständigkeit wahren, aber Alles thun, wenn sie glauben, daß sie außer Gefahr der Entdeckung sind, findet Dr. Elbogen, daß damit ein jüdischer Verbrechertypus gekennzeichnet ist, den er nach einem. seiner Bekannten „Lazarismus" tauft oder vielmehr beschneidet. „Der Lazar a b e r'" sagt Dr. Elbogen, „i st n a t ü r l i ch v o n T a r n o p o l h e r g ekommen oder aus der Umgebung." Auf diesen Lazar aus Tarnopol ergießt sich nun die ganze Fluth Elbogen'scher Beredsamkeit. Der Mann hat Säbelbeine und eine armselige Gestalt, er legt seinen Namen ab und der verbrecherische Mißbrauch von Treu und Glauben dient ihm zum Lebensunterhalt. Dr. Elbogen ist auf seine Entdeckung nicht wenig stolz; er, der sich schon als Vertheidigcr und als Dichter, als Novellist und Essayist, als Dramatiker und Musiker, als Socialdemokrat und Fabrikantenvertreter, als glühender Redner in Judenversammlungen und sogar als ein Stück Nationaljude erprobt hat, gefällt sich nunmehr in der Rolle des Antisemiten und des Bakteriologen, der den Bacillus des jüdischen Lazarismus gefunden hat. Es ist ein Unglück, wenn Jemand zu viel Talente und zll viel Ueberzeugungen hat! Mitunter reicht das Maß des Talentes nicht mehr für die Fülle der Ueberzeugungen aus! Und der Antisemit Dr. Elbogen muß sich einen Vorwurf gefallen lassen, durch den ein anderer geschätzter Mitbiirger zu ungeahnten Ehren gelangt. Der Genrcindeobligationär von Miihldorf, Herr V e r g a n i, durfte sich in diesen Tagen in die Brust werfen und jubelnd ansrufcn: Da schreit man immer, daß i ch abschreibe, da wirft man m i r Plagiate vor! I ch bin das Muster, ich bin das Vorbild, das jüdische Leuchten begeistert nachahmcn. Uauäs oll Tr. Elbogen! Den Bacillus des Lazarismus habe ich endeckt! Die Lüge von den jüdischen Verbrechern ist meine Originalerfiuduug! Weg mit der Schmutzconcurrenz der jüdischen Antisemiten! Der Geschichte Israels sind weder di«' Verganis noch die Elbogeus neu! Die Verwandlung des Originals in einen Typus, das Generalisiren, jener unmännliche Rachedurst, der sich nicht genügt, den Gegner zu verwunden, sondern mit ihm seine Familie, seinen Stand, sein Volk tödtlich treffen und erniedrige!: will, um einem glühenden Haß Befriedigung zu schaffen — das war die Art H a m a n's, dessen Karriere Herrn Dr. Elbogen nun einmal versagt bleiben muß, wie das Exempel Löw's beweist. Und die „Ansnahmsjuden", die fortwährend an der eigenen Vorhaut rütteln und sie doch nicht länger, nicht unbeschnitten inachen können, sollten heute in einer Zeit, in der die Porzers und Löws alltäglich die blutige Tragik des Renegatenthums am eigenen Leib erfahren, sich ein wenig in Acht nehmen; Es frommt ihnen Nichts. Die Lazars, wie sie Dr. Elbogen schildert, sind nicht die Juden, die den Antisemitismus verschuldet haben; jene Juden, deren Verschulden den armen Hausirer ans Tarnopol und Umgebung um sein Brod bringt, den jüdischen Geschäftsmann iß der berechtigten Angst erhält, es könnte ihm heute oder morgen das Dach über dem Kopf angezündct werden, gehören ganz anderen Ständen an, sie gedeihen nicht auf lodomerischem Boden, sondern ihre Entfaltung bedarf der Civilisation des Westens. Die journalistischen Kraftleistungen Dr. Elbogen's pflegen im moralischen Sinne raffinirte Attentate zu sein, die nur darum straflos ansgehcn, weil der Urheber in den Lücken des Strafgesetzes zu gründlich sich auskennt. Der Verfasser präsentirt sich selber als ein Typus jener „Unbescholtenen", die er in der Gegend von Tarnopol sucht und gefunden haben will, welche aber in Wahrheit nur in den Brcitegraden der Eivilisation zur vollen Reife sich entwickeln. Die svriale Frage im Lichte der Philosophie. *) Zu den Zierden des Judenthums in der deutschen Wissenschaft gehört unstreitig unser geistvoller und sein Judenthnm in keiner Weise verbergender Glaubensgenosse Dr. Ludwig Stein, ordentlicher Professor der Philosophie in dem glücklichen und vorurtheilsfreien Schweizerlande, an der Universität Bern. Niemals hat man noch gehört, daß seine Thütigkeit dem christlichen Glauben irgendwie schädlich gewesen wäre. Denn es ist durchaus nicht wahr, daß der Jude als Universitätsprofessor den christlichen Glauben untergrabe Niemand hat für die Schonung fremden Glaubens ein so intensives Feingefühl wie der Jude, der täglich bei der rohen Berührung der Heiligthümer seiner Nation durch den brutalen Pöbel schmerzvoll zusammenzucken muß, auch wenn er noch so wenig von seinem Kinderglauben sich zu retten gewußt hat. Allerdings hat Professor Stein nicht ge- *) Die sociale Frage im Lichte der Philosophie. Vorlesungen j. über Socialphilosophie und ihre Geschichte von Dr. Ludwig Stein. Stuttgart 1897.

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