Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 31 (30.7.1897)
- Date
- 1897-07-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 31 Vr. Vloch's WochrMchrist. Seite 633 Juden Treulosigkeit gegen die bezügliche Nation vorzuwerfen. Die Griechen ärgern sich, daß im türkischen Heere Juden waren, wenn auch nur als Aerzte und wenige höhere Osficiere, denn Nichtmoslims dürfen nicht unter dem Banner des Halbmondes kämpfen. Verlangen etwa unsere lieben Freunde, die Griechen, daß die ganze jüdische Welt griechisch fühlen sollte? Wenn sie gerecht wären, würden sie erklären müssen, daß die Juden Griechenlands ihre Pflicht voll gethan haben, und dankbar anerkennen, daß auch auswärtige Juden dem Philhellenismus im ausgiebigsten Maße fröhnten und über den classischen Griechen die Sünden ihrer entarteten Enkel an Juden ganz vergaßen. Aus Amerika. (D c n Nt a it cn D r. Friedlei n's. — T i e R a b b i n e r- E o u f e r e n z i nM o n t r e a l. — I ü d i s ch - t h e o l o g i s ch e Encyklopädie in englischer Sprache n a ch b e it ts ch e m B o r b i l d c. — B'n a i B'r i t h - L o g e n in P h il a d e l p h i a). Tiefer Tage haben wir einen Mann 3» Grabe getragen, welcher ivährcnd einer langen Lebensdauer stets das Gute gewollt und ihm nnablässig nachgestrebt hat, und einen beträchtlichen' Einfluß auf die lichtvolle Entwicklung des Fndeuthums in Amerika, sowie aus die Hebung des geistigen Strebens im socialen Leben durch seine Thätigkeit in den Aufbau und Ansbau des Ordens B'nai B'rith und des Frauenvereins „Eaecila Lorsch Bildnngsverein" und Orden „Treue Schwestern" Bedeutendes geleistet hat, Tr. E m a n u e l B. F r t e d- L c i n. Auf der im Anfänge dieses Jahrhunderts noch bestehenden jüdischeil Hochschule iu Fürth erhielt er eine gediegene Ausbildung in der talmndischen Gelehrsamkeit und eine gediegene akademische Bildung aus der Universität zu München. Aus einem kleinen Torfe. Allersheim in Unterfrauken, Bauern, stammend, wo er im Jahre 1 St >7 geboren wurde, mußte er sich die Mittel zur Ausbildung durch Ertheilung von Unterricht verschaffen und wurde er Hauslehrer'in der von Hirsch'schen und in der Lorsch'schen Familie, bis er im Fahre k8.'U> mit der letzteren Familie nach Amerika auSwauderte. In der gefühlvollen Leichenrede, die ihm sein Freund und Verehrer Tr. K. Köhler von der Kanzel des TeUipels Beth El widmete, war sein Leben und Wirken, sowie seine Bedeutung für das amerikanische Judenthum trefflich gezeichnet, und dürften die folgenden Stellen von allgemeinem, culturgeschichtlichen Fnteresse fein. „Nicht klagen wollen," sagte der geistvolle Redner, „daß er dahin geht, nachdem er die steile Höhe erklommen, daß er nach den letzten Jahren der Gebrechlichkeit und Altersmattigkeir zur Ruhe gelangt ist, der Natur den Zoll der Sterblichkeit entrichtend, nein, feiern wollen wir, wenn auch in tiefer Ergriffenheit und mit einem Herzen voll Wehmuth den Mann, der zeitlebens für große Ideen, für hohe Ziele, für Wahrheit und Fortschritt, für Licht und Liebe, für Fudenthum und Humanität, für Mauueshoheit und Frauenwürde gekämpft und gewirkt und seinen Siegesgang, feine ruhmreiche Laufbahn nun vollendet hat. Nicht das Schattenbild, das in Nebel zerfließt, die Lichtspuren seines sonnigen Lebens wollen wir uns vor die ^eele rufen und dankbar die hohe Erscheinung, die edle Gestalt, die geistvollen Züge, markigen Worte, die Gedankenblitze und die Gemüthstiefe des seltenen Mannes nochmals vor unserem inneren Auge erstehen lassen, ehe wir die entseelte Hülle der Gruft übergeben. Und mit König Tavid, der den Tod des Feldherrn Adner betrauert, rufe ich aus: Wißt Ihr nicht, daß ein Fürst und ein Großer in Israel heute gefallenEr bekleidete kein Amt und trug keinen Talar unser Tr. Friedlein, aber da wirkte kaum ein Theologe und organisirte sich kaum eine südische Gemeinde oder Genossenschaft im amerikanischen Israel bis vor io —lö Fahren, die seinen Einfluß nicht verspürte, die nicht Anregung und Warnung vou ihm empfingen. Schon in Tentschland, in München, wo er Lehrer und Erzieher einmal im Baron Hirsch'schen Hause und später im Hause Lorsch war, schaarte er, der ehemalige preisgekrönte Talmudjünger der Fürther Hochschule, sich um die Fahne der Reform und entfaltete er an der Spitze eines Vereines die Fahne des Fortschritts im Geiste Abraham Geiger's. Und seitdem er im Jahre 1R50 mit der Lorsch'schen Familie nach Rew-Pork überfiedelt, hat sich unser Freund unbeirrt und unverändert als gesinnungstüchtiger Bannerträger und Mitstreiter der echten, ehrlichen und principientrenen Reform in Wort und Schrift bewährt. Ob Geschäftsmann oder Lehrer, er blieb ein wackerer Kämpfer für Licht und Aufklärung, ein unerbittlicher Feind aller Heuchelei und hegte alteret Pläne im Fnteresse von Volksbelehrung und Reform. Aber erst die Ankunft Tr. Einhorn's, des Jngendgenossen aus der Fürther Periode, verlieh seinem Streben und Schaffen den vollen Ausdruck und er ward diesem Gottesmann, diesem Feuergeist, diesem Moses, ein williger Aaron. Er pflügte den Acker, daß die Lichtsaaten Einhorn's auf empfänglichen Boden fielen. Er bearbeitete die Herzen, weckte die Geister, rührte die Trommel, sammelte Leser, Beter, Abonnenten, daß von Baltimore aus der „Sinai", das Gebetbuch und Religionsbuch Einhorn's, Eingang fanden in die Familien Rew-Aork's. Und wie wuchtig stritt er in den jüdischen Blättern, namentlich in den „Jewish Times", an der Seite Einhorn's gegen die Unehrlichkeit und Principienlosigkeit der Halben und Scheinheiligen. Er war ein Mann von fester Gesinnung und von hohen Idealen. Mächtiger noch als im Parteikampf wirkte er auf viele der jüngeren Theologen durch seine eindringlichen Worte, denn er verband in seltenen! Grade Weisheit und scharfblickende Menschenkeuntniß mir einer glühenden Begeisterung für alles Menschlichhohe, Schöne und Edle. . . . lind so er hat denn besonders Segensreiches auf dem Gebiete geleistet, wo sein Freund und einstmaliger Geschäftscompagnon Henry Ioues als Gründer sich Unsterblichkeit errungen — im B'nai B'rith- Ordcn. Tiefer Orden, der heute eine internationale Bedeutung errungen, hat fteilich unter veränderten Verhältnissen eine andere Physiognomie angenommen und nur die ältere Generation weiß noch die ehemaligen Bestrebungen und Leistungen wohl zu würdigen. Es hat unstreitig hohe jüdische Ideen und Ideale im Orden verbreitet und Einhorn'sche Reformgedanken durch die Eultformen oder Riten in Eours gebracht. Auf einem Gebiete aber hat Tr. Friedlein ganz besonders erfolgreich als Reformer, ja als Pionnier gewirkt. — Es ist das Gebiet der Frauenerziehung, der Frauenmission. Was heute sozusagen iu der Luft liegt und im amerikanischen Wesen begründet zu sein scheint, das wagte der Verewigte vor vier oder fünf Jahrzehnten bereits mit prophetischer Stimme zu verkünden: Tie Seele des Weibes muß zu größerer Anerkennung, zu höherer Selbstentfaltung gelangen. Und er war ganz besonders dazu geschaffen, diesen Ruf zur Geltung zu bringen. Wie er vom Meister Goethe den Kopf und den persönlichen Magnetismus besaß, so hatte er auch ein Stück von dem Goethe'schen Geist, der für das Schöne und Maaßvolle des Weibes Herzenssaiten zu stimmen weiß, um es so mit der Würde seines höheren Berufes zu erfüllen. So hat er den Orden der „Treuen Schwestern" mit weiser und fester Hand neu organisirt und geleitet und zu einem einflußreichen Organ und Hebel der Erziehung und Belehrung gemacht. Eine große Schaar von Trauernden und Verehrern des Meisters gab der sterblichen Hülle das Geleite — die Beamten und das General-Eomirä der Großloge, die Beamten der Frauen-Großlogc und eine Schaar von Frauen, die nach Hunderten zählte, die mit Liebe und Hochachtung stets auf den Verblichenen als das hohe Vorbild eines der Sonnenhöhe znstrebenben Geistes blickten. Tie Eenrral-Eonferenz amerikanischer Rabbiner, welches dieses Fahr in Montreal, Eanada tagte, wurde am Tienstag Abends von dem Rabbiner Tr. F. M. Wise von Einciunati eröffnet. Rabbiner Wald von Montreal hielt eine Begrüßungsrede und der Gouverneur von Onebcck, Sir Joseph Adolphe Ehaptnan, sowie Hon. Joseph Israel Tarte, Minister der öffentlichen Arbeiten, bewilikommneten die Gäste auf canadiscbem Boden. Ter Mayor von Montreal, R. Wilson Smith, sonne James Ouerin, Mitglied der Tominal-Regiernng, hielten ebenfalls Ansprachen. Ter Präsident machte in seiner Botschaft die folgenden Vorschläge: t. die Errichtung eines Buch-Verlags, behufs Vertriebs von Werken religiöser oder religionsfördernder Natur, 2. die Bearbeitung und Veröffentlichung einer Encyklopädie hebräischen, resp. biblischen und rabbinischeu Wissens in englischer Sprache, ähnlich der von Tr. Hamburger, Landesrabbiner zu Strelitz-Mecklenburg, herausgegebenen Encyklopädie in deutscher Sprache. Er machte ferner auf die Zionisten-Bewegnng aufmerksam. Er sagte: „Politiker haben die (Gelegenheit wahrgeuommen, und einer von ihnen, ein gewisser Tr. Herzl, bat den Vorschlag gemacht, sofort die Errichtung eines Judenstaates in die Hand zu nehmen, und er verstand es, das Project so plausibel zu machen, daß viele davon ergriffen wurden. Wir wollen Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit haben in der Regierung und Verlvaltung der Läuder, Ltaateu und Municipalitäten. Tieies besitzen wir in vollem Maaße und die messianische Bewegung ,enseits des Oceans berührt uns nicht." Von einer Zeitung in Montreal interviewt, sagte er: „Wir — die Eonferenz — repräsemiren das moderne und liberalisirte Judenthnm, und damit ist "Alles gesagt. Unsere Lehren sind so ziemlich dieselben, wie die des orthodoxen Judeurhums, aber wir glauben nicht, Gebete sprechen zu müssen, die vor tausend Fahren am Platze lvaren, als die Juden noch eine unterdrückte und verfolgte Race waren und ihre einzige Hoffnung in dem Gedanken gipfelte, Jerusalem wiederhergestellt zu sehen. Wir differiren hauptsächlich in den praktischen Uebungen. Man nennt uns zuweilen Rationalisten und das ist in gewissem Sinne der Name, der uns gebührt. Tic erste Kirche war rationalistisch, indem sic gegen das Heidenthum Protest einlegte. Wir sind Rationalisten, indem mir uns weigern, Eeremonien zu üben, die iu keiner Weise dem modernen Leben und der modernen Erfahrung entsprechen. Wir glauben an Moses und die Propheten, aber wir beanspruchen das Recht der persönlichen Auslegung. Wir glauben verschiedene Tinge in unterschiedlicher Weise. Tie Bibel wird von den Ehristeu in anderem Lichte betrachtet, als vor 25 Jahren. Und wir Juden sind nicht mehr in dem Ghetto eingepfercht. Wir sind freie Bürger, genießen alle die Privilegien der Eivilisation, welche in ihrem eigentlichen Wesen mosaisch sind". Tie B'nai B'rirh-Logen Philadelphia's haben ein großartiges Volksfest im Plane, welches am 11. August im Washington Grove Park an den Ufern des Telaware abgehalten werden soll. Repräsentanten der verschiedenen Logen sind eifrig mit den Vorbereitungen beschäftigt und als ein Hauptanziehungspunkt wurde der bekannte Rechtsanwalt und Volksredner Reverend R. Levi von Galveston gewonnen, welcher eine längere Ansprache halten soll. Musik, Tanz, Volksipiele! Werden ihren Platz in dem reichen Programm haben.