Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 31 (30.7.1897)
- Date
- 1897-07-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/3020846-3021169-3021200--06970-3031276- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 632 Vr. Vloch's WochrnfchrM Nr. 31 sition der „jüdischen Priesterschaft" uufaßlich. Wir bitten ihn, seinen eigenen Artikel noch einmal durchzulesen, und er wird fassen, daß die schönen Pläne unausführbar sind, daß sie uns in civilisirten Ländern den Kampf um die Gleichberechtigung erschweren, daß sie die Noth der Elenden noch steigern, indem sie nach einem kurzen Rausche diese Armen nur neuen Enttäuschungen entgegenführen. Die Juden im griechisch-türkischen Kriege. Es ist eine geschichtlich feststehende Thatsache, daß die Inden, seitdem sie wieder zur Militärpflicht herangezogen werden, in dem Staate, dem sie angehöreu, ihre Militärpflicht getreu erfüllen. Um nur aus der neuesten Zeit einige Beispiele anzuführen, fochten über 12.000 Inden in den Reihen des österreichischen Heeres, als es dem ftanzösischen Heere gegenüber stand, während diesem allein 350 Ofsiciere angehörten, waren im Kriege von 1866 20.000 Inden in beiden Heeren unter Waffen, und standen im Krimkriege massenhaft Inden in den feindlichen Heeren einander gegenüber. Und sie verhielten sich in allen diesen Kriegen mindestens ebenso tapfer wie ihre nichtjüdischen Kameraden. Nichtsdestoweniger haben immer die Judenfeinde auf beiden Seiten in bewußt falscher Auffassung der Solidarität der Juden als Religionsgenossenschaft ihnen jeden Patriotismus abgesprochen und es ihnen in allen diesen Kriegen vorgeworfen, daß sie es mit dem Feinde halten, wenn bei diesem Vorwurfe auch die Lächerlichkeit herauskommt, daß z. B. in dem letzten großen Kriege in Frankreich den Juden vorgeworfen wurde, sie seien deutsch, und in Deutschland, sie seien französisch gesinnt. Derselbe bewußt lügnerische Vorwurf wird jetzt wieder den jüdischen Unterthauen Griechenlands in Bezug aus ihr Verhalten in dem seinem Ende nahen griechisch-türkischen Kriege gemacht. Die Griechen sind bekanntlich keine Freunde der Juden als Concurrenten im Handelssache, obwohl es heißt, daß hinsichtlich des mercantilen Genies zehn Juden auf einen Griechen gehen. Die Ereignisse von Damaskus und Corfu sind zwei, zwar um mehr als ein halbes Jahrhundert auseinanderliegende- Zeichen griechischer Gesinnung gegen die Juden. Und die Juden müssen jetzt herhalten, um die Erbitterung über die erlitteue Niederlage auslassen zu können und die Schande über ihr schreckliches Deficit an Muth vergessen zu machen. Die Juden werden als Verräther und Räuber und als wesentliches Hinderniß für den Friedensschluß hingestellt. Die Juden von Larissa sollen die Häuser und Magazine geplündert und sich dann in das türkische Lager geflüchtet haben; die Inden Thessaliens sollen es gewesen sein, welche an den Sultan petitionirten, die eroberte Provinz zu annectiren. Diese Lügen verbreitete auch der officiöse Telegraph, der überhaupt in diesem Kriege das Lügen professionell betrieb. Es ist der umgekehrte Fall. Bei Beginn der Feindseligkeiten auf Kreta war das erste, daß die griechischen Insurgenten über die wenigen reichen Juden herfielen und sie ausplünderten. Unmittelbar nach der Kriegserklärung wurden in Arta (Epirus) die Juden überfallen und ihrer Habe beraubt. Sie flohen nach Corfu, wo sie von der kärglichen Unterstützung der jüdischen Gemeinde ein elendes Leben fristen. Ebenso erging es ihnen in Mederthessalien. Ausgenommen war nur Thessalien von Dornokos an gerechnet, wo den sichersten Zufluchtsort für die Juden das türkische Lager bildete, wo sie entgegenkommend behandelt wurden. Und gerade die Juden haben die Griechen an Patriotismus beschämt. Unparteiische Berichterstatter erzählen die Thatsache, daß am 13. und 14. Mai die Juden es waren, welche unterstützt von den Garibaldianischen Freiwilligen, die griechischen Soldaten, die noch vor dem Kampfe fliehen wollten, an ihrem Vorhaben hinderten. Die Juden als griechische Unterthauen erftillten in diesem Kriege ihre staatsbürgerlichen Pflichten in ausgiebigstem Maße. Mitsammt den Inseln zählt Griechenland etwa 15.000 Juden, und davon sind sicherlich 1500 im Feld gestanden und haben Tüchtiges geleistet, die gemeinen Soldaten, wie die wenigen jüdischen Officiere. Von diesen sei nur erwähnt der Admiral Rernach, der die hellenische Flotte in den kretensischen Gewässern commandirte und so energisch gegen die europäischen Mächte vertheidigte. Wer auch die Juden fremder Länder haben dem unter der Jugend besonders grassirenden Philhellenismus ihren Tribut gezollt und waren unter den ftanzösischen und italienischen Freiwilligen sehr viele jüdische Studenten, die so heldenmüthig kämpften, daß bei Prevesa allein 15 Juden unter den Gefallenen und fast ebensoviel Verwundete waren. Ein Garibaldianer bringt in der „Jüdischen Presse" die Namen der jüdischen Freiwilligen der Colonne M e r r e m nach einer in ver „ludspeudenee di Brindisi" vom 6. Juni veröffentlichten Liste in welcher aber diejenigen, die nach dem Rückzuge von Kiaffa am Typhus gestorben sind und Diejenigen, die sich in Zaworda der neugebildeten Colonne B e r t h e t anschlossen, nicht inbegriffen sind, Juden in der genannten Colonne waren: Etat-Major Alarico S i l v e st r i, Secretair, aus Rom (gefallen), Ezelino M a g l i, Sergeant aus Bologna, Della Mare Mivcea, Sergeant aus Transsylvanien, Vivaldi Fernando aus Polterra, I. Compagnie: Salvatore Calleriani, Sergeant aus Caltasinctta; Salvatore L u a t r o ch i aus Messina, Samuele Eucinotta aus Messina, Scipione Grandi aus Neapel, Gisilio R o s s i aus Verona, Giuseppe Arie aus Nom, Teodore M a r u l l i aus Ostiglia, Angela E a i r o l i aus Nom (verwundet); II. Compagnie : Elloro P a n s e r i, Unterlieutenant aus Bergamo (gefallen), Allexandre G a b b i, Sergeant aus Cremona, Serre A l e x a n d r c, Lorcnze E a st c l l a n e, Curica G a l l i aus Florenz; Ernesto V e rr u c c i aus Ascoli Pieno, Giuseppe B r u s ch i aus Bologna Solani, Augiolo F a l ch i, Alberto P a u s e v i aus Bergamo (verwundet); III. Compagnie; Daniele L e v i aus Triest, Achilie De p a c e aus Brindisi (verwundet), Josef M a r c o u B a r u ch aus Paris, Fernando Pievo Ricci aus St. Stefano (verwundet), Giuseppe Pinna, Giuseppe De Marco aus Palermo, Emil Ruffet aus Paris, P o l o n i a aus Turin; IV. Compagnie: Luigi C a p u a n i, Lieutenant, aus Turin (verwundet), Carlo Prior aus Venedig, Giuseppe G i b e l l i aus Mailand, Edvardo Forte aus Savoyenj Ugo F al a u g o l a aus Nom, S i m o u i aus Veuetien, Emil S o w e h i u i aus Mailand, Loreuzo F r a u ch i (verwundet); V. Compagnie: Luigi M i n i o aus Venedig, Paolo D a l l' O p i o aus Ravenna (verwundet), Ugo S i l v e st r i n i aus Castel Balognete (gefallen), Ugo B u b a u i aus Florenz, Pirro R i c ch i und Marco G r a s s i n i aus Forli. Von den vorstehend genannten jüdischen Freiwilligen haben sich besonders ausgezeichnet: Emile Ruffet, ein 16jähriger Jüngling, der in Paris geboren ist und jetzt in Bukarest lebt. Er und Daniel L e w Y aus Triest, jetzt in Bosnien ansäßig, waren anfangs bei den Aufständischen in Kreta, dann mit Amilcar Cipriani in Macedonien und dienten, seitdem der Krieg erklärt war, unter Garibaldi. Nach der Schlacht von D o m o k a, so erzählt der Garibaldianer in dem Berliner Blatt, kamen wir, nachdem wir zwölf Kilometer weit unsere Verwundeten unter dem fürchterlichsten Geschütz- und Kanonenfeuer fortgeschleppt, hungrig und matt in unserer Kaserne an. Plötzlich bemerkte man, daß Cipriani fehlt. Man mußte ihn suchen. Ruffet und Lewh erboten sich zu dieser schweren Aufgabe. Sie liefen unter dem ununterbrochenen Donner der Geschütze die zwölf Kilometer zurück, fanden den alten Kolonel der Commune fast leblos mit zerschmetterten Beinen und brachten ihn wiederum in die Stadt. Lewy erhielt den Grad eines Sergeant par merite de guerre, Ruffet wurde zum Corporal, Josef Maron B a r u ch zum Sergeanten, Salvatore Caller a n i und G r a s s i u i zu Lieutenants, Samuel C u c in o t t o zum Corporal und G i b e l l i zum Unterlieutenant ernannt. In den anderen Colonnen habe ich nur folgende Glaubensgenossen kennen zu lernen Gelegenheit gehabt: Cesar di V e r o l i aus Rom, der unter Berthet focht. Er erzählte mir, daß in seiner Colonne mehrere Juden standen. In der Colonne, die Ricciotti commandirte, befanden sich die Juden: Eapitain E s d r a, Lieutenant Ster u, Lieutenant Della Rocca, Lieutenant Franchett i, Unterlieutenant Di C a e n, Cvmmandant F r a n k i n i und Andere. Unter Ricciotti gab es noch drei andere Fremdenlegionen. In der englischen standen mehrere Glaubensgenossen aus London, in der griechischen Legion waren etwa 20 Juden aus Egypten und den Inseln. Während der Schlacht von Domoko hat sich aus der Colonne Ricciotti durch die seltsame Gefangennahme von fünf Türken ein junger jüdischer Sergeant, Gustav F i l l o n aus Paris, hervorgethan, welcher trotz seines jugendlichen Alters bereits in Dahomey, Tonkin und Madagascar gekämpft hatte. Er wurde auf dem Schlachtfelde zum Feldwebel ernannt. Auch die Legion alter französischer Soldaten zählte mehrere Juden. Fast alle jüdischen Freiwilligen trugen Mesusas bei sich, wodurch sie sich den Glaubensgenossen zu erkennen gaben. Je mehr die Judenfeinde jetzt den Muth und die Tapferkeit der Juden zugeben müssen und nicht mehr über „jüdische Feigheit" witzeln können, destomehr versuchen sie, es jetzt, den